Faculty Meetings with Rudolf Steiner II
GA 300c — 25 May 1923, Stuttgart
Vierundfünfzigste Konferenz
Aus Berlin anreisend, sprach Rudolf Steiner am 25. Mai bei der dritten ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins «Freie Waldorfschule». Er blickte auf die ersten vier Jahre der Waldorfschule zurück und stellte eine «Umstülpung» des Waldorfgedankens fest. Begann die Schule mit 250 Schülern als sozialer Impuls, so sei dieser jetzt, wo die Schule fast 700 Schüler zählte, zu einem pädagogisch-didaktischen Impuls geworden. «Und heute suchen die Eltern, die ihre Kinder in späteren Zeiten hergebracht haben, die Waldorfschule im Wesentlichen eben wegen dieser Pädagogik und Didaktik auf.»
Er bemerkte, dass es bei Lehrern und Eltern eine Sehnsucht nach dieser Pädagogik und Didaktik gebe, «was tief in unserer Zivilisationsentwicklung als Forderung sitzt». Er hoffe darauf, dass der «Waldorfgedanke» sich so tief im Gegenwartsleben verankere, dass auch die finanziellen Mittel dafür zu fließen begönnen. «Im Lehrerkollegium ist etwas erhalten, wovon ausstrahlt der ganze Waldorf-Impuls, wie da aus dem reinsten Enthusiasmus doch eben ein starkes Wollen sich in die Welt setzt [...]» (GA 298, 5.161)
Themen: Steiner stellt Mathematikaufgaben vor. Interpunktionsfragen. über die Emanzipation vom Geiste der Schwere. Von der Bedeutung guter Umgangsformen in der Schule. Über die Wirkung des Nahrungsergänzungsmittels. Gartenbau nur bis zur 10. Klasse. Karmische Hintergründe der Linkshändigkeit.
Bemerkungen: Bei dem Teil über die Linkshändigkeit wird über die verschieden gelagerten Kräfte des Ätherleibes und AstraIleibes, links und rechts gesprochen. Die Bewegungen (die Drehungen der Wesensglieder) dazu werden erläutert in «Anthroposophie, Psychosophie, Pneumatosophie», Vortrag vom 26. Oktober 1909, Berlin, GA 115, Dornach 2012, S. 58-60.
Das Nahrungsergänzungsmittel (später «Kalknährsalz» genannt) wurde knapp drei Monate verabreicht (siehe Konferenz Nr. 47 vom 14. Februar 1923, Band II). Die Produktion des Mittels war möglich geworden dank einer großen Spende, die Steiner von Frau Rieger bekommen hatte (siehe Konferenz Nr. 48 vorn 1. März 1923).
RUDOLF STEINER: [Wir sind kurz nach Schulanfang.] Wir wollen in diesem, wahrscheinlich sehr bedeutungsschweren Jahre sehen, wie die Dinge stehen. Was haben Sie zu berichten?
WALTER JOHANNES STEIN fragt wegen der Anschaffung eines Geschichtsbuches für die 12. Klasse.
RUDOLF STEINER: ES ist doch so, dass die Kinder etwas wissen müssen. Der Geschichtsunterricht in der letzten Klasse [der Mittelschulen] ist meist eine Art Wiederholung. Das ist auch bei uns der Fall. Wäre es denn nicht möglich, den Kindern durch Notizen den gelernten Stoff so nahezubringen, dass ein eigentliches Lehrbuch entbehrlich wäre?
Sehen Sie, es ist von außerordentlicher Wichtigkeit, dass man diese Methode pflegt, mit möglichster Ökonomie gerade dasjenige zusammenzustellen, was behalten werden soll. Ich selbst erinnere mich mit großer Freude, wie wir durch alle Klassen hindurch kein Geometriebuch gehabt haben, sondern dass das Wesentliche zusammengefasst worden ist durch ein Diktat. Solch ein selbst geschriebenes Buch ist von vorneherein etwas, was ungeheuer viel dazu beiträgt, dass man das auch weiß, was darin steht. Es ist selbstverständlich, wenn die Kinder alles das erst lernen müssen, was sie brauchen, so könnte man das nicht machen. Wenn die Dinge fruchtbar gemacht würden, dann wäre es möglich, dass die Dinge zusammengefasst würden, welche die Kinder wissen müssen. Der zu prüfende Stoff aus der Geschichte ist auf fünfzig bis sechzig geschriebenen Seiten enthalten. Es ist klar, dass niemand, selbst der ein Fachmann in der Geschichte ist, im Augenblick das bei der Hand hat, was im «Ploetz» darin steht. Es ist nur eine Illusion, wenn man so ein Buch den Kindern in die Hände gibt. Das sind bloß Titelüberschriften, während man auf fünfzig bis sechzig Seiten den Stoff zusammenfassen könnte. Es könnte der Wunsch auftauchen, bei allen Unterrichtsgegenständen solche Bücher zu haben; [davon sollte man absehen].
Bei diesen Dingen kommt es an auf das Ökonomische des Zusammenfassens. In den Schulen wird es so gemacht, dass die Kinder unterstreichen müssen, was sie büffeln sollen. Sie müssen schon in ihrer Zeit die Sachen bewältigen.
[Von der 10. Klasse ab ein solches Geschichtsheft diktieren.]
CHRISTOPH BOY fragt nach den Epochenheften.
RUDOLF STEINER: Im Anschluss an die Stunde soll man das Diktat geben über den durchgenommenen Stoff. [Das Diktat] mit den Kindern zusammen aufbauen. Man kann in der einen Stunde die Sache schriftlich zusammenfassen und das in der nächsten Stunde wiederholen. Stichsätze lieber als Stichworte.
[Wie lässt sich die 12. Klasse in der Mathematik an?]
HERMANN VON BARAVALLE: [Wirklich gut. Der Stoff ist fast bewältigt.]
RUDOLF STEINER: Ich zweifle gar nicht [daran], dass sie in diesen elementaren Dingen der höheren Mathematik genug können. Ich würde [in der 12. Klasse] fragen, ob sie ohne Weiteres diese Prüfungsaufgaben lösen können:
Es ist gegeben ein schiefer Kegel. Die Achse sei (a), der Neigungswinkel dieser Ebene mit der Grundfläche (\alpha), Radius (\rho). Zu berechnen ist die Höhe des Kegels und die größte und kleinste Seitenlinie. (9x^2 + 25y^2 = 225). Die beiden Koordinaten sind (x = 5), (y = 2). Zu suchen ist die Gleichung der Tangente und die Länge der Tangente.
Es könnte sein, dass sie zeichnerisch lösen müssten: Es ist der geometrische Ort aller Punkte zu suchen, die von einem gegebenen Punkte und von einer gegebenen Ebene gleich weit abstehen.
Dann dies: Es ist die Schattenfigur einer durch einen Kreis be-grenzten Ebene auf einem Kegel zu suchen.
Dann: Würden die Schüler konstruieren können eine Zykloide?
Es ist doch notwendig, dass die Kinder sich gewöhnen, deutsche Aufsätze zu machen. Es könnte der Lehrstoff selbst verwendet wer den zu Aufsätzen. [Zu Erich Schwebsch:] Das ist glänzend, wenn sie [Sie?] das können.
ERICH SCHWEBSCH: Mir scheint, dass man den Kindern etwas von der Technik eines Aufsatzes sagen. muss.
RUDOLF STEINER: An den Fehlern zeigen, wie es sein soll, [auch stilistisch]. Das theoretische Auseinandersetzen von Dispositionen würde ich nicht machen. Das kann zum Verderben führen, wenn die Kinder schlechte deutsche Aufsätze liefern.
ERICH SCHWEBSCH: Die Interpunktion ist nicht in Ordnung.
RUDOLF STE1NER: Sie werden nicht leicht eine vernünftige Methodik finden, das den Kindern beizubringen. Diese Frage müssen wir pädagogisch untersuchen, Dazu gehört die Voraussetzung der Interpunktion überhaupt. Diese Frage ist etwas, was wir pädagogisch behandeln müssen. Für die nächste Konferenz muss ich das vorbereiten. Es scheint keine naturgemäße Methode zu geben, die Interpunktion zu rechtfertigen. Unsere deutsche Interpunktion ist auf Grundlage der lateinischen entstanden und sehr pedantisch. Das Lateinische hat eine logische Interpunktion. Im mittelalterlichen Latein entsteht sie, [beim Übergang ins Mittelalter. Im klassischen Latein gab es keine].
«Im Reich der Interpunktionen» von Morgenstern. [Interpunktion] ist etwas, was in gewissen Jahren nicht zu verstehen ist, weil es ganz intellektualistisch ist. Das Komma vor «und» ist erst nach vierzehn Jahren zu verstehen; dann aber begreifen die Kinder es ohne Weiteres. Dass es in diesen Dingen keine höhere Ratio gibt, das zeigt das Buch von Herman Grimm. Man kann nicht sagen, dass es falsch ist. Lesen Sie Herman Grimms Raphael-Buch, den Anfang, [Er setzt immer gleich einen Punkt.] [Lesen Sie] auch einen Aufsatz, in dem ihm ein Schulmeister die Fehler korrigiert hat. Grimm hat darauf geantwortet. Das ist eine sehr lehrreiche Auseinandersetzung. Im Bande Essays, der der letzte ist: «Aus den letzten zehn Jahren». Lehrreich ist es auch, einen [faksimilierten] Brief von Goethe sich in die Hand zu nehmen. [Goethe konnte keine Interpunktion.]
CLARA DÜBERG fragt wegen des Zusammensetzens von Buben und Mädchen.
RUDOLF STEINER: Es ist besser, wenn solche Abneigungen bestehen, dem Rechnung zu tragen.
CHRISTOPH BOY fragt wegen Rundschrift.
RUDOLF STEINER: Rundschrift kann man machen.
Es war eine Klasse geteilt worden, und der neue Klassenlehrer meinte, er habe fast alle die schlechten Schüler bekommen. HERBFRT HAHN [der Klassenlehrer] fragt wegen der Kinder Sch., und RUDOLF TREICHLER berichtet darüber. Teilung der Klassen 6a und 6b, Johannes Geyer und Rudolf Treichler.
RUDOLF STEINER: Ich verstehe nicht recht, wie diese Meinung entstehen könnte. Warum trennen wir nicht so, wie es sein müsste, damit es unmöglich wird, eine solche Interpretation zu haben? Es ist gar kein Grund, anders zu trennen als nach dem Alphabet. Das ist besser, als wenn man in eine Klasse die Besseren nimmt und in die andere die Schlechteren.
FRITZ VON BOTHMER: Der W. will nicht turnen und nicht Eurythmie machen wegen seiner inneren Entwicklung.
RUDOLF STEINER: Wenn der kleine W. diese Sache anfängt, dann ist das der Weg, so zu werden wie sein [älterer] Bruder. Er muss dazu bewogen werden, den Unterricht vollständig mitzumachen. Das ist Faxerei! Wenn man ihm nachgibt, wird er so wie sein Bruder. Es geht nicht an, dass ein Schüler ohne wahren Grund nicht alle Stunden mitmacht.
FRITZ VON BOTHMER: Die letzten zwei Klassen wollen an das Turnen nicht heran. Sie kommen so ungern in die Stunde herein, dass ich mich peinlich berührt fühle.
RUDOLF STEINER: Etwas liegt daran, dass die Kinder das Turnen nicht gehabt haben. Es ist etwas, wovon sie nicht wissen, warum sie es [jetzt] haben sollen. Das wird auch nicht zu überwinden sein. Das ist ein Fehler in den Einrichtungen der Waldorfschule gewesen; da wird immer etwas zurückbleiben.
Dagegen wäre es schon möglich, dass wir etwas tun, worauf wir schon vor einigen Jahren Wert gelegt haben — Herr Baumann ist ja damals zum Disziplin- und Anstandslehrer avanciert —, dass wir etwas Rücksicht nehmen würden auf die Umgangsformen. Da fehlt es in den höheren Klassen. Sobald man dies pedantisch macht — es braucht nicht einmal pedantisch zu sein —, wird es ungemütlich, gerade für diese Jungen etwas ungemütlich. Es müssen diese Formen mit Form getrieben werden! Und zwar mit [einem gewissen] Humor! Das ist eine Sache, die ich noch nicht genügend berücksichtigt finde, dass mehr Humor hineinkommt. Nicht Spaßigkeit, aber dass eine humorvolle Handhabung in die ganze Schulführung hineinkäme. Es ist doch so, dass unsere Freunde zu wenig aus sich herausgehen.
Es ist schon richtig, dass das vorhanden ist, der Waldorfschul-Geist; [der ist da]. Aber auf der anderen Seite ist es so, dass man die innere Überwindung des Menschen durch die Anthroposophie — Anthroposophie ist selbst ein Mensch, aber keine Vielheit, sondern in jedem ein [anderer] Mensch. Nun kann man ganz aus sich heraus durch die Anthroposophie. Da könnte noch manches geschehen. Dass nicht der [Herr] Stockmeyer in der Klasse steht oder das Fräulein Bernhardi, sondern [die] durch Anthroposophie umgewandelten Stockmeyer und Bernhardi. Es könnten ebenso gut auch andere [Namen genannt] werden. Diese Emanzipation vom Geist der Schwere muss weitergehen. Der Geist der Schwere herrscht noch etwas in den Klassen. Der muss heraus! Ernst ist richtig, aber der philiströse Ernst muss heraus aus den Menschen! [Das Überwinden des Menschen durch sein höheres Ich], das ist dasjenige, was wir haben müssen, um erst dahin zu kommen, dass die Kinder [uns] nicht damit kommen, dass wir kein Recht haben, ihnen [über ihr Benehmen] etwas zu sagen. Die Lehrer müssen sich gegenseitig abschleifen. Stein lässt die Dinge sicher so, dass sie die Hände in den Hosentaschen lassen. Sie dürfen nicht der eine alles durchgehen lassen, der andere fortwährend ermahnen. Es muss Stil im Unterricht sein, dass [ein] Zusammenwirken auch zustande kommt. So etwas könnte auch Gegenstand der Konferenz sein, die Sie ohne mich haben.
Es wird über das Benehmen eines der größeren Mädchen berichtet.
RUDOLF STEINER: Das Mädchen sagte Ihnen: Gott sei Dank! Sie wird wohl am Nachmittag einen Tee [gehabt] haben; da kann ich mir wohl vorstellen, dass sie nicht turnen will. Man muss sich über die Ungezogenheiten der Kinder [hinwegsetzen]. Der Stein würde es von dem Mädchen genial finden, Sie finden es ungezogen. Es ist so oft schon vorgekommen, dass andere [Lehrer] nicht die mindeste Ägriertheit gezeigt haben. Das verstellen die Kinder nicht. Wir haben nicht den Stein zum IvIanierlehrer. Formen sind etwas, was auf die moralische Verfassung Einfluss hat, [was sich in der späteren Entwicklung in das Moralische hinein auswirkt]. Es strahlt zurück. Es braucht nicht Kastenform zu sein.
Da müssten wir achtgeben auf dieses Überwinden des Momentes, auf das Überwinden des Menschen durch sein höheres Selbst. Je mehr wir entlastet werden, desto mehr wird es möglich sein.
In Norwegen haben die Lehrer dreißig Stunden. Wir kommen heuer dazu, dass einzelne unter zwanzig Stunden haben. je weniger Stunden einer hat., desto mehr kann er sich vorbereiten; auch in der Weise, dass die individuellen Eigenheiten ausgelöscht werden. [Nicht unsere Individualitäten sollen wir auslöschen, sondern unsere individuellen Eigenheiten.] Gehen lassen sollte man sich als Lehrer gar nicht.
[FRITZ VON BOTHMER: Soll der F. K. turnen?]
RUDOLI STEINER: Der F. K. soll turnen und auch etwas Heileurythmie machen.
[...] [Zwischenbemerkungen von Strakosch und Steiner]
EUGEN KOLISKO: Was soll der F. K. machen?
RUDOLF STEINER: Alle möglichen konsonantischen Dinge, in nicht zu kurzen Zeiträumen. Es nicht sehr lang machen, aber alles durch. Er ist eigentlich innerlich organisch verkrüppelt.
FELICIA SCHWEBSCH fragt wegen eines Schülers der oberen Klassen, der sehr leise spricht.
RUDOLF STEINER: ES wäre gut, wenn man ihn inn memorieren lässt, aber möglichst dichterisch geformte Sprache, oder sonst irgendwie geformte Sprache.
Es wird gefragt nach dem Gartenbauunterricht in den obersten Klassen.
RUDOLF STEINER: Gartenbau [machen wir] nur bis zur 10. Klasse. Pfropfen würden die Kinder gerne machen. Wenn sie ins Mysterium des Pfropfens eingeführt würden, werden sie es wohl gerne machen.
EUGEN KOLISKO: Hundertsiebzig Kinder haben das Unterernährungsmittel genommen. Hundertzwanzig habe ich untersucht. Die meisten sehen besser aus. Achtzig haben ein bis zwei Kilogramm zugenommen.
RUDOLF STEINER: Für die kurze Zeit ist das [nicht schlecht].
EUGEN KOLISKO Stellt eine Frage nach Lungentuberkulose.
RUDOLF STEINER: Bei [Kindern mit] Lungentuberkulose [ist meist auch] der Darm infiziert. [Deswegen muss man bei Lungenaffektionen] untersuchen, ob hier nicht auch [Darmtuberkulose im Anzuge ist], weil Darmtuberkulose nicht allein [?] kommt in diesem zarten Alter. [Da wird man am besten] vorn Darm aus heilen.
[Bei Darmtuberkulose und Bauchspeicheldrüsen-Tuberkulose]: Den Saft einer halben Zitrone [nehmen auf ein Wasserglas Wasser] und damit Prießnitzumschläge [machen] auf den Unterleib über Nacht. Auch die Anti-Tuberkulosemittel I und II. Möglichst warme Sachen essen, [möglichst] kein tierisches Fett. Warme Eier, warme Getränke, [zum Beispiel] warme Limonade; möglichst warm.
EUGEN KOLISKO: [In der Beurteilung der Kinder nach] Großköpfen und Kleinköpfen gibt es Schwierigkeiten.
RUDOLF STEINER: Sie werden noch stark eingehen müssen auf den wirklichen Sachverhalt. Es verbergen sich so viele Dinge. Es kommt vor, dass sich das bei einem Kind erst später zeigt.
Der kleine H. und H. H. Ich glaube doch, dass der Begabung hat. Sie stecken so darinnen, dass man sie auf besondere Weise pflegen muss. [...] [Über Stundenplanfragen.]
Jetzt hätte ich gerne von den 1. Klassen gehört. Schnappen sie ein, die Kinder? Die Psychologie der L Klasse müssen wir klassenweise aufwärts verfolgen, Jede Klasse ist eine Individualität. Diese beiden ersten Klassen sind interessante Individualitäten. [Lücke in der Mitschrift] oder ob es innerlich große Freude macht.
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Die Kleinen sind originell. Sie sind wie Mehlsäcke und doch originell.
RUDOLF STEINER: Sie müssen sich klar werden, dass die Brüllerei nur scheinbar ist. Sie müssen den Eifer nur herausfinden.
Es wird gefragt, ob man den Kindern die Linkshändigkeit abgewöhnen soll.
RUDOLF STItINER: In der Regel, ja! Man kann linkshändige Kinder in jungem Alter, [etwa vor dem neunten Jahr], noch in allem Schulmäßigen an Rechtshändigkeit gewöhnen. Es würde nur richtig sein, das nicht zu machen, wenn es schädlich wirken könnte, was in wenig Fällen der Fall sein wird, Die Kinder sind keine Summe, sondern eine komplizierte Potenz. Wenn man bei den Kindern Symmetrie zwischen rechts und links herbeiführen will und beide Hände gleich-mäßig übt, kann das in späterem Alter zu Schwachsinnigkeit führen.
Das Phänomen der Linkshändigkeit ist ein ausgesprochen karmisches Phänomen, und ist in Bezug auf das Karina ein Phänomen der karmischen Schwäche. Wenn ich ein Beispiel nehmen soll: Ein Mensch, der im vorhergehenden Erdenleben sich überarbeitet hat, sodass er sich übernommen hat, nicht nur physisch oder intellektuell [in der Arbeit], sondern überhaupt geistig oder seelisch oder im Gemüt, [und] der [dann] dadurch in einem darauffolgenden Leben mit einer starken Schwäche kommt, der ist nicht imstande — der Teil des Menschen [im neuen Leben der aus dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt stammt, ist [besonders] im unteren Menschen konzentriert; der aus dem vorigen Leben stammende mehr im Kopfteil —, diese karmische Schwäche im unteren Menschen zu überwinden, Dadurch wird das, was sich sonst stark ausbildet, das wird schwach, und dafür werden als Ersatz das linke Bein und die linke Hand besonders engagiert [und] zur Hilfe genommen. Das Vorherrschen der linken Hand führt dazu, dass statt der linken [jetzt] die rechte Stirnwindung des Gehirns in der Sprache bemüht wird.
Gibt man dem zu sehr nach, so bleibt eine Schwäche [vielleicht auch] für das folgende Erdenleben zurück. Gibt man dem nicht nach, so gleicht sich die Schwäche aus.
Hält man das Kind an, alles rechts und links gleich gut auszuführen, Schreiben, Zeichnen, Arbeiten, so wird der innere Mensch so neutralisiert, dass Ich und Astralleib so herausgehoben werden, dass der Mensch ganz schlapp wird im späteren Leben, Der ÄtherIcib ist ohnehin links stärker als rechts, der Astralleib ist rechts stärker entwickelt als links. Das kann man nicht umgehen, darauf muss man Rücksicht nehmen. Es darf kein mechanischer Ausgleich [versucht] werden. Es ist das Dilettantischste, was geschehen kann, wenn man anstrebt, dass mit beiden Händen gleichmäßig gearbeitet werden soll. Das [Streben nach gleichmäßiger Ausbildung beider Händel, das ist zusammenhängend mit der heutigen völligen Unkenntnis vom We-sen des Menschen.
HERMANN VON BARAVALLE spricht über G. R., sie muss geimpft werden; sie bat eine Grippe durchgemacht.
RUDOLF STEINER: Das ist eine Lähmung des Sensoriums unter dem Vierhügelkörper. Die Sache ist nicht leicht.
Ein Kind im schulpflichtigen Alter muss [etwa] acht bis neun Stunden schlafen. Das muss man individuell behandeln. Ich habe andeuten wollen, wie ein Kind, welches zu wenig schläft, musikalisch ungenügend empfinden wird. Ein Kind, das zu viel schläft, wird sich schwach erweisen für alle die Dinge, die ein mehr plastisches Vorstellen erfordern.
Daran erkennt man die Schädigung des zu lange oder zu kurz Schlafens; die zu viel schlafen, sind wenig befähigt, sich in Formenhaftes, Plastisches hineinzufinden, zum Beispiel in Geometrie. Die zu wenig schlafen, werden schwach sein im Erfassen des Musikalischen und in der Geschichtsauffassung.
Es kann doch nicht ein Prinzip geben, dass die alten und ausgetretenen Waldorfschüler zusammenkommen. Das kann ganz gewiss nicht sein. Das andere kann sein, es kann aber auch für andere Kinder wünschenswert sein. Das würde ganz richtig sein, abzubremsen. Da muss man versuchen, die Kinder in der 12. Klasse bei der Stange zu behalten.
Der B. B. ist ein periodischer Flegel. Er wird Zeiten haben, wo es besser ist, und Zeiten, wo es schlechter ist. Um ganz vernünftig zu werden, wird es mehrere Jahre brauchen.