Faculty Meetings with Rudolf Steiner II

GA 300c — 3 May 1923, Stuttgart

Dreiundfünfzigste Konferenz

Rudolf Steiner kehrte aus Prag direkt nach Stuttgart zurück, wo er am 2. Mai ankam. Am nächsten Morgen war Monatsfeier in der Schule, bei der Steiner eine kurze Ansprache hielt. Sie war eine Blumen- und Tierfabel in einem (GA 298). Während des Tages hielt Steiner sich wahrscheinlich in der Schule auf. Die Konferenz begann erst um 21 Uhr. Am 4. Mai fuhr er zurück nach Dornach, nachdem er das Klinisch-Therapeutische Institut besucht hatte.

Themen: Abitur und Schule. Fortbildungsschule. Lehrplanangaben für Geschichte in der 12. Klasse.

Bemerkungen: Steiner kam ausführlich auf die Idee zurück, in der Oberstufe zwei Züge einzurichten, einen für die Waldorfschule, einen für Abiturvorbereitung. Wenn man das durchführen würde, sei der Waldorfgedanke noch nicht recht verstanden worden. Andererseits musste er sagen, dass die Schüler der Oberstufe, auch für die Lehrziele der Waldorfschule, zu wenig wussten. «Sie sind nicht auf einer Stufe, die uns selbst genügen kann.»

Man nahm an, dass auch in diesem Schuljahr viele Vierzehnjährige die Schule verlassen würden, um eine Lehre zu beginnen. Für diese Schüler wurden Fortbildungskurse gegeben. Es wurde gefragt, ob man daraus nicht eine Schule machen könnte. Dies erwies sich als schwierig, erstens wegen des Staates, der jetzt geprüfte Lehrer verlangen würde, zweitens wegen Personalmangels — es war eine große Knappheit an fälligen Lehrern und drittens fehlten die finanziellen Ressourcen.

Steiner empfahl für die 12. Klasse, neben periodischen Überblicken in Geschichte, philosophische Propädeutik zu unterrichten, um die jungen Leute mit der «wissenschaftlichen Gaunersprache» vertraut zu machen.

Vorsitz: Rudolf Steiner

RUDOLF STEINER: Wir wollen die heute zu erledigenden Angelegenheiten in Frage und Antwort erledigen. Längere Auseinandersetzungen kann ich nicht machen. Wir wollen einmal die Dinge, die als Wünsche und Intentionen vorliegen, behandeln, aber allseitig. Ich möchte, dass niemand etwas auf seiner Seele lässt, was er nicht vorbringen könnte.

ERICH SCHWEBSCH schlägt eine Gabelung vor zwischen einem reinen Waldorfschulzug und einem Oberrealschulzug [siehe vorige Konferenz]. Die Eltern sollen sich entscheiden.

RUDOLF STEINER: Es würde das darauf hinauslaufen, dass man das Schulprinzip durchführt und dann die Kinder ausliefert einer Art von Presse. Die Hauptsache liegt darin, dass so durchgreifend, wie es notwendig wäre zu einer solchen Regelung, der Waldorfschul-Gedanke doch noch nicht verstanden wird. Ich glaube, der Waldorfschul-Gedanke wird verstanden werden gerade dadurch, dass man nicht durch Sich-Fügen, auch nicht durch ein starres Durchrennen doch nur Halbheiten erzielt, sondern dass man zeigt, wie unmöglich es ist, ein vernünftiges Schulwesen unter den heutigen Verhältnissen durchzuführen. ich bin auch nie dafür, wenn Schwierigkeiten gemacht werden über die Grundschule, dass wir die Schwierigkeiten durch Hintertüren vermeiden, sondern ich bin dafür, dass man den Leuten klarmacht: So sind die Sachen. Ihr könnt das nicht erreichen, wenn ihr nicht eine starke Agitation für den Waldorfschul-Gedanken entfaltet. — Ich glaube nicht, dass man durch Hintertürmethoden etwas Bedeutsames erreichen könnte.

Ich habe noch ein anderes Bedenken: Wenn wir uns auf einen solchen Standpunkt stellen, wie Sie ihn ausgesprochen haben, dann sind wir genötigt, den Waldorfschul-Gedanken noch in einer viel größeren Gediegenheit und Vollkommenheit durchzuführen, als es bisher gelungen ist. Denn darüber dürfen wir uns auch keiner Illusion hingeben: Tatsächlich wissen unsere Schüler — das ist Amtsgeheimnis! — zu wenig für die Behauptung, dass die Waldorfschule das gibt, was notwendig ist [zu wissen] bis zum achtzehnten Lebensjahr eines Menschen. Sie wissen zu wenig. Es ist bisher nicht gelungen, eine genügend große Anzahl von Schülern bis zu unserem Lehrziel zu bringen. Und das wäre die erste Anforderung, die wir den Eltern und der Welt gegenüber erfüllen müssen, wenn wir auf der anderen Seite so etwas prätendieren würden der Außenwelt gegenüber, wie Sie vorgeschlagen haben. Man kann jederzeit durch irgendwelche Mittel herausbekommen, dass in Bezug auf manche Dinge auch das Lehrziel im Prinzip des Waldorfschul-Gedankens nicht erreicht worden ist. Das müssen wir erreichen. Das müssen wir berücksichtigen.

Ich glaube, wir sind noch nicht ganz in der Lage nach unseren Lehrerfolgen, uns sehr stark auf ein Postament zu stellen. Denn, nicht wahr, die Ablegung des Abiturientenexamens liegt schließlich uns insofern im Wege, als wir voraussetzen müssen, ein übelwollendes Lehrerkollegium kann einfach unsere ganze Klasse durchfallen lassen. Dem können wir kaum entgehen durch irgendetwas. Wir würden ja überhaupt, wenn es sich darum handeln würde, bloß den Waldorfschul-Gedanken durchzuführen, den ganzen Lehrplan für die letzten vier Klassen, nicht im Kunstunterricht, aber zum Beispiel für Latein und Griechisch, nicht so einrichten, wie er jetzt ist. Die Aufnahme einer solchen Art von Latein- und Griechischunterricht, wie wir sie jetzt haben, ist von vorneherein unter dem Gesichtspunkt eingerichtet, dass die Abiturientenprüfung abgelegt werden soll

Mit Fräulein Dr. Röschl ist immer die Sache so durchgesprochen worden: Wie muss man die Sache einrichten, dass die Prüflinge ein Abiturientenexamen machen könnten? Ich kann mir nicht denken, dass die Sache anders ausläuft als so, dass wir diesen Kompromiss schließen müssen und immer wieder betonen, dass wir es müssen, und damit gerade den Beweis liefern, dass auch noch etwas ganz anderes als bloß der Wille der Lenker einer solchen Schule mitwirken muss, um tatsächlich den Waldorfschul-Gedanken zu realisieren. Denn das, was Sie vorschlagen, würde nur das sein, [ob] die Presse hier [in der Schule] gemacht würde [oder] draußen. Wenn [wir die Presse selber einrichten], würde es humoristisch sein; [wenn wir die Schüler einer fremden Presse draußen übergeben, dann wäre es] tragisch. [Das würde dazu führen, den Waldorfschul-Gedanken zu stark zu verwischend Es würde doch kaum zu etwas anderem führen, als dass der Waldorfschul-Gedanke nach und nach als Schrulle gelten würde. Die Eltern würden sich sagen: Die wissen selbst ganz genau, dass sie die Kinder nicht weit genug bringen, und [darum] appellieren sie an eine Presse.

Jemand fragt: [Was hat jetzt ganz konkret für die 12. Klasse zu geschehen?]

RUDOLF STEINER: [Wir müssen im Sinne der letzten Konferenz mit den Behörden verhandeln.] Dies alles ist etwas, was gemacht werden kann, was [aber] ebenso gut [auch] nicht geschehen kann. Wir können auch das machen, dass wir, wenn die Zeit da ist, unsere Schüler anmelden zum Abiturientenexamen. Man braucht sich nur die Lehrpläne und eine Anzahl von Abiturientenfragen zu nehmen, Das würde auf einem Umweg das sein, dass unsere letzte Klasse vorn Ministerium aus geleitet würde.

KARL STOCKMEYER fragt, ob man vorher eine Verständigung mit dem Ministerium sichern solle.

RUDOLF STEINER: Ich glaube nicht. Das kann gemacht werden. [Es kann aber auch unterbleiben.] Das ist eine äußerliche Sache, [und es wäre] sogar mehr zur Bequemlichkeit der Leute dort als für uns.

Die prinzipielle Frage ist die, ob wir geneigt sind, die Schüler vorzubereiten fürs Examen oder nicht. Und dann, wenn wir sie nicht vorbereiten, dann würde doch die Folge diese sein, dass wir zuletzt nach und nach die letzten vier Klassen zuschließen können. Es würden unsere Eltern die Schüler nicht schicken. Dieses Verständnis hat sich noch nirgends geoffenbart. Denn die Eltern verbinden zum großen Teil mit dem Waldorfschul-Gedanken dies, dass die Kinder genauso die Prüfung machen können wie sonst, nur dass es in der Waldorfschule zehnmal leichter sein soll. Dass wir durch eine Art Zauberei es den Kindern leichter machen. Man darf sich doch keinen Illusionen hingeben über die Kapazität der heutigen Bevölkerung. Deshalb sehe ich keine Möglichkeit, etwas anderes zu tun, als diesen Kompromiss aufzunehmen.

RUDOLF STEINER gibt Beispiele für die Examensaufgaben: Es muss möglich sein. Bei der Gymnasialmatura: In der Mathematik können Aufgaben gestellt werden von folgendem Kaliber: Ein Wucherer leiht einem anderen 700 Mark, der andere muss einen Wechsel ausstellen, dass er ihm sofort 1000 Mark zurückbezahlt. Wie viel beträgt der Zinseszins?

Ferner muss er berechnen können: Es ist gegeben die Gleichung einer Ellipse, ein Punkt durch seine Ordinaten (xy). Durch diesen Punkt gellt eine Tangente. Es ist der Neigungswinkel und die Länge der Tangente zu berechnen.

Bei einem gleichseitigen Dreieck ist die Seite 5 cm größer als die Höhe. Wie groß sind die Seite und die Höhe?

Nun muss da für Realschulabiturienten etwas dazukommen aus der Deskriptiven: Es ist die Schnittfigur zu zeichnen zwischen einem Kegel und einer gegebenen Ebene, oder es ist der geometrische Ort zu zeichnen. So etwas würden die Realschulabiturienten dazubekommen, wahrscheinlich solche Dinge, wie Sie sie heute in der Klasse gemacht haben, wobei der Differenzialquotient eine Rolle spielt. Die Kinder haben es schnell begriffen und waren neugierig über die Zusammenhänge, sodass man nichts dagegen haben kann, dass die Kinder Differenzialrechnungen kennenlernen. So furchtbar schwer würde es nicht sein.

Jetzt müssen Sie ein deutsches Stück ins Lateinische übersetzen und umgekehrt, Griechisch ins Deutsche. Einen deutschen Aufsatz machen, der darin bestehen könnte: «Die Dampfmaschine, ein Zeugnis der menschlichen Kraft».

Es wird gar nicht so furchtbar schwierig sein, die Schüler dazu vorzubereiten, dass sie dasselbe können, was die anderen können, wenn wir das Waldorfschul-Prinzip unterbrechen, weil wir andere Gegenstände nehmen würden. Das folgt nicht aus der Entwicklung, dass ein Schüler dies weiß.

Ich habe jetzt zweimal den Versuch gemacht, dieses notwendige Kompromissmachen zu erklären. Das eine Mal im Dornacher Kurs, vor den Schweizer und tschechischen Lehrern — das ist dieses Kompromisse-schließen-Müssen —, und das zweite Mal, als ich meinen Vortrag gehalten habe in der Urania in Prag. Da wollte eine große Anzahl von Leuten dableiben und wollte nicht nach Hause gehen. Wir versammelten uns im zweiten Saal. Da habe ich noch einen zweiten Vortrag gehalten [über den Waldorfschul-Gedanken] und habe wiederum dies [diesen Kompromiss] hervorgehoben. Und wiederum ist es verstanden worden, dass es erfordert, dass die Sache von einem ganz anderen Gesichtspunkt erfasst wird. Im Allgemeinen ist ein Verständnis dafür zu erzielen, dass wir einen Kompromiss schließen müssen.

Es muss mehr Feuer in diesem Verständnis da sein. Das erreichen wir aber nie durch eine Hintertür, sondern wir müssen uns ganz auf den prinzipiellen Standpunkt stellen und sagen, dass wir einen Kompromiss eben machen, wo es notwendig ist, um die ganze Sache ad absurdum zu führen.

Es ist an allen Schulen üblich, dass eine bestimmte längere Frist vorher die Zulassung zur Prüfung von der Schule aus ausgesprochen wird.

ERICH SCHWEBSCH: Wir müssen den Schülern bis zu den großen Ferien sagen, ob sie es machen können oder nicht.

RUDOLF STEINER: [Ja, aber] das dürfen wir nicht machen, ohne das Äquivalent zu schaffen, dass die [zurückgewiesenen] Schüler repetieren müssen, [und] wir haben [dann im] nächsten Jahre dieselbe Bescherung. [Das geht also nicht.)

Jemand sagt: [Wenn wir alle zulassen, riskieren wir, dass 60 Prozent durchfallen.]

RUDOLF STEINER: Denen, die wir nicht zulassen, müssen wir unsererseits ein schlechtes Zeugnis geben, ein schlechtes Jahreszeugnis. Dann lehnt die Behörde sie ab. Die Ablehnung durch das Lehrerkollegium hat keine rechtliche Bedeutung. Anmelden können sich nur die Schüler selbst. Wir können keinen abhalten, dass er sich zum Examen meldet. [Melden sich welche, die wir nicht für fähig halten, so müssen wir uns durch das schlechte Jahreszeugnis schützen.] Wir können nur unsererseits sagen, von dem oder jenem liegt ein solches Jahreszeugnis vor. Das ist allein der Standpunkt, den wir theoretisch einnehmen können. Wir können niemand verbieten von unseren Schülern, sich zum Abitur zu melden, Das ist ausgeschlossen, dass wir das tun. Es ist doch wohl so, dass jeder sich melden kann, der das betreffende Jahr hat. Wahrscheinlich verlangt die Prüfungskommission, dass er nachweist, dass er die nötigen Anforderungen erfüllt haben könnte. Es müsste in unserem Zeugnis stehen, dass er nach unserer Ansicht nicht genügt.

Es ist eine Zeitlang das gemacht worden: Es gab Realschulabiturienten, denen ist eingefallen, das Gymnasium einzuholen. Sie haben sich zum Gymnasialabitur gemeldet. Da ist nichts weiter gefragt worden. Hier in Deutschland ist es eine merkwürdige Sache: Ich kannte einen Mann, der wollte Mediziner werden. Er war 56 Jahre alt und er fiel durch. Nun wollte man hoffen, weil er so furchtbar eifrig war, dass er das zweite Mal die Sache bestünde. Er war Mitglied. Er meldete sich als zweimal durchgefallener Abiturient. — Schröer erzählte mir: Es kam abends ein Bekannter zu ihm [und sagte]: Ich muss morgen mein Rigorosum machen, und da habe ich als zweites Nebenfach Philosophie. Ich habe noch nie ein Philosophiebuch gesehen. Kannst du mir nicht noch etwas sagen? [Das Weitere ist nur bruchstückhaft überliefert.] Es gibt viele, welche sagen: Es ist gleichgültig, was der Schüler weiß, wenn er nur ordentlich weiß.

[Also wir können nicht anders entscheiden als das letzte Mal. Aber] möglichst wahren das Waldorfschul-Prinzip implizite, das lässt sich machen. Aber natürlich ist es so: In vielen Gegenständen, die wir lehren und die die anderen nicht lehren, da sind unsere Schüler [nicht weit genug für unsere Begriffe, sind] nicht auf einer Stufe, die uns selber genügen kann. Wir müssten versuchen, dieses richtige Maß zu finden zwischen dem Herantragen desjenigen, was wir vortragen wollen in der Klasse durch uns selbst und dem Mitarbeiten der Schüler. Das ist nicht immer der Fall, dass die Schüler genügend mitarbeiten. Es ist möglich, dass in den höheren Klassen Schüler dasitzen, die die ganze Stunde dösen. Nicht wahr, es gibt Schüler, die keine Ahnung haben von dem, was vorgetragen worden ist, wenn sie gefragt werden. Das war schon in der Zeit der Fall, als wir noch gar nicht vorn Abiturientenexamen sprachen.

Wir haben die Unterrichtsmethode bestimmt für die letzte Klasse. Philosophische Propädeutik könnte man ja im letzten Halbjahr einführen, [damit sie diese wissenschaftliche Gaunersprache kennen]. — Es ist besser, wenn die Zwölftklässier im ersten Halbjahr so sind, dass sie das Examen machen können, als im allerletzten Halbjahr. Gewöhnlich wird darauf gesehen, dass die Schüler schon im Laufe des ersten Semesters reif sind.

KARL STOCKMEYER fragt wegen einer Fortbildragsschule an der Waldorfschule.

RUDOLF STEINER: Die mit vierzehn Jahren aus einer Schule kommen, müssen noch in die Fortbildungsschule gehen. Das ist nur zu erreichen dadurch, dass wir unsere Fortbildungskurse anerkennen lassen. Durch diese gewöhnliche Pflichtfortbildungsschule geht der Charakter der Einheitsschule verloren. Da wir den Lehrplan gliedern nach den Anforderungen des Menschenwesens, hat das keine Bedeutung. Natürlich können wir solche Dinge aufwühlen. Das ist aber der Anfang vom Ende. Dann kommt es sofort auf das hinaus, dass wir gezwungen werden, für alle Klassen von der 5, an, der höheren Schulbehörde uns zu unterwerfen. Das, wodurch wir die Möglichkeit des Bestehens haben, das ist eine Lücke im württembergischen Volksschulgesetz gewesen, dass man Schulen einrichten konnte ohne staatlich genehmigte Lehrerschaft. Das hätten wir nicht erreichen können, wenn wir eine Mittelschule hätten errichten wollen. Die Behörde hätte dann in Württemberg geprüfte Lehrer verlangt. Wir leben von einer Lücke im Gesetz, die bestand vor der «Befreiung» Deutschlands, im alten Regime. Heute könnte man auch hier nicht mehr eine Waldorfschule errichten. Jetzt duldet man uns, [weil] man sich geniert, die Sache nicht zu dulden. Aber alle die Schulen, die heute [anderswo] versucht werden, im Grunde ist es Mumpitz. Die müssen Lehrer haben, die geprüft sind. Es wird keine zweite Waldorfschule mehr gestattet unter den gegenwärtigen Verhältnissen.

KARL STOCKMEYER: Könnte man nicht unsere Fortbildungskurse ausbauen? Es gehen dieses Jahr viele Vierzehnjährige ab.

RUDOLF STEINER: Das kann man nicht aus dem Ärmel schütteln. Bloße Intentionen genügen nicht; es gehören auch die Kräfte dazu. Ich weiß nicht, ob wir überhaupt die Fortbildungskurse halten können, ohne neue Lehrkräfte zu haben.

Dann haben wir noch andere Dinge.

ANNA FRIEDA NAEGELIN: Es sind so viel schwache Kinder in den Klassen.

RUDOLF STEINER: Dieses könnten wir ganz gut tun, Schüler, die nichts versprechen, von vorneherein nicht aufzunehmen. Von vorne-herein zu sagen: Wir werden das Lehrziel nicht erreichen; das geht nicht. — Wir können ganz gut die Schüler ausschließen, von denen wir annehmen können, sie haben das Lehrziel nicht erreicht. In der Aufnahme müssten wir vorsichtiger sein.

In den Sprachen ist es eine andere Frage. Da dürfen wir es nicht machen. Sonst wäre das ein Grund, uns die vier [untersten] Jahre zu nehmen. Wir müssen ein Kind doch in die 5. Klasse aufnehmen. Es wäre vielleicht wünschenswert, wenn wir die ganze Sprachsache extra hätten, sodass wir diese Schüler mit den Kleinen zusammensteckten, Wir müssten das so eingerichtet haben, dass diese Schüler für die Sprachen weiter unten wären. Die Kinder müssten halt in die nächstniedere Klasse kommen. Jedes Kind passt in irgendeine Klasse. Vielleicht können wir Anfangskurse einrichten.

In den ersten drei Wochen ist es kaum möglich, so etwas zu sagen. Jede Prüfung positiv gestalten! Man muss das Kind fragen: Was weißt du —, um herauszukriegen, was das Kind kann. Immer feststellen wollen, was das Kind kann! Einfach Fragen stellen, das sollte man nicht machen. Man soll feststellen wollen, was das Kind kann, nicht, was es nicht kann.

EUGEN KOLISKO fragt wegen Heileurythmie.

RUDOLF STEINER: Man sollte das Prinzip haben, dem Hauptunterricht nichts abzuzwacken, [sie woanders ansetzen].

MARIA RÖSCHL: R. M,, 12. Klasse, Er kann keinen Rhythmus erfassen.

RUDOLF STEINER: Da liegt nichts anderes vor, als dass man ihn veranlasst, dass er es nicht tut.

ERICH SCHWEBSCH [über H. G. II]: Der Junge ist von einer geistigen Leblosigkeit. Er hat Temperaturschwankungen.

RUDOLF STEINER: Er wird nicht lebendig. Sie müssen ihm [seine] Mutter wegnehmen. Die Dinge muss man im Lehrerkollegium besprechen. Die ist eine unberechenbare Dame, die seelisch von 34 zu 39 Grad hinaufsteigt. Er macht es physisch nach. Der war immer so. [Seiner Mutter], die bei jeder Gelegenheit, wenn keine Veranlassung ist, einem einen Mordskrach macht, habe ich gesagt: Geben Sie ihn recht weit von sich selber weg. Er war zu Hause. Jetzt ist die Mutter auch wieder da. — Er ist ein sensitiver Junge geworden. Man kann sich nichts Unrationelleres vorstellen von Kindererziehung als das, was in diesem Hause existiert. Es ist eine absolute Unmöglichkeit. Da ist man machtlos, weil es kein anderes Mittel gibt, als den Jungen von seiner Mutter zu befreien. Sie können sich nicht in einen Mann verwandeln. Gewisse Dinge muss man als ein Karma betrachten. Der Junge war nie in [einer ordentlichen] Schule. Er ist immer in schlampiger Weise unterrichtet worden. Es liegt ein Karma vor.

[Wohl auf eine Frage:] Man muss eine Empfindung dafür entwickeln, ob sich dafür die ganze Klasse interessiert. Dann könnte man darauf eingehen. Sonst müsste man es mit einer moralischen Handbewegung auf eine andere Seite bringen.

Es wird gefragt wegen Hospitationen.

RUDOLF STEINER: Im Allgemeinen sollte man dieses Hospitieren auf das Allernotwendigste einschränken. In gewissen Fällen muss man Ausnahmen machen. Wir müssten uns angewöhnen zu fragen, welchen Zweck sie damit verbinden. Es wird auch viel mehr Respekt einflößen, [...] [Über Hospitationen der Pädagogen Fritz Karsen und Wilhelm Paulsen.]

Es wäre am besten, ein gedrucktes Formular zu machen, damit man sieht, dass wir damit überlaufen werden, in dem steht, wir können solche Gesuche nur berücksichtigen, wenn die Sache ausdrücklich nach Zweck und Ziel motiviert angegeben wird.

[..] [Über weitere Personen und die Aufnahme einer Schülerin.]

WALTER JOHANNES STEIN: Ich habe altere und jüngere Steinzeit besprochen und dann die Bronzezeit.

RUDOLF STEINER: Man hat nicht nötig, die beiden zu analogisieren. Es ist ganz gut, wenn Sie diese Einteilung beibringen. [Die Kulturepochen sind Seelenentwicklung.]

WALTER JOHANNES STEIN: Wie soll in der Geschichte in der 12. Klasse vorgegangen werden?

RUDOLF STEINER: Eine Übersicht über alle Perioden schaffen, dass die Damen und Herren etwas wissen.

ERICH SCHWEBSCH: Am meisten fehlt es an Anschauung in der Chronologie.

RUDOLF STEINER: Frühere Historiker haben das Nötige getan. Der Rotteck hat synchronistische Tabellen.

Ein deutscher Schulaufsatz: «Das Kamel, ein Bindeglied zwischen Landschaft und Menschentätigkeit.»

Die Kinder sind nicht stramm genug im Turnen, höchstens ein paar sind annähernd genügend. Sie müssen lernen, die Muskeln straffen. Man muss sie ermahnen. Die Kinder sind zu lange ohne Turnen gewesen. Sie können schon etwas. Es gibt kein anderes Mittel, als sie immer wieder ermahnen. Den Einzelnen darauf aufmerksam machen. Man muss dem Einzelnen es sagen.

Man hätte die pädagogische Tagung in der Stuttgarter Vereinszeitung darin haben können. Die Kurse auch. Da könnten auch andere Sachen hineingeschrieben werden, die sich auf die Anthroposophie beziehen, die Eurythmievorstellungen.

Die Figuren lautgemäß aufstellen. Bei den Eurythmistinnen ist ein starkes Bedürfnis, die Sachen zu studieren.

[...] [ Stundenplanfragen.]

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