Current Social and Economic Issues

GA 332b — 24 March 1924, Dornach

Aus dem Protokoll der Ausserordentlichen Generalversammlung der «Futurum AG» in Liquidation

Vor den Ausführungen Dr. Steiners wird mitgeteilt, dass der bei der Generalversammlung /der «Futurum»] vom 4. April 1923 gefasste Beschluss, die «Futurum AG» durch Fusion mit der Internationalen Laboratorien und Klinisch-Therapeutisches Institut Arlesheim AG /ILAG] zu liquidieren in der vorgesehenen Weise, nämlich das 2 Millionen Franken betragende Aktienkapital der «Futurum» zum abgeschriebenen Wert von 1 Million Franken zu erwerben, nicht durchführbar ist. Es muss vielmehr infolge der allgemeinen Verschlechterung der europäischen Wirtschaftsverhältnisse das Aktivvermögen der «Futurum AG» noch mehr, und zwar auf 450000 Franken, reduziert werden. Um diesen Betrag aufzubringen, ist andererseits die Internationale Laboratorien A.G. genötigt, ihr Aktienkapital von 500000 Franken auf 950000 Franken zu erhöhen.

Rudolf Steiner: Ich möchte auf den Punkt zurückkommen, der eben von dem Vorsitzenden erwähnt worden ist und der sich darauf bezieht, dass durch die neuerliche Abschreibung von 1 Million Franken auf 450000 Franken Aktivvermögen der «Futurum AG» in Liquidation diejenigen Aktionäre, welche eine weitere Abschreibung wegen ihren Vermögensverhältnissen nicht ertragen, nicht mehr zu Schaden kommen sollen als er schon betrug dadurch, dass eine Abschreibung von 2 auf 1 Million erfolgt ist. Durch die heute erfolgte Abschreibung werden also diejenigen Aktionäre, welche eine weitere Abschreibung nicht ertragen, nicht zu Schaden kommen. Das konnte auf folgende Weise ermöglicht werden: Wir versuchten, diejenigen Aktionäre, welche ein Opfer zu bringen in der Lage sind, dafür zu gewinnen, dass sie ihre Aktien an das Goetheanum als Geschenk übermachen. Dadurch, dass Aktionäre ihre Aktien im Werte von ungefähr 550000 Franken dem Goetheanum als Geschenk übermacht haben, entfällt die Notwendigkeit, für diese 550000 Franken die Dividende zu bezahlen. Man kann somit für 2 «Futurum»-Aktien die Dividende bezahlen, die 1 ILAG-Aktie erhält. Das kann erreicht werden auf folgende Weise:

Sie müssen bedenken, dass dadurch die Zahl der Aktien nicht vermindert wird, die ILAG muss die Dividende bezahlen auf sämtliche Aktien, die vorhanden sind. Von diesen Aktien sind 550000 Franken Kapitalwert aber im Eigentum des Goetheanum. Dieses verzichtet bei diesen Aktien auf die Dividende. Dadurch entfällt der Dividendenanteil, der diesen geschenkten Aktien entspricht, auf die Aktionäre, die die 450000 Franken gebliebener Aktien besitzen. Die verlieren deshalb nichts, da ihnen die Dividende zugelegt wird von den geschenkten Aktien. Diese Aktion hat den Sinn, dass für diejenigen Aktionäre, die nicht weitere Abschreibungen ertragen können, die Tatsache weiter besteht, dass sie für 2 «Futurum»-Aktien 1 ILAGAktie beziehungsweise deren Rendite haben werden. Das konnte nur auf diese Weise herbeigeführt werden, dass die, die verzichten können, die Aktien dem Goetheanum schenkten und das Goetheanum seinerseits die Aktionäre, die nicht verzichten können, damit entschädigt. Ich meine, dass das nun allen klar geworden ist. Es entfällt somit jede Möglichkeit, irgendwelche Formalität zu haben. Es ist damit auch juristisch alles erledigt und es würde diese ganze Aktion ins Wasser fallen, wenn weitere Versprechen daran geknüpft würden. Sie hätten keinen Sinn gehabt, wenn nicht diejenigen Aktionäre, die nicht mehr verlieren können, nicht gestützt werden könnten. Es ist dies eine Aktion, die sozusagen privat neben den Formalitäten erledigt werden kann und die ich Sie bitte, in die Diskussion hineinzunehmen.

Frage: Ob die Aktionäre als Sicherheit etwas Greifbares in die Hand bekommen, eventuell die tatsächlich zur Verfügung gestellten Aktien?

Rudolf Steiner: Das Verlangen nach einer Garantie ist etwas, was mir offen gestanden nicht sehr gefällt. Ich denke, es genügt, dass diese Garantie durch die Aktien selbst übernommen wird, und ich glaube nicht, dass durch eine formelle Erklärung die Sache sicherer gemacht würde. Ich benütze diesen Anlass, den Verzichtenden für ihre schöne Opferwilligkeit im Interesse der Allgemeinheit an dieser Stelle herzlich zu danken. Emil Leinhas: Es ist zu beachten, dass die Erklärung, die Herr Dr. Steiner eben gegeben hat, einen realen Inhalt hat. Er konnte sie abgeben aufgrund der Schenkungen, die ihm zu seiner Verfügung gemacht worden sind. Seiner Tatkraft allein ist es zu verdanken, dass die Aktion möglich geworden ist.

Rudolf Steiner: Wir möchten die Sache auf Realität gründen, es wird ja für die ILAG die Sache so gestaltet werden, dass der künftige Verwaltungsrat die Kontrollstelle, die man sonst nur als Kassenrevisor hat, als eine reale neben sich haben wird. Wir werden den Vorschlag machen, dass die ILAG in Zukunft als Kontrollstelle Frau Dr. Wegman und mich haben wird. Wir werden durch den Aktienbesitz von 550000 Franken künftig dafür sorgen, dass die Sache so durchgeführt wird. Ich glaube, es ist besser, die Angelegenheit auf dieses persönliche Verhältnis zu stellen, das ebenso reell ist als eine schriftliche Erklärung.

Nach Annahme der vorgeschlagenen Lösung durch die Generalversammlung ist die Aufgabe der Liquidationskommission im Wesentlichen abgeschlossen, sodass deren Mitglieder, die Herren Leinhas, Padrutt und Day, demissionieren. Es wird als genügend erachtet, dass die «Futurum AG» in Liquidation durch das nicht demissionierende Mitglied der Liquidation Herrn Edgar Dürler mit Einzelunterschrift vertreten ist, da Herr Dürler außerdem für den Verwaltungsrat der ILAG in Aussicht genommen ist, «weshalb er auch bei der heutigen Sachlage diejenige Person ist, die die getrennte Verwaltung richtig überwachen kann». Zum Schluss der Versammlung werden noch die Anwesenden eingeladen, an der morgigen Generalversammlung der ILAG als Gäste teilzunehmen.

German original of From the Extraordinary General Meeting of Futurum AG in Liquidation · ← Previous · Next →