Current Social and Economic Issues
GA 332b — 31 December 1923, Dornach
Schlussvotum Rudolf Steiners zu «Futurum» und Kommender Tag
Gründungsversammlung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft Auszug aus der protokollarischen Aufzeichnung Dornach, 31. Dezember 1923, vormittags
Erwin Hahl: Betont, der Wiederaufbau [des Goetheanums] sei durchaus notwendig; Geld zu beschaffen sei eine dringende Notwendigkeit. Vorschläge, durch Fabrikunternehmen, etwa Maschinenfabriken, zu Geld zu kommen.
Rudolf Steiner: Ich werde Sie bitten, nur noch ein paar Augenblicke auf Ihren Sitzen zu bleiben. Ich habe zu den zwei Punkten, die Herr Hahl besprochen hat, allerdings einiges zu sagen.
Meine lieben Freunde, ich habe mir in demselben Momente, als ich mich aus schwerem Herzen entschlossen habe, den Vorsitz in der Anthroposophischen Gesellschaft selber zu übernehmen, zu gleicher Zeit gesagt: Gewisse Dinge, die in den letzten Jahren unter uns Platz gegriffen haben, dürfen nun nicht wieder geschehen. - Und zu diesen Dingen gehört das, dass Industrien oder dergleichen von uns errichtet oder übernommen werden sollen, durch welche man anstrebt, um Geld zu bekommen, Geld hinzugeben. Das darf nicht wieder geschehen. Wir haben mit diesem Prinzip die letzten Jahre die allerschlechtesten Erfahrungen gemacht. Sie werden sich erinnern, wenigstens viele von Ihnen, meine lieben Freunde, dass, als hier ungefähr von derselben Stätte aus, nur ein paar Schritte weiter nach rechts, vor Jahren der Vorschlag gemacht worden ist, zu solchen Gründungen zu schreiten, von mir geltend gemacht worden ist, dass nicht damit zu rechnen ist, dass in der Gegenwart die geeigneten Persönlichkeiten zu finden sind, welche hinter diesen Gründungen stehen werden und sie bis zum letzten Ende so vertreten werden, dass das herauskommen kann, dass man Geld hingibt, um wieder Geld zu bekommen. Es hat sich eine andere Erfahrung ergeben - die vielmehr übereinstimmt mit meiner damaligen Warnung -, die besteht darinnen, dass wir Geld hingegeben haben, um gutes Geld, das wir für unsere gute Sache verwenden könnten, zu verlieren. Das wollen wir nicht wieder machen, meine lieben Freunde. Wir wollen uns heute ganz klar sein darüber, dass wir nur heraus arbeiten wollen aus den guten Herzen unserer Freunde, sodass unsere Freunde wissen: Nicht das oder jenes wird angestrebt und dafür dies oder jenes versprochen, sondern es wird mit diesem Gelde dies oder jenes gemacht.
Und so möchte ich es als eine Bedingung hinstellen für die Übernahme des Vorsitzes durch mich, dass jene finanziellen Experimente in Verbindung mit allerlei Industrien, die uns in den letzten Jahren so schwere Erfahrungen gebracht haben, nicht wiederholt werden. Es hat sich ja für eine große Zahl von Experimenten ergeben, dass die Persönlichkeiten, die sich damit verbunden haben, sich weiter nicht um dieselben gekümmert haben und dass sie gerade jetzt fortgeführt werden von denjenigen, die etwas Besseres zu tun hätten jetzt noch. Es gibt nämlich auch noch bessere Dinge.
Nun, meine lieben Freunde, das verhindert mich, Ihnen irgendwie nach dieser Richtung hin irgendetwas zu raten. Diejenigen Dinge, die nun schon einmal nach dieser Richtung hin inauguriert worden sind, müssen mit aller Tatkraft fortgeführt werden, das ist selbstverständlich; aber sich in Neues von derselben Art einzulassen, ziemt uns für die nächsten Jahre nicht, wo wir alle Sorgfalt darauf verwenden müssen, dieses ideale Gut, das wir haben, nicht durch solche Nebenströmungen beeinflussen zu lassen. Es muss jeder Freund wissen in der Zukunft: Dasjenige, was er gibt, wird so zu den idealen Bestrebungen verwendet, wie es ist; wird nicht irgendwo erst verwendet, um es umzugestalten in die Form, wo es dann mehr sein sollte. - Das wird etwas sein, was wir, wie gesagt, nicht wieder tun.
Was das Zweite betrifft, so bezeichne ich es als etwas außerordentlich Erfreuliches, was Herr Hahl gesagt hat; aber das ist ja schon geschehen, gerade während des Sommers, und Herr Hahl hat ja nur nötig, in sehr liebenswürdiger Weise, wo die Sammlung schon eingeführt ist für den Aufbau des Goetheanums, sein Scherflein einzuzahlen. Wir brauchen nicht immer neue Fonds zu stiften für dasjenige, was schon da ist. Darüber könnte ja nur in der Form gesprochen werden, wie man den schon bestehenden Fonds recht dick macht. ‚Aber neue Fonds brauchen wir nicht, sonst kennen wir uns vor lauter Fonds schließlich gar nicht mehr aus.
Das ist dasjenige, was ich Ihnen noch ans Herz legen möchte. Ich habe es in dieser Trockenheit ausgesprochen, weil es wirklich mir nötig erscheint, dass es heute in dieser trockenen und klaren Weise ausgesprochen werde. Ich habe ja in der letzten Zeit vielfach über das Verfehlte dieser Dinge, wie sie auch jetzt wiederum mit einer Industriegesellschaft geführt werden, gesprochen. Wenn so etwas gemacht werden soll, dann möge es ganz abgesehen von der Anthroposophischen Gesellschaft rein für sich gemacht werden. Wenn man dann will, dass ich rein praktische Ratschläge, meinetwillen zur Herstellung von Maschinen, hergebe und dergleichen, dann mag man das tun. Aber man wird es nicht erleben, dass ich jemals wieder, nach den gemachten Erfahrungen, meine Hand bieten werde und selber als Verwaltungsrat und dergleichen Räte in solche Unternehmungen eintrete.