Faculty Meetings with Rudolf Steiner II

GA 300c — 5 February 1924, Stuttgart

Zweiundsechzigste Konferenz

Über Weihnachten war in Dornach die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft gegründet worden, nachdem zuvor in verschiedenen Ländern durch Rudolf Steiner La.ndesgeseIlsehaften begründet worden waren. Der wesentliche Unterschied zur alten Situation war, dass Rudolf Steiner selber den Vorsitz innehatte und nicht mehr nur lehrte und beriet. Gesellschaft und Bewegung (die Impulse) sollten so nicht mehr getrennt wirken, sondern als ein Organismus auftreten. Durch die Gesellschaft ging ab der sogenannten Weihnachtstagung ein esoterischer Zug; alles, was geschah, sollte nicht nur bürokratisch-organisatorisch, sondern immer menschlich und geistig-seelisch berechtigt sein. Als Herz dieser Neugründung wurde die Hochschule für Geisteswissenschaft inauguriert, die als Quellort alles weiteren anthroposophischen Schaffens gemeint war. Obwohl Steiners Gesundheit angegriffen war, absolvierte er von dieser Weihnachtstagung an eine Arbeitsfülle, die jede Vorstellung sprengt: Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise und die Heilpädagogik wurden begründet, Kurse für Ärzte und Priester, der Ton- und der Lauteurythmie-Kurs kamen zustande, ebenso der Kurs für Sprachgestaltung und dramatische Kunst, der pastoral-medizinische Kurs und dazu noch bedeutende pädagogische Kurse in England, Deutschland, Holland und in der Schweiz.

Am 5, Februar 1924 reiste Rudolf Steiner nach Stuttgart, am Abend war Konferenz.

Themen: Die Weihnachtstagung zur Begründung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft. Das Verhältnis der Waldorfschule zur Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Die Abiturvorbereitung. Ein 13. Schuljahr, ein «Paukjahr», als Vorbereitung für das künftige Abitur. Berufswahl der Schüler. Das Fortwirken einer angelernten Fähigkeit, wenn das Anlernen unterbrochen wird. Waldorfspielzeug in außerschulischer Produktion.

Bemerkungen: Da viele Lehrer die Weihnachtstagung mitgemacht hatten, war es verständlich, dass sie davon ausgingen, dass jetzt alles anders werden würde. Aus dieser Neuorientierung sind die Fragen, die gestellt wurden, zu verstehen. Ganz deutlich wurde aus Steiners Darstellung das Verhältnis der Schule zur Anthroposophie, Gesellschaft und Hochschule: Die Schule als Institution hat kein Verhältnis zur Hochschule oder zur Gesellschaft.

Vorsitz: Rudolf Steiner. Ohne die vier Hilfslehrer Elisabeth Christern, Elly Wilke, Lilian Hamilton, Ernst Lehrs.

RUDOLF STEINER: Ich bedaure, durchaus nicht früher haben kommen zu können, aber es ist nicht gegangen. Wir werden manches jetzt nachzuholen haben, und ich bin umso mehr erfreut, heute da sein zu können.

ERICH SCHWEBSCH, Mitglied des Verwaltungsrates, begrüßt Rudolf Steiner und spricht dann etwa Folgendes aus: Als wir nach der Dornacher Weihnachtstagung wieder da waren, klang das Erlebte tief in uns nach. Wir fühlten, dass wir selbst vor den Hüter der Schwelle gestellt sind, und wir fühlen die Verpflichtung, alles zu tun, um die Waldorfschule zu einem geeigneten Instrument zu machen, sodass sie in ihre neue Weltaufgabe richtig hineingestellt sein kann. Um Ihnen dafür völlig freie Hand zu geben, habe ich als Mitglied des Verwaltungsrates den Auftrag, mitzuteilen, dass der Verwaltungsrat seine Ämter in Ihre Hand zurückgibt. Sie, Herr Doktor, möchten neu bestimmen, wie die Schule geleitet werden soll, denn es scheint uns die Möglichkeit zu bestehen, dass eine Änderung in der Stellung der Schule zu der Anthroposophischen Gesellschaft eintreten könnte.

RUDOLF STEINER: Meine lieben Freunde! Es ist durchaus begreiflich, dass in Ihrer Mitte diese Anschauungen aufgetaucht sind, da ja für die anthroposophische Sache mit der Weihnachtstagung etwas getan sein sollte, das ja auf der einen Seite — man darf sagen, wenigstens ist es so beabsichtigt — eine völlige Neugestaltung, eine völlige Neubegründung der Anthroposophischen Gesellschaft bedeuten soll. Auf der anderen Seite hat ja die Anthroposophische Gesellschaft durch die Weihnachtstagung einen ausgesprochen esoterischen Charakter bekommen. Das scheint zwar in Widerspruch zu stehen mit der Öffentlichkeitserklärung, aber durch die verschiedenen Absichten, die bestehen und die nur nach und nach, im Laufe der Zeit realisiert werden können, wird man schon sehen, dass die eigentliche Führung der Anthroposophischen Gesellschaft durch den jetzigen Vorstand von Dornach aus durchaus in einem esoterischen Sinne erfolgen wird. Auch das bedeutet etwas, was eine vollständige Erneuerung der Anthroposophischen Gesellschaft ist.

Nun ist es sehr begreiflich, dass die verschiedenen Institutionen, die mit der anthroposophischen Sache zusammenhängen, sich die Frage vorgelegt haben, wie sie sich zu dem, was in Dornach geschehen ist, verhalten werden. Ich habe es ja in meinem Rundbrief an die Mitglieder in unserem Mitteilungsblatt ausgesprochen, dass die ganze Dornacher Tagung nur dann einen wirklichen Sinn hat, wenn sozusagen dieser Sinn in allen kommenden Zeiten nicht vergessen wird. Denn in demselben Maße, in dem die einzelnen anthroposophischen Institutionen nach und nach die Absichten von Dornach zu den ihren machen werden, in demselben Maße wird die Tagung von Dornach eigentlich erst ihren vollständigen Inhalt bekommen.

Die Dornacher Tagung war das zweite Glied eines hypothetischen Urteils. Das erste Glied heißt: Wenn die Anthroposophen es wollen, so wird man von Dornach aus dies oder jenes tun, was ja allerdings in sich schließt, dass, weil dieser Vorstand nichts anderes tun will, dass dies eine fortdauernde Lebensfrage der Anthroposophischen Gesellschaft überhaupt sein wird. Insofern liegt auch da ein hypothetisches Urteil vor, dass nämlich nur insofern diese Absichten realisiert, verwirklicht werden können, der Dornacher Vorstand die Verantwortung für die anthroposophische Sache, nicht nur für die Gesellschaft, sich für berechtigt hält zu übernehmen. Das macht ihren esoterischen Sinn aus. Dazu muss kommen, dass die esoterischen Impulse aus einzelnen Ecken kommen werden. Ich möchte schon die einzelnen Institutionen bitten, das durchaus immer so anzusehen, dass das, was von Dornach ausgeht, immer einen esoterischen Hintergrund hat. Auf der anderen Seite ist ebenso begreiflich, dass gerade die Waldorfschule in ihren Vertretern die Frage aufgeworfen hat, welche Stellung sie nun zu Dornach beziehungsweise zur Freien Dornacher Hochschule nehmen will.

Nun treten da sogleich, wie Sie vielleicht, wenn Sie sich die Frage genauer überlegt haben, schon gefühlt haben werden, es treten sogleich bedeutsame Schwierigkeiten auf. Insbesondere durch den letzten Entschluss in Bezug auf den Verwaltungsrat, den Sie im Auftrage des Verwaltungsrates geäußert haben. Die Sache ist nämlich diese: Es ist nötig, erst die Form zu suchen, in der die Waldorfschule diesen Anschluss an die Hochschule vollziehen kann. Unmittelbar formell ist ja die Waldorfschule keine anthroposophische Institution, sondern eine freie Schöpfung, die ja allerdings auf der Grundlage der anthroposophischen Pädagogik aufgebaut ist, aber die sowohl durch die Art, wie sie dem Publikum, wie auch durch die Art, wie sie den gesetzlichen Institutionen gegenübersteht, eben keine anthroposophische Institution ist, sondern eine Schule für sich, die die anthroposophische Pädagogik aufgenommen hat. Nehmen Sie nun an, die Freie Waldorfschule als solche würde nunmehr in eine Art von offizieller Beziehung als solcher zur Freien Hochschule in Dornach treten, dann würde sofort die Waldorfschule eine anthroposophische Schule werden, auch äußerlich formal eine anthroposophische Schule werden. Selbstverständlich kann es Gesichtspunkte geben, die dazu führen könnten, solch einen Entschluss zu fassen. Aber auf der anderen Seite ist es doch notwendig, wiederum zu bedenken, ob nicht die Waldorfschule ihre Kulturaufgabe auch weiter als freie Schule in einer ungehinderteren Form realisieren kann, als wenn sie direkt ein Glied alles desjenigen ist, was von Dornach ausgeht. Denn dasjenige, was von Dornach ausgeht, wird auch in Dornach zusammengefasst werden. Würde die Freie Waldorfschule unmittelbar in Beziehung zu Dornach treten, so würde dies bedeuten, dass für alle Angelegenheiten der Schule, die dann innerhalb der pädagogischen Sektion der Anthroposophischen Gesellschaft fallen, zu gleicher Zeit die Leitung der Freien Hochschule in Dornach verantwortlich und auch kompetent sein würde. Denn Dornach wird in Zukunft keine Dekoration sein, wie es die anthroposophischen Institutionen oft bisher waren, Dornach wird eine Realität sein. Es würde in der Tat jede Institution, die zu Dornach gehört, auch die Kompetenz der Dornacher Leitung anerkennen müssen. Das würde eine notwendige Folge davon sein. Und zu gleicher Zeit würde dadurch der ganzen Führung der Waldorfschule der Charakter des Esoterischen aufgedrückt werden.

Nun gewiss, dem steht gegenüber, dass nach den Faktoren, die heute in der Welt wirksam sind, man schon die Frage erwägen könnte, oh nicht die Kulturaufgabe der Waldorfschule am intensivsten auf diese Art erreicht werden kann. Abzuweisen ist die Frage von vornherein durchaus nicht, aber sie ist eine außerordentlich schwierige, eine solche, die nur mit allerschwerstern Verantwortlichkeitsgefühl überhaupt in Erwägung gezogen werden kann, Denn eine radikale Änderung des ganzen Wesens der Freien Waldorfschule bedeutet das schon.

Nicht wahr, das pädagogische Leben der Welt ist heute vielleicht noch dem Irrtum, oder besser, der Illusion unterworfen, die sich ausdrückt in den verschiedensten Bestrebungen von allerlei pädagogischen Vereinigungen, pädagogischen Gesellschaften. Aber alles, was in diesen pädagogischen Gesellschaften, in diesen pädagogischen Vereinigungen lebt, ist ja nichts weiter als Rederei. In Wirklichkeit wird die Pädagogik immer mehr und mehr an die drei Faktoren der Weiterentwicklung der Welt fallen, von denen zwei heute schon mit Riesenschritten auftreten; die Anthroposophie, die dritte Seite, natürlich ganz schwach, schattenhaft, überhaupt nicht angesehen als etwas, was Bedeutung hat, außer von den Gegnern, Aber die Pädagogik wird allmählich eingefangen werden von den beiden Hauptströmungen der Welt, der katholischen und der bolschewistischen oder sozialistischen. Wer heute sehen will, kann das schon sehen, dass alle anderen Bestrebungen heute auf abschüssigen Wegen sind in Bezug auf den Erfolg. Damit ist nicht etwas im Geringsten über den Wert des Katholizismus und des Bolschewismus gesagt, sondern nur über ihre Stoßkraft. Die Stoßkraft von beiden ist aber eine ungeheure, wird mit jeder Woche größer. Und alle anderen Kulturbestrebungen sucht man in diese beiden Bestrebungen hereinzubringen. Daher wird es nur sinnvoll sein mit einer dritten Kulturströmung, eben der anthroposophischen, auch das Pädagogische in einer gewissen Weise zu orientieren. Das ist die Weltsituation.

Es ist ja wunderbar, wie wenig gedankenvoll die Menschheit heute ist, sodass sie die wichtigsten Symptome gedankenlos vorbeigehen lässt. Dass mit einer jahrhundertealten Tradition jetzt in England gebrochen worden ist durch das System Macdonald, das ist etwas so Einschneidendes, das ist wirklich etwas so Bedeutungsvolles, dass es ganz wunderbar ist, dass die Welt so etwas nicht bemerkt. Auf der anderen Seite sollte wiederum auf anthroposophischer Seite gut bemerkt werden, wie die äußeren Ereignisse deutlich zeigen, dass jenes Zeitalter aufgehört hat, dessen Geschichte bloß vorn physischen Plan aus geschrieben werden kann. Wir müssen uns klar sein, dass die ahrimanischen Mächte überall immer mehr Einbruch haken in das geschichtliche Werden. Zwei leitende Persönlichkeiten, Wilson und Lenin, sind unter den gleichen Krankheitssymptomen gestorben, beide an Paralyse, das heißt, beide boten ein Tor für die ahrimanischen Mächte. Diese Dinge zeigen doch, dass die Weltgeschichte aufhört, Erdengeschichte zu sein, sondern anfängt, eine kosmische Geschichte zu werden. Alle diese Elemente sind von großer Wichtigkeit und spielen in unsere Detailfragen hinein.

Wenn wir zunächst zu dem Konkreten übergehen, dass der Verwaltungsrat seine Ämter in meine Hände zurückgelegt hat, so dürfen Sie nicht vergessen, dass sich mit der Dornacher Tagung das Allerprinzipiellste entschieden hat, nämlich, dass ich vom Jahre 1912 bis 1923 in der Anthroposophischen Gesellschaft gelebt habe ohne ein Amt, sogar ohne Mitgliedschaft, was ich dazumal, 1912 sehr deutlich betont habe; dass ich also eigentlich der Anthroposophischen Gesellschaft nur als Ratgeber, als Lehrer angehörte, als der, der die Quellen der Geisteswissenschaft aufzeigen sollte. Mit der Weihnachtstagung bin ich Vorsitzender der Anthroposophischen Gesellschaft geworden, und meine Handlungen sind fortan die des Vorsitzenden der Anthroposophischen Gesellschaft. Wenn ich fortan den Verwaltungsrat ernennen würde, so würde er vom Vorsitzenden der Anthroposophischen Gesellschaft ernannt sein. Es würde die oberste Institution der Freien Waldorfschule eingesetzt sein von der Anthroposophischen Gesellschaft. Auch das ist etwas, was durchaus in Erwägung gezogen werden könnte. Das alles möchte ich vorausschicken, wenn wir jetzt darangehen, diese ganzen Fragen zu behandeln. Denn die Waldorfschule wird dann, wenn sie in dieser Form die Verbindung sucht mit Dornach, sie wird dann eben etwas anderes, als dasjenige ist, was eingerichtet worden ist, als die Waldorfschule geschaffen worden ist. Es ist wirklich die Dornacher Weihnachtstagung nicht bloß eine Festlichkeit geblieben wie zum größten Teil die anthroposophischen Veranstaltungen, wenn sie auch nicht immer festlichen Charakter hatten, besonders in Stuttgart nicht, sondern die Weihnachtstagung ist im vollen Ernste gemeint gewesen, sodass irgendetwas, was als Konsequenz gezogen wird, einen sehr ernsten Charakter annimmt.

Nun gibt es noch andere Formen, in denen die Freie Waldorfschule in Beziehung treten kann zu Dornach. Und das würde sein, wenn nicht die Schule unterstellt würde Dornach, sondern wenn das Lehrerkollegium als solches, oder aber diejenigen Persönlichkeiten innerhalb des Lehrerkollegiums, die das wollen, nicht nur für ihre Person, sondern als Lehrer der Schule in ein Verhältnis treten würden zu Dornach, zum Goetheanum, zur Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Dann würde das der Schule den Charakter nicht nehmen, sondern das würde ja nur der Außenwelt gegenüber betonen, dass fortan auch die Pädagogische Sektion am Goetheanum in Dornach als der Impulsgeber für die Waldorfschul-Pädagogik fortdauernd angesehen wird, wie ja die anthroposophische Pädagogik bisher auch angesehen worden ist. Der Unterschied wäre der, dass das Verhältnis zur anthroposophischen Pädagogik bisher ein mehr theoretisches war, dass dann in Zukunft das Verhältnis mehr ein lebendiges sein würde, in dem man dann entweder als ganzes Lehrerkollegium oder in einzelnen Persönlichkeiten sich richten würde nach den Impulsen, die sich ergeben, wenn man als Lehrer der Freien Waldorfschule Mitglied der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft ist. Damit würde sich aber dann doch als unmöglich gestalten, dass der Verwaltungsrat gewissermaßen vom Goetheanum aus ernannt wird, sondern der müsste dann natürlich bleiben, wie er ist, weil er ja so gedacht ist, dass er aus dem Lehrerkollegium heraus ernannt oder sogar erwählt ist. Das ist etwas, was vielleicht überhaupt gar nicht geht gegenüber dem, was die gesetzlichen Instanzen hier als möglich ansehen, dass der Verwaltungsrat von Dornach aus ernannt wird. Ich glaube nicht, dass die württembergischen Gesetze gestatten würden, dass vom Goetheanum, also von einer Institution, die außerhalb Deutschlands liegt, der Verwaltungsrat der Freien Waldorfschule ernannt wird. Bliebe also das Letzte, dass der Verwaltungsrat neu von mir selbst ernannt wird, aber das ist ja nicht notwendig.

Das sind die Dinge, die ich Ihnen vorlegen möchte. Sie sollten daraus sehen, dass auch unter Ihnen selbst die Frage gründlich erwogen werden sollte. Wie Sie nun auch denken über die Lösung der Frage, ob Sie in diesem oder in jenem Maße mir etwas Entscheidendes in Bezug auf die Lösung zugestehen wollen, ob Sie daran denken, mir zuzugestehen zu entscheiden, dass ich von mir aus sagen soll, wie man gestalten solle, so möchte ich Sie doch bitten, Ihre Meinungen jetzt zum Ausdruck zu bringen, diejenigen, die solche Meinungen haben. Es braucht ja in keinem anderen Stile zu geschehen, als dass noch einmal vorgebracht würde, was im Lehrerkollegium schon besprochen worden ist, und was dazu geführt hat, das zu äußern, was Sie vorgebracht haben.

ERICH SCHWEBSCH: Hauptsächlich hat dazu geführt, dass wir fühlen: In den Kindern kommt etwas herauf, bei dem wir die Gefahr fühlen, wir könnten dieses übersehen, und für uns ist die Frage aufgetaucht: Ändert die Dornacher Tagung etwas an [dem Verhältnis] der Waldorfschule [zur Anthroposophischen Gesellschaft]?

RUDOLF STEINER: Nicht wahr, die Freie Waldorfschule hatte zur Anthroposophischen Gesellschaft kein Verhältnis, war etwas außerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Deshalb kann die Weihnachtstagung für die Freie Waldorfschule nichts Maßgebendes sein. So liegt die Sache. Es ist etwas anderes für solche Institutionen, die unmittelbar von der Anthroposophischen Gesellschaft selber ausgegangen sind. Da ist es eine ganz andere Sache. Die Freie Waldorfschule ist als Institution für sich begründet. Das Verhältnis, das bestand, das ein inoffizielles war, das kann ja auch zur neuen Gesellschaft jetzt bestellen. Das ist etwas, was vollständig frei war, was jeden Tag begründet worden ist dadurch, dass weitaus die größte Anzahl der Lehrer der Anthroposophischen Gesellschaft angehört, und dass in freier Weise die anthroposophische Pädagogik hier geführt wird dadurch, dass ich als Vertreter der anthroposophischen Pädagogik hier den Vorsitz im Lehrerkollegium führe und so weiter. Das braucht ja alles nicht geändert zu werden.

ERICH SCHWEBSCH: Wie ist die Pädagogische Sektion gedacht?

RUDOLF STEINER: Nicht wahr, die Intentionen der Weihnachtstagung, insbesondere der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, werden sich erst ganz langsam und allmählich verwirklichen lassen. Wahrscheinlich auch schon deshalb, weil wir nicht genug Geld haben, um für die Baulichkeiten gleich von Anfang an sorgen zu können in dem Rahmen, wie es jetzt schon projektiert ist. Die Sachen werden langsam und allmählich sich realisieren. Zunächst sind die einzelnen Sektionen so gedacht, dass sie so weit eingerichtet werden, als bei den Persönlichkeiten, die vorhanden sind, und den materiellen Mitteln dies heute möglich ist. Es ist ja so gedacht, dass der Grundstock der Schöpfung für die Freie Hochschule als eine Institution der Anthroposophischen Gesellschaft sein wird die Mitgliedschaft der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Nun habe ich gesehen: Ein großer Teil der Lehrerschaft der Waldorfschule hat um Mitgliedschaft nachgesucht, die werden also Mitglied sein, werden also damit von vorneherein Vermittler sein für dasjenige, was von der Freien Hochschule am Goetheanum in pädagogischer Beziehung ausgeht. Was sich weitet- an Institutionen anschließt dieser Freien Hochschule für Geisteswissenschaft, das wird sich ja erst zeigen.

Es ist ja vielfach von Institutionen der Wunsch geäußert worden, mit Dornach in Beziehung zu treten. Einfach ist die Situation gegeben bei den Institutionen, die als anthroposophische Institutionen entweder alle oder gar keine Vorurteile gegen sich haben. Zum Beispiel das Klinisch-Therapeutische Institut in Stuttgart, das kann sich anschließen.

Entweder wird es als anthroposophische Institution von vorneherein bekämpft, dann schadet es nichts, wenn es sich anschließt Oder es wird anerkannt, weil die Leute gezwungen werden einzusehen, dass die Heilmethoden dort wirksamer sind als anderswo; dann ist es eigentlich selbstverständlich, dass es sich anschließt. Das ist aber eine Institution, die nicht in einer solchen Stellung der Welt gegenüber ist wie eine Schule. Die [Klinik] kann sich ohne Weiteres anschließen. Aber eine Schule wird sowohl die gesetzlichen Behörden wie auch das Publikum störrisch machen, wenn sie plötzlich eine anthroposophische Schule ist. Es ist stark die Frage, ob nicht die Schulbehörde überhaupt Einspruch erheben würde. Sie hat gar kein Recht dazu, und es hat auch gar keinen Sinn, Einspruch zu erheben gegen die pädagogischen Methoden_ Die können ja die anthroposophischen sein. Man hat auch kein Recht, Einspruch zu erheben, wenn selbst alle Lehrer für ihre Person Mitglied der Freien Hochschule in Dornach sind, Das geht die Behörden nichts an. Gegen all das kann kein Einspruch erhoben werden. Aber dagegen würde sofort Einspruch erhoben werden, wenn die Sache so wäre: Da ist die Freie Hochschule am Goetheanum; zu ihr besteht eine Beziehung so, dass pädagogische Entscheidungen, die dort getroffen werden, hier von der Schule aufgenommen werden, zum Beispiel dass in den Lehrplan hereingeredet würde von Dornach aus und so weiter. Das wenigstens käme für die ersten acht Klassen in Betracht. Die höheren, von der 9. ab, selbstverständlich, wenn wir nur diese hätten, so würde kaum etwas eingewendet werden können, höchstens bei Bewilligung der Maturität, aber das würde ja wohl nicht von den Behörden in Anspruch genommen werden, Aber für die Volksschulklassen würde man das nicht gelten lassen.

Nicht wahr, zunächst ist die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft so gedacht, dass sie im Grunde für die Einsicht und das Leben wirkt. Sodass also, sagen wir, jedes Mitglied nicht nur das Recht, sondern sogar eine gewisse moralische Verpflichtung hätte, mit Bezug auf seine pädagogischen Bestrebungen sich an Dornach zu wenden. Nicht wahr, der Freien Hochschule in Dornach werden ja zunächst solche Leute angehören, die an ihr katexochen lernen wollen. Aber man bleibt ja auch an ihr, wenn man gelernt hat, Mitglied der Freien Hochschule, so, wie an einer französischen, norwegischen, dänischen Universität der, der einen Grad erlangt hat, Mitglied der Universität bleibt, nur ihr in fortwährender Beziehung bleibt. Man ist nicht nur abgestempelt, wenn man in Frankreich zum Beispiel einen Grad erhalten hat; dann ist man Mitglied der betreffenden Hochschule, bleibt es sein Leben lang und lebt in wissenschaftlichem Zusammenhang mit ihr. Und das ist dasjenige, was für die älteren anthroposophischen Mitglieder der Schule von vornherein in Betracht zu ziehen sein wird, die Mitglieder der [Hoch]schule werden unter der Voraussetzung, dass sie vieles schon wissen von dem, was vorgetragen wird an der Schule. Aber die [Hoch schule wird fortwährend wissenschaftliche oder künstlerische Aufgaben lösen, und an denen werden alle Mitglieder der Schule teilnehmen. Insofern wird das Leben von dem einzelnen Mitglied der Schule befruchtet. Wir werden in allernächster Zeit dieselbe Aufforderung an alle Mitglieder der anderen Sektionen schicken, die wir schon an die Mitglieder der Medizinischen Sektion gerichtet haben, in entscheidenden Fragen sich an Dornach zu wenden. Und wir werden alle Monate oder alle zwei Monate Rundbriefe schicken, in denen für alle Mitglieder gemeinschaftlich die Fragen beantwortet werden, die von einem Mitglied gestellt werden. Aber man wird nicht Mitglied der Sektion, sondern der Klasse. Sektionen kommen nur für die Dornacher Leitung in Betracht. Der Vorstand arbeitet mit den Sektionen, der Einzelne wird Mitglied der Klasse,

ERICH SCHWEBSCH: Soll man danach streben, dass es einstmals möglich wird, die Schule Dornach unterzuordnen?

RUDOLF STEINER; Nicht wahr, in dem Streben nach einem Anschluss der Schule als solcher an Dornach liegt zu gleicher Zeit, wie überhaupt in allein, was jetzt sachlich geschehen kann, das Begehen des Weges nach einer Richtung hin, die ja dadurch, dass unsere Persönlichkeiten, die das dazumal in die Hand genommen haben, nicht gewachsen waren der Situation, wieder verlassen werden musste; der Weg musste wieder verlassen werden. Es liegt darinnen der Weg der Dreigliederung. Denn wenn Sie sich die Freie Waldorfschule der Freien Hochschule angegliedert denken, so könnte das nur geschehen unter den Auspizien dessen, was der Dreigliederung zugrunde liegt. Und man arbeitet im Grunde konkret, wenn alle vernünftigen Institutionen schon nach der Dreigliederung hinarbeiten werden, Man muss die Welt ihren Gang gehen lassen, nachdem sie mit voller Absicht den anderen Weg nicht gehen wollte. Es wird nach der Dreigliederung hingearbeitet, aber man muss schon als Ziel ins Auge fassen, dass eine solche Institution wie die Freie Waldorfschule, die sachlich einen anthroposophischen Charakter hat, dass diese schon einmal selbstverständlich zusammenfällt mit dem anthroposophischen Streben.

Nur in diesem Augenblick ist es eben doch möglich, dass, wenn dieser Anschluss in offizieller Weise erfolgt, dass man dann deshalb der Waldorfschule das Genick umdreht. Sodass ich, wie die Sachen jetzt stehen, schon dazu raten würde, unter diesem Gesichtspunkt den Verwaltungsrat nicht neu zu wählen, sondern zu lassen, wie er ist, und im Übrigen nur von diesen zwei Fragen aus nach der einen oder der anderen Richtung sich zu entscheiden: Begnügen sich die Lehrer der Schule damit, als Einzelne der Freien Hochschule in Dornach anzugehören, oder wollen Sie als Kollegium Mitglied werden, sodass jeder beitritt mit dem Charakter «als Lehrer der Freien Waldorfschule». Damit macht dann die Lehrerschaft notwendig, dass sich die Pädagogische Sektion in Dornach mit der Freien 'Waldorfschule befasst, während sie sich sonst nur mit der Pädagogik im Allgemeinen befassen wird.

Also ein großer Unterschied ist das schon. Es würde in unserem Rundbrief etwa stehen: In der Freien Waldorfschule macht man am besten dieses oder jenes so oder so. Das ist dann in gewisser Beziehung bindend für die Lehrer der Freien Waldorfschule, die der Freien Hochschule als Lehrer angeschlossen sind. [Nicht wahr], anschließen an Dornach ohne weitere Gefährdung können sich alle Zweige und Gruppen der Anthroposophischen Gesellschaft. Sie müssen es eigentlich sogar tun. Alle Gruppen und so viele Einzelne, als die Bedingung erfüllen können, und solche Institutionen, wie etwa das Biologische Institut, das Forschungsinstitut, die Klinik, die können sich anschließen. Sie können ja Schwierigkeiten auf der anderen Seite haben. Die Schwierigkeiten, die für die Waldorfschule in Betracht kommen, kommen da nicht in Betracht. Es ist eben damals großer Wert darauf gelegt bei der Gründung, die Schule als eine von der Anthroposophischen Gesellschaft unabhängige Institution zu schaffen. Damit stimmt logisch ganz gut überein, dass der Religionsunterricht von den Religionsgemeinschaften aus besorgt wird, der freie Religionsunterricht von der Anthroposophischen Gesellschaft aus, [dass] die Anthroposophische Gesellschaft mit dem freien Religionsunterricht darinnensteht wie die anderen religiösen Gemeinschaften. Die Anthroposophische Gesellschaft gibt eigentlich den Religionsunterricht und den Kultus. Das können wir jederzeit sagen und mit vollem Recht sagen, wenn uns vorgehalten wird, die \Waldorfschule sei eine anthroposophische Schule. Dadurch, dass die Anthroposophie glaubt, die beste Pädagogik zu haben, wird der Schule nicht der Charakter des Anthroposophischen aufgedrückt. Das ist eine ganz klare Situation. Würde das auch vorn «Kommenden Tag» eingerichtet worden sein, als die Übungen eingerichtet worden sind, die jetzt da sind, würde er an die Anthroposophische Gesellschaft herangetreten sein, Übungen einzuführen, an denen jeder teilnehmen könnte, der will, so würde die Bemerkung nicht gekommen sein in den Mitteilungen. Bei diesen Dingen kommen die realen Formalien sehr, sehr scharf in Betracht.

CAROLINE VON HEYDEBRAND: Ist eine Änderung nicht schon da-durch da, dass Dr. Steiner als Leiter der \Waldorfschule nun auch Leiter der Anthroposophischen Gesellschaft ist?

RUDOLF STEINER: Das ist nicht der Fall. Das Verhältnis, das ich ein-gegangen bin, ändert nichts daran, dass ich für mich selbst noch Leiter der Schule bin. Die Veranstaltung war ja eine rein anthroposophische, und die Waldorfschule hatte kein offizielles Verhältnis zur Gesellschaft. Etwas anderes ist es, was im Laufe der Zeit eintreten könnte, dass der Religionsunterricht unter Umständen von der Dornacher Leitung durch die Anthroposophische Gesellschaft selber in Anspruch genommen wird. Das ergibt sich organisch daraus, Nur dieses würde sich ergeben.

MARIA RÖSCHL: Ist der Standpunkt, der bei der Gründung der Waldorfschule eingenommen wurde, auch heute noch maßgebend?

RUDOLF STEINER: Wenn Sie die Frage so auffassen, dann ist zu entscheiden, ob das Lehrerkollegium überhaupt kompetent ist, die Frage anzufassen; ob das nicht der Waldorfschulverein ist, Denn sehen Sie, der Waldorfschulverein ist eigentlich der Welt gegenüber der wirkliche Verwaltungsrat der Schule. Sie kennen doch die sieben weisen Männer, die über die Schule beraten. Diese Frage kommt in Betracht, wenn entschieden werden soll, ob die Waldorfschule als solche sich Dornach angliedern soll oder nicht, ob das Waldorfschulkollegium nicht nur in der Lage ist, entweder für sich sich anzuschließen oder als Lehrer eben. Denn alles Pädagogische kann ja auch so entschieden werden. Das ist eine Frage unter Umständen des Bestandes. Es bleibt die Waldorfschule dann nach außen das, was sie ist. Sie müssen die Dinge auffassen der Realität nach. Was tun Sie denn, wenn Sie als Lehrerkollegium beschlossen haben, wir schließen die Schule an Dornach als Abteilung an, und der Waldorfschulverein sperrt Ihnen dann die Gehälter über diesen Beschluss? [Das ist theoretisch alles möglich.]

WALTER JOHANNES STEIN stellt eine Frage über das Abiturientenexamen.

RUDOLF STEINER: Aber nun, nicht wahr, was würde mit Bezug auf die Maturafrage, wenn diese schon hier hereinspielen soll, die eine reine Kompromissfrage ist, was würde geändert durch den Anschluss?

WALTER JOHANNI STEIN führt seine Frage weiter aus.

RUDOLF STEINER: Ja, nicht wahr, die anderen Gesichtspunkte könnten doch nur die sein, dass wir uns absolut weigern, irgendwelche Rücksicht darauf zu nehmen, ob die Schüler das Abiturientenexamen machen wollen oder nicht, dass wir das als Privatsache des Schülers betrachten. Bisher ist nicht daran gedacht worden, Das fragt sich, ob wir das als Grundsatz aufstellen sollen. Alle Schüler und die Eitern der Schüler werden dadurch vor die Frage gestellt: Wage ich es, meinem Kinde eine Lebensbahn zu eröffnen ohne das Abiturientenexamen? — Natürlich, man kann so etwas tun, aber es fragt sich sehr, ob man es soll. Ganz abgesehen davon, dass wir dann vielleicht doch keine Schüler kriegten oder doch bloß die Taugenichtse. Ob man die Maturafrage verquicken kann mit dieser Frage, scheint mir doch problematisch. Ich glaube nicht, dass viel daran geändert wird, ob der Anschluss erfolgt oder nicht. Man wird doch dieses Kompromiss schließen müssen.

Ich glaube, dass Sie zunächst die Form wählen sollten — die Dinge sind ja nicht ewig, sie können ja künftig weiter erwogen werden —, ich glaube, dass Sie die Form wählen sollten, als einzelne Lehrer, diejenigen, die es wollen, Mitglieder der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft zu werden mit der Angabe, dass Sie auch eben als Lehrer der Freien Waldorfschule dem Goetheanum angeschlossen sein wollen. Ich glaube schon, dass dies alles das erreicht, was Sie überhaupt wünschen, dass alles Übrige vorläufig überhaupt gar nicht nötig ist. Der Unterschied ist der, wenn Sie als Einzelne eintreten, ohne als Lehrer Mitglied zu sein, so würde das sein, dass dann in unseren Rundbriefen gar nicht von der Waldorfschule die Rede sein würde. Spezielle Fragen der Waldorfschule würden von Dornach aus überhaupt nicht behandelt werden, Fügen Sie bei, dass Sie als Lehrer eintreten, so ist das für Sie selber vielleicht gleichgültig, Aber für die Kulturaufgabe der Waldorfschule ist es nicht gleichgültig, denn alle anderen Mitglieder der Freien Hochschule bekommen die Nachrichten darüber, was man in Dornach über die Freie Waldorfschule denkt. Es wird die Freie Waldorfschule in den ganzen Umfang des pädagogisch-anthroposophischen Lebens hineingestellt. Das Interesse wird dann verbreitet über einen größeren Horizont. Man spricht dann überall da, wo Mitglieder der Freien Hochschule sind, davon: An der Waldorfschule ist dies gut, dies gut und so weiter. Es wird die Freie Waldorfschule dadurch eine anthroposophische Angelegenheit, [für die die Gesellschaft sich interessiert], während sie jetzt keine anthroposophische Angelegenheit ist. Für Sie ist es gleichgültig. Die Fragen, die in Dornach behandelt werden, werden natürlich andere sein, als sie hier aufgeworfen werden. Es könnte aber auch möglich sein, dass wir nötig hätten, dieselben Fragen auch hier in der Konferenz aufzuwerfen. Aber für die ganze Gesellschaft ist es nicht dasselbe. Für die anthroposophische Pädagogik wird es etwas Großes sein, Dadurch erfüllen Sie etwas von der Mission der Freien Waldorfschule.. Damit erfüllen Sie etwas von dem, was Sie eigentlich wollen: dass die Freie Waldorfschule hineingestellt wird in die ganze Kulturmission, die die Anthroposophie hat. Es kann zum Beispiel so sein: Die Konferenz der Freien Waidorfschule in Stuttgart hat irgendeine Frage aufgeworfen. Sie wird dann als Angelegenheit der Freien Hochschule betrachtet.

ERICH SCHWEBSCH: Das würde dann wohl auch bedeuten, dass von der Schule aus bestimmte Berichte über die Arbeit der Schule an das Mitteilungsblatt geschickt würden.

RUDOLF STEINER: Das ist gut, wenn [Berichte über Pädagogisch-Methodisches gemacht würden], wenn es nicht Personalangelegenheiten sind; es sei denn, dass diese zugleich von pädagogischer Bedeutung sind.

Rudolf Steiner wird dann gefragt, wie er sich zu einer pädagogischen Tagung zu Ostern stelle, und wird gebeten, die Richtung und den Rahmen für die Tagung anzugeben.

RUDOLF STEINER: Ich habe nur das eine zu sagen: dass die pädagogische Tagung zu Ostern Rücksicht nehmen solle darauf, dass ein pädagogischer Kursus in Zürich stattfinden soll, aber man kann ihn nicht in die Mitte hineinlegen. Ich würde die Zürcher Tagung legen müssen in die Richtung vor Ostern, am zweiten Osterfeiertag beginnen, 20. bis 28. [März].

Dann möchte ich jetzt eine Frage aufwerfen, die sich von einer ganz anderen Seite her mit dem Früheren berührt. Was wir können von der Waldorfschule aus, das ist Folgendes. Ich muss es mir auch noch genauer überlegen, was ich Ihnen selbst nach dieser Richtung hin vorschlagen würde. Da gibt es aber eine Möglichkeit, nach welcher Sie zugleich der Absicht, den vollständigen Anschluss an die anthroposophische Bewegung zu vollziehen, etwas näher kommen können. Der Vorschlag ist der, dass die Waldorfschule sich bereit erklärt, eine Tagung, welche die Anthroposophische Gesellschaft zu Ostern innerhalb ihrer Räume und ihres Wirkungskreises in ihren Räumen macht, in sich aufzunehmen. Das kann keiner beanstanden. Die Freie Waldorfschule kann auf ihrem Boden eine [anthroposophisch] Tagung veranstalten, das ist etwas, was getan werden könnte. Ich möchte mir nur überlegen, ob es opportun ist, gerade jetzt; aber ich glaube nicht, dass man Anstoß nehmen wird im Publikum, und die Behörden werden den Unterschied gar nicht verstehen. Nicht wahr, die werden den Unterschied gar nicht verstehen, Das wäre natürlich ein Erstes, was man tun könnte. Ich werde das Programm aufstellen. Montag 21. bis Samstag 26., Sonntag 27.

Sachlich möchte ich noch dieses sagen: Ganz im Charakter von solchen Bestrebungen, wie sie in Ihren Herzen jetzt auch aufgetaucht sind, war die Kasseler Jugendtagung der Christengemeinschaft. Bei dieser hat sich herausgestellt, dass vonseiten der Priesterschaft der Christengemeinschaft von Mittwoch bis Ende der Woche in einer Art von Näherungskreisen die Leute, die dort gesucht haben, eingeführt wurden in das, was die Christengemeinschaft als religiöse Gemeinschaft zu sagen hat. Das Ganze schloss damit, dass die Teilnehmer der Jugendtagung auch an einer Kulthandlung teilnahmen, und dass die letzten zwei bis drei Tage zur freien Aussprache bestimmt waren, sodass die Teilnehmer, die bestanden haben aus jungen Leuten unter zwanzig Jahren und dann wieder von sechsunddreißig Jahren an— die mittlere Generation fehlte, was charakteristisch ist für unsere Zeit —, sodass die Leute offiziell kennengelernt hatten die auf eigenen Füßen der Anthroposophischen Gesellschaft gegenüberstehende Christengemeinschaft. Sie haben teilgenommen an der Messe, Dann trat die freie Diskussion auf, von der man voraussetzen musste, dass sie ginge über das, was vorher erlebt worden ist. Stattdessen ergibt sich, dass durch alles, was erlebt worden war, die Sehnsucht nach Weiterem erweckt wurde. [Da sprachen die, die Anthroposophen waren darunter, über Anthroposophie.] Und es zeigte sieh, dass all das doch schon Anthroposophie als letztes Ziel haben wollte. Das ist eine sehr charakteristische Tagung, weil sie ein Beweis dafür ist, dass der Anschluss an die Anthroposophie das ist, was sachlich angestrebt werden muss. Wir werden im nächsten Mitteilungsblatt über diese Jugendtagung in Kassel etwas bringen.

Ich wundere mich, dass Herr Molt sich nicht zu dieser Frage äußert ...

EMIL MOLT glaubt, dass die politischen und wirtschaftlichen Fragen wichtig sind.

ERICH SCHWEBSCH berichtet im Zusammenhang mit der Maturumsfrage, dass M., K und N. der Rat erteilt werden soll, zurückzutreten.

RUDOLF STEINER: Es fragt sich, in welcher Form wir den Schülern den Rat geben, Wenn von dieser Seite die Frage behandelt werden soll, kommt eine Form heraus, die dem Prinzipiellen, das sich begründen ließe, nicht ganz entspricht. Ich möchte wissen, was Sie, Doktor Stein zum Beispiel, prinzipiell zu sagen haben,

WALTER JOHANNES STEIN entwickelt seine Ideen über die 13. Klasse: [Wenn die Schüler am Ende der 12. Klasse das Abitur machen müssen, kann man in der 10., 11. und 12. Klasse das eigentliche Erziehungsziel nicht erreichen, weil man aufs Examen arbeiten muss. Die Schüler sollten das 13. Schuljahr und das Examen an einer fremden Schule absolvieren.]

RUDOLF STEINER: Auf der anderen Seite stand die ganze Maturafrage unter einem anderen Gesichtspunkt, nämlich unter dem, dass von Schülern oder Vormündern gewünscht wird, dass sie die Prüfung machen. Hat sich darin etwas geändert? Die Schüler, gut, sind unglücklich; aber Schüler in anderen Schulen sind auch unglücklich, dass sie Dinge lernen müssen, die sie nicht lernen wollen, Ich meine dieses, was da unsere Schüler als ihr Unglück empfinden, das empfinden heute bei der Reife, zu der doch die Kinder mit achtzehn, neunzehn Jahren kommen, das empfinden alle. Die Maturafrage ist eben eine reine Opportunitätsfrage. Es ist die Frage, ob wir es wagen sollen, denen, die zu uns kommen, von vorneherein zu sagen, wir bereiten gar nicht zu irgendeiner Matura vor, und es ist jedes Schülers Privatsache, ob er dann zur Matura kommen wird oder nicht. — Das ist es eben. Für die Zukunft könnte diese Frage wirklich noch prinzipiell entschieden werden, aber es scheint mir nicht zulässig, dass wir sie in diesem Stadium vielleicht schon für dieses Jahr entscheiden.

ERICH SCHWEBSCH fragt, ob es besser sei, dass unsere Schüler das 13. Schuljahr an anderen Schulen absolvieren und dort dann das Examen ablegen. Ob man in diesem Sinne ein Zirkular an die Eltern senden solle.

RUDOLF STE1NER: Das kann man alles machen, aber unsere Schüler kommen nicht aus der Kalamität heraus, denn sie werden ein Aufnahmeexamen machen müssen. Es ist dann nur die Frage, ob sie durchfallen bei der Aufnahmeprüfung oder bei der Maturitätsprüfung.

[Nach einer Frage von Felicia Schwebsch:] Es war der Wunsch der meisten Eltern, dass wir den Schülern, trotzdem sie uns übergeben werden, die Möglichkeit geben, dass sie zu einem Hochschulbesuch kommen können. Das ergibt ja dieser Wunsch der Eltern und der Kinder selbst, Anfangs standen die Kinder nicht auf dem Standpunkt, dass es ihnen peinlich wäre. Sie waren ja besorgt, dass sie die Matura machen könnten. Es ist sehr gut möglich, dass sie es probieren> aber nur dadurch, dass wir die Schüler in einem dreizehnten Jahrgang an andere Schulen abgeben, lösen wir die Frage nicht. Es fragt sich nur, ob wir sie so lösen, wie wir es als höchst problematisch hier schon besprochen und dazumal abgelehnt haben; es fragt sich> ob wir als Kompensation nicht ins Auge fassen, wenn wir radikal darauf bestehen, dass wir die Schule durchführen, ob wir neben der Schule nicht [noch] eine Vorbereitungspauke einführen. — Wir haben das abgelehnt, weil wir es für sehr unpädagogisch hielten. Ob wir nun die Vorbereitungspauke einführen oder den Lehrplan [negligieren], das ist die Frage. Ich denke mir, das wäre schon das Gescheiteste, dass wir die Schüler nicht an eine andere Schule abgeben. Sie müssten dann ja eine Aufnahmeprüfung machen. [Aber] wenn wir den Lehrplan bis zum zwölften Jahre durchführen, dann können wir einen dreizehnten Jahrgang zur Maturapauke verwenden.

Nehmen Sie an, betrachten wir die Frage pädagogisch, nehmen Sie an, ein Kind kommt — das ist schon 'Unfug — zwischen dem sechsten und siebenten Jahr in die 1. Klasse, dann hat es die 12. Klasse zwischen dem achtzehnten und neunzehnten Jahr absolviert. Von da ab sollte eigentlich der Übergang gefunden werden in die Hochschule. Nicht später, Da noch ein Jahr daraufsetzen, ist ja eine ebenso gescheite Maßnahme, wie sie der Staat ergreift, wenn er glaubt, es ist mehr Lehrstoff da, und ein Jahr einflickt in der medizinischen Ausbildung und so weiter. Das sind ja Dinge, um an den Wänden hinaufzugehen. Diejenigen, die nicht auf die Hochschule wollen, die müssen ihren Lebensweg so suchen. Für das Leben brauchbarere Leute werden sie ohne Matura, denn sie werden das, was sie für das Leben brauchen, ja hier finden. Und die, die auf die Hochschule sollen, können ruhig ein weiteres Jahr dazu verwenden, eben etwas zu verdummen. ich glaube, man kann schon dieses dreizehnte Jahr als ein Paukjahr betrachten. Aber wir müssen schon selber dafür sorgen, dass es absolviert werden kann, denn an eine andere Anstalt können wir die Schüler nicht abgeben. Wir müssten es unsererseits etwas trennen von der Waldorfschule. Wir können ja [Einpauker] anstellen dazu. Das Lehrerkollegium müsste doch wieder vermehrt werden wegen der 13. Klasse. Wenn man dann [solche] Leute anstellen würde, und das Lehrerkollegium würde die Sache etwas überwachen, einrichten würde es sich schon lassen. Ja, das meine ich.

ERICH SCHWEBSCH fragt wegen der Schüler, die jetzt noch nicht die Reife für die Prüfung haben: N., M., K.

RUDOLF STEINER: Wir können den Rat in der Form geben, dass wir ein Urteil abgeben, dass wir sie nicht für reif haken. Nicht wahr, das Abiturientenexamen wird an den Schulen auch so behandelt, dass man den Angehörigen der letzten Klasse den Rat gibt, nicht sich zu melden, sondern ein Jahr zu warten. Diesen Rat könnten wir geben und könnten der Behörde mitteilen, dass der Rat gegeben ist. Sie haben doch immer gesagt, und das stimmt doch auch, wir haben diese Schüler erst von einer bestimmten Klasse aus gehabt. Wir legen dem Ministerium ein Zeugnis vor, in dein steht, dass es unmöglich war, in der Zeit, in der die Schüler bei uns waren, sie bis jetzt maturareif zu kriegen. Wir halten es für notwendig, dass sie noch ein Jahr warten. Man sollte den Versuch machen, ihnen abzuraten. Und wenn sie doch den Versuch machen [wollen], sich zu melden, so soll man es in der Form den Behörden mitteilen, wie wir es besprochen haben, dass wir nämlich sagen, wir halten es für notwendig, dass sie noch ein Jahr in der Schule bleiben.

N. entfällt ja, er ist schon abgewiesen.

WALTER JOHANNES STEIN fragt nach Beratung bei der Berufswahl eines Schülers.

RUDOLF STEINER: Das kann man nur in einzelnen Fällen machen, prinzipiell kann man das kaum entscheiden. Die Schule hat auf die Berufswahl zumeist wenig Einfluss. Die Gesichtspunkte der Berufswahl sind wirklich nicht so einfach. Den [Jungen] werde ich mir an-schauen. Nicht wahr, eigentlich müsste sich die Sache so abspielen, dass ein Junge bis zum achtzehnten, neunzehnten Jahr die Meinung hat, er muss auf den oder den Beruf hinarbeiten, und auf Grundlage eines Wunsches kann man mit ihm Beratungen pflegen. Das ist eine sehr verantwortliche Sache.

Solch einen Theatertechniker gibt es gar nicht. Es gibt Theaterdirektoren, Theatertechnik ist verteilt auf verschiedene Leute, auf Maschinisten. Er stellt sich eine Stelle vor, da ist ein ausgebildeter Ingenieur.

ERICH SCHWEBSCH fragt wegen einer Schülerin, die zur Bühne will.

RUDOLF STEINER: Bei ihr, eine mittlere [Künstlerin] wird sie werden können, [zu] einer großen wird es nicht reichen. Die Motive kommen in Betracht. Wenn dieser Trieb da ist, so ist es berechtigt, bis zu einem gewissen Grad darauf einzugehen. Auf der anderen Seite darf man nicht unklar darüber sein, dass sie den Trieb hat, einen Beruf zu ergreifen, in dem man sich sehen lassen kann vor dem Publikum. Da muss man entgegenwirken. Man kann ihr sagen, ja doch, sie kann einen solchen Beruf -wählen, aber dann kann man ihn ihr so verekeln, dass sie nicht dazu kommt. Man muss sie auf Schwierigkeiten aufmerksam machen. Eine bessere Schmierenkomödiantin kann sie schon werden. Dazu hat sie schon das Zeug. Es ist schwer, solchen Menschen [wie ihr] zu raten, weil die nicht wissen, was sie wollen. Es hängt vom [unglückseligen] Familienmilieu ab. Etwas anderes könnte sie noch weniger werden.

HERBERT HAHN fragt wegen eines Arbeitsberichtes.

RUDOLF STEINER: Warum sollen die Arbeitsberichte nicht gemacht werden können? Ja, ich denke mir, dass man auf der einen Seite solche Dinge gibt, wie sie — Pastor Ruhtenberg ist es ja wohl — über den deutschen Unterricht für das «Goetheanum.» geschickt hat. Auf der einen Seite solche Einzelheiten, solche Details, und auf der anderen Seite allgemeine Grundsätze, wie man sich die Sache als Lehrer des betreffenden Faches denkt. Man könnte für jedes Fach solche Dinge geben, wie zum Beispiel Ruhtenberg es getan hat. Und dann für jedes Fach solche Dinge, wie man allgemein verfahren ist, welche Ideen und Grundsätze [der bisherigen Arbeit] zugrunde liegen.

Es wäre vielleicht überhaupt ganz gut, wenn gerade nach dieser Richtung hin in solch lobenswerter Kürze, wie Sie es getan haben, nicht in der Breite, öfter einmal so etwas durch das «Goetheanum» veröffentlicht werden könnte, was konkrete Gesichtspunkte bringt, wie man dieses oder jenes macht. Das wäre ganz gut — das «Goetheanum» hat jetzt eine Auflage von 6000 Exemplaren wenn solche Berichte durch das «Goetheanum» oder eine andere Zeitschrift kommen würden.

CAROLINE VON HEYDLBRAND fragt über die pädagogische Tätigkeit nach außen, mit Aufsätzen und Vorträgen.

RUDOLF STEINER: An manchen Stellen kann das sehr gut sein, besonders für Eurythmie-Schüler. Ich glaube schon, solche Struktur der Vorträge, wie sie sich halten an den Gang der Vorträge in Ilkley, das wird ganz nützlich sein. Ich kann nicht sagen, wie man meine Vorträge umarbeiten soll. [...] [Über einen Kritiker Jakobson — möglicherweise ist Ludwig Jacobowski gemeint.]

MAX WOLFFHÜGEL bedauert, dass der Malunterricht in den oberen Klassen nicht ebenso regelmäßig und kontinuierlich durchgeführt werden könne wie in den unteren. Er fragt auch nach dem Technischen des Malens in den unteren Klassen.

RUDOLF STEINER: [Es schadet nicht, wenn der Malunterricht ein paar Jahre unterbrochen und durch Plastizieren ersetzt wird.] Es ist das vorliegend, dass durch den Prozess des geordneten Malunterrichts die Kinder im Unterbewussten durchgehend es wollen, und dass dann ein Zurückkommen auf einen unterbrochenen Malunterricht lebendig und mit großer Geschicklichkeit gemacht wird. [Bei allem, was aufs Können geht], ist es doch immer so, wenn [etwas] zurückgehalten wird, ist bald ein großer Fortschritt da, gerade wenn es unterbrochen worden ist.

Es wird nicht viel getan werden, wenigstens der Zeit nach. Es ist nur ein Mange!, wie man es in der Klasse macht. Ich glaube, dass es [in den unteren Klassen noch] einer Verbesserung bedarf, was den Malunterricht betrifft. Manche Lehrer haben sich [noch] zu wenig Mühe gegeben, technisch !damit] fertigzuwerden, [das Technische des Malens zu lernen, vor allem in den untersten Klassen]. Die Verwendung des Materials wird nicht richtig gemacht. Eigentlich sollte man nicht mit Farben auf Blättern, die sich fortwährend falten, malen lassen, sondern man sollte die Kinder [in allen Klassen] dazu gewinnen, dass sie auf aufgespannten Blättern die Farben aufstreichen. Und dann sollte man die ganze Sache von Anfang bis zum Ende durchführen, sodass wirklich solch ein Blatt fertig ist. Die meisten von den Blättern sind nur ein Anfang.

Das, was Sie wollen, wird davon abhängen, dass vielleicht, da Sie selber Maler sind, Sie selbst sich mit den Lehrern über die technischen Fragen besprechen, über die Handhabung der Materialien. Eine andere praktische Lösung kann es gar nicht geben.

[In den beiden oberen Klassen könnte man die Schüler, die dafür begabt sind, wieder malen lassen.] Zeit haben wir genug. [Man müsste da eben] mit den einfachsten Sachen wieder anfangen lassen. Wenn man von malerischen Gesichtspunkten ausgeht, dann kann es nicht zu großen Schwierigkeiten führen. Bei jüngeren Kindern ist [beim Malen.] das Schöpfen aus der Seele heraus schon das Richtige, aber bei den älteren Kindern muss man schon von [rein] malerischen Gesichtspunkten ausgehen; muss zeigen, wie ein Licht, das auffällt, malerisch wirkt und so weiter. Alles praktisch malerisch! Schon vom zehnten Jahr an sollte man gar nicht Gegenstände malen lassen, denn man verdirbt viel. [Rudolf Steiner beginnt an der Wandtafel mit farbiger Kreide zu malen.] [Umso mehr] sollte man von solchen malerischen Gesichtspunkten ausgehen, je älter die Kinder werden. Man sollte [ihnen] klarmachen: Dort ist die Sonne. Das Sonnenlicht fällt auf den Baum. Nun sollte man nicht vom Baum ausgehen und zeichnen, sondern man muss ausgehen von [den] Lichtflächen und [den] Dunkelflächen, sodass der Baum herausentsteht aus dem Licht-Dunkel der Farbe, aber der Farbe, die vom Lichte kommt. Nicht, dass man von der Abstraktion ausgeht: Der Baum ist grün. [Nicht die Blätter grün malen lassen; Blätter soll man überhaupt nicht malen], Lichtflächen soll man malen. Das soll man durchführen, das kann man machen,

Dann würde ich, wenn ich genötigt wäre, mit den Dreizehn-, Vierzehnjährigen erst anzufangen, dann würde ich die Dürer'sche «Melancholie» vornehmen, [würde] zur Anschauung bringen, wie wunderbar die Licht- und Schattenverteilung ist. Das Licht am Fenster, die Lichtverteilung am Polyeder und der Kugel, [das würde ich umsetzen lassen in Farben]. Dann das Licht am Fenster des «Hieronymus im Gehäus» und so weiter. Dieses Ausgehen von der «Melancholie», das ist überhaupt etwas [sehr Fruchtbares]. [Man sollte dieses] Schwarz-Weiß in Farbenphantasie umsetzen lassen. Von allen Lehrern ist nicht zu verlangen, dass sie Übung haben im Malen. Es kann Lehrer geben, die [nichts übrighaben für das Malen], weil sie es nicht können. Es muss das möglich sein, dass ein Lehrer unterrichtet, ohne zu malen. Wir können nicht alle Kinder in sämtlichen Künsten und Wissenschaften bis zur Vollkommenheit ausbilden.

MAX WOLFFHÜGEL: Es ist der Schule von Herrn Kühn der Vorschlag gemacht worden, das im Handfertigkeitsunterricht hergestellte Spielzeug industriell zu verwerten.

RUDOLF STEINER: Ich weiß nur nicht, wie man es kann. Es ist auch von einer anderen Seite her da etwas [gewesen], wo man ja solche Dinge auch in England verbreiten und verkaufen wollte, ich glaube sogar zugunsten der Waldorfschule. Aber man kann doch nicht eine Fabrik aus der Schule machen. Man kann es eben einfach nicht machen. Es ist eine unsinnige Sache. Die Sache hat nur dann einen Sinn, wenn jemand den Vorschlag macht, ob er eine Fabrik einrichten darf, in der er unsere Schulsachen zu Modellen braucht. Wenn das gemeint war, geht es uns weiter nichts an, höchstens ob wir die Sachen als Modelle hergeben wollen. — So hatte ich es nicht verstanden. Dann hätte das Zurückgehen auf die Schule auch nicht viel Sinn. Dann könnte einer ja Modelle machen, die im Sinne einer solchen Richtung wären. Wenn jemand eine Fabrik einrichten will und kommt mit dieser Forderung an uns heran, so können wir uns dann ja noch überlegen, ob wir wollen.

Was von Herrn Kühn selber ausgeht, das hat in der Regel nicht sehr viel Aussicht.

ERICH SCHWERSCH berichtet, dass über den französischen Unterricht von Johannes Geyer Klagen gekommen sind.

HANS RUTZ: Zwei Kinder drücken sich nach Möglichkeit vorn Französischen in 2b.

JOHANNES GEYER berichtet und meint, es seien Ausnahmeerscheinungen. Er bittet urn Rat.

RUDOLF STEINER: Es ist zunächst etwas schwer, viel anders zu machen, als Pastor Geyer zu bitten, ein Auge darauf zu haben und bei sich selbst die Fehler zu suchen. Man kann da ja kaum etwas anderes nach der Richtung machen.

WILHELM RUHTENBERG spricht die Bitte aus um einen neuen Oberstufenlehrplan für den Religionsunterricht, von der 5. Klasse aufwärts.

RUDOLF STEINFR: Wir haben den Religionsunterricht umrissen für acht Klassen in zwei Gruppen. 1.-4. Schuljahr die Unterstufe, und die anderen, 5.-8. Klasse, die Oberstufe. Ein Lehrplan für den Religionsunterricht ist also da in zwei Stufen. Nun meinen Sie also eine dritte Stufe?

WILHELM RUHTENBERG fragt, ob man den Lehrplan für die verschiedenen Klassen nicht spezialisieren könnte, etwa für die 5., 8., 12. Klasse.

RUDOLF STEINER: Sie können mir morgen zeigen, wie weit ich dazumal gegangen bin.

ERNST UEHLI fragt nach dem Stoff für den Religionsunterricht in der 9. Klasse.

RUDOLF STEINER: Augustinus, Thomas [a Kempis].

HERBERT HAHN fragt, ob Rudolf Steiner etwas geben könnte, was als Zugaben zu den Kulthandlungen den Jahreslauf begleiten würde, Z Uni Beispiel Farben oder dergleichen.

RUDOLF STEINER: Bei der Jugendfeier, die zu Ostern gesprochen werden soll, hängt es zusammen mit der ganzen Absicht der Jugendfeier. Aber ich weiß nicht, was Sie sich denken. Da präokkupiert man die Kinder mit einer suggerierten Stimmung. Das ist nicht gut, solange die Schule in Betracht kommt. Man macht das Kind dadurch unnaiv. Nicht wahr, es ist ja notwendig, dass das Kind bis zu einem gewissen Lebensalter den Dingen gegenüber, die sich ohne sein Bewusstsein vollziehen, naiv bleibt. Dass man also nicht einen ganzen Jahreskalender gibt. Es werden ihm suggeriert die Stimmungen. Es muss bis zu einem gewissen Lebensalter in naiver Weise solchen Dingen gegenüberstehen. Sie können doch auch nicht ein kleines Kind, das eben gehen lernt, nach einer vokalisierten oder konsonantischen Stimmung gehen lassen. Eine Einteilung der Evangelientexte kommt nur für die Messe in Betracht. Ich glaube, bei der Jugendhandlung kann man mehr sachlich vorgehen. Bei der Messe wird ja auch nicht nach Jahreszeiten vorgegangen. Das ist nicht kalendermäßig. Der historische Usus kommt nur infrage für das Lesen. Von Weihnachten bis Ostern [schon], da ist der Versuch vorhanden, die Geburtserscheinung, die Leidensgeschichte zu geben, später aber haben wir bloß den Gesichtspunkt, die Evangelien auch kennenzulernen. Ich würde nicht meinen, dass man eine Kalendersache daraus machen soll.

Es wird nach der Einrichtung neuer Klassen zu Ostern gefragt.

RUDOLF STEINER: Es ist eine Raumfrage, und vor allen Dingen eine Lehrerfrage. Es ist jetzt so, dass die Zahl derjenigen Persönlichkeiten in der Anthroposophischen Gesellschaft, die haben Lehrer werden können an der Waldorfschule, erschöpft ist. Man findet keine Lehrer. [Fräulein Spira wird kaum für Klasse 10 in Betracht kommen. Männliche Lehrer sind gar nicht mehr zu finden in unserer Bewegung.)

MARIA RÖSCHL fragt, was man tun könnte gegen die schlechte Aussprache der Kinder in den Klassen.

RUDOLF STEINER: Diese Sprachübungen, die dazumal im Kursus vorgekommen sind, werden die nicht gemacht? Die müssten [doch] schon früher gemacht werden in den unteren Klassen. Sie sind doch durchaus gegeben, um gemacht zu werden. Man merkt bei den Kindern: Sie können nicht ordentlich sprechen. Dann macht man die Übungen, die für die Lehrer auch da sind, aber man muss ein Gefühl dafür haben, für dieses Nicht-ordentlich-Sprechen. Wir haben doch oftmals auch über das Hygienische des ordentlichen Sprechens verhandelt. Man sollte [von] ziemlich früh [an] die Kinder gewöhnen, deutlich zu sprechen. Das hat verschiedenste Konsequenzen. Im griechischen Unterricht wird sich nicht Gelegenheit dazu geben, deutsche Sprachübungen zu machen. Aber im deutschen Unterricht kann sich das sehr wohl ergeben. Redeübungen kann man unter den verschiedensten Gesichtspunkten auf allen Stufen machen.

In der Schweiz müssen die Schauspieler Redeübungen machen, weil sie gewisse Buchstaben ganz anders sprechen müssen, wenn sie in der Schweiz verstanden werden sollen, das g zum Beispiel. Über die Aussprache des g gibt es einen besonderen Katechismus in jedem Theater. Was den Kursus von Frau Doktor anbetrifft, da müssen Sie nicht nachlassen, immer wiederum und wiederum ihn zu erbitten. Sie müssen ihr einen bestimmten Zeitpunkt abluchsen. Wenn Sie nachdrücklich genug bitten, wird es schon werden.

GERTRUD MICHELS fragt, wie man den Schulgarten für den botanischen Unterricht nutzen könne.

RUDOLF STEINER: Rinderdung! Pferdedung ist nicht gut. Man muss das rationell durchführen, so gut man es finanziell kann. Zum Schluss ist es so für ein begrenzbares Gebiet, dass der ganze Zusammenklang nicht herauskommt, wenn nicht eine bestimmte Anzahl von Rindvieh da ist auf der Bodenfläche und eine bestimmte Pflanzenmenge. Dieses Rindvieh gibt dann den Dung, und wenn mehr Pflanzen da sind, als das Rindvieh Dung gibt, so sind es ungesunde Verhältnisse.

Man kann nicht ein Spätprodukt wie Torf verwenden. Das ist ungesund. Mit Torf kann man nicht vermehren. Es kommt darauf an, wozu Sie die Pflanzen verwenden. Bei Pflanzen zum Anschauen wird die Sache nicht stark in Betracht kommen. Wenn Sie mit Torf Nahrungspflanzen vermehren, so ist das nur scheinbar. Sie vermehren doch nicht den Nährwert dadurch. Versuchen Sie darauf zu kommen, wie Sie den Nährwert beeinträchtigen, wenn Sie Stecklinge in Torf ziehen. Es ist wie mit den Semmeln, die ein junge verkauft.

Man muss durch Beimischung von so viel Humuserde den Boden bearbeitbar zu machen suchen. Da ist es noch besser, wenn Sie Maier'schen Dünger verwenden, von Alfred Maier, Hornabfälle. Da wird die Erde schon etwas weicher. Er verwendet die Hornabfälle. Das ist wirklich homöopathischer Dünger [für den] botanischen Garten, fettiger Boden. Im Schulgarten kann man die Pflanzen so pflanzen, Ordnung nach Arten, wie man sie durchnehmen will. —Die Systematik der Pflanzen in zwölf Klassen, das kann [ich einmal] geben.

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