Faculty Meetings with Rudolf Steiner I
GA 300a — 29 July 1920, Stuttgart
Fünfzehnte Konferenz
Für das zweite Jahr waren 170 Schülerinnen und Schüler angemeldet worden, dafür gab es keine Räume, keine Lehrer und kein Geld. Zwischenzeitlich hatten Caroline von Heydebrand und Herbert Hahn einen Aufruf verfasst, der bei Vorträgen von Steiner verlesen werden sollte, um Spendenfreudigkeit zu erwecken. Das Ergebnis war enttäuschend.
Zum neuen Schuljahr wollte Rudolf Steiner einen Fortsetzungskurs zur Allgemeinen Menschenkunde (GA 293) geben. Wegen der erdrückenden Arbeitsfülle wurden es nur vier relativ kurze Vorträge. Sie tragen den Charakter der Fortführung (Meditativ erarbeitete Menschenkunde, in GA 302a).
Themen: Die Finanzlage der Schule. Namensgebung für Waldorfschulen. Geldbeschaffung. Weltschulverein. Raum- und Lehrermangel. Wenn Oberstufe, dann auch Hochschule.
Bemerkungen: Es hatten sich Animositäten im Kollegium gegenüber dem Schulgründer Emil Molt entwickelt. Steiner analysierte die Situation und stellte fest, dass diese Animositäten eigentlich der Waldorf-Astoria galten. Die Zigarettenfabrik sei «ein bisschen sehr gut weggekommen bei der Inszenierung der Waldorfschule».
In der Öffentlichkeit lebte die Meinung, die Waldorfschule habe keine Geldsorgen, denn sie werde von der Waldorf-Astoria finanziert. Tatsächlich aber wurde sie fast ganz aus den privaten Mitteln Emil Molts getragen. Die Zigarettenfabrik beteiligte sich nur am Schulgeld der Kinder der Fabrikangestellten. Dieses Verhältnis musste geändert werden, und die Lehrer wollten nicht mehr von der Waldorf-Astoria angestellt sein. Steiner sagte zu Molt: «Die Schule ist Ihr Verdienst.» (siehe 18. Konferenz
Die zwei aus Dornach angemeldeten Buben waren die Brüder Rascher. Sigurd wurde dadurch berühmt, dass er dem Saxofon zur Konzertreife verhalf. Sigmund, später Arzt, verfiel der nationalsozialistischen Ideologie. Er wurde von den Nazis aufgrund von Verbrechen inhaftiert und noch vor Kriegsende erschossen.
Am Nachmittag, 4 Uhr, hatte eine Vorbesprechung stattgefunden, im erweiterten Kreis, ohne Rudolf Steiner, wo man über die Möglichkeit sprach, Geld zu schaffen, und über die Gründung des Weltschulvereins.
RUDOLF STEINER: Zunächst möchte ich bitten, ob jemand, [nachdem] eine schöne Zeit zum Überlegen war, sich zum Wort meldet.
CAROLINE VON HEYDEBRAND möchte gern etwas über die wirtschaftliche Grundlage der Schule wissen.
RUDOLF STEINER: Darf ich Herrn Molt bitten, über die Frage zu sprechen, da er Bescheid weiß?
EMIL MOLT berichtet über die finanzielle Lage der Schule: [170000 M eiserner Bestand, der übrige Fonds ist erschöpft. 200000 M für den laufenden Schulbetrieb.
Schulgelder und Zuschüsse der Waldorf und Gehälter decken sich. Für Erweiterungsbauten, Turnhalle etc. fehlen zunächst 400000 M.]
CAROLINE VON HEYDEBRAND fragt, ob man sich nicht bei dem öffentlichen Vortrag heute Abend an die Hörer wenden könnte. LEONIE von MIRBACH meint, der Augenblick eines Vortrags sei besonders günstig.
Es wird ein Zettel mit einem Aufruf verlesen, den Caroline von Heydebrand zusammen mit Herbert Hahn verfasst hat.
EMIL MOLT: Ich wollte nur warten mit der Rückgängigmachung der Neuanmeldungen.
RUDOLF STEINER: Dieser Aufruf ist ausgezeichnet und wird sicher nicht ohne Wirkung sein. Meiner Auffassung nach kann es aber nur dann geschehen, wenn gleichzeitig damit verbunden wird, [dass man sagt: Wir können nur weiterarbeiten], wenn vonseiten der Allgemeinheit die nötigen Mittel der Sache zufließen. Warum sollen wir nicht schon jetzt den Leuten sagen können, dass wir, wenn wir nicht die Mittel bekommen, die [neu angemeldeten] Kinder abweisen müssen? Gerade damit unsere Agitation wirksam werde! Wir müssen die Kinder abweisen, weil wir keine neuen Lehrer anstellen können. Es scheint mir notwendig zu sein, um die Agitation wirksam zu machen.
Nicht wahr, diese Agitation hat ihre Fehler. Erst meint die Öffentlichkeit, die Schule sei eine Waldorf-[Astoria]-Schule, es wird von vielen Seiten die Schule eine Waldorf-[Astoria]-Schule genannt. Man hat die Meinung, dass die Schule finanziell gespeist wird von der Waldorf-Astoria-[Zigarettenfabrik], und man ist überrascht, dass dies nicht der Fall ist. Nun, das ist das eine. Man muss auf irgendeine Weise gegen dieses Überraschtsein der Öffentlichkeit eben einen Weg einschlagen. Man muss es deutlich sagen, dass die Mittel der Öffentlichkeit notwendig sind, das ist das eine. Wenn eine Agitation Stoß gibt - wir haben gesagt, dass dies eine Waldorfschule ist, und sagen den Leuten: Ihr müsst das Geld geben.
Zweitens ist es schwierig, von auswärts Geld zu bekommen für den Waldorfschulverein, der für Stuttgart gegründet wird. Da ist es nicht so wie bei den anderen in Stuttgart zentralisierten Einrichtungen. Selbstverständlich können der «Kommende Tag» und die Dreigliederung in Stuttgart zentralisiert sein. Das ist für die Welt. [Um für die Waldorfschule Geld zu geben,] da müssten die Leute die Kinder herschicken können. Die Leute fragen: Warum ist das vorhandene Geld nicht in Stuttgart und Umgebung aufgebracht worden, woher doch die meisten Kinder stammen? Man kann verlangen, dass die [Leute], die [die Kinder] von auswärts bringen, so viel zahlen, um die Kinder hier zu haben. Da kann man hohes Schulgeld verlangen. Wenn die Leute von auswärts Geld geben sollen, wenn ein Schulverein für das Prinzip der Waldorfschule wirken soll, dann muss es klar sein, dass wir hier in Stuttgart anfangen, dass wir selbst etwas tun, um die Waldorfschule in die ganze Welt zu tragen. - Natürlich fragt jeder: Warum verschafft ihr euch nicht aus Stuttgart und Umgebung Mittel? - Das sind Schwierigkeiten, denen wir dadurch begegnen, dass wir sagen, wir sind eben nicht in der Lage, die Schule über das jetzige Maß hinaus zu gestalten. Wir müssten die Kinder abweisen, wenn wir nicht Mittel bekommen. Ich glaube also nicht, dass man in dieser Richtung optimistisch sein darf. Die zwei Gründe spielen wesentlich mit.
EUGEN KOLISKO: Kann denn die Umwandlung des Waldorfschulvereins in einen solchen Weltschulverein durchgeführt werden, wenn man sich einig darüber würde?
RUDOLF STEINER: Nicht wahr, den Waldorfschulverein haben wir als einen lokalen Verein gegründet, auch ein wenig unter dem Gesichtspunkt, dass es den Herren Aktionären von der Waldorf-[ Astoria] imponiert, dass sie geldgeberischer werden. So habe ich mir vorgestellt, der Weltschulverein müsste extra dazu gegründet werden.
KARL STOCKMEYER: [Ich halte] es für richtig, den Waldorfschulverein umzuwandeln in den Weltschulverein.
HERBERT HANN: Herr Doktor, Sie sagten, dass der Weltschulverein wirksam in Angriff genommen werden kann, wenn man vorgestoßen hat.
RUDOLF STEINER: Es würde sich darum handeln, dies auszuarbeiten, um den Boden zu schaffen, aus dem das erwachsen kann. Dass wir mit Klarheit hinweisen auf die Schwierigkeiten, die bestehen, um die Stimmung für den Weltschulverein gebrauchen zu können.
JOHANNES GEYER: Ich denke, der Weltschulverein hätte Unterabteilungen.
RUDOLF STEINER: Wir stehen vor der Frage, die Schule finanzieren zu müssen. Ich glaube, es handelt sich darum, den Mut zu haben, das Neue zu denken und auf die Idee zu bauen, die uns finanzieren wird, und nicht Rücksicht zu nehmen auf die Aktionäre.
EUGEN KOLISKO: [Ich meine], das Wichtigste [ist] die persönliche Wirkung, [ich] möchte eine Aktion auf großer Basis [beginnen]. Ich würde vorschlagen [immer noch Kolisko®], es nicht durch eine einzelne Persönlichkeit durchführen zu lassen, sondern zu versuchen, es auf einer großen Basis zu machen.
RUDOLF TREICHLER fragt, ob man nicht bei den Schweizer Mitgliedern Propaganda machen kann.
RUDOLF STEINER: Die Schweizer Mitglieder werden so sehr auf die Valuta angezapft, dass da wohl kaum etwas zu machen ist. Ich habe letzthin gerade in einem Prospekt, der hinausgeschickt worden ist, herausstreichen müssen die Worte in dem einen Satz, der darauf hingewiesen hat, dass die Angehörigen der Mittelländer wegen der Valuta nichts leisten können. Dieses zu starke Pochen auf die außerordentlich stark in Anspruch genommenen Schweizer, die ohnedies nicht gern die Taschen aufmachen - furchtbar ungern. Das ist: Für die Schweiz kommt der Grundsatz in Betracht, dann gründen wir die Schulen in Stuttgart, da müssen wir einen Weltschulverein gründen, der im Programm nicht die Unterstützung der Stuttgarter Waldorfschule hat, sondern die Gründung von Schulen nach diesen Prinzipien. Der muss es verantworten, dass er zunächst die Waldorfschule unterstützt.
MARIE STEINER: Ich glaube, es wäre besser, dass der [Goetheanum]bau fertig würde, sonst kommt das [Frühere] durch das [Spätere] in Leid. Für die Schule können die Angehörigen der Mittelländer noch vieles tun. Die Schweden, Norweger sind empfänglich, Geld zu geben. Wenn aber eine große Anzapfung der Ausländer für die Schule vor sich geht, dann wird der Bau nie zu Ende geführt.
RUDOLF STEINER: Nicht wahr, es würde sich, wenn wir den Weltschulverein gründen, darum handeln, dass der vor allen Dingen das haben müsste, dass er über seine Gelder frei verfügen kann, dass auch die Freie Hochschule in Dornach aus diesen Geldern gespeist werden könnte. Es war unsere Idee, eine Art Zentralisation des gesamten Finanzwesens zu machen. Außerdem kommen da die verschiedenen Dinge in die Quere. Wir strebten an eine zentrale Finanzierung, sodass all das Geld, das für unsere anthroposophische Sache [gegeben wird], in eine einzige Zentralkasse zusammenfließt. Das ist dasjenige, was wir angestrebt haben in den Tagen, wo wir darangegangen sind, den «Kommenden Tag» und das «Futurum» zu begründen. Da kam in die Quere, dass die Waldorf-Astoria nicht mehr weiter [helfen] konnte. [Dann] musste der Waldorfschulverein gegründet werden. Ebenso gut müsste man in Dornach eine Anzahl von Dingen gründen. Das ist nur formell. In dem Augenblick läuft der Verein Goetheanismus in das Ganze ein, wenn es notwendig ist. Die Dinge, die wir führen, die müssen [so] gegründet sein, dass es zuletzt in eine Zentralverwaltung einläuft.
Das war auch die Absicht, als wir den «Kommenden Tag» begründeten. Der «Kommende Tag» hat nicht die Möglichkeit, Jahresbeiträge entgegenzunehmen. Insofern würde ja eine Organisation wie der Weltschulverein auch keine Dezentralisation darstellen. Es handelt sich nicht darum, dass der «Kommende Tag» die Zentralverwaltung hat. Der «Kommende Tag» ist das Institut, das sich daran beteiligt. Das, was wir als Zentralverwaltung denken, wäre umfassender. Der «Kom mende Tag» kann keine Spenden entgegennehmen, insofern kann es sich nicht darum handeln. Ich sagte nicht, [man solle] den «Kommenden Tag» als Zentralverwaltung betrachten. Wir hatten in Aussicht genommen, dass alles das, was wir bekommen, in eine einheitliche Zentralkasse zusammenfließt, und da nach Gebrauch ausgegeben wird. Wenn wir den Weltschulverein gründen, dann würde dieser Weltschulverein seinerseits selbst seine Gelder verwalten lassen können. Aber er würde so gegründet sein müssen, dass er einlaufen kann in dieses Zentralinstitut, wie der Verein Goetheanismus in Dornach, der jederzeit einlaufen kann in dem Augenblick, wo wir die Persön lichkeit haben. Da müssen rein sachliche Prinzipien walten. Ebenso kann der Weltschulverein gegründet werden, indes muss einer seiner Paragrafen der sein, dass er seine Gelder ebenso gut in eine Volksschule wie in die Kasse der Freien Hochschule einfließen lassen kann.
MARIE STEINER: Sonst wäre es geschehen ums Goetheanum.
EMIL MOLT: [Ich finde], wie die Dinge liegen, den Namen «Waldorfschulverein» nicht mehr richtig. Man könnte es für die unteren acht Klassen gelten lassen. Für das darüber sollte man einen «Verein zur Gründung von Rudolf-Steiner-Schulen» haben.
RUDOLF STEINER: Das darf auf keinen Fall sein.
EMIL MOLT [spricht weiter]: [Ich] will damit kundtun, dass es sich um ganz bestimmte Schulen handelt. Den bisherigen Namen [halte ich] für schädlich.
RUDOLF STEINER: Da muss man eine viel aktuellere Flagge finden. Ein großer Teil der Gegnerschaft beruht auf der einseitigen Betonung des Namens. Es kommt das zum Vorschein gestern im Aufsatz. Es käme auch jetzt sowieso. Sie werden sehen, dass es noch in viel ausgesprochenerem Maße herauskommt. Ich weiß zu erzählen, wie Aufsätze, die ich da und dort anonym habe erscheinen lassen, [angenommen wurden], und wie die Sache sofort umgekehrt worden ist, als der Name darauf kam. Man kann eine andere Firma haben. [Der Sache wird nicht genützt durch persönliche Namengebung.]
MARIE STEINER: Ob man nicht doch erraten könnte, welcher Name der wünschenswerte wäre?
Jemand schlägt vor: Kulturschule!
HERBERT Hann: Ich hatte mir auch aufgeschrieben: «Freie Kulturschule».
MARIE STEINER: Vielleicht fällt noch jemand etwas anderes ein.
Zwischenruf: Rudolf-Meyer-Schule!
RUDOLF Steiner: Da würde man in der Lage sein, den guten Rat zu geben! Ich könnte nur sagen, das finde ich sinnlos. Es wäre ganz gut, wenn diese Frage gestellt würde. Dann würde der Betreffende damit verbunden werden. Goetheanismus-Schule, vielleicht Schule des «Kommenden Tages». «Dorotheum» [ein Wiener Auktionshaus] — das ist eine typische Antwort; in dem Augenblick, wo man etwas inaugurieren will - [das] hat es früher nicht gegeben. Darf sie denn das? Es müsste so irgendetwas sein, was hinweist auf die Zukunft. Da müsste man scharf nachdenken, auf etwas, was darauf hinweist, dass es sich um staatslose Schulen handelt. Staatslosigkeit, die Begründung der Schule ohne den Staat, dass diese Sache sichtlich zum Ausdruck kommt. Das kommt nur durch eine neutrale Bezeichnung zum Ausdruck. Das haben wir in der Waldorfschule durch «frei» zum Ausdruck gebracht. Diese Bezeichnung der «Freien Waldorfschule» war gut für den ersten Anfang. Und wenn es weitergegangen wäre in dieser Weise, wenn es nicht notwendig geworden wäre, den Waldorfschulverein zu gründen, so wäre gegen den Titel das allerwenigste einzuwenden. Aber nicht wahr, es ist nicht weitergegangen. Es müsste zum Ausdruck kommen dieses Prinzip des staatslosen, des aus dem freien Geistesleben geschaffenen Schulwesens. Es ist die Frage, ob man da nicht sehr gut den Weltschulverein gründen könnte.
Jemand fragt: Dürfte man den Namen Anthroposophie nennen?
RUDOLF STEINER: Wir müssen Anthroposophie weglassen.
EMIL MOLT: Ich hatte angedeutet: Damit das Interesse nicht erlahmt, sollte bis zu einer gewissen Größe der Name Waldorfschule erhalten bleiben.
RUDOLF STEINER: Mit Ausnahme der 9. Klasse gilt ja heute schon das, dass wir auch nicht die acht Klassen auf der alten Grundlage vorwärtsbringen. Ohne Zuschüsse kriegen wir doch nicht die acht Klassen in dem Sinne weiter, wie wir es wollen. Wir müssen die neuen Kinder der acht Klassen abweisen, wenn wir nicht [Zuschüsse] bekommen. Dass der laufende Betrieb erhalten wird, das würde schon ins Gleichgewicht gebracht werden. [Dann] die Frage des Platzes. Wir können nicht die Zahl der Schüler vermehren ohne Platzvergrößerung. Es wird sich um weitere Lehreranstellung handeln. 4. Klasse 53, 2. Klasse 56 Schüler, da wird es eine Lehrerfrage. Ich bin der Meinung, dass ein Lehrer, wenn er den nötigen Raum hat, selbst hundert Kinder haben könnte, aber aus dem einfachen Grunde, weil wir den Raum nicht haben, einfach deshalb, weil unsere Klassenräume zu klein sind, müssten wir mehr Lehrer haben. [Es betrifft] diese beiden Klassen; dann würde es sich um die Zerlegung der künftigen 4. und 2. Klasse handeln. Die 1. und 5. müssen wir unter allen Umständen teilen. Wegen des Raumes können wir von der anderen Verlegung absehen. Die Raumfrage ist aktuell geworden. [Dann], dass der Eurythmie- und Turnsaal absolut nichts taugt.
[Es kommt nicht darauf an,] einfach einen Namenwechsel einzugehen. [Es handelt sich darum, ] ob die zwei Millionen Mark eingehen oder nicht. Die Kalamität ist deshalb eingetreten, weil man jedes [Kind] aufgenommen hat. Die Waldorf-Astoria hat nichts verbrochen. Dasjenige, was historisch geworden ist, und dasjenige, was sich zugesellt hat.
WALTER JOHANNES STEIN: Ich sehe, dass Herr Doktor das andere will, die Gründe, aus denen er das andere will, sehe ich nicht ein. Ich glaube, wir sollen ihm kein Hindernis in den Weg legen. Er überschaut die Dinge ganz anders.
KARL STOCKMEYER: [Es wäre] wichtig zu unterscheiden zwischen Waldorfschulverein und Waldorfschule. Man kann die Waldorfschule weiter als Waldorfschule lassen.
RUDOLF STEINER: Der Finanzierungsverein braucht nicht mehr den Namen zu haben. Das würde der Waldorf-[Astoria] nicht schaden. Die Waldorfschule ist eine historische Sache, die bleiben soll. Auf der anderen Seite ist wirklich nicht zu verlangen, wenn wir an weitere Kreise Deutschlands und Österreichs gehen, dass das unter der Flagge einer Waldorfschule für Stuttgart [geschehen] soll. Ich meine rein aus praktischen Gründen, weil auch die Leute dafür kein Geld geben. Die Propaganda für den Verein als solchen bleibt auf Stuttgart und Württemberg beschränkt. Dagegen scheint es mir durchaus klar zu sein, dass man auf das Große geht, für das man Propaganda machen kann international.
Jemand fragt: Da würde man zu dem Entschluss kommen, den Verein fallen zu lassen?
RUDOLF STEINER nach finanziellen Erwägungen]: Ich bin der Überzeugung, dass die Fortführung bis zur 8. Klasse eine Gehaltsfrage ist. Es ist wirklich so, dass ich es nicht verstehe. Ich meinte, wie viel liegt in der Kasse des Schulvereins? Wenn wir die Sache so machen, dann bleiben wir in den ganz unklaren Verhältnissen darinnen, dass die finanzielle Grundlage unklar ist. Dann kommen wir nie heraus. Klare Verhältnisse hätten wir nur, wenn der Schulverein bestehen würde und die Waldorf-Astoria ihre Stiftungsbeträge möglichst hoch geben würde. Dann würden die Gelder in der Kasse des Vereins liegen. Es handelt sich darum, dass man genau müsste sagen können, wie viel die Waldorf zuschießen kann. Entweder in dem Modus, für jedes Kind wird soundso viel zugeschossen, oder eine bestimmte Summe, mit der gerechnet wird. Jetzt haben wir dadurch eine Unklarheit geschaffen, ob es definiert wird.
Ich habe das Gefühl, nicht wahr, dass die Schule im Ganzen ihre finanzielle Grundlage aus der Kasse der Waldorf-Astoria, vor allen Dingen [aber] in hohem Maße [durch] die Privatgaben von Herrn Molt hat. Das sind zwei Dinge, die im Wesentlichen zu unterscheiden sind. Ich habe das Gefühl, dass Herr Molt auch finanziell die ganze Waldorfschule als Privarmann gegründet hat. Die Waldorf hat schon zu dem, was Herr Molt persönlich gemacht hat, einen Zuschuss gegeben, aber - ja vielleicht ist es nicht opportun -, aber es ist doch vor allen Dingen so, dass, nicht wahr, die Privatschatulle des Herrn Molt darinnensteckt in hohem Maße.
EMIL. MOLT: Es ist nicht angenehm, darüber zu reden. Die Schule, die als solche eingetragen ist, ist mein Privatbesitz. Die Baukosten wurden von mir bestritten. Die Schule zahlt keine Miete. Was hier auf dem Grundstück vorgeht, ist Privatangelegenheit desjenigen, der es besitzt. Für die anderen Schulbaracken kommen andere Beträge infrage.
RUDOLF STEINER: Es ist ganz gut, dass es gewusst wird. Worunter wir leiden, das ist, dass eigentlich die Waldorf-Astoria als Firma ein bisschen sehr gut weggekommen ist bei der Inszenierung der Waldorfschule vor der Welt. Ich kann es nicht recht verantworten, der Waldorf die nicht einmal so ehrgeizig ist, als Trägerin der Schule zu gelten, diese Sache zuzugestehen, dass sie der ganzen Schule die Ehre gibt, während Herr Molt als Person es doch getan hat. Ebenso würde sich die Waldorf niemals zu [Lücke in der Mitschrift] erklärt haben. Man könnte höchstens davon sprechen, dass die Waldorf Mitglied des Schulvereins war.
[Nach weiteren Überlegungen zur Finanzierung:] Gewiss, wenn heute Leute von auswärts Kinder herschicken wollen, so ist es richtig, dass sie nicht nur zur vollständigen Erhaltung des Kindes, sondern auch zum Teil etwas [für das, was] Bänke sind, [was] innere Einrichtung ist, beitragen. Aber dieses, was vollständig gerechtfertigt ist, muss kompensiert werden dadurch, dass man die Sache nicht zu einer Stuttgarter Angelegenheit macht. Die Leute werden wissen: Wir brauchen nicht mehr so viel zu bezahlen, wenn es eine Weltangelegenheit ist.
KARL STOCKMEYER: Es würde sich um ein Schulgeld handeln von 1000 Mark. Jedes Kind kommt uns [jetzt] auf 1000 Mark.
RUDOLF STEINER: Wenn wir herausbekommen, dass die Waldorf für [die] Kinder [ihrer Betriebsangehörigen] diesen Beitrag bezahlt, dann würde uns damit wenig gedient sein, weil wir nicht in der Lage wären, abgesehen von Beiträgen von außen, [andere] Kinder aufzunehmen. Es muss doch gerade weiterhin Grundsatz sein, Kinder aufzunehmen, die das Schulgeld nicht bezahlen können. Selbstverständlich leidet die Schule dadurch, dass sie eine Kapitalistenschule wird, abgesehen von Kindern aus der Waldorf-Astoria. Die Dinge können vertreten werden vor der Welt. Ich war längst dafür, dass man in der Schweiz vertreten würde, dass, wenn jeder Schweizer eine einzige Mark geben würde für den Dornacher Bau, so würden wir den Bau glänzend zu Ende führen. Nicht wahr, wenn man das in möglichst starker Weise den Leuten sagen würde, dann würden sie einsehen, wie man eine Sache zu einer allgemeinen Sache macht, auf die Weise, dass wir arme Kinder aufnehmen, dass aber ein Reicher das Schulgeld bezahlt. Ich wollte das vorher bloß sagen, dass das Schulgeld der fremden Kinder nicht bestimmt werden kann nach dem, was fehlt. Daher werden wir immer versuchen müssen, von der Öffentlichkeit das Geld zu bekommen. Nun ja, nicht wahr, [das ist] die eine Sache, die so nur geregelt werden sollte, dass für jedes arme Kind irgendein Reicher das Schulgeld bezahlt.
[Auf eine Äußerung zur Finanzierungsfrage:] Haben wir die Einrichtung der Patenschaften im Waldorfschulverein?
EMIL MOLT [vermutlich]: Ich habe gedacht, dass 1000 Mark der Beitrag sein soll für ein Mitglied, das Pate wird.
Jemand anders: Es sind [noch] nicht viele Paten gekommen.
BERTA MOLT: Es sollten Bausteine gegeben werden für die Waldorfschule.
RUDOLF STEINER: Man kann natürlich auch das machen. Die Sammeltätigkeit ist eine gute Arbeit. Natürlich, wenn wir den Leuten sagen, sie können kleine Beiträge geben, so werden sie kleine Beiträge geben. Die Mitglieder sollten sammeln gehen.
Die Hauptfrage ist offenbar die Begründung des Weltschulvereins. Alles andere müsste sich an diese Hauptfrage anschließen. Aber ich habe noch immer nicht gehört, wie viel eigentlich der Waldorfschulverein in der Kasse hat. Das hätte ich gerne gewusst.
EMIL MOLT: 60000 bis 80000 Mark.
RUDOLF STEINER: Das ist gewissermaßen, was in der Kasse ist.
EMIL MOLT: Was von der Waldorf ist, das ist ein Jahresbetrag von 170000 Mark.
RUDOLF STEINER: Wird man auf solche Stiftungen in den kommenden Jahren rechnen können?
EMIL MOLT: Wenn das Wirtschaftsleben nicht zusammenbricht. Der Beitrag wird auf 200000 hinaufgehen.
RUDOLF STEINER: [Und] wenn er es nicht tut?
EMIL MOLT: Dafür bin ich an der Spitze des Unternehmens, um genügenden Einfluss auf die Sache zu nehmen.
Die Lage würde sich ändern, wenn die Waldorf-Astoria das Doppelte oder Dreifache geben würde. Dann tun sie es selbst. Ob die anderen ihre Taschen aufmachen, wenn man sie nicht zwingen kann? Ich werde eine Zusammenstellung machen, wie wir diese 170000 verwenden. Um eine Seite zu erledigen; so könnte wenigstens jetzt die Turnhallenfrage erledigt werden.
KARL STOCKMEYER: Sollte nicht die Waldorf so viel beitragen, wie ihre Kinder kosten?
RUDOLF STEINER: Wenn einmal die Lehrer da sind, macht es nicht viel aus, ob 50 oder 100 Kinder da sind. Wenn also etwa die Grundlage erreicht wird, dass die Waldorfschule diese Kosten trägt, dann wird für die Finanzierung von außen nicht mehr viel übrig bleiben. Die anderen Klassen würden von der Waldorf getragen werden können, für den Fall, dass man das von der Waldorf erreichen könnte.
Das wären die Kosten, die der Waldorf im Mindesten erwachsen. Wir haben so viele begüterte Eltern, die entsprechende Beiträge leisten könnten, zum Beispiel Schiedmayer, der kann nicht von der Waldorf verlangen, dass sie große Beträge gibt. Deshalb muss an diese Menschen herangetreten werden, die Interesse haben an der Schule, wenn das Interesse nicht verdunstet, sobald sie die Taschen aufmachen [sollen]. Dann ist es besser, die Kinder bleiben weg. [Wir sind nicht da,] bloß um die Kinder aufzunehmen, weil die Schule näher liegt. Das wird sich erproben in den nächsten acht Tagen. Wenn sie es nicht tun, dann werden wir die Anmeldungen rückgängig machen. Es werden sich die Geister scheiden. [Wenn man sagt:] Wir verstehen unter einer Einheitsschule dasjenige, dass keiner etwas bezahlt, dass alle gleich sind, gegen dieses habe ich nichts. Wir brauchen es nicht zur Ehre anzurechnen, dass Ministerkinder da sind, [aber] dass auch künftig die Kinder der Wohlhabenden neben den Kindern der Armen sitzen.
Vielleicht könnte es noch gelingen, über die Frage des Weltschulvereins zu einer gewissen Klarheit zu kommen. Bei all diesen Dingen darf nicht vergessen werden: Wir haben große Schwierigkeit, unmittelbar Gelder zu bekommen für den Bau in Dornach. Wir werden geringere Schwierigkeiten haben, namentlich in Amerika, für die Begründung von Schulen. Wir haben die allergeringste Schwierigkeit, wenn man Sanatorien begründen will. [So] sagte mir jemand [von] jemandem, [der] den Gedanken gehabt hat, ein Sanatorium zu gründen. Es hängt ganz davon ab - [die Menschen] verstehen, dass man ein Sanatorium braucht, sie verstehen weniger, dass man Schulen braucht, aber sie verstehen [nicht?], dass man die Grundlage von allem braucht, dass man den Dornacher Bau braucht.
Jemand bemerkt: Dann muss man das Sanatorium verbinden mit der Schule.
RUDOLF STEINER: Unsere Schulen sind anders gebaut, das können wir nicht zum Ausdruck bringen. [Oder] wir gründen einen Weltverein der ganz jungen Invaliden. «Gesundheitsschule», das würde mehr ziehen. Es wird aber nicht gehen. Es würde sich nur darum handeln, in der Propaganda [die Dinge] zu verbinden, dass man einen gemeinsamen Fonds hat, dass man auf der einen Seite Sanatorien macht und auf der anderen Seite eine Schule. Das ist eben das, woran sie Anstoß nehmen. Wir müssen, wenn wir Schulen begründen wollen, dem Verein das Recht geben, dass er auch das Geld für Dornach verwendet. Sonst wird der Verein ein Kontraverein für Dornach, der jedes Zuweisen aufsaugt. Wenn wir die Eurythmie umgestalten zur Heileurythmie, dann kriegen wir schr bald ein Sanatorium. Ich werde im kleinen, bescheidenen Maßstabe den Versuch machen, um etwas zu zeigen. Ich bin gebeten worden, ob nicht etwas als Heileurythmie gemacht werden kann. Ich werde diesen Versuch machen. Sie werden sehen, da werden alle Leute kommen.
Ich glaube nicht, dass wir das können. Wir müssen schon die Schule als solche als staatslose Schule, die aus dem freien Geistesleben geschaffen ist, betonen.
EMIL MOLT: [Man sollte] konkrete Vorschläge machen zum Weltschulverein. Man sollte, che man an die Öffentlichkeit tritt, abwarten, wie das wirkt, was versucht ist. Jetzt wollte man nicht den Eindruck entstehen lassen, dass man nicht weiterkann.
RUDOLF STEINER: Wir haben so viele Anmeldungen, dass wir nur [dann] diese Anmeldungen entgegennehmen können, wenn wir mehr Beiträge bekommen. Haben Sie den Eindruck, [dass das], was vorhin Hahn und Heydebrand gemacht haben /der Aufruf], [so klingt, als ob] wir Gefühle des Versagens haben? Ich wollte hervorrufen, dass von der Lehrerschaft betont wird, dass etwas erreicht worden ist mit der Schule, wofür sich die Öffentlichkeit interessieren kann, um beizutragen aus einem allgemeinen Interesse heraus. Die zahlreichen Anmeldungen sind betont worden. Es schien mir wichtig, dass man mit den Zahlen aufwartet. Jetzt sind hundert da, die wir nicht [aufnehmen] könnten, wenn wir nicht Mittel bekommen. Ich würde doch denken, weil ich es nicht im Sinne der Sache halten würde, das würde dann eher kommen in der Art, wie Herr Molt es meint. Dies sollte etwas anderes sein, dass die Wirkung der Sache nicht mehr da ist.
Ich würde vorschlagen, dass man in einem sehr guten Aufruf hinschreiben würde: Es strömen uns die Kinder zu! - Dann würde ich vorschlagen, dass es jedenfalls ein Lehrer vorbringt, weil es viel mehr Eindruck macht. Nun müssen wir den Modus finden, dass uns nicht die Menschen sagen: Nun ja, wenn die Kinder zuströmen, dann sollen es auch die Eltern der Kinder bezahlen. Weil ich, was ich von Herrn Molt wusste, das nicht betonen wollen würde, dass man nicht in der Lage ist, die Schule weiter zu führen. Es ist eine prinzipielle Sache, dass wir nicht von jedem Schulkind das Schulgeld bezahlen lassen können. Deshalb sind die Schwierigkeiten, die darin beruhen, dass wir Kinder aufnehmen, die nicht Schulgeld bezahlen.
KARL STOCKMEYER liest eine Erklärung vor.
WALTER JOHANNES STEIN stellt den Antrag, dass Caroline von Heydebrand und Herbert Hahn den Aufruf im Sinne des Entwurfs ausarbeiten, und dass es heute Abend vorgebracht wird.
RUDOLF STEINER: Ich habe nichts dagegen, weil es keine Versammlung ist. Es kann gemacht werden. Mir scheint, es müsste schärfer herausgearbeitet werden, sodass etwas Bestimmtes ins Bewusstsein der Menschen fällt. Eine solche offizielle Erklärung scheint mir nicht gegen eine Privatwerbung zu wirken. Es ist vielleicht gut, in voller Öffentlichkeit aufzutreten. [Es folgt ein Gespräch über weitere finanzielle Unterstätzung.]
Es liegt der Antrag vor, dass die Sache nochmals vertagt wird, dass man mit geladenen Revolvern kommt. Ist dagegen etwas zu sagen? Wenn Sie [heute noch] eine Sitzung unter sich, unter irgendjemand von sich aus berufen wollen, so bitte ich das zu tun; ich kann am Nachmittag nicht.
KARL STOCKMEYER fragt nach dem Lehrplan der 9. Klasse und nach der Errichtung eines Internats: Es liegen verschiedene Vorschläge vor von Persönlichkeiten, die Kinder aufnehmen würden, um sich eine Existenz zu gründen, oder die sie nebenher aufnehmen würden.
[Dann die Frage der Reifeprüfung.] Man kann sich darauf einrichten, Unterhandlungen wegen der Anerkennung unserer späteren Reifeprüfung zu pflegen. Werden die Kinder auf den Hochschulen zugelassen werden? Wir werden erstreben, diese Anerkennung vonseiten des Staates zu bekommen, oder aber man wird erstreben müssen, dass die Kinder an einer anderen Schule die Prüfung machen können.
RUDOLF STEINER: Was den Lehrplan der 9. Klasse betrifft, so ist das eine eminent pädagogische Frage, etwas, was ganz gewiss vorliegen wird im Beginne des nächsten Schuljahres, was verbunden sein würde mit einem Kurs von fünf bis sieben neuen Vorträgen, die aufgesetzt werden müssen. Der würde dann für das Lehrerkollegium am Anfang des Schuljahres zu halten sein. Aber das eigentliche, das lehrplanmäßige Einrichten der 9. Klasse, das ist etwas, was einen fünfbis sechstägigen Kurs notwendig machen würde. Insofern würden wir die pädagogische Ordnung vertagen können bis zum Beginn des nächsten Schuljahres. - Wir müssen uns nur klar werden über die Besetzungsfragen der einzelnen Klassen.
Dann ist da die Frage der Reifeprüfung. Das ist eine nicht ganz leichte Sache aus dem Grunde, weil wir dadurch, dass wir auf die staatliche Anerkennung unserer Mittelschule hinarbeiten, ja eigentlich unserem Prinzip untreu werden. Wir bringen uns in Abhängigkeit vom Staate. Wir haben nicht [mehr] das Recht, von einer staatsfreien Schule zu reden. Wir bleiben nur treu, wenn wir die Kinder einfach darauf verweisen, dass sie sich einfach prüfen lassen müssen, falls sie eine Staatsanstellung wollen; dass sie sich prüfen lassen müssen auf einer Staatsschule, die ihnen das Recht gibt, eine Universität zu besuchen. Sobald wir mit dem Staate zu verhandeln anfangen,
begeben wir uns in seine Abhängigkeit. Er wird wahrscheinlich auch die Bedingung stellen, dass irgendein staatlich modellierter Studienrat auch bei unserer Abgangsprüfung erscheinen soll. Die dürfen wir nicht in die wirkliche substanzielle Einrichtung hineinlassen. Wenn sie die Schule anschauen wollen, da mögen sie es tun, wenn sie herumlungern. Aber in wirkliche Verhandlungen können wir uns nicht einlassen. Wir werden nicht untreu, wenn sich die Kinder, die doch in Abrahams Schoß zurückkehren, [staatlich prüfen lassen]. [Lücke in der Mitschrift.]
Einen wirklichen Sinn hat die Begründung der 9. Klasse [nur] dann, wenn wir die Begründung einer vollständig freien Hochschule in Aussicht nehmen. Wir werden - es hat nur einen Sinn, wenn wir eine freie Hochschule zu gleicher Zeit in Aussicht nehmen, und dann kann es uns egal sein, wie diese Reifeprüfung entschieden wird. Dann wird nur die Hochschulberechtigungsfrage in Aussicht genommen werden müssen. Das ist eine solche Frage, die wir vertagen. Bis dahin werden sich die Verhältnisse geändert haben, dass man einer solchen Hochschule die Anerkennung versagen kann.
Die Frage des Internats ist etwas, was wünschenswert ist. Sie hängt zusammen mit der Aufnahme von auswärtigen Schülern. Es wäre sehr schön. Alle Leute reden davon, dass sie ihre Kinder hierherschicken würden. Wir kriegen gleich die zwei G.-Buben und die Rascher-Buben aus Dornach. Uns sind sie vorläufig auf den Dächern herumgetanzt. Sie können das Tanzen fortsetzen auf der Nase der Internatsleitung. Das wird ja verlockend sein.
Es wird gefragt, in welcher Farbe die Bänke angestrichen werden sollen.
RUDOLF STEINER: Das kann wohl gemacht werden, das Anstreichen der Bänke. [Ein lila Anstrich; bläulich, hell.] [Das kann mit gewöhnlichen Farben geschehen.]
Zum Farbton der Wände in den Räumen.
RUDOLF STEINER [hierzu?]: Blauer Anstrich. Aber Herr Stockmeyer, [wenn] [?] man schwarz machen muss [?].
Die Dornacher Farben können aus geldlichen Gründen nicht realisiert werden.
Ich habe eine Mappe aus Dornach mitgebracht. Es handelt sich darum, dass in Dornach eine kleinere Anzahl von Kindern von Herrn Ballmer in dieser Weise schr gut vorwärtsgebracht worden ist. Es sind Zeichnungen, die die Kinder so gemacht haben, dass ihnen eigentliche Motive gegeben worden sind, und es kommt dabei die Individualität der einzelnen Kinder [gut heraus]. Wenn wir auf eine Stunde zusammenkommen, dann werde ich Ihnen diese Mappe suchen und auseinandersetzen. Es ist immerhin [wichtig], wenn Sie daran denken, etwas zu veröffentlichen. Die kleine J. hat mir gesagt, als ich ihr erzählte: «Eure Zeichnungen werden wir in der Waldorfschule zeigen»: «Jetzt modellieren wir auch schon.» Es sind die Individualitäten der Kinder ganz famos zum Ausdruck gekommen. Ich denke nicht daran, das zu einer Norm zu machen. Ein anderer mag es anders machen, [aber] man kann daran viel lernen. Was Ballmer will, [ist, dass] er den Kindern das eine oder andere erzählt; dann lässt er sie, nachdem er ihnen ganz spärliche Anleitungen gegeben hat, einfach nach ihren Ideen das, was er erzählt hat, in Formen zum Ausdruck bringen. Das haben die Kinder untereinander besprochen.
Am Nachmittag fand dann eine Besprechung statt in einem erweiterten Kreise, ohne Rudolf Steiner, über die Möglichkeiten, Geld zu beschaffen, und über die Gründung des Weltschulvereins. Am Abend war ein Öffentlicher Vortrag Rudolf Steiners: «Wer darf gegen den Untergang des Abendlandes reden? (Eine Gegenwartsrede)».