Faculty Meetings with Rudolf Steiner I
GA 300a — 8 March 1920, Stuttgart
Achte Konferenz
RUDOLF STEINER: [Wir haben jetzt] noch vier Monate vor uns gegenüber den fünf absolvierten.
KARL STOCKMEYER berichtet über den mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht in der 7. und 8. Klasse: Multiplizieren, Potenzieren, Radizieren. Physik: Akustik mit 7. und 8. Klasse. Rest Optik, Wärmelehre, Elektrizität, Magnetismus. 8. Klasse: ganze Mechanik.
RUDOLF STEINER: [In der] 8. Klasse [sollte in der] Optik nur [behandelt werden die] Brechung (Linse) und [das] Spektrum.
[In der] Wärmelehre [das] Schmelzen (Thermometer), [das] Sieden und [die] Quellen der Wärme.
[Dann der] Magnetismus, ganz kurz; [nur] wie er sich äußert.
[Von der] Elektrizität nur [das] Prinzip von Reibungs- und Berührungselektrizität.
[Dann die] Mechanik: Hebel und schiefe Ebene. [In der] Aeromechanik Auftrieb [und] Luftdruck.
[In der] Chemie: [das] Verbrennen, [das] Zusammensetzen und Zerlegen von Substanzen.
[In der) 7. Klasse [wären] Optik, Magnetismus ausführlicher [zu besprechen] als in der 8. Klasse. [Dann die] Mechanik der festen Körper.
WALTER JOHANNES STEIN berichtet über die humanistischen Fächer in der 7. und 8. Klasse: [Es ist besprochen worden die] Biografie Goethes [und] «Dichtung und Wahrheit», «Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie», «Der neue Paris», der 1. Teil des «Faust»; Schillers «Ästhetische Briefe». Herder: Weltgeschichte.
RUDOLF STEINER: [Da wäre zu empfehlen] Herders «Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit». Herder [stellt darin den] Menschen [dar] als Zusammenfassung der anderen Naturreiche.
[Die] Weltgeschichte [ist] bis zur Gegenwart weiter[zuführen].
EUGEN KOLISKO berichtet über die 6. Klasse: Geschichte: Altertum: Römer und Griechen, Nachwirkung bis zum 15. Jahrhundert. Geografie, Zinsrechnungen, Geschäftsaufsätze, Geschäftsbriefe, Telegramme.
Physik: Akustik an der Musik, Optik, Wärme, Naturgeschichte: Botanik im Sommer, Geometrie. Schlechtes Schreiben. Buchstabenrechnung am meisten im Rückstand, Rechnen bis zur Buchstabenrechnung.
CAROLINE VON HEYDEBRAND über die 5. Klasse: Manches vom Pensum sei noch unerledigt. Deutsch, griechische Geschichte, Rechnen, Dezimalbrüche, Naturlehre.
RUDOLF STEINER: Mitteilen, warum [sie?] das Pensum unerledigt lässt nach hinten. Lieber ein Pensum unerledigt lassen, nur nicht eilen!
[In der Naturlehre], Mensch und Tiere, [wären zu besprechen]: Gehirn, Sinne, Nerven, Muskeln [und so weiter].
HERTHA KOEGEL über die 4. Klasse: Deutsche Grammatik, Heimatkunde, Naturgeschichte.
RUDOLF STEINER: [Wenn man die] lateinische Schrift entwickeln [will, ist es am besten], erst die andere Schrift aus dem Zeichnen zu entwickeln [und] dann charakteristische Buchstaben aus dem Zeichnen herüberzunehmen.
Man kann Sätze aus den Gedichten bilden, aber man muss es ganz liebenswürdig machen, dass es nicht pedantisch wird.
JOHANNES GEYER und HANNAH LANG über die 3. und 2. Klasse. 3. Klasse: Deutsche Sprache, Heimatkunde, Naturgeschichte, 2. Klasse: Lesen, Schreiben.
LEONIE VON MIRBACH über die 1. Klasse: E. S. ist seit der Entlausung nicht wiedergekommen.
Noch zu erledigen: Rechnen.
Eine Frage wird gestellt nach dem Einführen der Buchstaben.
RUDOLF STEINER: Es wäre gut, die Buchstabenformen zuerst noch mehr nach dem Bildlichen hin machen zu lassen und dann erst zum Buchstaben überzugehen. Im Allgemeinen [sollte man] konzentrieren!
Paul Baumann berichtet über Musik und Eurythmie, auch Toneurythmie.
RUDOLF Steiner: Alle vier Wochen [kann man] an die Eltern ein Zirkular herumschicken wegen der Schulordnung [und kann darin sagen, dass] Eurythmie [ein] obligatorisches [Unterrichtsfach ist].
Es wird über den Sprachunterricht berichtet.
RUDOLF STEINE: Beim Latein [und] bei den Sprachen [überhaupt sollte man] nicht übersetzen, sondern nur [frei] den Sinn sagen, den Inhalt erzählen lassen, sodass man sieht: Das Kind hat das verstanden. Es beeinträchtigt sonst den Sprachgeist.
In [den] obersten Klassen [müsste man] etwas vom Lautverschiebungsgesetz beibringen. Wir kommen zurück zum Standpunkt des Englischen.
Stramm darauf sehen, dass man [immer] die Klasse unterrichtet, nicht nur einen Einzelnen. Während man sich lange mit einem beschäftigt, [da sollte man] immer Zwischenfragen an die anderen stellen [und sie] dadurch wach erhalten. Die Klasse als Chor [behandeln].
Es wird berichtet über den Unterricht in sozialer Erkenntnis.
RUDOLF STEINER: [In der] 7. und 8. Klasse [könnte man das] geben, [was in] den «Kernpunkten der sozialen Frage» [steht].
Es wird gefragt nach dem Unterricht für die Kinder mit Förderbedarf.
RUDOLF STEINER: [Die] Hilfsklasse ist für die ganz Unbegabten. Diese Kinder bleiben [nur] aus dem Hauptunterricht weg und werden Won] DrsSchubertitäglich in-dieser Zeit separaridressiert.
K. B. [hat] starke Anlage zu Dementia praecox.
E. E. [ist] pathologisch unruhig; man muss ihn recht: oft ermahnen. [Sonst könnte auch bei ihm] Dementia praecox [eintreten] mit fünfzehn Jahren. [Wir haben] sieben bis acht solche [Kinder] in der Schule.
Es wird berichtet über einen Schüler, der einen Diebstahl verübt hat.
RUDOLF STEINER: Bei Kindern, die stehlen, ist es gut, sie erinnern zu lassen Szenen, die sie in früheren Jahren erlebt haben; sich Dinge vorstellen zu lassen, die sie Jahre zurück erlebt haben, [also etwa bei] Siebenjährigen Erlebnisse [aus] dem fünften Jahr, [bei] Zehnjährigen Erlebnisse [aus] dem siebenten Jahre erinnern zu lassen. Und es ist gut, sie daran zu gewöhnen, mit solchen Erlebnissen nach vierzehn Tagen zu wechseln. Dann bessert sich das schnell. Wenn man gar nichts macht, dann werden diese Übel größer und arten in Kleptomanie aus. [Dann] kann später etwas Kleptomanisches herauskommen.
Auf solche Sachen wirkt besonders [das], was ihnen Festigkeit des Willens gibt, und solches Hereinrufen von Erinnerungen, [dass man sie] Wochen, Monate, Jahre zurückgehen [lässt], bewirkt Festigung des Willens.
Bei Kleptomanie wirkt [es auch] gut, wenn [das Kind] zum Beispiel während einer Viertelstunde sitzen und die eigenen Füße, die Zehen mit der Hand halten [muss], als Strafe. Das ist [auch] vom Gesichtspunkt der Willensstärkung ein Mittel gegen Kleptomanie.
[Es gibt nun aber auch] Kinder, die sich schlecht erinnern können, die am folgenden Tage nicht [mehr] wissen, was sie am Tage vorher getrieben haben. [Da muss man das] Erinnerungsvermögen - [das] Gedächtnis stärken durch rückwärts vorstellen lassen.
Sie lassen [doch] diesen Spruch, den ich [Ihnen] einmal als [etwas] wie ein feines Gebet für die Kinder gegeben habe, immer noch sagen, [nicht wahr]? «Im Lernen erwirbt der Mensch sich Lebenskraft», «Ich will achtgeben auf mich im Denken und Handeln» [oder] «... und Sprechen».
Das Gedächtnis kann man kaum anders stärken, als dass man versucht, die Kinder sich [etwas] rückwärts vorstellen zu lassen: «Der Vater liest in dem Buch» [umkehren lassen in] «Buch dem in liest Vater der», sodass sie es zum bildlichen Vorstellen bringen. [Oder] Zahlen hin und her sprechen lassen: 4 6 7 3 [umkehren lassen in] 3 7 6 4. [Oder die] Härteskala hin und zurück.
[Man braucht auch nicht davor] zurückzuschrecken, wenn die Kinder kleine Gedichte gesagt haben, [sie] sie Wort für Wort zurück sprechen zu lassen. [Auch] bei den Sprechübungen [ist es] gut, sie [auch] rückwärts machen [zu lassen]. Das ist ein technisches Mittel, das man anwenden muss, wenn [die Gedächtnisschwäche] sich so stark zeigt.
Es wird über die wissenschaftlichen Arbeiten im Stuttgarter Forschungsinstitut für biologische und physikalische Untersuchungen gesprochen, das von Dr. Rudolf Maier und Alexander Strakosch geleitet wurde.
RUDOLF STEINER: [Sie dürfen Ihre] Kräfte nicht zersplittern. [Sie sollten] freundnachbarliche Beziehungen pflegen zu Rudolf Maiers Forschungsinstitut.