Faculty Meetings with Rudolf Steiner I
GA 300a — 6 March 1920, Stuttgart
Siebente Konferenz
Diese und die nächsten beiden Konferenzen sind kurz und können thematisch als eine Einheit aufgefasst werden.
Seit dem letzten Besuch Rudolf Steiners an der Waldorfschule waren zwei Monate vergangen. Er reiste am 27. Februar von Dornach nach Stuttgart und war am 29. Februar zum ersten Mal bei der Sonntagshandlung zugegen, die am 1. Februar zum ersten Mal gehalten worden war. Am 1. März begann der zweite naturwissenschaftliche Kurs («Wärmekurs», GA 321).
Gleichzeitig sollte die Dreigliederungsbewegung neu impulsiert werden: Man strebte die Schaffung von Musterinstitutionen an, wozu eine Aktiengesellschaft, «Der Kommende Tag», begründet werden sollte.
Themen [7.-9. Konferenz]: Die Sonntagshandlung. Der Gesundheitszustand der Schüler. Das Übersetzen aus den Fremdsprachen. Die Hilfsklasse. Eine Klasse als Chor und individuell behandeln. Grundriss des naturwissenschaftlichen Lehrplans für das siebente und achte Schuljahr.
Bemerkungen: Unerwartet hatte ein Kollege, Friedrich Ochlschlegel, die Schule verlassen und war nach Amerika ausgewandert, um da für die Dreigliederungsbewegung zu wirken. Er war gut eingeführt, gehörte zu den Kollegen der ersten Stunde und war, zusammen mit Herbert Hahn, verantwortlich für den Aufbau des Religionsunterrichts. Die Situation wurde als «abnorm» empfunden, und auf Bitten Rudolf Steiners wurde der Wiener Arzt Dr. Eugen Kolisko dringend gebeten, nach Stuttgart an die Schule zu kommen, um zu helfen, die entstandene Lücke zu schließen. Kolisko kam und übernahm die verwaiste 6. Klasse von Friedrich Ochlschlegel.
Wieder war es nötig, dass Steiner die Kollegen bat, die Behandlung einer Klasse als Chor zu differenzieren.
Steiners Sprachgebrauch ist für heutige Ohren oft direkt und fast derb-diese Äußerungen geschahen ja ganz intern, im vertraulichen Kreis der Lehrerkonferenzen. Die «ganz unbegabten» Kinder sollen von Karl Schubert «dressiert» werden. Wenn er über «psychopathische Kinder» sprach (14. März 1920), so sind das im heutigen Sprachgebrauch «Kinder mit einer geistigen Behinderung».
RUDOLF STEINER: Dr. Kolisko übernimmt den Hauptunterricht in der 6. Klasse.
Herr Hahn [übernimmt auch noch] den oberen Kurs des [freien] Religionsunterrichts. [Dann hat er aber zusammen mit dem Sprachunterricht] in der 3. und 5. Klasse [im Ganzen] 25 Stunden; [da ist eine] Entlastung [nötig]. 18 Stunden wäre eine normale Stundenzahl.
Fräulein Lang übernimmt in ihrer 3. Klasse das Englische und Französische. In der 5. Klasse übernimmt Fräulein Dr. von Heydebrand das Französische, Dr. Kolisko das Englische.
Frau Koegel übernimmt das Englische in ihrer 4. Klasse, Kolisko den übrigen englischen Unterricht bis zu den Ferien.
Fragen zur Einrichtung der Sonntagshandlungen und begleitender Musik dazu.
RUDOLF STEINER: [Die] Sonntagshandlungen sind nur für die Kinder, die am freien Religionsunterricht teilnehmen. [Sie bieten einen] Ersatz für die, welche keinen Ritus haben, für die Kinder und die Eltern. [Die Sonntagshandlung ist] mit Musikalischem [ab]zuschlieRen, mit etwas besonderem Instrumentalen.
[Ein] Hospitieren [dabei für] eingeladene Gäste [soll] nur [stattfinden], wenn ich hier bin.
Es wird berichtet über einen Schüler der 5. Klasse, der aus dem freien Religionsunterricht wieder zurückging in den katholischen.
RUDOLF STEINER: Rücktritte [der Schüler aus dem freien Religionsunterricht] sind zu vermeiden.
Rücktritte der Pfarrer, [die] evangelischen Religionsunterricht geben, müssen hingenommen werden.
Frage zum Eurythmieunterricht.
RUDOLF STEINER: Eurythmie [ist] obligatorisch, muss mitgemacht werden. Wer nicht Eurythmie macht, wird aus der Schule ausgeschlossen.
[Für die] Eurythmiepropaganda [und für] Eurythmiekurse für Außenstehende [kann man ein eigenes] Eurythmiekollegium bilden. Jemand fragt: Soll der Gartenbauunterricht auch weiterhin freiwillig sein?
RUDOLF STEINER: Die Gartenarbeit soll als obligatorisch in den Unterricht hineingenommen werden.
[Als] Schulregel [kann gelten]: Kinder, die öfter unentschuldigt fehlen, werden [aus der Schule] ausgeschlossen.
LEONIE von MIRBACH klagt wegen der Behandlung des Ethischen.
RUDOLF STEINER: [Wir sollten] keine abstrakte Disziplin lehren, [sondern] Achtung [hervorrufen] bei den Kindern.
Die Kinder sollen nicht [so viel] aufzeigen!
[Die] stadtärztliche Untersuchung [muss man] ausführen lassen.
Jemand fragt: [Sollen wir für die an Ostern aus der 8. Klasse Abgehenden eine] Fortbildungsschule [einrichten]?
RUDOLF Steiner: [Man könnte sie] «Lebensschule für die Ältesten» [nennen]. [Und den] Kindergarten [könnte man] «Vorschule» [nennen].