The Fateful Year of 1923

GA 259 — 17 September 1923

Gesamtbericht über die Stuttgarter September-Tagung (Delegiertentagung)

[Von dieser Stuttgarter September-Tagung gibt es — mit Ausnahme der stenographisch festgehaltenen drei Vorträge Rudolf Steiners - kein Protokoll. Carl Unger gab in der öffentlichen deutschen Wochenschrift «Anthroposophie» (5.]g., Nr. 13, vom 27. September 1923) den folgenden Gesamtbericht:]

Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland vom 13. bis 17. September

Carl Unger

Die Anthroposophische Gesellschaft besteht seit 10 Jahren, aber sie sieht auf ein Leben von 21 Jahren zurück, sie befindet sich im Alter ihres Mündigwerdens. Sie wurde als besondere Gesellschaft begründet, als sich herausgestellt hatte, daß diejenigen Mitglieder der Theosophischen Gesellschaft, die in der Geisteswissenschaft Dr. Rudolf Steiners die Erfüllung ihrer theosophischen Ideale sahen, nicht mehr in der Theosophischen Gesellschaft geduldet werden sollten; aber sie trat ins Leben schon damals, als an Dr. Steiner die Aufforderung herangebracht wurde, innerhalb des Rahmens der Theosophischen Gesellschaft für seine Forschungen Verbreitung zu suchen. So besteht die Anthroposophische Gesellschaft durch den Zusammenschluß von Menschen, die im Werk Rudolf Steiners die Erfüllung ihrer Lebenssehnsucht fanden. Aber ihr Mündigwerden will mehr bedeuten! Der einzelne Mensch steht in der Geschichte seiner Zeit, und es ist noch nicht lange her, daß das Wirken überragender Persönlichkeiten geschichtsbildend wirken kann. In unserer Zeit bedeutet der einzelne Mensch viel, wenn er geschlossene Persönlichkeit ist. Das Zusammentreten einzelner zu einer Masse in Versammlungen, Vereinen, Parlamenten wirkt heute zumeist verheerend auf das Individuelle. Die Anthroposophische Gesellschaft will aber als Gesellschaft mehr bedeuten, als es jedes einzelne ihrer Mitglieder könnte; sie will in Steigerung der Individualität im ernsten Sinn geschichtsbildend wirken. Die Tagung, die vom 13. bis 17. September im Gustav-Siegle-Haus in Stuttgart stattfand, hat einen Anfang damit gemacht, daß sich die Anthroposophische Gesellschaft ihrer Weltbedeutung bewußt wird und ihre geschichtliche Aufgabe in Angriff nimmt. Die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft wendet sich an alle Menschen. Sollte sie den geistigen Gehalt einer Gesellschaft bilden, so mußte diese von Anfang an als Weltgesellschaft begründet werden. Anthroposophie als solche und die Werke Rudolt Steiners sind über alle Welt verbreitet. Aber es hängt mit der Weltkatastrophe der letzten Jahre zusammen, daß sich gerade jetzt rasch hintereinander die selbständigen anthroposophischen Ländergesellschaften bilden, die sich in ihrem geistigen Mittelpunkt Dornach im wiedererstehenden Goetheanum, der Schaffensstätte Dr. Steiners, zur großen Weltgesellschaft zusammenfinden, allem Trennenden zum Trotz, das den Menschen vom Menschen, Volk vom Volk reißen will. Es ist in den letzten Jahren aus der anthroposophischen Bewegung heraus vieles unternommen worden, das die Lebensfruchtbarkeit der Anthroposophie auf allen Lebensgebieten erweisen konnte: Hochschulkurse, Kongresse, wissenschaftliche und wirtschaftliche Begründungen haben weite Kreise gezogen; die Freie Waldorfschule und die wunderbare Kunst der Eurythmie haben zu ungeahnten Erfolgen geführt; die Kunstimpulse des Goetheanum sind wahrlich nicht mitverbrannt, wenn auch die herrlichen Mysteriendichtungen Rudolf Steiners nun noch länger warten müssen, bis sie in der ihnen angemessenen Form auf der Bühne wiedererscheinen können. Für alles dieses braucht es der Anthroposophischen Gesellschaft als eines menschlich-geistigen Mittelpunktes; sie soll die Sammelstätte der wahren Geisteswerte der Gegenwart sein. Eine starke und gesunde Gesellschaft soll der Anthroposophie selbst Wohnung geben in den Herzen ihrer Mitglieder. Sie wird aber ein starkes Haus bilden müssen gegenüber dem Ansturm ihrer Gegner, einen festgefügten Wall aus lebendigen Seelen, denn vielleicht auf lange Zeit braucht der Geist feste Plätze im Lande der Menschen, das vom Ungeist verwüstet wird.

Wir wollen hier keinen protokollgemäßen Bericht über die Tagung geben, sondern auf die Mittelpunktfrage deuten, um die es bei allen Vorträgen und Verhandlungen ging: Wie will die Anthroposophische Gesellschaft ihre Arbeit einrichten, um ihre Aufgaben inmitten einer zerfallenden Welt zu erfüllen? Es handelt sich hier nicht um endgültige Formulierungen oder organisatorische Maßnahmen. Gewiß muß ausgesprochen werden können, was man will; gewiß braucht man Formen des Zusammenwirkens, Aber das Leben einer solchen Gesellschaft bildet sich in den wirklichen Beziehungen der einzelnen Menschen und Menschengruppen; was man tun muß, entscheidet zuletzt der einzelne Fall.

«Die Anthroposophische Gesellschaft will eine Menschengemeinschaft sein zur Pflege der echten Geisteswerte der Gegenwart; es sollen in der Anthroposophischen Gesellschaft die Wege in die geistige Welt gesucht und der Verbreitung echter Geisteswissenschaft gedient werden.»

Über die «Grundsätze»1 der Anthroposophischen Gesellschaft wurde verhandelt. Was aber wichtiger ist, es setzte sich in der Tagung das Bewußtsein durch, daß die Menschen der Gegenwart eine übersinnliche Erkenntnis brauchen und daß die Welt ein Interesse daran haben muß, daß eine Gesellschaft existiert, in der die Wege in die geistige Welt wirklich gesucht werden. Die Hindernisse, welche dem Bewußtsein des gegenwärtigen Menschen gegenüber diesen Notwendigkeiten erwachsen, müssen durch die Arbeit der Gesellschaft selbst überwunden werden. Anthroposophie wendet sich an die freie Urteilsfähigkeit, sie will freiem Fragen Antwort geben; die Gesellschaft will nun ihre Tore weit aufmachen für alle Menschen, welche nach den Wegen in die geistige Welt fragen. Die Zeiten alter Geheimgesellschaften, welche die Menschen durch Eide binden wollten, sind vorüber. Die Anthroposophische Gesellschaft empfängt die Menschen der Gegenwart in ihren Reihen auf Grund von freiem Vertrauen und freier Verantwortung. Die Gesellschaft soll den Menschen geben, was sie brauchen; sie muß ihre Arbeit so einrichten, daß sie finden, was sie suchen.

Für ihren Verkehr mit der Welt braucht die Gesellschaft eine Vertrauensorganisation. Über deren Richtlinien wurde verhandelt, aber das Wichtige ist die Handhabung am einzelnen Fall. Dazu gibt Anthroposophie Tatsachensinn und Menschenkenntnis. Die Aufnahme der Mitglieder erfolgt durch die Vertrauenspersönlichkeiten unmittelbar in die Gesellschaft, die sich gerade dadurch freihalten wird von den heute so verbreiteten sektiererischen Neigungen. Aber die innere Arbeit vollzieht sich in Arbeitsgruppen, welche sich aus wirklichem Arbeitswillen in der verschiedensten Weise bilden. Für eine Vertretung der Gesellschaft gegenüber der Außenwelt sollen größere Verbände helfen. Organe der Gesellschaft sollen überall die Interessen der Gesellschaft über alle lokalen und regionalen Verschiedenheiten hinweg wahren. Über solche Richtlinien wurde verhandelt, und die Tagung gab den vom Vorstand vorgeschlagenen Gesichtspunkten einstimmige Billigung. Der Gegnererkenntnis und dem Problem der Gegnerbekämpfung war weiter Raum gegeben, und wir hoffen, daß sich die Wirkungen bald spürbar erweisen.

Herr Dr. Steiner gab drei Abendvorträge: «Der Mensch in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft» [in GA 228]. Sie führten in neuer Weise in die Geschichte der Menschheit als Bewußtseinsentwicklung ein, und ihre Impulskraft gab der ganzen Tagung ihren geistigen Halt. Die überragende Gestalt dieses Menschheitsführers gibt gewaltige Zukunftsausblicke. Persönlich griff Herr Dr. Steiner fast gar nicht in die Verhandlungen ein, aber was er sprach, war von eindringlichster Mahnkraft, und seine Gegenwart bedeutete für alle das tiefgefühlte Bedürfnis, sich zu ihm und seinem Werk zu bekennen. Die Kundgebung, welche kurz vor der Tagung vom Vorstand und einem Vertrauenskreis in dieser Zeitung veröffentlicht wurde, wirkte in allen Herzen, und als der Antrag gestellt wurde, daß die Tagung diese Kundgebung von sich aus aufnehmen und weitertragen möge, erhob sich die ganze Versammlung wie ein Mann und brachte mit Begeisterung ihre Zustimmung zum Ausdruck.

Die Pausen zwischen den offiziellen Verhandlungen, ja auch manche Nachtstunde, waren reichlich ausgefüllt mit Besprechungen in kleineren Kreisen. Der Waldorfschul-Verein versammelte seine Mitglieder und Gäste. Das Klinisch-Therapeutische Institut veranstaltete Führungen. Das Wissenschaftliche Forschungsinstitut führte die neuesten Forschungsergebnisse vor, insbesondere die epochemachende Arbeit von L. Kolisko: «Physiologischer und physikalischer Nachweis der Wirksamkeit kleinster Entitäten», deren Tragweite unabsehbar ist. Die schönsten Feierstunden bot Frau Marie Steiner mit dem Kreis der Dornacher Eurythmiekünstlerinnen. Zwei Darbietungen für die Teilnehmer der Tagung und vier weitere für die Öffentlichkeit im Bühnensaal Landhausstraße 70 machten besonders starken Eindruck durch die eurythmische Wiedergabe von Dichtungen von Albert Steffen. Wie Dichtung und Eurythmie geistig ineinanderschwingen, wurde kaum je so eindringlich erlebt. Es gehört zu den stärksten Lebenswirkungen der Anthroposophie, was sie als Kunst zur Offenbarung bringt. Der große Saal im Gustav-Siegle-Haus, der 1300 Plätze hat, war immer gefüllt und überfüllt, wenn Herr Dr. Steiner seine gewaltigen öffentlichen Vorträge hielt. Zu dieser Tagung kamen nur Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaften zusammen, aber wiederum reichten die Sitzplätze im Saal nicht aus. Wer irgend konnte, war gekommen, aus den entferntesten Gegenden Deutschlands, trotz der großen Schwierigkeiten, trotz der Unsicherheit, mit der man rechnen mußte; und jetzt nach Schluß der Tagung können wir sagen: Sie werden alle wiederkommen, auch wenn die Schwierig- _ keiten noch unerhört wachsen werden, sie werden vielleicht zu Fuß kommen müssen, aber sie werden da sein, wenn es sich wieder um wichtige Angelegen heiten der Anthroposophischen Gesellschaft handeln wird.

[Statutenentwurf für die deutsche Landesgesellschaft, vermutlich zur Diskussion gestellt bei der Tagung]

Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland Ehrenpräsident seit 3. Februar 1913 Dr. Rudolf Steiner

Statut

  1. Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft.

Die Anthroposophische Gesellschaft wurde am 28. Dezember 1912 in Köln gegründet. Die Gründung hat sich dadurch vollzogen, daß ein Komitee von drei Persönlichkeiten die Gesamtleitung übernahm. Ihm haben sich die Mitglieder der Gesellschaft in freier Zustimmung zum Gründungsakt angeschlossen. Die Gründung war als internationale Gesamtgesellschaft erfolgt. Es war vorgesehen, daß sich innerhalb ihres Rahmens einzelne Abteilungen, Verbände und dergl. bilden. In der Folge haben sich einzelne selbständige Ländergesellschaften begründet.

Der ursprüngliche Gründungsvorstand hat sich durch Kooptation ergänzt und zu einem Vorstand von neun Persönlichkeiten erweitert. In der Delegierten-Versammlung im Februar 1923 zu Stuttgart haben diese Persönlichkeiten die Leitung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland übernommen. Damit war die Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland als Landesgesellschaft begründet. Zu gleicher Zeit erfolgte auch die Gründung der Freien Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland.

In der Tagung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland zu Stuttgart im September 1923 wurde das Vorgehen dieses inzwischen auf zehn Personen kooptierten Vorstandes bestätigt und der Anschluß an die zu gründende Weltgesellschaft mit dem Zentrum in Dornach beschlossen. Ferner wurde der Vorstand ermächtigt, das Statut der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland aufzustellen.

  1. Ziele und Aufgaben.

Die Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft ist aus der Überzeugung erfolgt, daß die Ergebnisse moderner naturwissenschaftlicher Forschung trotz ihrer großen Bedeutung für die menschliche Kultur nur dann im Sinne des geistigen Fortschrittes der Menschheit werden wirken können, wenn durch eine Geisteswissenschaft, welche heute bereits in einem bedeutenden Ausmaße vorhanden ist, eine gesunde auf das Übersinnliche gerichtete Forschung gefördert wird. Die in der Anthroposophischen Gesellschaft vereinigten Persönlichkeiten sehen daher als die wichtigste Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft an:

Die Pflege der Anthroposophischen Geisteswissenschaft und die Förderung ihrer Wirksamkeit auf den verschiedensten Lebensgebieten.

Auf dem Gebiet der Pädagogik, der Medizin, der Naturwissenschaften sowie des Künstlerischen und des Religiösen sind solche bedeutende Ergebnisse vorhanden, welche aus der Anthroposophischen Gesellschaft hervorgegangen sind.

Nur bei solcher konkreter Gestaltung der einzelnen Lebensgebiete kann die Arbeit der Anthroposophischen Gesellschaft zu dem Ziele führen, daß eine neue Brüderlichkeit beim Zusammenwirken der Menschen über die Erde hin entsteht. Sie kann so durch ein Verständnis der verschiedenen Weltanschauungen und Religionen aller Völker und Zeiten dem einzelnen die Gewinnung einer selbständigen Weltanschauung ermöglichen, und sie wird auf diese Weise ein Verständnis des geistigen Wesens des Menschen und der geistigen Grundlagen von Natur und Welt vermitteln.

Mittelpunkt der Bestrebungen der Anthroposophischen Gesellschaft ist das Goetheanum, die Freie Hochschule für Geisteswissenschaften in Dornach und was von ihr in wissenschaftlicher, künstlerischer und religiöser Beziehung ausgeht. 3. Mitgliedschaft.

Wer sich für die hier angegebenen Ziele und Aufgaben interessiert, kann die Mitgliedschaft der Anthroposophischen Gesellschaft erwerben. Die Meldung zur Mitgliedschaft geschieht durch Stellung eines Aufnahmeantrages.

Dieser Aufnahmeantrag wird in der Regel die Unterschrift einer Vertrauenspersönlichkeit (s. u.) tragen, kann aber auch unmittelbar beim Vorstand eingereicht werden. Die Aufnahme erfolgt durch Anerkennung seitens des Vorstandes. Die Höhe der Eintrittsgebühren und des Mitgliederbeitrages bestimmt der Vorstand.

  1. Vorstand.

Dem Vorstand obliegt die Gesamtvertretung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland gegenüber ihren Mitgliedern sowie nach außen. Er ist so zusammengesetzt, daß die aus der anthroposophischen Bewegung hervorgegangenen Institutionen in ihm ihre Vertretung finden können.

Die Mitglieder des Vorstandes führen ihr Amt auf unbestimmte Zeit; die Amtsführung der einzelnen Mitglieder des Vorstandes kann ihr Ende erreichen:

1) durch Rücktritt,

2) dadurch, daß die Mehrheit einer ordnungsgemäß einberufenen Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland mit der Amtsführung nicht mehr einverstanden ist.

Die Erweiterung oder Ergänzung des Vorstandes erfolgt durch Kooptation. Die Geschäftsstelle der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland befindet sich zur Zeit in Stuttgart, Champignystr. 17, wo auch der Vorstand derzeit seinen Sitz hat. Der Vorstand hat aus seiner Mitte die geschäftsführenden Mitglieder zu bestimmen. Organ der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland sind die vom Vorstand herausgegebenen «Mitteilungen».

  1. Der erweiterte Vorstand.

Der Vorstand hat durch Ernennung einzelner Persönlichkeiten aus den verschiedenen Gegenden Deutschlands einen erweiterten Vorstand gebildet. Den Mitgliedern des erweiterten Vorstandes obliegt die Vertretung der Interessen der Gesellschaft nach innen und außen für den näheren Umkreis ihres Wohnortes. Vorschläge zur Ernennung von Mitgliedern des erweiterten Vorstandes können von den regionalen Verbänden (siehe unten) an den Vorstand gerichtet werden. Die Mitglieder des erweiterten Vorstandes sind ohne weiteres auch Vertrauenspersönlichkeiten (siehe unten). Die Mitglieder des erweiterten Vorstandes führen ihr Amt auf unbestimmte Zeit; die Amtsführung kann ihr Ende erreichen: 1) durch Rücktritt, 2) durch Beschluß des Vorstandes.

  1. Vertrauenspersönlichkeiten.

Der Vorstand hat Vertrauenspersönlichkeiten ernannt [siehe Seite 463], denen es obliegt, die Anmeldung von Mitgliedern entgegenzunehmen. Sie übernehmen für die von ihnen vorgeschlagenen Mitglieder die Garantie gegenüber dem Vorstande. Die Ernennung weiterer Vertrauenspersönlichkeiten wird entweder durch den Vorstand erfolgen oder dadurch geschehen, daß ein Mitglied von sieben anderen Mitgliedern oder Persönlichkeiten, welche die Aufnahme ansuchen, als ihr Vertreter bezeichnet und vom Vorstand als solcher anerkannt wird. Die Vertrauenspersönlichkeiten bilden mit den Mitgliedern des erweiterten Vorstandes eine Körperschaft, die durch den Vorstand zur Beratung der Angelegenheiten der Gesellschaft zu besonderen Tagungen zusammenberufen werden kann. Eine Zusammenkunft dieser Körperschaft wird der Vorstand auch dann veranstalten, wenn mindestens 12 Vertrauenspersönlichkeiten dies verlangen. Die Vertrauenspersönlichkeiten haben ihren Charakter als solche für unbestimmte Zeit. Ihre Funktion kann beendet werden:

1) durch Rücktritt,

2) durch Beschluß des Vorstandes,

3) durch Beschluß der Mehrheit einer ordnungsgemäß einberufenen Ver sammlung der Körperschaft der Vertrauenspersönlichkeiten.

  1. Arbeitsgruppen.

Die allgemeine Mitgliedschaft muß von jedem Mitgliede einzeln erworben werden und bedeutet, daß der Vorstand eine einzelne Persönlichkeit als zur Anthroposophischen Gesellschaft gehörig anerkennt.

Die Arbeit der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland erfolgt in Arbeitsgruppen, die sich durch freies Zusammentreten von Persönlichkeiten, welche die allgemeine Mitgliedschaft erworben haben, an allen Orten bilden können. Diese Arbeitsgruppen bedürfen der Anerkennung durch den Vorstand.

Zur Bildung von Arbeitsgruppen gehören mindestens 7 Mitglieder; falls an einem Orte weniger als 7 Mitglieder sind, können sie sich zu einem Zentrum zusammenschließen. Die Arbeitsgruppen und Zentren können sich zu Verbänden vereinigen, je nach den Bedürfnissen der Gegend, in welcher sie sich bilden.2

  1. Generalversammlung.

Die Generalversammlung der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland wird vom Vorstand einberufen und geleitet. Sie gilt als ordnungsgemäß einberufen, wenn die Einladung 3 Wochen vorher abgesandt worden ist.

Der Vorstand wird eine Generalversammlung auch dann einberufen, wenn dies von mindestens 12 der vom Vorstand anerkannten Arbeitsgruppen verlangt wird. Zur Generalversammlung haben alle Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft Zutritt. Stimmberechtigt sind die Vertrauenspersönlichkeiten und die Delegierten der vom Vorstand anerkannten Arbeitsgruppen. Für 7-50 Mitglieder kann jede anerkannte Arbeitsgruppe einen Delegierten bestimmen; für 51-100 Mitglieder zwei Delegierte usw. Die Zentren können je einen Delegierten bestimmen. Bei Abstimmungen in der Generalversammlung entscheidet die einfache Mehrheit.

Die Generalversammlung berät über die vom Vorstand mit der Einladung zu versendende Tagesordnung; sie hat das Recht, die Entlastung des Vorstandes für die Zeit seit der vorhergehenden Generalversammlung auszusprechen. Anträge zur Generalversammlung sind spätestens am dritten Tage vor der Generalversammlung dem Vorstand einzureichen.

  1. Verhältnis zur Weltgesellschaft.

Bleibt den Verhandlungen in Dornach vorbehalten.

[Der folgende in «Mitteilungen...» Nr. 8, Oktober 1923 veröffentlichte und hier faksimiliert wiedergegebene «Entwurf der Grundsätze der Anthroposophischen Gesellschaft» basiert auf Rudolf Steiners «Entwurf der Grundsätze einer Anthroposophischen Gesellschaft» von 1912/13 (siehe unter «Hinweise»). Die deutsche Landesgesellschaft folgte damit dem Beschluß der «Internationalen Delegiertenversammlung» vom 20. bis 23. Juli 1923, daß «eventuell erfolgte Ausarbeitungen von Statuten seitens der Ländergesellschaften, insoweit der jetzige «Entwurf» geändert oder ergänzt werden mußte» (siehe Seite 571), in Dornach bei der Gründungsversammlung der «Internationalen Anthroposophischen Gesellschaft» an Weihnachten 1923 vorgelegt werden sollten.]



  1. Siehe Seite 635 ff. ↩

  2. Solche Verbände (regionale Verbände) bestehen z.Zt. für Mitteldeutschland, Hessen, Pfalz, Bodensee-Gegend, Südwest-Deutschland, Rheinland-Westphalen. Für Norddeutschland sowie Schlesien sind solche Verbände in Bildung begriffen. ↩

German original of Report on the September Stuttgart Delegates' Conference · ← Previous · Next →