The Fateful Year of 1923
GA 259 — 14 September 1923, Stuttgart
Rudolf Steiners Worte zur Stuttgarter Tagung am Beginn des ersten seiner drei Tagungsvorträge (in GA 228)
Ein paar Worte der Einleitung gestatten Sie mir, meinem heutigen ersten Vortrag voranzuschicken. Ich habe in herzlichster Weise zu danken für die schöne Begrüßung, die Frau Dr. Steiner und mir zuteil wurde beim Beginn dieser Tagung. Es war selbstverständlich, daß wir gerade zu dieser Tagung erschienen sind, da wir ja wußten, daß sich diejenigen, die diese Tagung veranlaßt haben, unsere Stuttgarter Freunde, gerade von dieser Zusammenkunft der anthroposophischen Freunde außerordentlich viel versprochen haben und auch weiter versprechen. Die Tagung hat ja verheißungsvoll begonnen; wir wurden in einer herzgewinnenden Weise in die Entwicklung der anthroposophischen Bewegung hineingeführt, und es wurde auch noch am heutigen Nachmittag auf mancherlei Wichtiges, das aus der anthroposophischen Bewegung hervorgegangen ist, hingewiesen. Von manchem, das aus der Geschichte der anthroposophischen Bewegung andeutungsweise erwähnt worden ist, wird allerdings hie und da einiges richtigzustellen sein; nicht so sehr bei der Besprechung desjenigen, was früher war, sondern bei der Charakteristik desjenigen, was — wenigstens mußte man es so verstehen oder im Anfange der anthroposophischen Bewegung — nicht dagewesen sein soll. Manches von den Bemerkungen, die in dieser Beziehung gemacht worden sind, wird allerdings später zu korrigieren sein.1 Und es wäre dann zu erwünschen, daß das Protokoll, wenn bei den jetzigen teuren Zeiten ein solches von dieser Versammlung zustande kommt, mit besonderer Sorgfalt redigiert werden würde.2 Ich möchte nicht versäumen, hier die Hoffnung auszusprechen, daß nach dem außerordentlich verheißungsvollen Anfang die weitere Tagung in einer recht fruchtbaren Weise für die Entwicklung der deutschen Anthroposophischen Gesellschaft verlaufen möchte. Es ist schon eine Notwendigkeit, daß gerade bei dieser Tagung sich manches von dem erfülle, was von unseren Stuttgarter Freunden gehofft worden ist. Und so lassen Sie mich denn in dieser kurzen Einleitung den Wunsch aussprechen, daß nun auch, wenn in die eigentliche Diskussion über den sachlichen Inhalt, den diese Tagung bekommen soll, nunmehr morgen eingetreten wird, diese Diskussion recht günstig für den weiteren Verlauf der anthroposophischen Sache in Deutschland sich gestalten möge.
Ich kann nicht umhin bei dieser Gelegenheit, weil sich ja zu solchen Dingen nicht immer Gelegenheiten finden und jede eigentlich ergriffen werden soll, die sich bietet, ich kann nicht umhin, gerade bei dieser Gelegenheit in diesen einleitenden Worten auf etwas hinzuweisen, was ja mit dem inneren Inhalt der anthroposophischen Bewegung in weiterem Sinne gerade unmittelbar in dieser Zeit zusammenhängt. Es ist mancherlei erwähnt worden, was die anthroposophische Bewegung zustande gebracht hat. Und gerade bei der Lage, in der wir sind, wo so wenig Möglichkeiten sich bieten, daß die Aufmerksamkeit erregt werde für dasjenige, was aus dem Schoße dieser anthroposophischen Bewegung hervorgeht, sollte nicht versäumt werden, daß doch auch wiederum in diesen Tagen die anthroposophische Bewegung auf ein Wichtigstes in bezug auf die Forschung hinzuweisen hat, die innerhalb dieser anthroposophischen Bewegung getrieben wird. Wir könnten heute, wenn unsere Dinge ebenso aufgenommen würden in der Welt wie jene,.die auf dem Felde des äußeren Wissenschaftsbetriebes verlaufen, wiederum darauf hinweisen, wie Forschungsergebnisse allerersten Ranges aus dem Schoße der anthroposophischen Bewegung hervorgewachsen sind. Man wird ja wissen, wie der medizinische Streit zwischen Homöopathen und Allopathen in einer langen Zeit geführt worden ist, wie man gegen die Verwendung kleinster Entitäten von Substanzen alles mögliche ins Feld geführt hat und wie man eigentlich bis heute nicht imstande war, exakte, maßgebende Experimente aufzuweisen, welche in einwandfreier Weise zeigen, daß Entitäten bei entsprechender, gerade großer Verdünnung in die Metamorphose einer Wirksamkeit eingehen, die nunmehr etwas ganz anderes ist als ihre materiell-substanzielle Wirkungsweise. Nun ist es in unserem Biologischen Forschungsinstitut gelungen, namentlich durch die hingebungsvolle.Arbeit von Frau Kolisko, Ergebnisse über die Wirksamkeit von kleinsten Entitäten in einwandfreier Weise bis zu 1 zu einer Trillion wissenschaftlich festzustellen. Sehen Sie, das sind doch Dinge, die auf dem Boden anthroposophischen Arbeitens erwachsen. Und wir dürfen innerhalb unserer Gesellschaft an solchen Dingen wahrhaftig nicht schläfrig vorbeigehen, sondern es gehört schon zum Erlangen eines umfassenden Bewußtseins der Gesellschaft, daß diese Gesellschaft weiß, was innerhalb ihres Horizontes, eigentlich innerhalb ihres Leibes vorgeht. Denn man kann sich ja wirklich nicht vorstellen, daß irgend jemand über sein Gesamtbefinden ein richtiges Bewußtsein haben soll, wenn er zum Beispiel nicht weiß, welche Vorgänge der Ernährung - ich meine jetzt nicht im wissenschaftlichen Sinn, sondern in dem Sinn, wie man das durch Hunger- und Durstgefühle verspürt — in ihm vorgehen. Deshalb wollte ich diese Gelegenheit ergreifen, um darauf hinzuweisen, daß in der Schrift, die aus dem Biologischen Forschungs-Institut hervorgegangen ist, von Frau Kolisko verfaßt, und die Ja Jetzt zu erwerben ist, wiederum etwas in die Welt getreten ist, worauf eigentlich heute hingewiesen werden sollte. So daß wir. also schon sagen können: Innerhalb der anthroposophischen Gegenwart geschieht einiges, was wert ist, daß es in das allgemeine Bewußtsein der Anthroposophischen Gesellschaft übergehe. Denn dadurch wird ja ganz gewiß eine Stärkung und Kräftigung dieses Bewußtseins mit hervorgehen können. Ich weiß nicht, ob ich damit etwas vorweggenommen habe jemandem, der über die Sache hat sprechen wollen; aber ich wollte immerhin die Gelegenheit dieser Einleitung ergreifen und auch damit gerade dem biologischen Teil unserer anthroposophischen Forschung am heutigen Tage, wo ich zum ersten Mal während dieser Tage spreche, meinen herzlichsten Gruß entgegenbringen.