The Fateful Year of 1923

GA 259 — 6 January 1923, Dornach

Ansprache in einer vom Zentralvorstand einberufenen Mitgliederversammlung zur Frage des Wiederaufbaues

Die Verhandlungen wurden nicht protokolliert, nur die von Rudolf Steiner am Schluß der Versammlung gemachten Ausführungen. Im Stenogramm ist notiert, daß vorher hintereinander gesprochen haben: Uehli, Vreede, Vacano, Unger, Uehli, Leinhas, Steffen, Vreede, Kaufmann-Adams, Erikson, Moser, Frau Grosheintz.

Es ist in hohem Maße befriedigend, daß heute abend wiederholt hingedeutet worden ist auf jene Tatsache, die niemals innerhalb der Kreise der Anthroposophischen Gesellschaft vergessen werden darf: Es ist die Tatsache, daß ja ein Teil, und zwar, ich gestehe es offen, sogar der allerwesentlichste Teil dessen, was in der Anthroposophischen Gesellschaft verkörpert sein soll, in den wichtigsten, in entscheidenden Momenten seinen Bestand gezeigt hat. Es ist heute schon mit Recht darauf hingewiesen worden, daß dieser Bestand sich gezeigt hat, als die Idee zu diesem jetzt verlorenen Bau gefaßt wurde und wirklich in innigem Einklange der Herzen und der Seelen dieser Bau in Angriff genommen und weitergeführt worden ist, nachdem sowohl im Anfange wie im weiteren Verlauf unbegrenzte Opfer von seiten unserer lieben Freunde für die Arbeit, für das Instandsetzen des Werkes, gebracht worden sind — Opfer, deren Größe ja nur bemessen werden könnte, wenn man überall im einzelnen hinweisen würde darauf, wie schwer sie manchem geworden sind. Aber man braucht das nicht. Sie sind ja wirklich in dem Sinne aus anthroposophischem Geiste hervorgegangen, daß sie in Liebe, in inniger Liebe gebracht worden sind, und das ist ganz gewiß einer der Hauptteile der Impulse, die innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft wirken sollen. Und wir haben in der Brandnacht diese Impulse wiederum in einer ganz hervorragenden Weise wirken gesehen. Es kann eigentlich kaum ein wirklich fühlendes Herz geben, das nicht in innigster Dankbarkeit gegen alle Freunde und gegen das Schicksal empfinden würde, was sich in dieser Weise geoffenbart hat. Und ich möchte noch weitergehen. Ich möchte sagen: Soweit es möglich war, immer mehr und immer intimer die Anthroposophische Gesellschaft kennenzulernen von dieser Seite her, desto mehr hat sich die gefühlsmäßige Überzeugung ergeben, daß es an dieser Liebe ganz gewiß auch in der Zukunft nicht fehlen wird. Sie hat sich in einer so starken Weise seit zehn Jahren während dieses Baues geoffenbart, sie hat sich in einer so wunderbaren Weise in der Brandnacht geoffenbart, daß sie eben einfach als etwas angesprochen werden kann, was Dauer verspricht für die Zukunft. Alles hat hier gearbeitet in seiner Art. Da hätte ich wahrhaftig nicht nötig gehabt, aufzurufen zur Verständigung der Jungen und der Alten, wenn es sich gehandelt haben würde um das, was aus dieser Liebe heraus zu vollbringen ist und was im Grunde noch immer vollbracht wird; denn es ist ja auch eine gewisse opferwillige Arbeit, manche Nächte hier mit Wachdiensten zuzubringen und dergleichen, und es ist schon unsere Sache, alle Einzelheiten anzuerkennen. Und im Grunde genommen, wenn wir die Arbeit der jungen Leute während der letzten Tage hier betrachten, so werden wir sagen müssen: Nach dieser Arbeit sind sie in bezug auf den Punkt, den ich jetzt hervorgehoben habe, wahrhaftig schon ganze Anthroposophen geworden, so wie die Alten.

Also in bezug auf diesen ersten Teil, meine lieben Freunde, kann ich nur aus dem Gefühl der allertiefsten Dankbarkeit gegenüber jedem einzelnen unserer Freunde sprechen, und Sie werden mir glauben, daß ich tief diesen Dank empfinde.

Nun aber darf ich vielleicht, weil wir schon heute einmal zu meiner Befriedigung hier zusammen sind, doch einmal wenigstens kurz die Situation noch von einer anderen Seite her beleuchten, von einer Seite her, die ich auch für ebenso wichtig halten muß. Sehen Sie, die Sache liegt ja so: Dieser Bau hier ist aufgeführt worden; dadurch, daß dieser Bau hier stand, ist die anthroposophische Sache tatsächlich in einer gewissen Beziehung vor der Welt etwas anderes geworden, als sie vorher war. Vielleicht braucht nicht ein jeder dieses andere, zu dem die anthroposophische Sache geworden ist, auch gerade zu schätzen. Wer mehr das Innere, das rein Geistige der anthroposophischen Bewegung allein schätzt, der wird vielleicht dieses tatsächliche Hingestelltsein der Anthroposophie vor die ganze Welt durch den Bau nicht als eine für ihn so außerordentlich wichtige Angelegenheit empfinden. Aber der Bau ist einmal aus einer inneren Notwendigkeit heraus entstanden. Er war da und hat eben als solcher die anthroposophische Bewegung zu etwas anderem gemacht, als sie vorher war, er hat sie zu dem gemacht, was nun wirklich zuweilen außerordentlich gut, zuweilen außerordentlich töricht selbstverständlich von einem großen Teil der Welt beurteilt worden ist.

Nun, meine lieben Freunde, ich bin der Allerletzte, dem an den Urteilen, die von außen an die Anthroposophie herankommen, viel liegt; denn in bezug auf die Anthroposophie hat man zunächst noch so viel im Positiven, im wirklich Schöpferischen zu leisten, daß es schon begreiflich ist, wenn man eigentlich kein besonderes Interesse hat an dem, was an Urteilen von außen kommt. Allein die Welt ist eben doch die Welt. Die Welt ist die physische Realität. Und selbst wenn einem gar nichts liegt an dem Urteile der Welt, so ist das Wirken, in vieler Beziehung wenigstens, insofern davon abhängig, daß dieses Urteil ungeheure Hemmnisse bereiten kann. Und da muß ich schon sagen, ist mit dem Bau für die Anthroposophische Gesellschaft die Aufgabe erwachsen, auch ein Auge zu haben für das Gedeihen der anthroposophischen Sache als einer Angelegenheit der gegenwärtigen Zivilisation als solcher.

Man möchte sagen: Wie es eben bei einem einzelnen Menschen kommt, daß, wenn er ein gewisses Alter erreicht hat, er Kleider für Erwachsene braucht, so sind eben besondere Bedingungen des Daseins eingetreten für die Anthroposophische Gesellschaft, indem der Bau hier ein so ungeheuer zu der Welt sprechendes — ich meine jetzt nicht seinen inneren Wert, sondern einfach seine Größe -, ein so ungeheuer zu der Welt sprechendes äußeres Zeichen für diese anthroposophische Bewegung war. Mit diesem mußte man nun schon einmal rechnen. Und ich kann Ihnen sagen, daß ich das einfach an den Rippenstößen, die eben seither viel zahlreicher gekommen sind als früher, erleben mußte.

Also es handelt sich darum, nicht bloß heute hinzuschauen darauf, wie die Dinge gehen müssen, damit der Bau wieder aufgerichtet werde; das ist ganz gewiß etwas, was eigentlich geschehen muß, nachdem er einmal da war; und daß ein so ernster heiliger Wille in unseren Freunden vorhanden ist zu diesem Aufbau, dafür bin ich weiterhin dankbar. Aber heute handelt es sich auch darum, gerade im Angesichte dieser Katastrophe, wo wir eben dasjenige wieder aufbauen sollen, was gerade für die anthroposophische Bewegung eine neue Gestalt gebracht hat, heute handelt es sich darum, eben auch daran zu denken: Wie kann die Anthroposophische Gesellschaft gerecht werden durch ihre innere geistige Kraft, durch ihr energisches Wollen, wie kann sie gerecht werden demjenigen, was ja in gewisser Beziehung als eine erneuerte Gestalt für sie aufgetreten ist?

Nun, meine lieben Freunde, lassen Sie mich eines sagen — Sie müssen es mir nicht übelnehmen, nachdem Sie ja soeben gehört haben, daß ich alles das, was in so schöner Weise heute gesprochen worden ist, ganz tief im Herzen empfinde —, daß ich eigentlich die Realität der Anthroposophischen Gesellschaft von seiten der zusammenwirkenden Liebe soweit für verwirklicht halte, als ich völlig überzeugt bin, von dieser Seite her werden dem Wiederaufbau des Goetheanum keine Hindernisse erwachsen. Diese Liebe erkenne ich schon als etwas, was so dauernd ist, daß wir damit das Goetheanum aufbauen können. Aber gerade indem ich das sage, werden Sie es mir nicht übelnehmen, wenn ich einige andere Bedingungen daran knüpfe, ohne deren Erfüllung ich mir heute, so wie die Dinge geworden sind, nicht denken kann, daß der nun einmal notwendige Aufbau des Goetheanum zu weiterem führen kann als zu einer unermeßlichen Vermehrung der Rippenstöße, von denen ich gesprochen habe, der Rippenstöße, die ich nicht persönlich meine, sondern die ich durchaus für die Sache, für die anthroposophische Sache, meine.

Meine lieben Freunde, wir haben in der anthroposophischen Sache bis zum Jahre 1914 gearbeitet. Es gipfelte dann diese Arbeit in der Absicht, diesen Bau aufzurichten, gipfelte in der Realisierung dieser Absicht. Es kam der Weltkrieg. Mit Recht ist zum Beispiel von Mr. Kaufmann hervorgehoben worden, welchen Einfluß der Weltkrieg auf unsere Arbeit hatte, sowohl am Goetheanum wie in der anthroposophischen Bewegung überhaupt. Aber meine lieben Freunde, diese Hindernisse waren äußere. Wir können zum Beispiel sagen: Wir konnten vielleicht aus den einzelnen Ländern, die im Kriege miteinander waren, nicht so zusammenkommen, wie man das ohne Krieg gekonnt hätte; wir haben hier aber wirklich international zusammengearbeitet. Hier haben sich alle kriegführenden Nationen in Liebe zueinander gefunden, und in Dornach selbst war etwas verwirklicht, was eigentlich aus der Schmerzlichkeit des Krieges heraus jeder vernünftige und fühlende Mensch als ein Ideal hätte ansehen sollen. Durch die äußeren Verhältnisse bedingt, ist selbstverständlich manche Unterbrechung eingetreten. Aber ich kann sagen: Wie ich die Sache ansehen muß, hat eigentlich in unser inneres geistiges Gefüge als Anthroposophische Gesellschaft der Weltkrieg keine Bresche geschlagen. Er hat sogar in vieler Beziehung die einzelnen Glieder der verschiedenen Nationen hier in Dornach und damit über die Welt hin inniger zusammengeschmiedet. Das konnte man noch bemerken, als sie nach dem Weltkriege hier oder sonst irgendwo wiederum zusammenkamen. Es war schon die Anthroposophische Gesellschaft bis zum Weltkriege hin von innen heraus in einem [so gefestigten] Zustande, daß eigentlich der Weltkrieg an ihrem Wesentlichen keine Erschütterung gebracht hat. Die Erschütterungen waren [nicht] von außen gekommen. So daß wir im Grunde genommen auch 1918 [mit Kriegsende] so dastanden, daß man sagen konnte: Aus der anthroposophischen Bewegung heraus ist nicht irgend etwas gekommen, was wir heute so besprechen müßten, daß wir sagen müßten: Konsolidierung der Anthroposophischen Gesellschaft ist notwendig.

Und was die Gegnerschaft betrifft: Die meisten unserer Freunde werden ja wissen, wie wenig ich mir innerlich mit dieser Gegnerschaft eigentlich zu tun mache und wie ich nur den Notwendigkeiten weiche, wenn es sich eben darum handelt, äußerlich sich mit ihr zu tun zu machen. Aber man muß sich dann mit ihr zu tun machen, wenn es sich um die inneren Bedingungen des Daseins der anthroposophischen Bewegunghandelt. Bis zum Jahre 1918 waren die Gegnerschaften zu ertragen, durchaus zu ertragen, so häßlich sie da oder dort aufgetreten sind.

Dann kamen die Jahre nach dem Kriege. Und wenn Sie mich fragen, meine lieben Freunde, wann das Unkonsolidierte der Anthroposophischen Gesellschaft angefangen hat, wann die großen Schwierigkeiten für mich begonnen haben, dann antworte ich Ihnen darauf: Das sind die Jahre seit dem Ende des Weltkriegs. Und da kann ich eben nicht anders als ganz aufrichtig, aber in einer Aufrichtigkeit in Liebe zu Ihnen sprechen: Es sind diejenigen Jahre nach dem Weltkriege, in denen einzelne Freunde sich bemüßigt gefunden haben, das eine oder das andere zu begründen, um es gewissermaßen aufzupfropfen auf die Anthroposophische Gesellschaft.

Nun, meine lieben Freunde, ich sage auch den Ausdruck «Aufpfropfen» nicht in einem abfälligen Sinne, denn es ist nichts zugegeben worden, was nicht mit dem Geiste der anthroposophischen Bewegung vereinbar war. Aber was mit diesem Geiste wirklich nicht vereinbar ist, das ist dasjenige, was über die Gesellschaft gekommen ist. Und ich glaube, die wenigsten unter Ihnen sind heute zum Beispiel bereit einzusehen, in welchem Umfange der heutige Zustand der Gegnerschaft innig zusammenhängt mit dem, was seit 1919 sich zugetragen hat. Da kann ich nur sagen: Da gab es für mich die großen Schwierigkeiten, die darin bestanden, daß man seit jenen Jahren die Idee, den Drang hatte nach Projekten, den Drang hatte, alles mögliche auszusinnen, um es zu tun.

Wenn man einen ernstlichen Willen hat, meine lieben Freunde, so kann das zu recht Gutem führen. Aber was sich als Erfahrung herausgestellt hat, ist, daß man ja angewiesen ist bei solchen Dingen auf Persönlichkeiten; und die Dinge waren derart, daß sie nur dann nicht zum Schaden der anthroposophischen Bewegung ausschlagen konnten, wenn die Persönlichkeiten, die diese Dinge wollten, diese Persönlichkeiten, denen man entgegengekommen ist, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, voll bei der Stange geblieben und einen eisernen Willen entwickelt hätten, um das auch durchzuführen, was sie einmal in die Welt gerufen und wozu die Hand geboten werden mußte, weil man eben dem Willen der Mitglieder selbstverständlich Rechnung zu tragen hat.

Aber dem gegenüber muß gesagt werden, was gerade heute im Angesichte dieses Unglücksfalles tief empfunden werden muß. Es ist dieses: Die Art und Weise der Arbeit, wie sie seit 1919 war, die darf nicht weitergehen. Alle Liebe, alle Aufopferung in den weiten Kreisen der Mitglieder nützt nichts, wenn die Arbeitsmethoden, welche unter dem Projektemachen seit 1919 eingetreten sind, so fortgesetzt werden, wie sie getrieben wurden: daß man in tagelangen Versammlungen das oder jenes beschlossen hat, Programme in die Welt hinausgeschickt hat, die man nach vier Monaten mindestens vergessen hat und dergleichen. Von Programm zu Programm eilte man; große Worte hatte man, wie man sie früher niemals hörte innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft; Arbeitsmethoden sind eingeführt worden: eigentlich Unmethoden.

Das, meine lieben Freunde, können Sie prüfen im einzelnen. Ich muß es einmal aussprechen schon aus dem Grunde, weil ich es für ein Verbrechen hielte, es nicht auszusprechen angesichts der hingebungsvollen Liebe des Gros der Anthroposophischen Gesellschaft, wie sie sich jetzt wieder in der Brandnacht gezeigt hat.

Dasjenige, was notwendig ist, das ist, die Arbeitsmethode zu verlassen, nicht die Gebiete, aber die Arbeitsmethode zu verlassen; nicht in irgend etwas sich hineinzubegeben, was man am nächsten Tag wieder liegen läßt, sondern in energischer Weise bei den Dingen zu bleiben, die einmal begonnen worden sind, von denen man selbst gesagt hat, daß man sie als die seinigen betrachten will.

Ich weiß, daß ich damit gerade zu dem Gros der Anthroposophischen Gesellschaft nicht spreche; das Gros der Anthroposophischen Gesellschaft hat, wo es darauf ankam, das ihre zu tun, dieses immer getan. Um was es sich handelt, ist, daß nicht in die Anthroposophische Gesellschaft Arbeitsmethoden hineingetragen werden, die eigentlich Unmethoden sind. Es muß energisches Wollen hineingetragen werden, nicht bloßes Wünschen, energisches Wollen, nicht bloßes Aufstellen von Idealen, energisches Wollen auf seinem Gebiete, nicht bloß etwa sich hinstellen und in die Gebiete der anderen hineinpfuschen. Es handelt sich darum, mit klarem Auge und mit energischem Willen, mit gutem energischem Willen andere Arbeitsmethoden eintreten zu lassen als diejenigen, die seit vier Jahren in vielen Kreisen oder wenigstens in einzelnen Kreisen beliebt geworden sind und die in ihrer Unmethodik vielleicht das Gros der Mitglieder noch gar nicht einmal in der richtigen Weise angeschaut hat. Offenes Auge haben ist dasjenige, was wir brauchen.

Ich weiß, meine lieben Freunde, mit dem Gros der Mitglieder wird sich gut arbeiten lassen; aber es muß darauf gesehen werden, daß die Wege, die auf vielen Gebieten seit 1919 gegangen worden sind, nicht weiter gegangen werden und daß gerade nach dieser Richtung nicht immer bloß über die Dinge hinweggeredet wird, sondern daß durch Einsicht in die Fehler, durch eine scharfe Beurteilung der Fehler erkannt werde, was in der Zukunft getan werden muß.

Dies, meine lieben Freunde, ist es, um das ich Sie bitte. Ich danke Ihnen herzlich für alles, was hier ausgesprochen worden ist. Ich weiß zu würdigen so wunderschöne Worte, wie sie zum Beispiel Herr Leinhas eben gesprochen hat, bin auch von Herzen innigst dankbar für diese Worte, im Interesse der Anthroposophischen Gesellschaft vor allen Dingen. Aber ich rufe diejenigen Freunde, die noch ein Verständnis haben für die inneren Bedingungen der Anthroposophischen Gesellschaft, auch da, wo sie in ihre peripherischen Zweige hinaus verschwimmt, wo sie praktische Gebiete, praktische Kreise zieht, ich rufe die Freunde dazu auf, nun endlich einmal ernst und würdig ein Ende zu machen mit solchen Methoden, wie sie seit vier Jahren eingerissen sind; zu prüfen, worin die Fehler bestehen, und einzusehen, inwiefern gerade ein großer Teil derjenigen Gegnerschaft, die über viele Gebiete hinaus, über die hinaus es früher kein Hindernis gab, überhaupt die Vorträge unmöglich gemacht hat. Es handelt sich gar nicht so sehr darum, die Gegner zurückzuschlagen; die sind manchmal froh, wenn man ihnen einen Hieb gibt, der nützt ihnen, der schadet ihnen nicht. Es handelt sich nicht um das, sondern es handelt sich darum, daß tatsächlich innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ein Musterbeispiel gegeben werde von einem methodisch anzuerkennenden, das heißt vom Willen durchdrungenen Arbeiten, nicht von einem Aufstellen von Projekten und Wünschen, die man alle Augenblicke wiederum verläßt, sondern bei denen man bleibt, bei denen man auch wirklich eine hingebungsvolle Arbeit, nicht bloß eine Gschaftlhuberei verrichtet. Das ist es, was einer auf solchen Grundlagen ruhenden Bewegung, wie die anthroposophische Bewegung es ist, vor allen Dingen not tut. Ich muß es aussprechen, weil ich die Liebe erwidere, die mir auch am heutigen Abend wieder ausgesprochen worden ist. Sollich aber diese Liebe in der richtigen Weise erwidern, dann muß ich aufrichtig sprechen zu denjenigen, die dies erwarten können, und dann muß ich sagen: Es sollen die Freunde, auf die es ankommt, einmal ernstlich erwägen, welche Methoden, die in den letzten vier Jahren zu Unmethoden geworden sind, zu verlassen sind. Dann erst wird die schöne Liebe, diese nicht nur unanfechtbare, sondern nicht hoch genug anzuschlagende Liebe, in der zusammengearbeitet worden ist in der Anthroposophischen Gesellschaft bis zum Baubeginn und während des Baues bis 1918, dann wird diese Liebe in das richtige Fahrwasser, in die richtige Strömung geleitet werden. Und ich bitte vor allen Dingen, die Sache so zu betrachten, daß die Worte, die ich heute nur aus einem innersten Zwang heraus rede, nicht wiederum taube Ohren finden, sondern ich bitte Sie, die Liebe, wenn sie vorhanden ist, schon so weit zu treiben, daß man auch wirklich ernstlich darauf sieht, daß die Methoden der letzten vier Jahre geprüft werden, damit wir wiederum dazu kommen — was notwendig ist —, daß die Anthroposophische Gesellschaft vor allen Dingen bei sich anfängt, dasjenige zu zeigen, was sie von der Außenwelt verlangt. Solange wir unsere inneren Gegner sind, so lange brauchen wir uns, da wir ja auf einem okkulten Boden stehen, nicht zu verwundern, wenn eine furchtbare Gegnerschaft von außen anschlägt. Suchen wir auch da Selbsterkenntnis, so wird sich manches in das richtige Licht stellen lassen.

Das, meine lieben Freunde, ist eine große Aufgabe, eine Aufgabe, welche im Angesichte des großen Unglücks so schnell als möglich von denjenigen, auf die es ankommt, vollzogen werden sollte. Denn mir würde es unmöglich sein, auf solchen Grundlagen, wie sie von mancher Seite in den letzten vier Jahren geschaffen worden sind, so weiter zu arbeiten, daß es nicht ein Mißbrauch der Liebe sein würde, die von dem Gros der Anthroposophischen Gesellschaft geübt wird: es würde von mir ein Mißbrauch dieser Liebe sein, wenn ich weiter diesen Unmethoden die Hand bieten würde und wenn ich nicht verlangen würde, daß zur Konsolidierung der Gesellschaft vor allen Dingen dadurch beigetragen wird, daß von denen, auf die es ankommt, tatsächlich energisch geprüft wird, worin diese Unmethoden bestehen, die die Gesellschaft in diese Lage gebracht haben — um dadurch zu probieren, wenn die Gesellschaft selbst erst wiederum in einem ihr angemessenen Zustande ist, wie sich dann mit den Gegnerschaften fertig werden läßt. Verzeihen Sie, meine lieben Freunde, aber es hätte mir als etwas Unliebes geschienen gegenüber der vielen Liebe, die Sie auch heute mir entgegengebracht haben, wenn ich nicht in dieser Aufrichtigkeit Ihnen das heute gesagt hätte, was mir durchaus tief am Herzen liegt.

German original of Central Council Meeting Regarding the Re-buildiing of the Goetheanum · ← Previous · Next →