Anthroposophy and its Opponents
GA 255b — 5 June 1920, Dornach
Öffentlicher Vortrag
Die Wahrheit über die Anthroposophie und deren Verteidigung wider die Unwahrheit
Meine sehr verehrten Anwesenden! Vorausschicken möchte ich, daß dieser Vortrag mir wahrhaftig keine Befriedigung gewährt. Er ist wohl vielleicht einer von denjenigen, die am allerwenigsten geeignet sind, mir Befriedigung zu gewähren - keiner von denen, die ich begehre zu halten -, aber er ist in einer gewissen Weise durch Freignisse, die nun schon eine ziemlich lange Zeit hier in nächster Umgebung spielen, herausgefordert. Und ich darf wohl auch das noch voranschicken, daß es ja immer mehr und mehr in der Bewegung, innerhalb welcher ich stehe, dazu gekommen ist, daß mir die Aufgabe des Ausbaues der in Frage kommenden Geistesströmung zugefallen ist und daß ich voll beschäftigt bin mit diesem Ausbau nach den verschiedendsten Seiten hin. Deshalb ist bei mir wahrhaftig nicht Zeit und irgendwelche Neigung vorhanden, gegenüber der Außenwelt diese oder jene Angriffe zu unternehmen. Dagegen mehren sich die Angriffe, die andere gegen diese Bewegung unternehmen, in der letzten Zeit in einer ganz ungeheuerlichen Weise ungeheuerlich nicht nur ihrer Zahl nach, sondern ungeheuerlich vor allen Dingen ihrem Inhalte nach. Ich werde mich bemühen, den heutigen Vortrag so objektiv wie möglich zu halten. Bei der leider so reichen Fülle des Materials werde ich ja genötigt sein, mehr oder weniger aphoristisch zu verfahren. Ich möchte aber die Ausführungen in zwei Teile gliedern. Ich möchte den ersten Teil so halten, daß ich darstelle gewissermaßen historisch das Werden derjenigen Geistesbewegung, welche von mir die anthroposophische genannt wird, und daß ich, während ich in dieser Weise positiv historisch charakterisiere, nur einige Streiflichter werfen werde auf dasjenige, was sich gegen diese anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft von da oder dort aggressiv geltend gemacht hat. Im zweiten Teile des Vortrages will ich dann auf Einzelheiten, mehr oder weniger zusammengefaßt zu Typen, eingehen und ganz einzelnes nur da, wo es unbedingt herausgefordert ist, erwähnen.
Zunächst möchte ich bemerken, daß wahrhaftig das vollkommenste Recht besteht, diejenige Geistesbewegung, um die es sich hier handelt, deren Repräsentant dieser Bau sein soll, die «anthroposophisch orientierte» zu nennen. Und nicht nur dazu besteht das volle Recht, sondern auch dazu, diese Geistesbewegung gegenüber allen anderen Geistesbewegungen der Gegenwart als eine völlig selbständige zu bezeichnen. Beides, meine sehr verehrten Anwesenden, wird ja bestritten. Die Berechtigung der Bezeichnung «Anthroposophie» wird bestritten in einer Art, die wahrhaftig sofort als unmöglich erkannt wird, wenn man sich nur im allergeringsten bemüht, historisch wahr die ganze Sache anzusehen. Sie müssen schon verzeihen, wenn ich heute Objektives durchprägen muß mit allerlei scheinbar Persönlichem. Aber dieses scheinbar Persönliche ist ja in diesem Falle auch ein Objektives und gehört durchaus zur Sache. Wer wahr sehen will und meine Schriften verfolgt, wer dasjenige verfolgt, was ich im Anschlusse an «Goethes Naturwissenschaftliche Schriften» vom Beginne der achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts an geschrieben habe, der wird finden, daß dort zunächst der Geistesweg seiner Methode nach überall schon angedeutet ist, der dann, was selbstverständlich ist, im Laufe der Zeit - es sind jetzt vier Jahrzehnte seitdem verflossen — weiter ausgebaut worden ist. Man kann dasjenige, was von hier aus jetzt Anthroposophie genannt wird, unterscheiden nach zwei Richtungen hin. Das eine ist die Art des Vorstellens, die Art des Suchens, des Forschens, das andere ist das Inhaltliche, sind die Ergebnisse dieser Forschung, soweit sie bis heute haben ausgebildet werden können. Es wäre selbstverständlich kein gutes Zeugnis für dasjenige, was als anthroposophische Geistesrichtung unternommen worden ist, wenn man sagen müßte nach vier Jahrzehnten, es sei im Laufe der langen Zeit nichts erarbeitet worden, sondern man wiederhole heute nur immer dieselben Sachen, von denen in den Veröffentlichungen der achtziger Jahre gesprochen worden ist.
Aber, meine sehr verehrten Anwesenden, wer die Richtung des Denkens, die Richtung des Forschens, oder wenn ich mich gelehrter ausdrücken will, die Methode ins Auge faßt, die hier in Betracht kommt, der wird finden, daß alles in Betracht Kommende in den Achtziger Jahren bereits als Vorstufe ausgesprochen worden ist; ich möchte sagen, daß der Grundnerv desjenigen, was hier Geisteswissenschaft genannt wird, damals schon angedeutet worden ist. Selbstverständlich war es, daß diese Geistesforschung, die da in den achtziger Jahren von mir angedeutet worden ist, sich zunächst auseinandersetzen mußte mit demjenigen, was für die Höhen der modernen Geistesentwicklung den besonderen Ton angab. Und das war die naturwissenschaftliche Weltanschauung. Und nichts anderes hatte ich im Auge als eine Auseinandersetzung zunächst mit der naturwissenschaftlichen Weltanschauung, die ja notwendig machte selbstverständlich auch eine Auseinandersetzung mit der damaligen zeitgenössischen Philosophie. Wer anderes glaubt, der mißversteht den Inhalt desjenigen, was ich bis in die neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts geschrieben habe. Er wird dort wenig finden von Berücksichtigung irgendwelcher religiöser Bekenntnisse und dergleichen; er wird aber immer wieder finden die Bemühung, die herrschende naturwissenschaftliche Richtung zu durchgeistigen.
Nun war ja selbstverständlich, daß mit gewissen tonangebenden Faktoren des naturwissenschaftlichen Denkens der damaligen Zeit zunächst eine Auseinandersetzung gepflogen werden mußte. Aber wie ist diese Auseinandersetzung gepflogen worden? Ich möchte, soweit es irgend geht, nur durch Tatsachen dasjenige heute darstellen, was meiner Meinung nach in Betracht kommt. Zunächst handelte es sich darum, daß ja gerade mit dem Beginne der achtziger Jahre dasjenige gewissermaßen als tonangebend innerhalb gewisser naturwissenschaftlich denkender Kreise vorgefunden wurde, was man den Darwinismus, Haeckelismus, den darwinistischen Haeckelismus nennen könnte. Haeckel war dazumal ein Faktor, mit dem immerhin zu rechnen war. Er hatte vor kurzer Zeit ich rede jetzt vom Beginne der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts -, er hatte vor kurzer Zeit seine damals überall in den Kreisen der Bildung Aufsehen erregende Rede gehalten und drucken lassen: «Der Monismus als Band zwischen Religion und Wissenschaft.»
Meine sehr verehrten Anwesenden, wie ich mich hineingestellt habe in solche Bewegungen, das mag aus folgendem ersichtlich sein. Ich hielt in Wien — das war zunächst das Podium, das mir zugänglich war, bevor ich nach Weimar ging - eine Rede, welche im eminentesten Sinne die von mir unternommene Richtigstellung desjenigen ist, was dazumal Haeckelismus genannt werden konnte. Ich setzte einen geistigen Monismus entgegen dem materialistischen Monismus. Wenige Wochen, bevor ich diese Rede gehalten habe, da war gerade über weite Gebiete der gebildeten Welt jene Bewegung in Ausbreitung, welche man dazumal die «Bewegung für ethische Kultur» genannt hat. Diese Bewegung strebte im wesentlichen an, Ethik von Weltanschauung getrennt zu behandeln, sittliche Anschauung als etwas unter den Menschen zu verbreiten, welches ohne religiöse oder sonstige Weltanschauung bestehen sollte. Gegen eine solche Anschauung lehnte ich mich auf, weil mir eine bodenlose Ethik unmöglich schien. Ich kann heute nur referieren; die Beweise wird man finden, wenn man einmal meine Schriften historisch der Reihe nach vornimmt. Die heute zu erwähnenden Aufsätze werde ich demnächst der Reihe nach, der Jahrzahl nach gesammelt wieder erscheinen lassen, damit jeder sehen kann, wie die Dinge sind. Ich lehnte mich auf, weil ich nicht annehmen durfte nach meinen Erkenntnissen, daß die Ethik, die Sittenlehre etwas anderes sein könne als dasjenige, was sich auf der Grundlage einer Weltanschauung begründet. Das betreffende Thema behandelte ich dazumal in einer der ersten Nummern der eben in die Welt tretenden «Zukunft». Damals war es, wo Haeckel - ich war, als ich diesen Aufsatz geschrieben hatte, schon längere Zeit in Weimar und war an Haeckel vorbeigegangen, hatte mich um Haeckel, der in Jena in unmittelbarer Nachbarschaft war, nicht gekümmert — nach diesem Aufsatze über ethische Kultur sich an mich wandte. Ich antwortete ihm dazumal und übersandte ihm später meinen Wiener Vortrag im Abdruck, welcher im wesentlichen darin bestand, dem materialistischen Monismus einen geistigen Monismus entgegenzusetzen. Niemals ist von mir der Versuch unternommen worden, mich irgendeiner zeitgenössischen Richtung irgendwie anzubieten. Und wenn von einer Annäherung gegenüber dem Haeckelismus gesprochen werden kann, so war das so, daß Haeckel sich zuerst an mich wandte; und es war außerdem selbstverständlich, daß eine Auseinandersetzung mit der Naturwissenschaft stattfand.
Meine sehr verehrten Anwesenden, wer lesen kann, der wird aus alledem, was steht in meinen «Welt- und Lebensanschauungen im 19. Jahrhundert», die Ernst Haeckel gewidmet sind aus einem gewissen verehrenden Gefühle für diese mutvolle, bei allen Schattenseiten groß angelegte Persönlichkeit, der wird sehen können, daß zu nichts anderem zugestimmt ist als zu dem, wozu man zustimmen kann wegen der naturwissenschaftlichen Bedeutung der Haeckelschen Ergebnisse. Niemals kann aus jenem Buch herausgelesen werden, daf) meine Zustimmung Haeckel gegenüber philosophisch oder im Sinne der höchsten Weltanschauungsfragen war. Im Gegenteile, ich darf hier ein persönliches Erlebnis anführen. Ich sad einmal in Leipzig zusammen mit Haeckel und sagte ihm, es wäre ja eigentlich doch schade, daß er bei so vielen Leuten dasjenige hervorriefe, was er eigentlich gar nicht wolle, nämlich hervorriefe die Meinung, daß er den Geist ganz ableugne. Da sagte er: Tue ich denn das? Ich möchte nur einmal die Leute hinführen vor eine Retorte und möchte ihnen zeigen, wenn in der Retorte das und jenes vorgeht, wie da alles in Bewegung kommt.
Man sah, daß Haeckel sich unter Geschehnissen des Geistes nichts anderes vorstellte als Geschehnisse der Bewegung; aber in seiner Naivität konnte er nicht anders. Er sah die Materie in Regsamkeit kommen, und nannte das «geistig» sich offenbaren. Er war gegenüber alledem, was man Geist und dergleichen nennt, im Grunde genommen naiv. Das gibt ein Urteil über dasjenige, was in den neunziger Jahren bis zu der kleinen Schrift «Haeckel und seine Gegner» hin von mir geschrieben worden ist. Jeder, der wirklich lesen kann, wird gegenüber dieser Schrift finden müssen, wie ich an entscheidender Stelle einfüge dasjenige, was eine naturwissenschaftliche Grundlegung niemals bieten kann. Es wird jeder sehen, daß ich damals in den neunziger Jahren nichts anderes suchte als eine Auseinandersetzung zwischen dem, was ich der allgemeinen Richtung nach in den achtziger Jahren in meinen Goethe-Schriften angedeutet hatte, was ich dann weiter ausgebaut habe in der 1897 erschienenen Schrift «Goethes Weltanschauung», und der naturwissenschaftlichen Richtung der Zeit.
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, nichts anderes als eine gradlinige Fortsetzung alles dessen, um was es sich damals handelte, ist dann gegeben in der fast gleichzeitig mit den «Welt- und Lebensanschauungen» geschriebenen Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens und ihr Verhältnis zu modernen Weltanschauungen». Es lag einfach im gradlinigen Fortgange einer ernstgemeinten Forschung, daß eingemündet werden mußte gerade aus den naturwissenschaftlichen Voraussetzungen heraus in dasjenige, was nun mit dieser Schrift in Angriff genommen wurde. Ich glaube, man kann nicht stärker und deutlicher diese Orientierung betonen, als es in der Vorrede zu dieser Schrift «Die Mystik im Aufgange des neuzeitlichen Geisteslebens» geschehen ist. Eine Folge dieser Schrift war, daß sie dem wesentlichen Inhalt nach in kurzer Zeit ins Englische übersetzt worden ist. Sie erschien in einer englischen Zeitschrift. Ich hatte den Inhalt dieser Schrift zuerst in Form von Vorträgen in Berlin gehalten, und zwar auf Einladung einer Gruppe von Berliner Theosophen hin. Das war im Winter 1900 auf 1901.
Meine sehr verehrten Anwesenden, bedenken Sie, was es bedeutet, wenn Sie nun zwei Tatsachen zusammenstellen: zwei Tatsachen, die natürlich in ganz anderer Weise heute zusammengestellt werden. Ich wurde eingeladen im Winter 1900 von einer Gruppe von Theosophen, ihnen diese Vorträge, die heute gedruckt vorliegen, zu halten. Diese Vorträge sind gehalten lediglich aus den Intentionen heraus, die die meinigen waren, vor einer Gruppe von Theosophen, auf deren Einladung hin, nachdem ich drei Jahre früher geschrieben hatte:
Ich rate vielmehr jedem, der mit einem Theosophen zusammenkommt, sich zunächst vollständig gläubig zu stellen und zu versuchen, etwas von den Offenbarungen zu hören, die ein solcher von morgenländischer Weisheit vollgesogener Erleuchteter in seinem Inneren erlebt. Man hört nämlich nichts, nichts als Redensarten, die den morgenländischen Schriften entlehnt sind, ohne eine Spur von Inhalt. Die inneren Erlebnisse sind nichts als Heuchelei.
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, man kann nicht sagen, daß ich denjenigen, die mich dann eingeladen haben, vor ihnen zu sprechen, Schmeicheleien vorher gesagt habe. Ich habe einmal in einem hier in der Nähe gehaltenen Vortrage die Tatsache, um die es sich hier handelt, mit einigen Worten angedeutet. Ich habe damals gesagt: Als ich die ersten Jahre in Berlin meine Vorträge gehalten habe, und auch an anderen Orten, hatte ich von Blavatsky und Besant keine Schriften gelesen. Ich hatte sie auch nicht gelesen. Und vor allen Dingen sind die Vorträge über die «Mystik im Aufgange» gesprochen und geschrieben, bevor ich irgend mich hatte entschließen können, von Blavatsky und Besant etwas zu lesen. Und heute wird zum Beispiel gesagt, ich hätte behauptet, fünfzehn Jahre vor dem Liestaler Vortrage nicht einmal den Namen von Blavatsky und Besant gekannt zu haben. Ich hatte nichts von ihnen gelesen. Es ist eine eigentümliche Art, wie von mancher Seite polemisiert wird. Während ich gesagt habe - es ist schon wichtig, auf solche Dinge auch einmal das Augenmerk hinzulenken, weil mit solchen Dingen den Leuten eben Sand in die Augen gestreut wird —, während ich gesagt habe, ich habe die Schriften von Besant und Blavatsky nicht gelesen gehabt, und das zitiert wird, was ich so gesagt habe, wird ein paar Zeilen darauf gesagt, ich hätte behauptet, ich hätte vor fünfzehn Jahren Blavatsky und Besant nicht einmal dem Namen nach gekannt. — So stehen meine Angreifer mit den Tatsachen, so stehen sie mit ihren eigenen, ein paar Zeilen vorher gemachten Angaben, in krassem Widerspruch.
Ja, ich frage, wieviele Leser zum Beispiel derjenigen Angriffe, die hier erscheinen, werden gar nicht bemerken, daß in solcher Weise gewirtschaftet wird. Ich habe Blavatsky und Besant selbstverständlich dem Namen nach sehr gut und ich habe genug ihrer Anhänger persönlich gekannt. Aber, meine verehrten Anwesenden, dann wird mit einer gewissen ledernen Ironie gesagt, daß ich auf der einen Seite sagte, ich habe Blavatsky und Besant nicht dem Namen nach gekannt, hätte aber trotzdem dieses vernichtende Urteil über die Theosophen gefällt; das wäre ein Widerspruch. -— Nun, meine verehrten Anwesenden, ich habe ja nirgends das Urteil über Blavatsky und Besant gefällt, ich habe es über Theosophen, die deren Anhänger waren und die ich nur allzu gut kannte, gefällt. Sie werden mir zugeben, daß es sich um nichts anderes gehandelt hat, als daß diejenigen Menschen, welche ich in einer solchen wenig schmeichelhaften Weise angesprochen hatte, mich eingeladen haben, bei ihnen vorzutragen. Die Vorträge hatten den Erfolg, daß sie, wie gesagt, ins Englische übersetzt wurden und daß ich von derselben Gruppe, die sich aber mittlerweile vergrößert hatte, aufgefordert wurde, im nächsten Winter ihr wiederum Vorträge zu halten.
Ich muß hier etwas einschieben. Ich hatte mittlerweile auch noch einen anderen Vortragszyklus gehalten in einem andern Kreise, dem ich seit langer Zeit angehörte und der gegründet worden war von meinem Freunde Ludwig Jacobowski. Ich hatte vor diesem Kreise, der sich die «Kommenden» nannte, eine ganze Vortragsserie gehalten unter dem Titel «Von Buddha zu Christus», in der ich schon dargestellt habe im wesentlichen dasjenige, was der Hauptinhalt auch meiner gegenwärtigen Reden ist: welch ungeheurer Aufschwung der Erdenentwicklung stattgefunden hat von Buddha bis Christus hin, und wie der Christus Jesus mit niemandem zu vergleichen ist, der sonst im Gebiete der Erdenentwicklung aufgetreten ist. Es war im wesentlichen eine Apologie des Christus Jesus, in welche austönte dasjenige, was ich dazumal vor einer Gesellschaft von Weltkindern gehalten habe, von Weltkindern, die eher geneigt waren, sich lustig zu machen über ein solches Thema, als es gläubig hinzunehmen. Mir handelte es sich nicht darum, ob die Leute sich lustig machten oder nicht, sondern mir handelte es sich darum, über etwas, von dem ich fand, daß es ausgesprochen werden müsse, das zu sagen, was mir Wahrheit scheint.
Wie gesagt, ich wurde aufgefordert, einen zweiten Zyklus zu halten vor dem Kreise von Theosophen, der sich mittlerweile aber durch allerlei andere Leute vergrößert hatte, und dieser zweite Zyklus hatte im wesentlichen den Inhalt, der jetzt vorliegt in meinem Buche «Das Christentum als mystische Tatsache». Es war so, daß in den ersten Reden, die ich gehalten habe in der Richtung, die man etwa theosophisch oder anthroposophisch nennen kann, eine Rechtfertigung des Christentums enthalten ist. Ausgegangen worden ist in der Reihe meiner anthroposophischen Vorträge von einer Rechtfertigung des Christentums. Entgegengeschleudert worden ist der morgenländischen Heuchelei - denn etwas anderes war es nicht -, entgegengeschleudert worden ist von allem Anfange an das, was bis heute mit diesem Grundton von mir gesagt wird und dargestellt worden ist, daß das ganze alte Mysterienwesen eine Vorbereitung war für das Christus-Ereignis. Ich habe mein Buch nicht genannt «Die Mystik des Christentums», ich habe mein Buch bewußt genannt «Das Christentum als mystische Tatsache», um anzudeuten, daß niemand die Tatsache des Ereignisses von Golgatha verstehen kann, der nicht - meinetwillen nenne man es mystisch oder nenne man es geistig oder anthroposophisch, auf das kommt es nicht an -, der nicht auf geistige Art in einer Art Meta-Geschichte, Meta-Historie den Verlauf der Weltgeschichte ins Auge faßt. Und herausgehoben worden ist als etwas von den alten Mysterien radikal Verschiedenes dasjenige, was ich nannte das Mysterium von Golgatha. Und wenn heute gesagt wird, daß ich jemals dargestellt habe die Sache so, als wenn das Mysterium von Golgatha eine Umgestaltung der alten Mysterien wäre, so ist dieses eine objektive Unwahrheit, eine haarsträubende objektive Unwahrheit.
Die beiden Vortragsreihen, sie führten dazu, daß ich von seiten der «Theosophical Society» aufgefordert wurde, innerhalb ihrer Reihen dasjenige, was ich zu vertreten hatte, zu vertreten. Niemand ist dort im Zweifel darüber gelassen worden, daß ich niemals ein Wort sagen werde, welches auf einem anderen Grund und Boden als dem meines eigenen Forschens erwachsen ist. Ich habe mich um keine Bestimmungen der Theosophischen Gesellschaft gekümmert, denn ich bin zur Theosophischen Gesellschaft nicht hingelaufen sie ist zu mir gelaufen. Auch das muß gesagt werden, nicht aus Unbescheidenheit, sondern wegen der heutigen unwahren Angriffe. Und ich stand vor der Tatsache, daß ich vorzutragen hatte vor Leuten, die es hören wollten, gleichgültig, ob sie Theosophen waren oder nicht, dasjenige, was ich persönlich zu sagen hatte. Und als in Berlin die Leute, die mir gewissermaßen eine Zuhörerschaft aus ihren Reihen ermöglicht hatten, die Deutsche Sektion der Theosophical Society begründeten, da hielt ich an demselben Tage, an dem diese Deutsche Sektion der Theosophical Society begründet worden ist, einen Vortrag meines dazumaligen Zyklus über «Anthroposophie». Das heißt, ich habe über Anthroposophie gesprochen an dem Tage, an dem die Deutsche Sektion der Theosophical Society begründet worden ist. Und ich habe im Berliner Giordano Bruno-Bund vor der Begründung dieser Deutschen Sektion einen Vortrag gehalten, in dem ich gesagt habe: eine Anknüpfung an all das Zeug, was vorlag in der theosophischen Bewegung, gibt es nicht. Aber ich sagte, man lese bei Immanuel Hermann Fichte, dem Sohne des Philosophen Johann Gottlieb Fichte, die Definition von «Theosophie», die meinen Bestrebungen die Richtung geben wird.1
Also ich habe niemanden im Zweifel gelassen über die ganz genaue Definition und ganz genaue Zielsetzung, um die es sich handelte, weder in bezug auf die Auseinandersetzung mit dem Christentum, noch in bezug auf dasjenige, was ich sonst vortragen will. Und jeder, der behauptet, ich hätte irgend etwas vorgetragen, was auf einem anderen Grund und Boden als auf dem meines eigenen Forschens erwachsen ist, dem kann ich ohne Umschweife sagen: er redet die objektive Unwahrheit, er redet eine haarsträubende objektive Unwahrheit. Haarsträubend ist diese Unwahrheit umso mehr, meine sehr verehrten Anwesenden, als vielleicht ich derjenige bin, der der Theosophischen Gesellschaft, auch in der Zeit, wo ich gewissermaßen vor ihr vortrug, ihr wahrhaftig die dichtesten Wahrheiten gesagt habe, das heißt die dichtesten Ablehnungen zuteil habe werden lassen. Vielleicht von niemandem hat so viel Saftiges einzustecken gehabt die theosophische Richtung, die sich so nennt, als gerade von mir. Das also nicht bloß vor meiner Stellung als Generalsekretär, sondern auch während ich diese innehatte. Meine sehr verehrten Anwesenden, ist es dann ein mögliches Vorgehen, daß man eine Blütenlese zusammenstellt desjenigen, was man nicht bei mir findet, sondern in den Schriften vielleicht der dümmsten Theosophen, und das auf mein Konto heute setzt? Ist das ein gerades, ist das ein ehrliches Vorgehen? Das frage sich jeder. Und das frage ich jeden Menschen, der Sinn für Wahrheit hat.
Meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe dann geschrieben meine «Theosophie». Ich frage, ob irgend jemand, der ein Buch unter irgendeinem Titel schreibt und den Titel genau definiert, ob er nach einem einzigen Titel eines Buches benannt werden darf. Wenn einer zum Beispiel eine Theorie der Maikäfer schreibt, darf er dann sein ganzes Leben hindurch nur ein Maikäfermensch genannt werden? Ich habe ein Buch über Theosophie geschrieben, weil dem Inhalte, der in diesem Buche drinnensteht, der Titel «Theosophie» entspricht. Wie man einem chemischen Buch einen entsprechenden Titel, einem physikalischen Buch einen Titel hinsetzt, so habe ich als einen speziellen Titel dem einen Buche, das gerade diesem speziellen Teile der allgemeinen Geisteswissenschaft gewidmet war, den Titel «Theosophie» vorgesetzt — vorgesetzt 1904 -, und er ist seitdem so geblieben und wird immer so bleiben. Und derjenige, der sagt, daß irgendeine Flaggenänderung stattgefunden habe, der lügt.
Das also, meine sehr verehrten Anwesenden, habe ich zu sagen über Behauptungen, wie sie vor kurzer Zeit von dem evangelischen Pastor und Theologen Traub aufgebracht worden sind: 1897 hätte ich gegen die Theosophen geschrieben, 1902 sei ich selbst in ihren Reihen gestanden. Nein, meine sehr verehrten Anwesenden, die Tatsache ist diese: 1897 habe ich das geschrieben, was ich für richtig hielt, 1902 habe ich genau dasselbe gesagt denjenigen, die es hören wollten; immer habe ich dasselbe gesagt. Und 1902 stand ich nicht in den Reihen der Theosophen, sondern 1902 standen die Theosophen vor mir und wollten hören, was ich ihnen zu sagen hatte. Dagegen habe ich niemals auf irgend etwas reflektiert, was die Theosophen zu sagen hatten, was diejenigen zusammenleimten, die sich in der theosophischen Bewegung eingepökelt hatten.
Nun, mit dem Buche «Theosophie» begann ich den Inhalt dessen schriftstellerisch darzustellen, was ich in geisteswissenschaftlicher Richtung zu sagen hatte. In diesem Buche «Theosophie», das 1904 zum ersten Mal erschienen ist, habe ich genau gesagt, warum ich das Buch «Theosophie» genannt habe, und niemand ist berechtigt, das Wort «Theosophie», wenn ich es gebrauche, mir gegenüber anders zu gebrauchen als in dem Sinne, in dem ich es dazumal definiert habe. Denn in diesem Buche steht 1904 nichts davon, daß ich das Wort «Theosophie» im Sinne der unsinnigen theosophischen Bewegung gebrauchen will, sondern da steht: «Das Höchste, zu dem der Mensch aufzublicken vermag, bezeichnet er als das «Göttliche. Und er muß seine höchste Bestimmung in irgendeiner Art mit diesem Göttlichen in Zusammenhang bringen. Deshalb mag wohl auch die höhere Weisheit, welche ihm sein Wesen und damit seine Bestimmung offenbart, «göttliche Weisheit oder Theosophie genannt werden.»
Ich möchte diejenigen, die auf dem Worte Theosophie herumreiten, einmal fragen, ob sie denn zum Beispiel gar nicht wissen, daß Dante sein Gedicht die «Commedia» genannt hat und daß «Divina» ein Beiname ist. Die «Göttliche Komödie» soll bloß ausdrükken, wie man diese Dichtung schätzt. Aus jener Definition, die ich dazumal gegeben habe, kann jeder ersehen, wie ich das Wort aus dem literarischen Gebrauche der Welt heraus genommen habe. Nicht aber habe ich es genommen nach irgendwelchen vertrackten Vorstellungen, die man sich da oder dort darüber macht. Aber solche vertrackten Vorstellungen treten eben überall auf. Sie treten hier auf in einer Weise, wie wir sie gleich nachher noch wenigstens an einigen Proben besprechen wollen. Sie treten allerdings in einer eigentümlichen Formulierung auf. Bezüglich dieser Formulierung, meine sehr verehrten Anwesenden, möchte ich nur das folgende gleich hier sagen. Diese Formulierung ist eine solche, daß ich mich vorläufig nicht entschließen kann, zu glauben dem hier umschwirrenden Gerücht, daß derjenige Mann, der genannt wird, wirklich der Verfasser der Spektator-Artikel sein soll. Solange dieses Gerücht mir nicht bewiesen wird, möchte ich es nicht glauben, denn mir erscheinen diese Artikel als bar jeglicher Bildung, als bar jedes moralischen Gewissens. Und daher kann ich nicht etwas anderes annehmen, als daß sich von einem ganz ungebildeten, niemals vom Akademischen berührten Menschen das «Katholische Sonntagsblatt» diese Artikel hat schreiben lassen. Wie gesagt, ich werde mich niemals entschließen können zu glauben, bevor es mir nicht strikte bewiesen wird, daß der Mann, der dann akademisch gebildet sein müßte, daß der Mann diese Artikel geschrieben haben könnte, dem sie von manchen Seiten aus zugeschrieben werden, denn sie machen auf mich den allerungebildetsten Eindruck, den ich mir eigentlich nur ausmalen kann.2
In meiner «Theosophie» vom Jahre 1904 ist aber noch gesagt:
Aus der hiermit angedeuteten Gesinnung heraus wird in dieser Schrift eine Skizze theosophischer Weltanschauung entworfen. Der sie niedergeschrieben hat, will nichts darstellen, was für ihn nicht in einem ähnlichen Sinne Tatsache ist, wie ein Erlebnis der äußeren Welt Tatsache für Augen und Ohren und den gewöhnlichen Verstand ist.
Ich wollte dazumal andeuten, daß ich mir die Aufgabe stellte — andere mögen sich andere Aufgaben stellen -, daß ich mir die Aufgabe stellte, nichts anderes zu sagen als dasjenige, wofür ich selber mit meiner ganzen Person als von etwas von mir Erforschtem eintreten könne. Wenn ein Mathematiker für irgendein von ihm erforschtes Gebiet eintritt, so muß er zuweilen dasjenige wiederholen in der Darstellung, was der alte Euklid zum Beispiel geschrieben hat. Dann könnten diejenigen, die jedes historischen Sinnes bar sind, kommen und sagen: der bietet ja nichts Neues, denn der schrieb ja nur den alten Euklid ab. Es ist ganz selbstverständlich, daß man bei der Darstellung dasjenige aus der Historie heraus nimmt, was schon gesagt worden ist; aber nichts ist gesagt worden von mir, was nicht sorgfältig nachgeprüft worden ist. Alles ist ausgeschieden worden, was ich nicht selber sorgfältig nachprüfen konnte, so daß alle die Redereien von Entlehnungen, gleichgültig ob sie bei evangelischen oder bei katholischen Theologen auftreten, nichts anderes sind als objektive Unwahrheiten. Nicht bloß Irrungen — objektive Unwahrheiten sind es, meine sehr verehrten Anwesenden. Denn jeder kann sich überzeugen, daß zwar ein Mann wie Leadbeater, der innerhalb der theosophischen Bewegungen oftmals genannt ist, fast jede Zeile seines unsinnigen Buches über das Christentum von Iamblichus abgeschrieben hat, aber niemand wird, wenn er mit wirklicher wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit vorgeht, meinen Büchern eine Entlehnung vorwerfen können. Alles, was sich auf eine solche bezieht, ist Gerede, allerdings ein Gerede, das in einer merkwürdigen Weise auftritt. Es wurde zum Beispiel genannt unter denjenigen Dingen, die auf meine Anthroposophie Einfluß haben sollten: der Buddhismus, Nagazena, die Upanischaden, die ägyptischen Isis-Mysterien, die Mysterien von Eleusis, der Gnostizismus, der Manichäismus, «Apollinaris von Tyna» — wörtlich -, der Islam; und dasjenige, von dem ich hauptsächlich abgeschrieben haben soll, das ist die Akasha-Chronik.
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich weiß nicht, auf welche Weise es dem Artikelschreiber hinterbracht worden ist, daß ich hier schon einmal gesagt habe, wie eigentümlich es doch sei, daß gesagt wird, die Anthroposophie sei von dieser Akasha-Chronik abgeschrieben. Diese Akasha-Chronik gibt es als ein äußeres Buch ja nicht. Diese Akasha-Chronik ist nämlich etwas ganz anderes als irgendein äußeres Buch. Was ist sie? Wenn man diejenigen Methoden, von denen ich auch gleich nachher ein paar Worte sprechen will, die ich aber in allen öffentlichen Vorträgen immer erörtere, anwendet, dann kommt man dazu, eine Art metahistorisches Bild der Vorgänge nicht nur der Menschheitsentwicklung, sondern auch des Kosmos sich anzueignen. Man kann geistig in Intuitionen — in entsprechenden Bildern selbstverständlich überschauen dasjenige, was sich auf der Erde oder im Kosmos abgespielt hat und abspielt. Ich kann heute selbstverständlich Ihnen nicht die Gründe für die Annahme eines solchen Schauens alle anführen, denn das würde Stunden in Anspruch nehmen, aber diese finden sich ja in meinen Büchern. Die erwähne ich auch jedesmal, wenn ich über das Prinzipielle der Anthroposophie in öffentlichen Vorträgen spreche. Diese Akasha-Chronik ist also etwas, was man nur im Geiste trägt. Diese Akasha-Chronik gibt es nicht als irgendein altes Buch, das zu vergleichen wäre mit den Upanishaden oder mit der Yoga-Philosophieliteratur der Inder und so weiter. Nein, diese Akasha-Chronik ist etwas lediglich Geistiges. Derjenige, der diese Artikel geschrieben hat, die hier in der Umgebung verbreitet werden, er hat also keine Ahnung davon, daß er von etwas, was nur im Geiste existiert, wie von einem existierenden Buche redet.
Nun ist folgendes passiert: Ich habe das bisher nicht moniert, weil ich annehmen konnte, daß es ein Druckfehler sei. Der Betreffende, der so gut über die Akasha-Chronik informiert ist, schreibt nämlich auch oder läßt drucken oder es wird ihm gedruckt statt «Akasha»-Chronik «Akasha»-Chronik. Schön, das kann ein Druckfehler sein. Was geschieht aber? Nicht wahr, derjenige, der behauptet, die Anthroposophie hätte von der Akasha-Chronik abgeschrieben, da es doch diese Akasha-Chronik physisch nicht gibt, der hat doch offenbar gelogen, denn er macht den Leuten vor, daß er die Akasha-Chronik in seiner Bibliothek habe oder daß andere Leute sie in ihrer Bibliothek hätten. Dr. Boos hat, um den Fehdehandschuh aufzunehmen, geschrieben: Das ist eine wissentliche Unwahrheit. — Es ist selbstverständlich eine wissentliche Unwahrheit, denn man muß wissen, daß man die Akasha-Chronik in keinem Bücherschrank finden kann, weil man sie nicht als physisches Dokument haben kann. Sie existiert nicht als solches. Also wenn man behauptet, sie sei da wie die Upanishaden, hat man eine wissentliche Unwahrheit gesagt. Wie wird nun gegen Dr. Boos polemisiert? Es wird gesagt: Dr. Boos hat sich an der Tatsache vorbeigedrückt, indem er herumreitet auf dem Druckfehler «Akasha»Chronik. Aber nichts deutet der Angreifer davon an, daß Dr. Boos gesagt hat, es liege eine wissentliche Unwahrheit vor. Und dann wird weiter geredet von der Akasha-Chronik als von einer wirklichen alten Schrift, die in einem Lande Atlantis aufgefunden worden sein soll. Dieses Land Atlantis soll merkwürdigerweise nach den Artikeln, die hier im Umlaufe sind, gelegen haben zwischen Australien und Asien und zugleich zwischen Europa und Amerika. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, es sind schon wahrhaftig viele Gründe vorhanden, warum man den, der diese Artikel geschrieben hat, wirklich nicht für einen akademisch gebildeten Mann halten kann; auch nicht für einen Mann, der denken kann, kann er gehalten werden.3
Die Angriffe, die ausgegangen sind von einer gewissen Münchner Seite her, von einem Jesuitenpater, der in der Schweiz geboren ist und in München lebt, die richten sich gegen die Methode, und ich muß, weil ich auf den ganzen Charakter der Angriffe zu sprechen kommen muß, schon auch ein wenig eingehen auf diese Auslassungen über die Methode der Geistesforschung. Ich möchte nur vorher noch sagen: Derselbe Mann, der diesen Angriff auf die Methode unternommen hat und später auch auf den Inhalt der Anthroposophie, hat vor einigen Jahren behauptet, daß ich ein entlaufener Priester sei. Nun ist das selbstverständlich eine gewissenlose Unwahrheit, weil ich niemals auch nur imstande gewesen wäre, in irgendein Kloster zu kommen, was schon daraus hervorgeht, daß ich niemals gymnasiastisch gebildet war, sondern mir die notwendige Gymnasiumsbildung erst später aneignete, als ich sie brauchte. Ich habe eine Realschule besucht und an der Technischen Hochschule in Wien meine Studien gemacht, so daß mein ganzer Bildungsgang selbstverständlich schon dagegen spricht, daß ich jemals hätte in Betracht kommen können für eine priesterliche Laufbahn. Auch das, was in dieser Richtung gesagt wird, ist also eine gewissenlose Unwahrheit. Was hat der betreffende Pater, als er später von irgendeiner Seite - von der meinigen nicht, denn ich kann mich mit jemanden, der in dieser gewissenlosen Weise vorgeht, zunächst nicht einlassen, wenn es nicht nötig ist —, was hat der betreffende Pater getan, als er später von irgendeiner Seite darauf aufmerksam gemacht wurde, daß er die Unwahrheit gesagt hat? Da fand er kein anderes Mittel, als in seiner Zeitung zu sagen: Das ist etwas, was früher behauptet worden ist, was sich heute nicht mehr halten läßt. - Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, auf mich hat immer einen gewissen Eindruck gemacht, was der Abgeordnete Walterskirchen einem österreichischen Minister in einem gewissen Augenblicke ins Gesicht geworfen hat: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. - Man muß schon begreifen, was es heißt, daß es Menschen gibt, welche derlei gewissenlose Unwahrheiten, die auf das Nichts gebaut sind, die rein aus der Luft gegriffen worden sind, verbreiten und nachher sich gerechtfertigt glauben, wenn sie sagen: die Sache läßt sich nicht mehr halten.
Derselbe Mann - und ich würde ja auf ihn nicht eingehen, aus den Gründen, die ich jetzt wohl genügend erörtert habe, aber andere nehmen die Dinge auf, und sie verbreiten sich in der Welt, weil das Publikum heute liest mit schläfriger Seele -, er greift die Methode an und sagt, man müsse diese Methode für etwas halten, was vom katholischen Gesichtspunkte aus nicht sein darf, und kämpft gegen die besondere Art und Weise, wie ich schildere, daß man durch eine gewisse Entwicklung des menschlichen Denkens dazu komme, eine geistige Welt neben der physisch-sinnlichen zu erkennen. Auch auf die besondere Charakteristik dieses geistigen Schauens kann ich hier nicht eingehen. In meinen öffentlichen Vorträgen wurde das Nötige oft dargelegt. Ich habe mich jetzt nur mit der Frage zu befassen: Hat derjenige, der sich auf den Standpunkt, aber nun wirklich auf den Standpunkt katholischer Forschungsmethodik stellt, ein Recht, sich gerade gegen diese Forschungsweise der Anthroposophie zu wenden?
Meine sehr verehrten Anwesenden, wer die katholisch-philosophische Lehre kennt, weiß, daß innerhalb ihrer der Unterschied gemacht wird zwischen zweierlei Arten innerer Fähigkeiten. Die eine Art der inneren Fähigkeiten, zu der kann sich jeder Mensch, wenn er sein Leben entsprechend einrichtet, aufschwingen. Selbstverständlich wird es im Sinne der katholischen Lehre als eine Gnade bezeichnet, wenn der betreffende Mensch sich zu so etwas aufschwingt. Aber dasjenige, wozu sich ein Mensch aufschwingen kann, um sich hineinzuleben in eine geistige Welt, bis zu dem Zusammenleben mit der Gottheit -— ich erwähne das letztere ausdrücklich -, das nennt die katholische Lehre die «gratiae sanctificantes». Von diesen «gratiae sanctificantes» als Gnadenwirkungen innerhalb der Seele des Menschen, die jedem Menschen, der sich durch Arbeit zu ihnen aufschwingt, zuteil werden können, unterscheidet die katholische Kirche sorgfältig die «gratiae gratis datae». Es sind diejenigen Gnadenwirkungen, zu denen nur einzelne Menschen durch einen besonderen Einfluß der geistigen Welt sich aufschwingen können. So ist der Sinn der Sache in den Schriften der katholischen Lehrer alter Zeit. Ich bemerke dies zunächst, ganz gleichgültig, ob, weil ja ein Fortschritt stattgefunden hat, heute die Dinge anders geschildert werden müssen. Nach den Schriften solcher katholischer Lehrer wie Johannes vom Kreuz oder Thomas von Aquino, also nach der allerrechtgläubigsten katholischen Theologie, muß für den Katholiken selber, wenn er nicht in Widerspruch gerät mit seiner katholischen Lehrmethode, dasjenige, was in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» dargestellt wird, als ein besonderer Fall der «gratiae sanctificantes» dargestellt werden, nicht der «gratiae gratis datae», so daß vom katholischen Standpunkte aus die Sache absolut unanfechtbar ist in bezug auf das Methodische. Sie können lesen bei Johannes vom Kreuz, bei Thomas von Aquino, und Sie werden finden, daß gemeint wird, derjenige, der geistig forschen will, komme dazu, in eine geistige Welt sich zu erheben, so daß er da etwas erlebt, was nicht bloß als ein blauer Dunst aus seinem Inneren aufsteigt, sondern daß das so objektiv außen in der Welt eine Wirklichkeit ist, wie die sinnliche Welt in ihrer Art. Daher charakterisiert Thomas von Aquino dasjenige, was dem Menschen auf diese Weise zuteil wird, durch die Worte: «Inspiratio significat quandam motionem ab exteriort.» Also nicht von innen kommen diese Inspirationen, sondern von außen kommen sie. Damit ist kein anderer Tatbestand gegeben als derjenige, der nur in entsprechender Weise fortgeschritten für das 20. Jahrhundert gegeben worden ist in meinem Buche «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?» Was liegt da vor?
Einfach das liegt vor, meine sehr verehrten Anwesenden, daß der, welcher heute nach demjenigen hinarbeitet, was Thomas von Aquino definiert als «inspiratio», zu den Ketzern gerechnet wird. Lesen Sie meine «Theosophie». Sie werden sie so abgefaßt finden, daß niemand, der nicht mit seiner eigenen katholischen Lehrmethode in Mißßklang kommt, anfechten kann dasjenige, was dort als Methode dargestellt wird. Dort ist als Methode das im Sinne der Gegenwart hingestellt, was von den katholischen Theologen entsprechend für frühere Jahrhunderte anerkannt und «Beschauung» genannt worden ist. Auf diese Art gelangt man zu den Ergebnissen, die in diesem Buche «Theosophie» dargestellt worden sind. Und so genau entspricht das der recht verstandenen alten Darstellung, daß in dem ganzen Buche von dem göttlichen Wesen nicht so gesprochen worden ist, daß eine Theorie über das Göttliche gegeben wird. Und nun lesen Sie die Definitionen, die bei kanonisierten katholischen Theologen zu finden sind, und Sie werden sehen: Nicht zu einer Definition, aber zu einem Zusammenleben mit der Gottheit kann man nach deren Anschauung kommen, wenn man dasjenige, was jedem Menschen zuteil werden kann, wirklich übt. Das heißt, es hat einmal jemand gewagt, dasjenige, was von der katholischen Kirche so lange gepredigt worden ist, bis diese katholische Kirche ein anderes Gepräge angenommen hat, das für die heutige Zeit wahrzumachen. Nichts anderes ist geschehen. Und derjenige, der heute nicht zugeben will, daß durch die besondere Methode der Beschauung der Mensch heute zu den Ergebnissen kommt, die ja vielleicht in den Einzelheiten irrtümlich sind, die aber im Ganzen so stimmen werden, wie ich sie in meinen Büchern dargestellt habe, der muß verbieten die Methode der katholischen Beschauung; er muß durch Gewaltmaßregeln seinen Gläubigen verbieten, dasjenige zu tun, was die Väter und die Theologen früherer Jahrhunderte als etwas durchaus im Sinne der katholischen Kirche Gelegenes dargestellt haben.
Hätte ich jemals einen Wert darauf zu legen gebraucht - selbstverständlich tue ich es auch heute nicht - mit irgend jemandem übereinzustimmen, dann würde ich beweisen können, daß zum Beispiel nicht der Lehre des Thomas von Aquino und auch nicht der Lehre des Johannes vom Kreuz irgendwie widerspricht, was auf die heutige Zeit hin orientiert von mir als Methode charakterisiert wird. Die Methoden sind es nicht, welche die katholische Kirche anfechten darf, denn diese Methoden sind nichts anderes als eine Weiterbildung desjenigen, was die katholische Kirche einstmals selbst als etwas Richtiges vertreten hat. Daß man durch diese Methode, richtig angewendet, heute zu anderen Ergebnissen kommt, als die der Scholastiker sind, das erregt Anstoß. Dann aber sollte man nicht behaupten, man vertrete die Scholastik, sondern man habe sie innerhalb der Kirche verlassen.4
Nun, jeder, der den nötigen Ernst und die nötige Gewissenhaftigkeit hat, auf Sachliches einzugehen - allein, meine sehr verehrten Anwesenden, es ist ja in unserer Zeit eine sonderbare Sache um diese Sachlichkeit und diese Gewissenhaftigkeit -, jeder, der zum Beispiel meine kleine Schrift liest «Wahrheit und Wissenschaft», die am Ende der achtziger Jahre verfaßt und im Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts erschienen ist, der wird sehen, daß da hingesteuert ist in erkenntnistheoretischer Weise auf dasjenige, was dann Anthroposophie geworden ist. Dazumal mußte ich mit all den erkenntnistheoretischen Vorurteilen aufräumen, die sich an den Kantianismus anknüpfen. Und wer meine ganze Schriftstellerei, insofern sie philosophisch ist, verfolgt durch Jahrzehnte hindurch, der kann sehen, daß organisch zu dem, was ich wollte, gehört die Ablehnung der Kantschen Philosophie. Alles dasjenige, was ich zu sagen habe, steht auf dem Boden einer Ablehnung der Kantschen Philosophie. So liegen die Tatsachen. Dennoch wird es in unserer Zeit möglich, daß jemand - weil ich, der ich mein ganzes Leben neben anderem auch der Widerlegung der Kantschen Philosophie gewidmet habe, in den hier gehaltenen Pfingstvorträgen über Thomas von Aquino den Gegensatz des Thomismus zum Kantianismus auseinandersetzen mußte — daß jemand sich erdreistet - ich kann keinen anderen Ausdruck gebrauchen - zu sagen, das wäre der Kontrastwirkung wegen geschehen. Das charakterisiert das Niveau jener Büsche, aus denen heraus heute Anthroposophie angeschaut wird.
Und wieviele Leute sind denn geneigt, an den Tatsachen die Dinge zu prüfen? Wieviele Leute sind geneigt, darauf hinzusehen, wie es selbstverständlich war, daß, als die Absurdität innerhalb der theosophischen Bewegung 1912 siegte und die Anthroposophie für eine Ketzerei erklärt worden ist — sonst sind ja auch Dinge für Ketzerei erklärt worden -, das längst Vorbereitete zur vollzogenen Tatsache geworden ist, nämlich daß alle diejenigen, die glaubten, daß ich etwas in diesen Dingen zu sagen habe, der Theosophischen Gesellschaft den Rücken kehrten. Dennoch aber ist es möglich, daß zum Beispiel folgendes gedruckt wird:
Zur Trennung hat auch die Behauptung der Annie Besant mitgewirkt, daß ein neuer Christus vor der Türe stehe in dem dreizehnjährigen Hinduknaben Krishnamurti, dessen frühere Erdenleben, angefangen vom Affendasein bis auf heute, Besant hellseherisch erforscht habe. Dazu kamen nationale Empfindlichkeiten. Die Engländerin Besant soll während des Krieges eine deutschfeindliche Propaganda betrieben haben. Sie soll in einem Aufruf gesagt haben: «Das auserwählte Volk Gottes (gemeint das deutsche) stinkt in den Nasenlöchern Europas. Dieses Embryo-Weltreich, empfangen von Haß und gestaltet im Mutterleib der Gier, darf niemals zur Geburt kommen. Es ist das neue Barbarentum, der Gegensatz zu allem, was edel, mitleidsvoll und menschlich ist.»
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, das hat Annie Besant während des Krieges gesagt. Dasjenige, was vorher gesagt wird: daß die Anthroposophie von seiten der Theosophischen Gesellschaft herausgeworfen worden ist, das war bevor diese nationalen Dinge sich abspielten. Dennoch wird hier fortgefahren:
Steiner gründete eine eigene Gesellschaft mit sogenannter «eigener» Lehre und gab ihr den stolzen Namen «Geisteswissenschaft» mit seiner «Hochschule» in Dornach. Die schweizerischen Logen schlossen sich ihm an.
Meine sehr verehrten Anwesenden, so wird der Glaube erweckt, als ob die Trennung der Anthroposophischen und Theosophischen Gesellschaft irgend etwas zu tun habe mit diesen nationalen Empfindlichkeiten. So wird ein Sammelsurium von objektiven Unwahrheiten hingeschrieben zur Widerlegung der Behauptung des Dr. Boos, daß zunächst 23 Lügen verbreitet worden sind; die Lügen werden hinterher stehengelassen, und die Verteidigung wird in einer solchen Weise geführt. Es werden 23 objektive Unwahrheiten über die Anthroposophie gesagt. Diese Tatsache wird in einer allerdings nicht gerade feinen - aber es wäre wahrhaft eine Sünde gewesen, fein zu sein in diesem Falle -, in der entsprechenden Weise von Dr. Boos charakterisiert. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, es ist schon öfter verlangt worden von denjenigen, die angegriffen werden als Anthroposophen, daß sie all das Zeug, das ihnen als Unwahrheiten entgegengeschleudert wird, widerlegen sollen. Ich frage: Wo in aller Welt gibt es denn so etwas, daß verlangt werden darf, derjenige, über den Unwahres behauptet wird, sei gehalten, den Wahrheitsbeweis zu erbringen? Der Angreifer hat zu beweisen; sonst könnte man jedem jedes Beliebige an den Kopf werfen und er müßte den Beweis führen, daß die Behauptung unwahr sei. Diejenigen, die die 23 Unwahrheiten verbreitet haben, haben zu beweisen — nicht diejenigen, denen sie an den Kopf geworfen worden sind. Diese Angreifer, was tun sie, statt zu beweisen? Sie schreiben neuerdings objektive Unwahrheiten hin, und die 23 ursprünglichen Unwahrheiten werden nicht berührt. Das ist die Methode derer, die hier über Anthroposophie sprechen.
Ja, eine Befriedigung gewährt mir dasjenige, was ich heute zu sagen habe, wie ich in der Einleitung gesagt habe, wahrhaftig nicht. Ich würde ja viel lieber hier am Bau arbeiten, als diese Dinge zusammenstellen, und habe im Grunde genommen gar keine Zeit, alle diese Absurditäten und Verleumdungen zu verfolgen. Denn, sehen Sie, meine sehr verehrten Anwesenden, auch wenn etwas gescheitere Leute mit solchen Dingen kommen - denn gescheiter ist ja immerhin der Professor Traub als gewisse andere -, dann muß man sagen: sonderbare Ansichten das! Dieser Professor Traub, der die Schrift geschrieben hat «Rudolf Steiner als Philosoph und Theosoph», der - ich will alles übrige gar nicht berühren -, der findet es angemessen zu sagen: Ja, der Steiner behauptet Dinge, die man nicht nachkontrollieren kann. — Meine sehr verehrten Anwesenden, aber der Steiner behauptet keine anderen Dinge als diejenigen, die der nachkontrollieren kann, der nach denselben Methoden verfährt wie er selbst, und die er öffentlich dargelegt hat. Das heißt, jeder, der sich die Mittel dazu verschafft - allerdings muß er fleißig sein, den guten Willen haben -, der kann die Sache nachprüfen.
Wie sagt aber der Professor Traub? Er sagt:
Ich muß eben unter Umständen Historiker, Physiker, Chemiker werden, um selbständig prüfen zu können.
Das gibt er zu: Wenn er von Chemie keinen Deut versteht, so kann er natürlich von Chemie nicht reden, wenn er von Historie keinen Deut versteht, so kann er natürlich von Historie nicht reden. Das alles gibt er zu. Aber nun, meine sehr verehrten Anwesenden, redet er weiter:
Die theosophischen Wahrheiten dagegen kann ich nicht nachprüfen, wenn ich nicht Hellseher bin.
Aber die chemischen Wahrheiten kann ich doch auch nicht nachprüfen, wenn ich nicht Chemiker bin. Doch trotzdem sagt Traub:
Ich kann sie nur in negativer Beziehung kontrollieren, ...
— das heißt, er kann nur sagen, er kennt sie nicht —
... Ich kann feststellen, ob sie nicht der Logik widersprechen.
Es ist doch interessant, daß es sich bei der Anthroposophie um etwas anderes handeln soll als bei der Physik, Historie und so weiter. Für Chemie behauptet der Professor Traub, man muß Chemiker sein, um das, was sie sagt, prüfen zu können, für die Historie behauptet er, muß man Historiker sein und so weiter: für die Anthroposophie behauptet er, er muß nachprüfen können, auch wenn er sich niemals um deren Methoden gekümmert hat. Er sagt dann ganz naiv:
Die Frage ist, ob sie von mir ...
— das druckt er mit fetten Buchstaben —
... nachgeprüft worden sind oder nachgeprüft werden können, und das muß ich, abgesehen von der formal-logischen Kritik, verneinen.
Daß sie von ihm nicht nachgeprüft werden können, das glaube ich ihm! Aber es will noch nichts besagen, wenn irgendein Mensch, der niemals in ein chemisches Laboratorium hineingerochen hat und kein chemisches Buch studiert hat, chemische Wahrheiten nicht nachprüfen kann. Aber Sie sehen, was da verlangt wird und welche Leute über Formal-Logisches reden, indem sie sich einer solchen Logik bedienen.
Vor einiger Zeit kamen von evangelischer Seite Angriffe, und durch diese Angriffe sind dann einige evangelische Pastoren und Theologen auf die Anthroposophie aufmerksam geworden. Nun müßte ich die Entwicklung der ganzen theologischen evangelischen Strömung im 19. und 20. Jahrhundert Ihnen charakterisieren, wenn ich ausführlich über die hier in Betracht kommenden Sachen reden wollte. Aber es ist ja hinlänglich bekannt, daß innerhalb der evangelischen Theologie nicht nur ein starker Skeptizismus, sondern ein starker Nihilismus Platz gegriffen hat. Und eines Tages lagen eben die Sachen so, daß eine ganze Anzahl von evangelischen Theologen sich sagte: Von der Seite der Anthroposophie kann eine Befruchtung für die Theologie kommen. Es kann etwas kommen, was die Menschen wiederum hinführt zu dem Christus Jesus in einer solchen Weise, wie die Theologie sie heute nicht mehr hinführen kann. Und so kam es denn, daß unter den evangelischen Theologen eine Anzahl von Anhängern sich einfanden, was natürlich das Gros der evangelischen Theologen furchtbar ärgerte. Dann kamen allmählich - trotzdem eigentlich eine lange Zeit hindurch aus einem gewissen vorurteilsvollen Vorstellen heraus gesagt worden ist, daß die Anthroposophie katholisiere und daß deshalb der evangelisch Denkende an ihr keinen Geschmack finden könne -, diejenigen, die aus der heutigen katholisch-theologischen Richtung heraus sich hermachen über diese Anthroposophie.
Einiges von dem, wie man sich darüber hermacht, habe ich schon auseinandergesetzt. Ich möchte zunächst aber zwei Beispiele als wirklich ganz interessante Einzelheiten hervorheben. Alles dasjenige, was ich nun seit dem Jahre 1900, seit meinen Vorträgen «Von Buddha zu Christus» bei den Berliner «Kommenden» dargelegt habe, war so, daß niemand davon sprechen kann, daß nicht ein prinzipieller Unterschied bestünde zwischen dem, was als die Kulmination der Erdenentwicklung in dem Mysterium von Golgatha aufgetreten ist und dem, was ein Lehrgut ist für viele andere Menschen, dem Buddhismus. Ich habe dazumal die Strömung von Buddha zu Christus charakterisiert und scharf darauf hingewiesen, wie niemand, der auf anthroposophischem Standpunkte steht, verwechseln darf dasjenige, was im Christus erschienen ist und was nur ein einmaliges Erscheinen auf der Welt zuläßt, mit dem, was man als die immer wiederkehrenden Buddhas ansieht. Ich habe dann immer wieder in Vorträgen, die nur vor Mitgliedern gehalten worden sind, auf diese Dinge hingewiesen. Dennoch wird heute das folgende behauptet:
Der Buddhismus redet von Seelenwanderung, ...
- ich habe niemals von Seelenwanderung gesprochen, sondern immer von wiederholten Erdenleben —
... Steiner von Reinkarnation. Beides ist das Gleiche.
Meine sehr verehrten Anwesenden, Seelenwanderung und wiederholte Erdenleben, wie ich sie vertrete, sind so verschieden wie schwarz und weiß. Es wird weiter gesagt:
Ob man sagt: Der und der verkörpert sich wieder oder das Erdenleben von dem und dem wiederholt sich - das kommt aufs gleiche heraus.
Also bitte, nun nehmen Sie die Logik, die da herrscht. Zuerst wird gesagt: Seelenwanderung und Reinkarnation, wiederholte Erdenleben, seien dasselbe. Seelenwanderung wird so verstanden, wie wenn die Seelen der Menschen nach dem Tode in verschiedene Tiere wanderten. Niemals ist ein solcher Unsinn von mir auch nur in irgendeiner Weise angedeutet worden. Die wiederholten Erdenleben bedeuten etwas ganz anderes. Sie sind dasjenige, was eben aus geisteswissenschaftlichen Unterlagen heraus folgt, wie die Evolutionslehre in der physischen Welt aus physischen Forschungsgrundlagen heraus folgt.
Nach dieser Theorie ...
— so wird gesagt —
... ist Christus nichts anderes als ein reinkarnierter Buddha oder wiedererschienener Buddha.
Eine knüppeldicke objektive Unwahrheit dreistester Art, weil jedesmal, wenn ich über Christus und Buddha gesprochen habe, ich das Gegenteil davon gesagt habe, und weil jeder, der zuhören wollte, klar wissen mußte, daß dasjenige, was hier mir imputiert wird, jedesmal abgewiesen wurde, streng abgewiesen wurde.
Die ganze lange Argumentation offenbart die Steinersche Sophisterei und seine angebliche «Wissenschaftlichkeit».
Nun möchte ich wissen, wo Sophisterei ist. Allerdings, die Sophisterei, die auf jener Seite sich offenbart, gehört schon zu den moralischen Übeln, nicht bloß zu den logischen.
Ferner, in jenen Vorträgen, die nur für Mitglieder gehalten worden sind — aus einem sehr einfachen Grunde, den ich gleich erörtern werde -, ist ausdrücklich aus all den Quellen, die mir nur zugänglich sind, hervorgehoben, daß ein gewisser Vorläufer des Christus Jesus war Jeshu ben Pandira. So deutlich als möglich ist dort darauf hingewiesen, daß auch die physische Erdenpersönlichkeit, Geist und Seele, bei jenem Jeshu ben Pandira etwas ganz anderes ist als bei dem Christus Jesus. Dennoch, meine sehr verehrten Anwesenden, lesen wir bei jenem Angreifer:
Dieses kleine Beispiel zeigt, wie weit Steiner vom wahren Christusimpuls entfernt ist, beweist, daß ihm Christus kein göttlicher Gebieter (der Weg, die Wahrheit und das Leben), sondern nur der «Weise von Nazareth» oder in theosophischer Sprache ein Jeshu ben Pandira oder ein Gautama Buddha, auf deutsch ein wiederverkörperter Buddha ist.
Also das Gegenteil von dem, was ich unzählige Male gesagt habe, wird hier als meine Meinung in die Welt hinausposaunt.
Meine sehr verehrten Anwesenden, wenn man Volksschüler unterrichtet, so ruft man jedes Kind in die Volksschule herein; wenn man am Gymnasium unterrichtet, so müssen diejenigen, die in das Gymnasium kommen sollen, eine gewisse Volksschulreife erlangt haben. Wenn man Leute in die medizinische oder philosophische Fakultät hereinnimmt, so stellt man an sie die Anforderung des Abiturientenexamens. Kein anderes Prinzip lag zugrunde der Tatsache, daß gewisse Zyklen von Vorträgen nur gedruckt wurden für einen engeren Kreis von Leuten, die genügend vorbereitet waren, wie auch derjenige vorbereitet sein muß, der höhere Mathematik hört, durch die niedere Mathematik. Wer, ohne die niedere Mathematik zu kennen, zuhören wollte einem Vortrage über elliptische Funktionen, der würde selbstverständlich nichts davon verstehen und das Ganze für Kohl halten müssen, wenn er es nach dem, was er denken kann, beurteilen wollte. Nichts anderes lag zugrunde diesem Auswählen desjenigen für einen beschränkten Kreis, was eben voraussetzte das Vorhergehende. Alles dasjenige, was Voraussetzung war, wird von mir seit Jahrzehnten in öffentlichen Vorträgen immer wieder vorgetragen, wird auch vorgetragen seit dem Jahre 1907 in Basel fast jedes Jahr.
Ich frage Sie: Hat jemand erwarten können, daß die Basler Vorträge, die für diese selbe Weltanschauung seit 1907 auch in Basel öffentlich gehalten werden, eingestellt würden, nachdem der Bau in Dornach in Angriff genommen worden ist, oder daß hier in diesem Bau etwas anderes als Anthroposophie getrieben würde? Was ist es anderes als eine törichte Rederei, wenn behauptet wird, daß jetzt Propaganda getrieben werde, während doch gesagt worden sei, es würde keine Propaganda gemacht? Nichts anderes wird gemacht, als das, was seit 1907 in Basel, selbstverständlich in kleinerem Rahmen, gemacht worden ist.
Ebensowenig ist irgend jemand angegriffen worden in der Art, wie ich es jetzt werde. Gehen Sie alles dasjenige durch, was ich irgendwie gesagt oder geschrieben habe — niemals habe ich als erster irgend jemanden so angegriffen. Alles dasjenige, was ich je gegen irgend jemanden geschrieben habe, war stets herausgefordert. Sehen Sie die Tatsachen nach. Und man muß schon sagen, der Angriff, der zum Beispiel hier jetzt geschieht, der ist vom Zaune gebrochen. Denn niemand ist es eingefallen von hier aus, irgendeinen Angriff auf diese Angreifer zu machen. Dennoch prangt an der Spitze eines der Artikel: «Abwehr und Entgegnung auf die Auslassungen des Theosophen-Juristen Dr. Boos», um gleich in fett gedruckten Lettern den Leuten Sand in die Augen zu streuen, bei ihnen den Glauben zu erwecken, daß es sich auf der anderen Seite um Abwehr handle, während wir wahrhaftig zu unserer höchsten Unbefriedigung hier überschüttet werden mit ganzen Kübeln übelriechender objektiver Unwahrheiten. Wir sollen uns nicht mucksen, während wir ganz gut wissen, was man mit diesen objektiven Unwahrheiten will.
Und, meine sehr verehrten Anwesenden, daß man es auf jener Seite nicht etwa bloß so meine, daß man nicht bloß etwas widerlegen will mit ehrlichen Waffen - das kann Ihnen die letzte Enunziation von der Seite dieser Angreifer beweisen. Aus der Enunziation, die eben jetzt erschienen ist, möchte ich Ihnen nur ein paar Sätze vorlesen, die beginnen:
Bist du nie nachts bei einem Sumpf vorbeigeschritten? Du sahst dort Irrlichter. Sie erschienen und verschwanden. Solche Irrlichter gibt es vornehmlich nach großen Katastrophen auch in geistiger Beziehung in der Weltgeschichte. Sei es der Protestantismus in und während des unseligen Bauernkrieges, in der Zeitepoche des Dreißigjährigen Krieges, sei es der Kulturkampf während und nach dem Siebziger Krieg. Heute tauchen vornehmlich auf - der Jud, der Freimaurer und der Theosoph. ... Die Kirche ist eine streitende Kirche.
Meine sehr verehrten Anwesenden, gestern habe ich eine neue Enzyklika des gegenwärtigen Papstes gelesen, wo aufgefordert wird zur Liebe und Eintracht, wo gesagt wird, die Kirche strebe an, die Leute zu versöhnen und nicht zu streiten. Hier lesen wir:
Die Kirche ist eine streitende Kirche.
Dann aber wird gesagt - die Kirche ist also eine streitende Kirche:
Diese Zeit ist heute, wo das Dreigestirn, der Jud, der Freimaurer und der Theosoph, gegen die Kirche anstürmt. Wir wollen den drei ins Angesicht schauen. Der Jud, das Judentum ist alt. Das Judentum bekämpfte unsern Heiland von Anfang an. Es war schuld am Gottesmord auf Golgatha, es war schuld an der Christenverfolgung ...
— und so weiter und so weiter. Und weiter wird gesagt:
Noch ein schlimmerer Gegner ist heute aufgestanden, der Theosoph. Wir verhehlen es uns nicht, daß die Theosophie, Sitz in Dornach, vielleicht die größte Gefahr fürs Schweizerland ist, größer als der Bolschewismus, größer als irgendeine andere Gefahr. Der Theosophismus ist genug bekannt. Jeder Gutgläubige konnte sich in unserm Blatt belehren lassen.
Ja, so belehren lassen, meine sehr verehrten Anwesenden, wie man es mit Außerachtlassung jeglichen Tatsachenmaterials tut. Daß man etwas ganz anderes will, als bloß gegen Erkenntnisse oder meinetwillen vermeintliche Erkenntnisse kämpfen, das ersehen Sie aus einer solchen Auslassung. Nun, ich habe Ihnen einige Proben von dem dargestellt, was so der «Geist» dieser Angriffe ist: Das polarische Gegenteil von dem, was man mindestens jede Woche einmal hier im Goetheanum hören kann, wird draußen behauptet, daß es hier gesagt würde. Das ist die Tatsache. Das polarische Gegenteil von dem, was hier wirklich gesagt wird, wird als die hier vertretene Meinung den Leuten der hiesigen Umgebung als Aufklärung über die Theosophie oder Anthroposophie - auf den Namen kommt es nicht an - vorgehalten. Geredet wird zum Beispiel dabei von einer Interpretation, die ich über das Vaterunser gegeben habe. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden - ja, die Dinge sind ja sehr sonderbar - da wird zum Beispiel ein Leckerbissen aufgetischt, einige Verse von mir, die nur natürlich eine Bedeutung haben, wenn man sie im ganzen Zusammenhange kennt:
Es spricht zum Weltenall,
Sich selbst vergessend
Und seines Urstands eingedenk ...
- aber in dem Angriffsartikel steht «seines Notstands». Meine sehr verehrten Anwesenden, das geht Zeile für Zeile so fort in bezug auf Wahrheit und Richtigkeit. Dasjenige, was mit Bezug auf meine Vaterunser-Interpretation gesagt wird, übersteigt in dieser Richtung alles Vorstellbare.
Als typischstes und praktisch lehrreichstes Beispiel Steinerscher Exegese erwähnen wir seine Vaterunser-Auslegung. Zunächst der theosophische Text. Oder gibt es etwa einen neuen anthroposophischen? Das verbesserte «theosophische» Vaterunser lautet: «Vater unser, der du das Weltall durchdringst! Dein Name erschalle! Dein Reich des Friedens komme zu uns! Dein Wille geschehe auf Erden! (Einen Himmel kennen die Theosophen nicht.) Dein Brot des Lebens gib uns allen! In dir vergessen wir unsere Sünden und vergeben wir den Brüdern ihre Fehler. Führe uns durch die Prüfungen! Erlöse uns von allem Irrtum! Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.»
Der das und das folgende schreibt, der rechnet nämlich darauf, daß niemand aus der Reihe seiner Leser mein kleines Büchelchen über das Vaterunser in die Hand nimmt, denn alles das, was er hier schreibt, steht dort nicht drinnen, denn ich gebe den Text, den die Katholiken jeden Tag für sich - ich hoffe das wenigstens — zu Hause und jeden Sonntag in der Kirche beten. Kein anderer Text wird interpretiert als dieser. Man rechnet also darauf, daß dieses kleine Schriftchen gar nicht in die Hand genommen werde, daß nicht einmal diese Prüfung vollzogen werde.
Daß man es nicht mit einem sehr gebildeten Menschen zu tun hat, das geht wieder aus einem anderen Satze hervor. Sehen Sie, da steht zum Beispiel:
Wie sich das Licht in sieben Farben, der Grundton in sieben Tönen in der Welt zum Ausdruck bringen, so komme die siebengliederige Natur des Menschen (Geistselbst, Lebensgeist und Geistmensch, physischer Leib, Aetherleib, Astralleib und Ich) in den sieben Bitten des Vaterunsers zum Ausdruck. Hört!
Dieses «Hört!», das liest man in diesen Artikeln immer wieder. Man weiß ja warum. Man kann schon sagen, daß selbst solche Leute, die mein Büchelchen über das Vaterunser gelesen, aber nur oberflächlich es durchdacht haben, nicht gleich darauf kommen, wie raffiniert hier die objektive Unwahrheit gesagt wird. Denn es ist raffiniert zu sagen, ich hätte behauptet, daß die siebengliederige Natur des Menschen in den sieben Bitten des Vaterunsers zum Ausdruck komme. Das ist einfach nicht wahr. Etwas ganz anderes habe ich ausgeführt. Ich habe versucht zu zeigen, daß sieben Empfindungsqualitäten, die man hat, indem man die sieben Bitten hintereinander erlebt, auf sieben Empfindungsnuancen der Seele weisen. Und in diesen sieben Empfindungsnuancen der Seele liegt eine gewisse Hindeutung auf die siebengliederige Menschennatur. Also ich habe nicht gesagt, daß die sieben Bitten des Vaterunsers eine Hindeutung auf die sieben Glieder der Menschennatur bedeuten, sondern daß die sieben Bitten des Vaterunsers sieben Empfindungsnuancen repräsentieren, und diese sieben Empfindungsnuancen auf die siebengliederige Menschennatur hinweisen.
Hätte die Angriffsartikel ein katholischer Theologe geschrieben - ich kann Ihnen sagen, ich kenne die katholische Theologie sehr gut, ich weiß zu schätzen die strenge Logik, die sie früher gehabt und sich zum Teil noch bewahrt hat -, der hätte bemerken müssen, was die Einfügung eines Zwischengliedes in die Schlußfolgerung bedeutet. Ich kann nicht glauben, daß es ein wirklicher "Theologe ist, der so etwas hinschreibt, solange mir das nicht bewiesen wird,5 denn nur derjenige, der mit ganz täppischer Logik sich befaßt mit meiner Vaterunser-Exegese, kann so etwas hinschreiben.
Man muß das Augenmerk darauf richten, wie es denn in der neuesten Zeit gekommen ist, daß solche Dinge überhaupt möglich geworden sind. Dasjenige, was hier zutage tritt, ist ja im Grunde genommen nur ein Abklatsch dessen, was in sehr vielen Kreisen heute bemerkt werden kann. Ich vermeide es, mich auch noch darauf einzulassen, daß es eine knüppeldicke objektive Unwahrheit ist, mich mit allen Ausschreitungen und Verirrungen der Rosenkreuzer zusammenzuwerfen und dergleichen, daß es ein Unsinn ist, den Satz zu schmieden, daß ich von der Blavatsky abhängig sei, und ihn zu belegen mit den Worten:
Steiner schöpft auch aus der Theosophie der Blavatsky. Er ergänzt sie ...:
— das in einem Atem! —
... «Wir arbeiten am besten, ...
— jetzt werden meine Worte zitiert —
... wenn wir das bringen, was der Blavatsky verschlossen war.»
Das wird als meine Worte angeführt, zum Beweis dafür, daß ich das bringe, was die Blavatsky gebracht hat! Es wird behauptet, das hat die Blavatsky gebracht, und zum Beweis dafür wird eine Zeile danach angeführt, daß ich das bringen will, was der Blavatsky verschlossen war. So ist die Logik der Angreifer. Man möchte schon aus einem gewissen größeren Zusammenhang heraus begreifen, wie solche Dinge überhaupt möglich sind.
Nun kann ich ja auch darüber nur aphoristisch reden. Ich kann auch da nur darauf hinweisen, daß ja allerdings um die Mitte des 19. Jahrhunderts, namentlich aber im Anfange des letzten Drittels dieses Jahrhunderts, die katholische Theologie wirkliche geisteswissenschaftliche Keime aufgenommen hat, die, wenn sie weiter ausgebildet worden wären, zum Segen der Menschheit hätten wirken können. Es wäre vielleicht, wenn solche Dinge, wie sie Möhler in seiner «Symbolik» versucht hat, einen Fortschritt und nicht einen Rückschritt gefunden hätten, etwas zustande gekommen, was wie ein Hervorgehen einer geisteswissenschaftlichen Richtung gewesen wäre. Wenn es auch nicht gleich dazu gekommen wäre, die allerdings objektiv wissenschaftlich — Sie können das in meinen Büchern ersehen — beweisbaren Wahrheiten der wiederholten Erdenleben und des durch die wiederholten Erdenleben bedingten Lebensschicksals der Menschen anzuerkennen, so hätte es doch zu einem gewissen Fortschritt in geisteswissenschaftlicher Richtung kommen können. Allein, man hat ja im Katholizismus aus einer sehr wohl bekannten Weltpolitik gebrochen mit demjenigen, was in der angedeuteten Richtung sich bewegte.
Das sind Dinge, die mir, der ich viel verkehrt habe mit katholischen Theologen und genau kennengelernt habe Denkweisen toleranter und gebildeter katholischer Theologen, sehr klar geworden sind. Es bedeutet viel, wie zum Beispiel der Philosoph Franz Brentano, der zuerst katholischer Priester war, dann das Priesterkleid auszog, gerade unter der Erklärung des Unfehlbarkeitsdogmas von der katholischen Kirche sich entfernt hatte.6 Er prüfte - das wissen diejenigen, die dieses merkwürdige Leben des Franz Brentano kennen — gewisse Wahrheiten von Inkarnation, von Trinität. Er kam noch auf ganz andere Dinge, die dem Infallibilitätsdogma nicht entsprachen, als die es sind, auf die man ja auch kommen muß, wenigstens wenn man nicht ganz besondere Formulierungen ins Auge faßt, zum Beispiel daß ja 1773 ein Papst den Jesuitenorden aufgehoben hat als für die Menschheit schädlich und 1814 ein anderer Papst ihn wiederum eingesetzt hat. Nun ja, das sind solche Dinge, die auf der Oberfläche liegen. Aber auch die sehr subtilen Dinge über die Trinität und die Inkarnation, mit der sich auch Geister des 19. Jahrhunderts viel beschäftigt haben, sie sind in der Fassung gewisser katholischer Theologen ein Rätsel geblieben für so jemanden wie Brentano. Und namentlich das blieb ihm rätselhaft, wie von seiten der Päpste die verschiedensten Dogmen über diese Dinge haben aufgestellt und anerkannt werden können. Es war immer katholisches Prinzip, daß als Dogma nur dasjenige aufgestellt werden dürfe, was allgemein in der katholischen Christenheit anerkannt wird. Die Conceptio immaculata war es nicht, dennoch wurde sie zu einem Dogma gemacht. Und es ist ein gerader Aufstieg von der Conceptio immaculata zu der Enzyklika von 1864 und dem Syllabus und weiter zu der Erklärung des Infallibilitätsdogmas. Dann war es für einen so großen, in gewisser Beziehung bedeutenden Mann wie Leo XII. selbstverständlich, die Enzyklika Aeterni Patris zu erlassen. Das führte dann mit Tatsachenlogik dazu, den Antimodernisteneid zu fordern von all denjenigen, die lehrend im Katholizismus tätig sein dürfen.
Man darf nur, meine sehr verehrten Anwesenden, jene Literatur, die erschienen ist infolge dieses Antimodernisteneides, durchgehen und wird bald auf wunderbare Dinge kommen, von denen ich heute, da die Zeit drängt, nur ganz weniges anführen kann. Charakteristisch zum Beispiel ist das folgende. Da gibt es einen sehr gelehrten Doktor, den Theologieprofessor Simon Weber an der Universität in Freiburg im Breisgau. Er hat zu rechtfertigen, daß die Freiheit der Wissenschaft durchaus vereinbar sei mit dem Schwören des Antimodernisteneides, der zum Beispiel auch einen Paragraphen enthält des Inhaltes, daß derjenige, der katholisches Lehrgut vertritt, sei es als Theologe, sei es als Kanzelredner, niemals glauben dürfe, daß je durch die Geschichte etwas erwiesen werden könne, was durch die Kirche nicht als richtiges Lehrgut anerkannt ist. Nicht etwa braucht er bloß zu beschwören, daß er bis jetzt nichts erkannt, das von einem solchen Widerspruche zeuge, sondern er muß beschwören, daß es seine Ansicht ist, daß er niemals werde zu Studien kommen können, die irgendwie einen Widerspruch würden darstellen können gegenüber dem, was festgestellt ist durch das Lehramt der Römisch-Katholischen Kirche. Um zu rechtfertigen, daß man ein gegebenes Lehrgut hat, ein Lehrgut, das einfach zu glauben befohlen wird und das zu glauben beschworen werden muß, und um das in Einklang zu bringen mit der Freiheit der wissenschaftlichen Lehre, mußten sehr sonderbare Anschauungen aufgestellt werden. Unter anderem mußte zu einer Anschauung gegriffen werden, die sich sehr merkwürdig darlebt in dem Buche «Theologie als freie Wissenschaft» von Weber. Man kann, wenn man gewissenhaft vorgeht, sonderbare Prüfungen über diese Dinge anstellen. Da ist nun der katholische gelehrte Theologe veranlaßt zu beweisen, daß man ja auch als Mathematiker die richtige Mathematik lehren müsse und doch nicht gegen die Freiheit der Wissenschaft verstoße; also könne man auch das von Rom anbefohlene Lehrgut lehren müssen. Er schreibt, das würde doch nicht gegen die Freiheit der Wissenschaft verstoßen, wenn einem Gelehrten zugemutet wird, seine neuen Erkenntnisse auch dadurch zu prüfen, daß er die entgegenstehenden Erkenntnisse widerlegt und ohne diese Widerlegung keine unbestimmte Zustimmung zu seinen Erkenntnissen erwartet noch sie als absolut wahr geltend macht. Mit diesem ersten Satze wollen wir uns jetzt weniger befassen. Nun kommt aber der andere Satz:
Ist es ferner gegen die Freiheit der Wissenschaft als eines Weges zur Wahrheit, wenn aufgrund erprobter Erkenntnisse und Resultate der Jünger der Wissenschaft angehalten wird, zum Ausganspunkt seiner Studien den Boden solcher Erkenntnisse und Resultate zu nehmen? Ich glaube, daß man die erste Frage nicht bejahen, die zweite nicht verneinen darf.
So stand es in diesem Buche. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, lesen wir die zweite Frage noch einmal:
Ist es ferner gegen die Freiheit der Wissenschaft als eines Weges zur Wahrheit, wenn aufgrund erprobter Erkenntnisse und Resultate der Jünger der Wissenschaft angehalten wird, zum Ausganspunkt seiner Studien den Boden solcher Erkenntnisse und Resultate zu nehmen?
Das heißt: Ist es gegen die Freiheit der Wissenschaft, wenn man den Theologen schwören läßt, daß er nur ein ganz bestimmtes Lehrgut lehren dürfe? Dann kann er ja machen, was er will, aber er muß immer zu diesem Lehrgut kommen. Da sagt der Verfasser darauf:
Ich glaube, daß man die erste Frage nicht bejahen, die zweite nicht verneinen darf.
Man könnte nun glauben, daß das so wäre. Aber sehen Sie, der gute Professor Simon Weber hat diese zwei Fragen hintereinander geschrieben, und er hat sich da in einen solchen Knäuel hinein verirrt, daß er dann mit einem festgehaltenen logischen Faden geschrieben hat:
Ich glaube, daß man die erste Frage nicht bejahen, die zweite nicht verneinen darf.
Das wird man ihm sehr gern zugeben, das man die zweite nicht verneinen darf. Er konnte nur nicht mehr den Faden festhalten — er hat das erst bemerkt, als das Buch schon herausgegeben war, daher ist da ein dicker, schwarzer Strich gestempelt über das zweite «nicht»! Sehen Sie, so wenig konsistent, so wenig logisch zusammenhängend sind diese Sätze da geschrieben, um das aufrechtzuerhalten. Erst als vielleicht ein Freund von ihm gekommen ist hinterher und sagte: Du, was hast du denn da geschrieben! Mit dem «nicht» sind ja alle Modernisten einverstanden, und du hast doch den Antimodernisteneid geschworen! - Nun mußte in jedem Exemplar hier mit dem Stempel ein dicker Strich über das «nicht» hinübergedruckt werden.
Sehen Sie, man muß schon mehr Gewissenhaftigkeit haben, als bei unseren Gegnern ist, wenn man auf die Dinge kommen will. Aber auf diese Dinge läßt sich ja das große Publikum nicht ein; man kann ihm viel Sand in die Augen streuen. Einer der Sätze, in denen gerechtfertigt wird die Freiheit der Wissenschaft als vereinbar damit, daß man ein ganz bestimmtes, fest und dogmatisch umrissenes Lehrgut lehren müsse, ist nun auch der folgende. Da wird gesagt: Verstößt es denn gegen die Freiheit des Soldaten, der geschworen hat, zu einem bestimmten Zeitpunkt bei seinem Regiment zu sein, wenn ihm doch die Freiheit gelassen wird, daß er fahren könne mit der Kutsche oder mit dem Personenzug oder mit dem Eilzug? Das steht ihm ganz frei. So ist es auch beim katholischen Theologen. Er hat geschworen, daß er bei seinem Lehrgut ankommt. Er muß das beweisen, gleichgültig, wie er es beweist, er muß es beweisen, denn ob er mit Eilzug fährt oder mit Personenzug oder mit der Kutsche, das ist gleichgültig. Und in solcher Art ist diese ganze Schrift «Theologie als freie Wissenschaft» abgefaßt.
Meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe mir alle Mühe gegeben in meinem Vortrage, den ich in Liestal gehalten habe, «Das menschliche Leben vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft», zu beweisen, daß es unmöglich ist, wenn man eine wirkliche Fortbildung des Thomismus vornimmt, dasjenige, was Thomas von Aquino ansieht als die Präambula fidei, nicht auszudehnen auf dasjenige, was aus wirklich erreichbaren menschlichen Geisteskräften heraus durch die Anthroposophie geltend gemacht wird. Allein, was hilft denn das alles; auf solche Dinge wird nicht eingegangen. Und dasjenige, was spaltenlang zusammengestellt wird, das ist so, daß es überall den objektiven Tatsachen schnurstracks zuwiderläuft.
Ich darf wohl, das heute aphoristisch Dargestellte zusammenfassend, sagen: Die katholische Lehre hat, wenn sie sich auf ihre eigene Methode einläßt, kein Recht, irgend etwas gegen Anthroposophie zu sagen, denn sie hat kein Recht sich gegen die Methode der Beschauung zu wenden. Hat sie aber kein Recht, sich gegen die Methode der Beschauung zu wenden, dann muß sie auch dasjenige unangetastet lassen, was sich von den durch die heutige Menschheitsentwicklung gebotenen Gesichtspunkten aus durch diese Methode der Beschauung als Ergebnisse ergibt.
Ich muß weiter manches von dem, was gesagt worden ist, zusammenfassen dahin, daß durch Jahrzehnte hindurch meine Sorgfalt darauf gegangen ist, etwas zu schaffen, was als geisteswissenschaftliche Erkenntnis neben der naturwissenschaftlichen Erkenntnis stehen soll. Alles dasjenige, was von mir ins Auge gefaßt worden ist, ist im Hinblick darauf ins Auge gefaßt worden, die Naturwissenschaft zum Geiste herauf zu erheben. Was in solcher Weise geschehen ist - es ist immer versucht worden in der Absicht, daß diejenigen Menschen, die über das Christentum von einem der Gegenwart entsprechenden Gesichtspunkte aus aufgeklärt sein wollten, aus denjenigen Quellen heraus solche Aufklärung erhalten können, welche Geisteswissenschaft geben kann. Daher ist alles dasjenige, was von der Seite der Angreifer gegen Anthroposophie unternommen wird, lediglich vom Zaune gebrochen. Kein Anlaß ist dazu gegeben worden. Wenn ich diese Angriffe vernehme, erklingt mir ein Wort wieder, das Kardinal Rauscher, einer der ersten Kirchenfürsten Europas, gegenüber manchen Fortschritten gesprochen hat. Dieses Wort tönte mir entgegen, als ich als ganz junger Student nach Wien kam. Es war das noch in jener Zeit, in der die große katholische Reaktion noch nicht so voll Geltung hatte, sondern sich eben erst geltend machte. Da tönte mir das Wort entgegen, daß der Kardinal Rauscher im österreichischen Herrenhause durch seine Virilstimme sprach gegenüber manchen Fortschritten, die dazumal auch von seiten der katholischen Theologie versucht wurden: Die Kirche kennt keinen Fortschritt.
Ich kann, wenn ich mich noch so sehr bemühe, nichts anderes finden als diese Tatsachen, die ich zu Pfingsten hier schilderte in meinen Thomas-Vorträgen: daß tatsächlich zur Zeit der Hochscholastik, zur Zeit des scholastischen Realismus eines Albertus Magnus und eines Thomas von Aquino, eine großartige Logik vorhanden war, daß aber von dieser — wie bei vielen neuzeitlichen Philosophen, so auch innerhalb des katholischen Denkens - nichts mehr übriggeblieben ist. Die Schulung, die man haben kann, wenn man sorgfältig zu unterscheiden weiß zwischen Substanz, Hypothese, Essenz, Natur, Person und so weiter, die ist auch aus der katholischen Theologie entwichen. Neuere Philosophen wie zum Beispiel Wundt polemisieren gegen die Substanz der Seele, weil sie nichts wissen von einer Substanz. Daher sagen sie, das gibt es ja gar nicht — nach dem Prinzip: Wovon ich nichts weiß, das gibt es nicht. Aber auch aus der Enzyklika Aeterni Patris ist das präzise Denken nicht wieder erstanden, das in der Scholastik in hohem Grade vorhanden war. Stattdessen kam dasjenige, was nötig war an Gedankenverrenkungen, um den Antimodernisteneid zu beweisen.
Wenn man solches beweisen muß, meine sehr verehrten Anwesenden, dann allerdings kann man nicht viel übrig haben für dasjenige, was man lernen kann durch die strenge Logik der Hochscholastik. Und dann darf wohl gesagt werden, was ich hier in den Pfingstvorträgen ausgesprochen habe: Ja, in der Geisteswissenschaft, da liegt eine wirkliche Fortsetzung desjenigen, was durch die Hochscholastik für die Zeit des 13. Jahrhunderts angestrebt worden ist. Aber liegt denn nicht die Sache so, daß Thomas von Aquino selbstverständlich sich nicht auseinandersetzen konnte mit der Naturwissenschaft? Sie war damals nicht da. Aber mit der Naturwissenschaft wollte die Anthroposophie sich auseinandersetzen. Ginge man auf eine solche Auseinandersetzung ein, so würde aus geisteswissenschaftlicher Behandlung der Natur heraus eine wirklich fruchtbare Arbeit sich entfalten. Eine solche versuchte ich hier in dem Ärztekursus, der in die medizinische, in die therapeutische Wissenschaft methodisch hineintragen wollte, was vom anthroposophischen Standpunkte hineingetragen werden kann. In Stuttgart bei der Begründung der Waldorfschule ist versucht worden, die Pädagogik anthroposophisch zu durchleuchten. Meine sehr verehrten Anwesenden, positive Arbeit will Anthroposophie leisten; niemanden hat sie jemals angreifen wollen. Wer etwas anderes sagt, sagt eine objektive Unwahrheit. Und wer so tut, als ob er angegriffen worden wäre und nötig hätte, irgend welche Angriffe abzuwehren, der tut objektive Unwahrheit. Es muß jeder, der so, wie es jetzt geschieht, gegen die Anthroposophie auftritt, es muß jeder die Gründe zu Angriffen vom Zaune brechen.
Ich war heute genötigt, manches scharfe Wort zu sprechen. Nun meine ich, gegenüber den in Frage kommenden Angriffen dürften es doch nicht zu scharfe Worte sein, die ich gesprochen habe, denn unter den mancherlei Angriffen, die hier gemacht worden sind, befinden sich solche, die überhaupt gar nicht auf das von mir Gesagte eingehen, sondern die das Unglaubliche fertigbringen, mir das anzuhängen, was da und dort an theosophischem Gewäsch vorgebracht worden ist und was ich selbst stets bekämpft habe. Aber die Angreifer haben gar nicht den Mut, auf meine Anschauungen einzugehen, sondern haben nur dazu den Mut, die Person zu verunglimpfen, die sich einsetzt für die Anthroposophie. Und unter den mancherlei Dingen, die da aufgetaucht sind, ist auch zum Beispiel die Behauptung, ich sei nachweislich ein Jude. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, hier sitzt der Mann, der in Stuttgart die Fotografie meines Taufscheines vorgewiesen hat vom Rednerpult herunter, woraus hervorgeht, wie ich gleich nach meiner Geburt, aus einer katholischen Familie heraus, getauft worden bin, katholisch getauft worden bin; und jeder ist damals, als der Taufschein gezeigt worden ist, aufgefordert worden, sich von dieser Sache zu überzeugen. Was hat man daraufhin getan? Nur ein Beispiel für die Art, wie man gegenwärtig kämpft: Man hat allerlei Briefe geschrieben nach meinem österreichischen Heimatort, ob ich denn wirklich ein Jude sei oder nicht. Und nachdem sogar der Pfarrer jenes österreichischen Heimatortes bezeugt hat, daß ich ein «Arier» sei, wie er sich ausdrückt, hat man allerdings den Einwand gefunden, daß ja die Juden auch Arier seien. Aber davon abgesehen, meine sehr verehrten Anwesenden, man hat nicht davor zurückgeschreckt, das folgende drucken zu lassen: Ja gut, der Taufschein liegt ja vor, die Geschwister sagen ja auch aus und die Leute des Heimatortes, daß er von katholischen Eltern abstammt, aber was hindert uns denn anzunehmen, daß er ein uneheliches Kind ist, daß er durch einen jüdischen Vater, der seinem wirklichen Vater unbekannt war, in die Ehe durch die Mutter als uneheliches Kind hineingetragen worden sei, was ja weder seine Geschwister zu wissen brauchen noch der Pfarrer des Ortes zu wissen braucht.
Meine sehr verehrten Anwesenden, heute schreckt man selbst vor derlei Dingen nicht zurück. Derlei Dinge sind heute in der Welt, in der wir’s so herrlich weit gebracht haben, möglich geworden. Da frage ich Sie: Kann man da noch hoffen, daß man durch Aufdeckung der Tatsachen bei dem Gegner irgend etwas erreicht? —- Nein. Gerade die Tatsachen sind den Gegnern am allerunangenehmsten. Daher stützen sie sich nicht auf die Tatsachen, sondern sie stützen sich auf dasjenige, was in jeder Zeile von ihnen selbst erfundene, objektive Unwahrheit ist. Und das nennen sie «Aufklärung des Volkes».
Niemals würde man von mir gehört haben ein angreifendes Wort, wie ich es heute notwendig hatte zu sagen - scheinbar allerdings angreifend nur, wenn nicht jedes dieser Worte zehnmal als Verteidigung herausgefordert wäre. Niemals hätte ich auch als Verteidigung solche Worte gebraucht, wenn sie nicht in solch unerhörter Weise herausgefordert worden wären. Denn, meine sehr verehrten Anwesenden, dasjenige, was von mir vertreten werden soll, was ich Ihnen versuchte, heute positiv durch den historischen Hergang darzulegen, was ich Ihnen versuchte, seinem Geiste nach darzulegen aus den Untergründen heraus, aus denen es wirklich wächst als das polarische Gegenteil dessen, was durch die Angreifer aufgetischt wird, das ist etwas, was ich glaube, als diejenige Wahrheit erkannt zu haben, welche unserer heutigen Epoche die angemessene ist. Und derjenige, der in seiner Seele zusammengewachsen ist mit dem Suchen nach Wahrheit, der läßt sich durch nichts von diesem Suchen abhalten, der fühlt sich aber auch verpflichtet, gegenüber jedem diese Wahrheit auszusprechen, der sie von ihm hören will. Daher war ich verpflichtet, als diejenigen Menschen, die ich 1897 so charakterisiert habe, wie ich es Ihnen heute wiederholt habe, von mir 1902 die Wahrheit verlangten, sie ihnen vorzutragen. Das ist es, worauf es ankommt: das innerliche Verwachsensein mit einem wirklichen, ehrlichen Wahrheitsstreben.
Wer, nachdem er solches vorgebracht hat, wie es heute charakterisiert worden ist, wenn er auch noch Worte findet wie diese:
Noch ein schlimmerer Gegner ist heute aufgestanden, der Theosoph. Wir verhehlen es uns nicht, daß die Theosophie, Sitz in Dornach, vielleicht die größte Gefahr fürs Schweizerland ist, größer als der Bolschewismus, größer als irgend eine andere Gefahr. ...
- und so weiter, der mag für einige Zeit vielleicht etwas erreichen. Es kann sein, daß, wenn diejenigen, die der Anthroposophie freundlich gesinnt sind, schlafen, daß solche Gegner, die vor solch Unerhörtem nicht zurückschrecken, gar mancherlei erreichen von dem, was sie erreichen wollen. Ich aber habe oftmals gesagt, wie mir das Wort eines befreundeten verstorbenen katholischen Theologen, der Professor für christliche Philosophie an der Wiener Universität war, noch in den Ohren tönt - ich habe mit vielen Theologen auch durchaus dogmatische Gespräche geführt bis in die intimsten Einzelheiten hinein -, daß niemals der Christ zu fürchten habe, daß die Herrlichkeit des Gottes oder des Christus verkleinert werde dadurch, daß man mehr Erkenntnisse gewinne über ihre Schöpfung. Ich habe auch oftmals gesagt, daß derjenige, der das zugibt, mehr Mut für das Christentum beweist als derjenige, der bei jeder Gelegenheit, wenn meinetwillen auch nur vermeintliche neue Wahrheiten auftreten, über die Gefährdung des Christentums klagt — und jetzt sogar über die Gefährdung des Schweizertums. Ich habe immer gesagt, mir erscheint der als ein kleinmütiger Christ und Katholik, der immerfort von Gefahren spricht, während mir derjenige allein ein wahrer Christ zu sein scheint, der sagt: Und mögen noch Milliarden neuer Erkenntnisse gewonnen werden, das Christentum steht so fest - und das ist unzählige Male ausgesprochen worden auf anthroposophischem Boden -, daß es durch nichts erschüttert werden kann. - Ich möchte wissen, wer in Wahrheit der bessere Christ ist.
Aber wie gesagt, für Zeit mögen diejenigen einiges erreichen, die dreist wagen, der Menschheit zu sagen, das, was sie als Theosophie ausgeben und was nichts mit Anthroposophie zu tun hat, sei eine größere Gefahr als der Bolschewismus, um den Leuten graulich zu machen, und die dazu lauter objektive Unwahrheiten sprechen. Für die Dauer kann die Unwahrheit doch nicht wirken. Meine sehr verehrten Anwesenden, von hier aus wird, solange es möglich sein wird, die Wahrheit, die gemeint ist als Anthroposophie, gesucht und gelehrt werden. Nichts von dem aber wird gelehrt werden, was durch Verleumdung von jenen Angreifern als die hier gelehrte Anschauung hingestellt wird. Mag auf jener Seite manches erreicht werden — hier werde ich es wenigstens halten damit, daß eine Anthroposophie gelehrt werde, die gegenüber den Forderungen der Gegenwart notwendig ist. Ich habe versucht, solche Anthroposophie immer wieder in öffentlichen Vorträgen zu charakterisieren. Ich erkläre es für eine objektive und sehr dreiste Unwahrheit, daß ich mich jemals auf Mahatmas berufen hätte für das, wofür ich persönlich einstehe; unwahr ist auch das, wie alles andere, was in den Angriffen steht, die die heutigen Worte herausgefordert haben. Menschenwerk ist ja selbstverständlich auch diese Anthroposophie. Und würde sie Irrtum sein, was mir unerklärlich wäre, dann weiß ich, daß im Weltenall die Wahrheit allein den Sieg davon tragen wird. Dann wird die entgegengesetzte Wahrheit, aber eben nur die entgegengesetzte Wahrheit über den hiesigen Irrtum siegen, und dann, dann würde die Anthroposophie ihr verdientes Schicksal finden, denn Irrtümer können niemals dauernde Siege erringen. Deshalb könnte Anthroposophie, wenn sie ein Irrtum wäre, der Wahrheit nichts anhaben, sie würde widerlegt werden. Ist sie aber die Wahrheit, dann mögen auf einige Zeit und vielleicht ziemlich lange durch Verfolgung von Personen diejenigen ihr Ziel erreichen, die solches wagen, wie ich heute charakterisieren mußte. Auf die Dauer aber, meine sehr verehrten Anwesenden, werden die Weltengesetze doch nicht anders sprechen als so, daß zuletzt die Wahrheit siegen muß, nicht die Unwahrheit.
Roman Boos: Nach den letzten Vorträgen des Herrn Dr. Steiner über Thomas von Aquino, die an Pfingsten hier gehalten wurden, wurde in einem Blatte in der Rezension gerügt, es sei nicht Gelegenheit gewesen für eine Diskussion. Wer über den heutigen Vortrag in eine Diskussion einzutreten wünscht, der sei darauf hingewiesen, daß folgende Dinge vorliegen, die ich protokollarisch festzuhalten bitte: Es ist Stoff hier für eine Auseinandersetzung. Es ist Stoff hier; ich habe ihn physisch mitgebracht in diesen vier Blättern des «Katholischen Sonntagsblattes», wo in jedem Blatt mindestens zwei volle Seiten gewidmet waren demjenigen, was Ihnen dargestellt worden ist. Derjenige, der sich in dieser Weise einstellt wie der Rezensent der letzten Vorträge, der heute auch wieder anwesend ist, möge einen x-beliebigen Punkt herausgreifen aus diesen Darlegungen und möge fordern, daß auf diesen Punkt eingegangen werde und Rechenschaft gegeben werde. Und dann, wenn darauf eingegangen wird, dann möge er sein Urteil darüber bilden. Das ist ein Thema, das zur Diskussion gestellt ist. Es wird in einigen Minuten die Diskussion einsetzen in der Weise, daß? Gelegenheit geboten sein wird, mündliche oder schriftliche Fragen zu stellen oder das Wort zu ergreifen. Pause Roman Boos: Zur geschäftsordnungsmäßigen, formell richtigen Durchführung der Diskussion sei gebeten, daß derjenige, der sich mündlich auszusprechen und nicht nur eine kurze Anfrage zu stellen wünscht, sich hier nach vorne begibt und von hier aus spricht. Ferner ist gewünscht, dafs derjenige, der hier spricht, seinen Namen nennt. Daß die Form des Anständigen in jeder Hinsicht gewahrt bleibt, ist wohl selbstverständlich. Wer möchte eine dieser vier Nummern oder alle vier zur Durchsicht haben, um Punkte herauszugreifen, auf die er Rechenschaft fordern will? - Wer möchte in einem einzigen Punkte behaupten, daß dasjenige, was heute im Gegensatz gesprochen worden ist zu dem, was niedergeschrieben ist in jenen vier langen Artikeln, nicht der Wahrheit entspreche? Wer möchte behaupten, daß das andere der Wahrheit entspreche? - Wer möchte behaupten, daß eine einzige jener dreiundzwanzig faustdicken Lügen, die ich festgenagelt habe in dem «Tagblatt für das Birseck-, Birsig- und Leimental», daß eine dieser faustdicken Lügen keine Lüge sei? - Wer möchte der Behauptung widersprechen, daß Personen, die so etwas tun, wie es hier vorgefallen ist, und die so etwas schreiben, wie es nun im «Katholischen Sonntagsblatt» des Kantons Baselland, Redaktion Pfarrer Arnet in Reinach, jetzt Sonntag für Sonntag geschrieben wird, daß solche Personen einen groben Mißbrauch ihrer priesterlichen Pflicht vollziehen? Wer möchte dagegen Verwahrung einlegen? Ich stelle fest: Ich habe Pfarrer Arnet von Reinach öffentlich vorgeworfen, daß er in schwerster Pflichtverletzung mißbraucht hat das Vertrauen, das ihm als katholischem Geistlichen entgegengebracht wird von denjenigen, die seine Zeitung lesen. Ich habe feststellen müssen: Es ist nicht für eine einzige Behauptung der Beweis erbracht worden. Es wurde ja dann von einem anderen, dem «Spektator», der ihm zu Hilfe kam, behauptet, er werde den Beweis antreten für die Richtigkeit der Behauptungen, die Arnet in seinem Blatte aufgestellt hatte. Ich stelle fest, daß deshalb zu Recht besteht und aufrecht erhalten bleibt, daß Pfarrer Arnet in Reinach in schwerster Pflichtverletzung diejenigen Pflichten, die ihm zuerteilt und auferlegt sind als katholischem Geistlichen, in gröblicher Weise verletzt hat. Ich stelle fest, daß er sich weiterhin solidarisch erklärt mit dem Inhalte der Spektator-Artikel und daß ich ihn deshalb persönlich als einen Verleumder und moralischen Giftmischer bezeichne. Ich richte an jeden, der mir widersprechen will, die Bitte, dies Herrn Arnet mitzuteilen. Karl Sauter: Herr Präsident, sehr verehrte Anwesende! Sie haben auch gewünscht, daß derjenige, der die Diskussion ergreift, aufs Podium sich begibt. Ich habe vorläufig nur einen Satz zu sagen, deshalb bleibe ich auch hier an dieser Stelle. Ich verwahre mich dagegen, daß eine solche Versammlung im Goetheanum oben als öffentlich taxiert werde. Eine öffentliche Versammlung wäre das, wenn die Herren, die Freunde dieser Richtung, nach Arlesheim heruntergekommen wären und nachgesucht hätten, im Gemeindesaal ihre Sachen vorzutragen. Das ist Öffentlichkeit. Und dann haben Sie auch eine Opposition nicht bloß von einem Sprecher zu gewärtigen, die vielleicht insgemein der Wahrheit dienen kann im Sinne der Öffentlichkeit. Hier oben aber ist der Sache nicht Genüge getan, wenn Sie die Diskussion da hinauf verpflanzen - das ist nicht Öffentlichkeit. Ich habe vorläufig geschlossen. Rudolf Steiner: Ich darf darauf nur sagen, was ich heute abend schon gesagt habe: Wenn jemandem dreiundzwanzig Lügen an den Kopf geworfen werden, so ist derjenige verpflichtet, der diese dreiundzwanzig Lügen vorgebracht hat, sie zu beweisen. Und es ist eine Unmöglichkeit, diejenigen, denen diese dreiundzwanzig Lügen an den Kopf geworfen werden, aufzufordern, sie sollen den Lügnern nachlaufen und ihnen irgendwo, wo die Lügner es wünschen, erwidern, daß sie gelogen haben. Das ist eine sonderbare Art, von denjenigen, die in dieser Weise angegriffen worden sind, zu fordern, daß sie ihren Angreifern nachlaufen. Karl Sauter: Sie können den Sprechenden doch nicht verpflichten und auch Katholiken nicht verpflichten, da hinauf zu laufen, um sich zum Wort zu melden. Es ist Ihnen gewiß die Freiheit gestellt, die Diskussion mündlich zu ergreifen oder im Sinne der Presse, und es ist eine Ehre für uns Katholiken, gewiß, daß Sie das «Katholische Sonntagsblatt» so unter die Lupe nehmen. Es ist nicht fertig; die Entwicklung schreitet weiter. Man kann darum heute abend noch nicht zu Ende sprechen, weder ich noch Sie. Kommen Sie das nächste Mal nach Arlesheim hinunter, da wollen wir uns wiedersehen.
Rudolf Steiner: Das ist ja eine sonderbare Art, wenn man gerade gesagt hat, daß man nicht den geringsten Anlaß habe, nach Arlesheim hinunterzugehen, dann zu sagen, wir sollen doch kommen.
Aber ich möchte zum Schlusse noch folgendes aussprechen: Bedenken Sie nur, daß jetzt schon wiederum gesagt worden ist, daß wir hinuntergehen sollen nach Arlesheim, um dort was weiß ich was zu tun. Von jener Seite her sind dreiundzwanzig, ich will jetzt in diesem Falle nur sagen objektive Unwahrheiten in die Welt gesetzt worden. Diese objektiven Unwahrheiten wurden von uns als solche bezeichnet. Das wurde sehr vor der Öffentlichkeit gemacht. Darauf wurde in Artikeln - es sind bis heute vier erschienen erwidert. Es wurde in keinem dieser Artikel auf einen einzigen jener dreiundzwanzig Punkte eingegangen, sondern neue Unwahrheiten wurden auf die alten daraufgesetzt. So entwickeln sich die Sachen, so schreiten sie fort. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, aber fast in jedem Artikel finden Sie die Phrase, die jetzt eben wieder gesprochen worden ist, man solle nur warten, bis der letzte Artikel kommt. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, bis der letzte kommt! Aber es ist nicht möglich, daß irgend jemand fordert, daß diejenigen, denen dreiundzwanzig Lügen an den Kopf geworfen worden sind, dem anderen nachlaufen, damit der andere in seiner Art vor einem ihm gefügen Publikum neues Unwahres sagen kann. Es steht jedem frei, hier heraufzukommen und von uns die Wahrheit zu hören. Wir wollen nur von hier aus die Wahrheit verbreiten.
Meine sehr verehrten Anwesenden, denken Sie nur einmal, welche Logik darinnen steckt. Man sagt uns: ihr habt gesagt, ihr treibt keine Propaganda. — Wir haben, sagte ich heute abend, diesen Bau nicht aufgeführt, um hierinnen bloß Singspiele aufzuführen, sondern um Anthroposophie zu treiben. Wir haben uns nicht darauf einzulassen, irgendwie dasjenige, was wir hier zu sagen haben, was wir hier sagen wollen, irgendwie nach Arlesheim hinunterzutragen, sondern wir haben es hier gesagt. Dasjenige, was angegriffen worden ist, ist hier vertreten worden. Und ich muß es als eine unerhörte Dreistigkeit bezeichnen, wenn dasjenige, was nur hier vertreten worden ist, mit Lügen ausstaffiert wird. Man verlangt, wir sollen nun hinuntergehen nach Arlesheim, um dort dasjenige aus der Welt zu schaffen, was die Unwahrheit ist. Oder ist das vielleicht wieder eine neue Schlauheit, um später sagen zu können: Jetzt beginnen sie sogar in Arlesheim unten ihre Propaganda!
Roman Boos: Möchte jemand das Wort ergreifen? Bitte, Herr Hartwig. Walther Hartwig: Verehrte Anwesende! Gestatten sie mir einige wenige Worte. Sie haben heute abend gehört, was alles geschehen kann gegen das Geistesgut, dem wir nachstreben. Ich kann nur einiges hinzufügen: Aus dem heutigen Abend kann sich nur ergeben, daß wir uns zusammenreißen und dastehen müssen, jeder einzelne wie ein Fels, und einsetzen, was wir einsetzen können, um dieser Lügenbrut den Boden abzugraben. Roman Boos: Ich möchte doch nicht unterlassen, eine Feststellung noch vorzunehmen. Es wurde soeben von dem Herrn Lehrer Sauter mitgeteilt, daß die Sache nicht fertig sei, sondern ihren Fortgang nehmen werde. Ich werde immer darauf beharren, daß die Sache ihren Ausgang genommen hat von den dreiundzwanzig faustdicken Lügen, und daß das, was da den Fortgang nimmt, eben eine Fortsetzung ist desjenigen, was dort seinen Anfang genommen hat. Und deshalb wird es vor allen Dingen einmal darauf ankommen, etwas seinen Fortgang nehmen zu lassen, was nicht einen solchen Ausgangspunkt hat. - Möchte noch jemand das Wort ergreifen? Curt Englert: Verehrte Anwesende, es ist auch an der Zeit, daß nun einmal von uns Schweizern hier ein Wort gesagt wird. Bisher wurde geredet von Herrn Dr. Steiner, und er hat seine Sache geführt. Er konnte nicht so reden, wie er hätte reden können, wenn er ein Schweizer wäre. Und darum ist es die Pflicht auch derjenigen Menschen, die der Anthroposophie anhängen und die Schweizer sind, einmal auszusprechen vor aller Öffentlichkeit, was sie sagen müssen zu dem, was von hier oben ausgeht. Ich bin Schweizer und nicht ein Papierschweizer, sondern aus gutem Schweizerblut. Und man hat überall in unserem Lande, seit die Hetze losgegangen ist, immer uns vorgeworfen: Von Dornach aus, da wird alldeutscher Geistesimperialismus vertreten, da wird die Schweiz verseucht mit Ideen aus dem «großen Kanton», wie’s im Volksmund heißt; Schweizertum, Schweizerart ist in der Gefahr, von deutschem Geistesimperialismus überwältigt und vernichtet zu werden. -— Diese Gründe werden angeführt von allen Parteien, sowohl von der katholischen Seite, die hier hetzt, als auch von den Nationalen, die hetzen und ihre Umtriebe machen. Demgegenüber ist zu sagen, daß rein in dem, was hier vertreten wird, nirgends und nie irgendwelche nationalen Sachen vertreten werden. Im Gegenteil: Dr. Steiner sagt gerade, daß jedes Volk, jede Nation ihren eigenen Wert und ihre Aufgabe hat, mitzuhelfen an der geistigen Entwicklung der Menschheit, und nie wird weder der Vorrang des Deutschtums noch der Vorrang irgendeiner anderen Nation hier vertreten, sondern jeder Mensch soll als Angehöriger seiner Nation mit seinen Kräften beitragen zu dem, was man die Menschheitsentwicklung nennt. Und wenn man schon so fragt: Woher beziehen denn diejenigen, die hier in der Schweiz gegen das Ausländertum schimpfen und namentlich schimpfen gegen das, was von hier ausgeht, woher beziehen denn die ihre Direktiven? Wer hört nach Rom hinüber? Ist das erwa Schweizertum, nach Rom hinüberzuhören? Oder haben diejenigen Menschen in der Schweiz noch ein Recht, von Schweizertum zu reden, die am 16. Mai sich dem Völkerbund angeschlossen haben? Nein, sie haben es nicht mehr. Und unsere Aufgabe ist, daß wir, die wir freie Schweizer sind, Menschheitsgedanken aufnehmen in ihrer wahren Form und nicht irgendwelche Gruppennationalitäten vertreten. Deshalb sind wir Schweizer und werden wir Schweizer bleiben, ohne einen Deut von Schweizertum aufzugeben. Im Gegenteil, unser Volkstum kann nur schweizerisch bleiben, wenn wir aus den Tiefen der Geisteswissenschaft es veredeln und vertiefen. Und wenn unser Volk am Fremdtum zugrundegeht, wenn es nicht gesund und stark genug ist, allen fremden Einflüssen zu widerstehen, dann ist es wert, zugrundezugehen. Roman Boos: Herr Sauter hat das Wort. Karl Sauter: Ich möchte die Versammlung doch anfragen, ob es ihr unangenehm gewesen ist, daß sie auch einmal eine andere Stimme in der Sache gehört hat. Das ist erstens einmal Tatsache. Und zweitens merkt man doch - ich will das zum Schluß noch anerkennen -, daß diese Richtung eine von denjenigen ist, die mithelfen und mitgeholfen haben, den Zeitgeist zu entmaterialisieren, und auch die Naturwissenschaft. Das gebe ich heute gern zu. Und ich bin nicht derjenige, der jetzt hätte wollen einen Streit entfachen in dieser Sache; aber Sie fordern die Diskussion, und ich habe mir herausgenommen, das zu benützen. Es wird mit dem heutigen Abend noch nicht fertig sein. Das kann ich Ihnen glauben, und Sie werden uns glauben, und es ist vielleicht gut, daß die Diskussion auch in der breiten Öffentlichkeit durch das Mittel der Presse, sei es von links oder rechts, von oben oder unten, befördert wird. So gibt’s dann auch im Verlaufe dieses Jahres wahrscheinlich Klarheit, und da können wir nächstes Jahr miteinander über das reden, was übrig blieb. Also in diesem Sinne möchte ich schließen. Roman Boos: Ist nicht vielleicht Herr Sauter jener «katholische Lehrer», der die Bemerkung angebracht hat im «Volksblatt»: «Für eine Diskussion wurde keine Gelegenheit geboten»? Karl Sauter: Da ist auch keine Diskussion gewesen. Roman Boos: Das wurde dort in dem Sinne registriert, als ob Katholiken, die den Wunsch gehabt hätten, das Wort zu ergreifen, das von uns nicht gestattet worden wäre. Deshalb wurde heute Gelegenheit dazu geboten. Und nun wird gesagt, wir würden zur Diskussion herausfordern. Wenn das nun so weitergeführt werden soll, wird sich diese Taktik wohl auch weiter einnisten. Bevor vernünftig diskutiert werden kann, muß erst einmal sauber gearbeitet werden und muß der Schmutz weggeschafft werden, sonst könnte es sich ereignen, daß bei einer Partei, die so viel Schmutz an ihren Waffen hat, die Sache auch einmal zum Krachen kommt. Denn es ist noch durchaus nicht gesagt, daß der Sieg auf jener Seite sein müsse. Es kommt nun darauf an, ob bei unserem Schweizervolk noch so viel Anstand und inneres Gefühl für Sauberkeit vorhanden ist, daß man auch danach urteilt, ob mit sauberen Waffen gekämpft wird oder nicht. Meldet sich noch jemand zum Wort? Es sind vor dem Vortrage bereits einige schriftliche Fragen gestellt worden. Vielleicht ist es Herrn Dr. Steiner noch möglich, darauf einzugehen. Das ist im Sinne eines Schlußwortes gemeint, indem dann nachher keine Fortsetzung der Diskussion mehr stattfindet.
Rudolf Steiner: Die Fragen, die gestellt worden sind, meine sehr verehrten Anwesenden, sind schon vor dem Vortrag gestellt worden. Erstens:
Wie kommt es, daß Ihre Wissenschaft dem Bösen so viel Macht zuschreibt, da Gott allmächtig ist, nebst ihm keine Macht existiert?
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, das heißt einen Satz aufstellen, der ja zunächst einmal im höchsten Maße unbestimmt ist, denn es wird gesagt: Wie kommt es, daß Ihre Wissenschaft dem Bösen so viel Macht zuschreibt? — wieviel denn? Dann aber wird hier nur in dem Sinne gefragt, inwiefern man das Böse begreifen kann, das immerhin eine Macht darstellt, trotzdem in gewissen Bekenntnissen von der Allmacht Gottes gesprochen wird. Ich möchte einmal den, der Gott die alleinige Macht zuschreibt und neben ihm keine andere Macht anerkennt und der dann Gott identifiziert nur mit dem, was nicht böse ist, ich möchte den einmal darüber sprechen hören, wie er überhaupt das Dasein des Bösen mit der Existenz Gottes in Einklang bringt. Von uns aus, von dem, was hier vom Goetheanum aus vertreten wird, kann man nur sagen, daß eben die Verpflichtung gefühlt wird, das Dasein des Bösen trotz der Durchgöttlichtkeit der Welt zu erklären. Zweitens:
Werden durch die Reinkarnation alle Menschen zum Göttlich-Geistigen geführt? Wie steht es dann mit dem Satze: Viele sind berufen, aber wenige auserwählt?
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, ich habe ja eigentlich über den Satz: Viele sind berufen, aber wenige auserwählt - in seiner schroffsten Form, in der Form, in der ihn Augustinus vertreten hat, in den Pfingstvorträgen gesprochen. Und das, was hier gesagt wird, kann ich nun verbinden mit einer anderen Frage, die hier gestellt worden ist, auch vor dem Vortrage:
Warum ist doch Christus gestorben für uns, da in jedem Menschen durch viele Erdenleben hindurch das ausgeglichen wird, was in verflossenen Erdenleben verschuldet worden ist?
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, Sie müssen bedenken, daß der Christus, die Christus-Tat, das Ereignis von Golgatha, zu tun hat mit der Menschheit, mit der Menschheit als solcher, und Sie müssen vor allen Dingen ins Auge fassen, was hier über die Paulinischen Worte gesagt wird: «Nicht ich, sondern der Christus in mir». Indem Zusammen-Verstehen dieser beiden Dinge: daß der Christus für die Menschheit gestorben ist und daß der Christus i» mir — nicht ich -— dasjenige ist, was das eigentlich Wirksame im Weltenprozesse ist, in dem Zusammen-Verstehen dieser beiden Tatsachen liegt die Möglichkeit, sich Aufschluß zu verschaffen über jenen Unterschied, der besteht zwischen dem Schicksal der Menschheit und dem Schicksal des einzelnen Menschen. Man denke sich nur einmal, zu welchen Konsequenzen es führen würde, wenn vorgestellt würde, daß der Mensch rein passiv bleiben könnte und dennoch durch Christus erlöst werden könnte. Aber um alle diese Dinge handelt es sich ja nicht, sondern es handelt sich darum, daß die wiederholten Erdenleben ganz unabhängig von allem anderen von der Geisteswissenschaft untersucht werden, so wie von der physischen Wissenschaft meinetwillen die Mutation oder irgendein anderer Vorgang untersucht wird, und daß Geisteswissenschaft eben einfach diese wiederholten Erdenleben als eine Erkenntnis sich erobert. Da handelt es sich dann darum zu erforschen, welche Kraft der Christus-Impuls innerhalb der Weltenentwicklung hat, in die eben die wiederholten Erdenleben hineingestellt sind.
Verwandt ist also die Denkweise, die zu solchen Fragen führt, mit dem, was hier nun als weitere Frage auftritt:
Wie kommt die Anthroposophie dazu, von Wiederverkörperung des Menschen zu sprechen, da ja in der Bibel an keiner Stelle dieses gesagt wird?
Meine sehr verehrten Anwesenden, bedenken Sie nur einmal, daß in der Bibel auch nicht gesagt wird, daß Amerika existiert - oder wird es gesagt? Ich denke nicht. Dennoch wird sich niemand davon abhalten lassen, das Dasein von Amerika anzuerkennen, trotzdem er auf dem Boden der Bibel steht. Es ist ein großer Unterschied, ob man wirklich auf dem Boden der Bibel steht oder ob man auf dem Boden von Leuten steht, die sich einbilden, den Inhalt der Bibel einzig identisch vertreten zu dürfen. Sehen sie, meine sehr verehrten Anwesenden, in der katholischen Kirche war es ja lange Zeit verboten, die Bibel überhaupt zum Lesen zu geben den Gläubigen. Und man könnte sehr viel darüber erzählen, was dann eben dazu geführt hat, die Bibel nun auch den katholischen Gläubigen in die Hand zu geben. Aber all das, was so aus gewissenhaftem Forschen hervorgeht, würde ja zu nichts führen, wenn doch immerfort nur auf solchen Grundlagen diskutiert wird, wie nun mit uns diskutiert wird. Denn es braucht jemand nur ein wenig hineinzuriechen in meine Schriften, und er wird finden, was ich im Vortrage sagte: daß ein gut Stück meines Lebens darauf verwendet worden ist, die Kantsche Erkenntnistheorie zu widerlegen. Wenn einem dann doch entgegengehalten wird, daß man Kant als einen Gegensatz bloß um des Kontrastes willen in die Vorträge über den Thomismus hineingebracht habe, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, muß auch gesagt werden: Denken und meinetwillen in seinen Kreisen aussprechen mag ein jeder, was er will; derjenige, der aber öffentlich vor die Welt hintritt, muß, bevor er eine solche Behauptung tut, sich erst davon überzeugen, ob er eine solche Behauptung tun darf. Und eine solche Behauptung darf man ganz gewiß nicht tun gegenüber jemandem, der seit vierzig Jahren gegen den Kantianismus im Kampfe steht.
Es ist noch eine Frage gestellt worden:
Ist das Christentum die Fortsetzung der orientalischen, theosophischen Weisheit? Wenn ja, wie lassen sich die beiden miteinander verbinden?
Nun, darüber habe ich in meinem Vortrage einiges angegeben. In meinen Schriften, namentlich in meinem Buch «Das Christentum als mystische Tatsache», finden Sie ja Reichliches darüber, wie überhaupt gerade in diesen Fragen die Literatur, die von mir ausgeht, Reichliches darüber sagt. Sehen sie, es ist gesagt worden, daß die Vorträge über den Thomismus ohne Diskussion geblieben sind. Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, wenn ich einmal wieder, sagen wir über Scotus Eriugena oder sagen wir über Augustinus oder sagen wir über den späteren Nominalismus, über die Philosophie von Thomas von Aquino und Kant, oder wenn ich über Schelling oder Hegel oder über Lessing reden sollte, ja, meine sehr verehrten Anwesenden, dann muß es mir freistehen, ob ich dasjenige, was ich durch jahrzehntelange Forschung mir erobert habe, aussprechen will oder nicht, und ob sich daran eine Diskussion anschließen kann oder nicht. Das muß mir durchaus freistehen, und ich werde mir auch in Zukunft das Recht nicht nehmen lassen, Vorträge zu halten, auch wenn keine Diskussion sich daran anschließen kann. Es könnte einem ja wirklich aller Geschmack an Diskussionen vergehen, wenn man die Erfahrung machen muß, daß einem in der Diskussion mit einem solchen Niveau begegnet wird, wie das ist, wenn gesagt wird - ich weiß nicht, von welcher Seite das gesagt worden ist, aber es ist ja ausgesprochen worden -, wenn jemandem, der sich vierzig Jahre lang damit beschäftigt hat, das Verhältnis von Kant zu anderen Weltanschauungen festzustellen, gesagt werden kann, daß der das nur des Kontrastes willen tue. Da läßt sich allerdings recht schwer diskutieren. Wenn man jedes Wort, das man ausspricht, ich möchte sagen mit seinem Herzblut erobert hat, dann, meine sehr verehrten Anwesenden, dann denkt man auch über den Wert von Diskussionen etwas anders, als diejenigen denken können - können sage ich ausdrücklich -, die aus solchen Seelengründen heraus, wie ich sie eben charakterisiert habe, in Diskussionen eintreten. Und noch einmal muß ich deshalb sagen: Ich finde es zum mindesten sehr sonderbar, wenn jemand, der sich auf die Seite derjenigen stellt, die dreiundzwanzig objektive Unwahrheiten wider uns ausgesprochen haben, der bis jetzt trotz vier Artikeln - nicht im «Bayerischen Vaterland», man könnte es dem Stil nach damit verwechseln, nein im «Katholischen Sonntagsblatt» heißt es -, der trotz dieser vier Artikel nicht einmal einen Anlauf genommen hat, um irgend etwas von diesen dreiundzwanzig Lügen irgendwie zu rechtfertigen, wenn dieser jemand sagt: Wartet’s nur ab, die Sache wird schon kommen.
Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, die dreiundzwanzig Behauptungen, die damals getan worden sind, sind eben unwahr, und die werden durch keine folgende Diskussion als wahr erwiesen werden können. Was wollen Sie denn diskutieren? Beweisen Sie, versuchen Sie zu beweisen, wenn Sie diskutieren wollen, einen einzigen jener dreiundzwanzig Punkte! Fangen Sie einmal an und verweisen Sie uns nicht immer an das Ende, sonst könnten Sie am Ende mit diesem Ende erst dann kommen, wenn uns die Sache tatsächlich zu langweilig geworden ist oder wenn die Sache auf irgendeine Weise einen anderen Ausgang genommen hat.
Ich finde es sehr sonderbar und andere wohl auch, daß verlangt wird, man solle auf das Ende warten, wenn der Anfang in einer solchen Weise erfolgt ist, wie das erfolgt ist. Welches Ende soll denn irgend etwas anders machen von dem, was dreiundzwanzigmal am Anfang erlogen ist, was niemals als Wahrheit erwiesen werden kann? Ist das Diskutieren, wenn man sagt: Wartet auf das Ende - ? Diskutieren wäre, wenigstens irgendeinen Versuch zu machen, von den dreiundzwanzig Unwahrheiten irgendeine zu rechtfertigen. Gekonnt würde es ja auf keinen Fall, denn es sind eben Unwahrheiten.
Roman Boos: Damit ist die Veranstaltung geschlossen.
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Fußnote von Rudolf Steiner im Erstdruck: Wer in der Lage lebt, daß er von der Gesellschaft oder Gemeinschaft, in der er lebt, seine Anschauung sich diktieren läßt, der kann wohl kaum die Stellung verstehen, die ich der Theosophischen Gesellschaft gegenüber eingenommen habe. Ich habe mir nie von ihr eine Anschauung oktroyieren lassen, aber ich habe in ihr vorgetragen, wie ich überall vortragen werde, wo man meine Anschauung hören will. Dies erscheint mir vollberechtigt. ↩
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Fußnote von Rudolf Steiner im Erstdruck: Diese letzten Sätze konnte ich damals sprechen, denn es waren die hier gemeinten Aufsätze anonym erschienen; ich brauchte nicht zu glauben, daß sie von Pfarrer Kully herrühren. Später sind sie gesammelt als Broschüre erschienen, und Pfarrer Kully bekannte sich als Verfasser. Ich lasse die Sätze stehen, damit man nicht sage, ich unterdrücke etwas von dem Gesprochenen. ↩
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Fußnote von Rudolf Steiner im Erstdruck: Die Krone im Leisten von objektiven Unwahrheiten wird in katholischen Blättern der hiesigen Umgebung erreicht mit dem Artikel, der jetzt erschienen ist: «Die gestohlene Dreigliederung». Der ist von dem «Leuchtturm» in Lorch abgedruckt. Es wird behauptet, ich hätte, bevor ich die Dreigliederung des sozialen Organismus zu vertreten begonnen habe, eine Schrift einer Dame zugeschickt erhalten, in der diese Dreigliederung schon enthalten war. Nun, erstens ist das alles gelogen, denn ich habe nichts dergleichen zugeschickt erhalten, zweitens habe ich die Dreigliederung vor vielen Leuten vertreten selbst vor jenem Zeitpunkt, in dem ich jene Schrift erhalten haben soll. Drittens ist für mich - die Druckschrift jener Dame, die erst vor kurzem erschienen ist, ist mir vor ein paar Tagen zugegangen — das, was jene Dame behauptet über ihre Dreigliederung, völliger Unsinn, törichtes, dilettantisches, unklares Geschwätz. Das Schönste aber ist, daß selbst diese Dame nicht behaupten kann, meine Dreigliederung habe mit der ihrigen etwas zu tun. Deshalb sagt sie, ich hätte zwar ihre Sache gekannt, aber verpfuscht. Das Ganze ist zu töricht, um es bös zu finden. Aber die katholische Presse findet es gut genug, es abzudrucken. Ich rate jedem Leser des törichten Geredes, die Schrift jener Dame zu lesen, in der sie mich des Diebstahls beschuldigt; sie heißt «3:5,5:8 = 21:34. Das Geheimnis, die Schuldenlasten in absehbarer Zeit tilgen zu können» und ist von Elisabeth Metzdorff-Teschner. Wer nach dem Lesen dieser Schrift, deren Inhalt so mystisch ist wie der Titel, noch an die gestohlene Dreigliederung glaubt, den möchte ich kennen. ↩
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Fußnote von Rudolf Steiner im Erstdruck: Das muß eben zugestanden werden, daß die Methode der älteren Kirchenlehrer, heute von Menschen angewendet, nicht zu den Ergebnissen führt, die diejenigen als Dogmen behaupten, welche die Anthroposophie als Ketzerei erklären. Aber eine wirklich logische Denkweise kann nicht anders, als diesen Schlag ins Gesicht der Logik ablehnen. ↩
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Fußnote von Rudolf Steiner im Erstdruck: Wie oben gesagt, ist es später noch bewiesen worden. ↩
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Fußnote von Rudolf Steiner im Erstdruck: Vielleicht ist es, um allerlei Leuten nicht wieder Anlaß zu «Mißverständnissen» zu geben, nötig, daß ich ausdrücklich sage, ich meine mit den «katholischen Theologen», von denen ich eben gesprochen habe, nicht Franz Brentano. ↩