An die Aktionäre der Futurum AG

Sehr geehrter...!

Gestatten Sie, dass ich in der Angelegenheit des Futurums an Sie herantrete. Durch die Fusion dieses Unternehmens mit der Internationalen Laboratorium-Aktiengesellschaft in Arlesheim ist der Letzteren eine große Last zugewachsen. Diese wirkt umso drückender, als mit der Laboratorien-Gesellschaft das Klinisch-therapeutische Institut in Arlesheim bisher noch verbunden ist. Dieses Institut ist — unter Frau Dr. Wegmans Leitung - in meinem Sinne eine wirkliche Musteranstalt, wie sich eine solche die Anthroposophische Gesellschaft nur wünschen kann. Es liegt nun im Karma dieser Gesellschaft, möglichst bald dieses Institut ganz in das Goetheanum einzugliedern. Und ich habe ja bei der Weihnachtstagung den entschiedenen Willen ausgesprochen, solchen karmischen Zusammenhängen Rechnung zu tragen. Dazu ist nun notwendig, dass von einzelnen Mitgliedern Opfer erbeten werden. Es wird mir unmöglich gemacht, dies Klinisch-therapeutische Institut in entsprechender Art dem Goetheanum einzugliedern, wenn der mit ihm verbundenen Laboratorium-Gesellschaft die gesamte Aktienlast des in Liquidation befindlichen Futurums zufällt. Geholfen wäre nur dann, wenn diejenigen Mitglieder, die Aktionäre des Futurums waren, und die in der Lage sind, das Opfer zu bringen, ihre Aktien entweder ganz oder teilweise dem Goetheanum als Geschenk anbieten würden. Dadurch könnte erreicht werden, dass die Aktienlast, welche die Laboratorium-Gesellschaft übernimmt, diese gesund und aussichtsvoll machen könnte, und die Klinik, deren Gedeihen mir vor allem auf dem Herzen liegen muss, würde der Sorgen, die sie drücken, enthoben sein. Denn sie würde in ihrem Wert reichlich dem Aktienkapital entsprechen, das durch die oben gekennzeichneten Geschenke dem Goetheanum zufiele und das aus der Belastung der Laboratorium-Gesellschaft herausgezogen werden könnte. Es wird dann dafür gesorgt werden können, dass durch Gedeihen der Laboratorium-Aktiengesellschaft die dem Goetheanum geschenkten Aktien später wieder für die Schenker Dividenden ergeben.

Es ist ja richtig, dass das Goetheanum dadurch, dass auf diese Art ihm Aktienkapital der Futurum in Liquidation zufällt, nichts an seinem Fonds gewinnt; allein der geistige Gewinn, der durch den Anschluss der Klinik an das Goetheanum erreicht wird, ist ein so bedeutsamer, dass ich bei unseren Mitgliedern, die Aktionäre sind, dafür Verständnis zu finden hoffe.

Es würde dadurch ja auch erreicht, dass für diejenigen Mitglieder, die Aktionäre sind, und die auf ihre Dividenden angewiesen sind, keine weitere Reduktion durch nochmalige Abschreibung eintreten würde.

Ich muss gestehen, dass ich diese Zeilen nur mit schwerem Herzen geschrieben habe. Allein ich muss schon sagen: Eben deswegen, weil ich mich durch die Persönlichkeiten, die in der Zeit, als ich kein Amt in der Anthroposophischen Gesellschaft bekleidete, an allerlei Gründungen herantraten und die sich dann mehr oder weniger zurückgezogen haben, so schr im Stiche gelassen fühle, habe ich mich entschlossen, auf der Weihnachtstagung den Vorsitz der Anthroposophischen Gesellschaft zu übernehmen. Da muss ich dann alles tun, was denjenigen Institutionen, die wie die Dr. Wegman’sche Klinik wirklich ganz in dem von mir als anthroposophisch angesehenen Sinne geführt werden, die Wirkungsmöglichkeit gibt. Ich habe mich nur mit dem größten Widerwillen seinerzeit entschlossen, den Vorsitz des Futurums, dessen Gründung nicht von meiner Initiative ausging, zu übernehmen. Ich bin in keiner Weise unterstützt worden von den Persönlichkeiten, die diese Initiative ergriffen haben. Meine Warnungen blieben ungehört. Ich werde es jetzt, da ich selbst den Vorsitz in der Anthroposophischen Gesellschaft innehabe, nicht mehr zulassen, dass anderes geschieht als dasjenige, das in den reinen anthroposophischen Linien liegt. Man wird sagen: Warum habe ich damals zu den Dingen «Ja» gesagt? Nun, diejenigen, die sie inauguriert haben, würden, wenn ich anders als warnend aufgetreten wäre, vielleicht heute sagen: Hätte man uns damals gewähren lassen, so könnte man jetzt das Goetheanum mit dem erwirtschafteten Futurum-Erträgnis aufbauen. Man musste den Leuten Gelegenheit geben, zu zeigen, was sie können. Es ist mit dem einen Falle genug; die Auswirkung der Weihnachtstagung wird dafür sorgen, dass er sich nicht wiederhole.

Mit freundlichem Gruß
Rudolf Steiner

German original of To the Shareholders of Futurum AG · ← Previous · Next →