81. Über deutschnationale Kampfdichter in Österreich

Die stürmischen nationalen Kämpfe innerhalb Österreichs haben bewirkt, dass man sich heute mehr als noch vor kurzer Zeit mit den komplizierten Kulturverhältnissen dieses Staates auch außerhalb seiner Grenzen befasst. Doch sind die Vorstellungen, die man durch die erhöhte Aufmerksamkeit von dem Denken und Fühlen der österreichischen Völker sich gebildet hat, noch immer sehr mangelhafte. Ein großer Teil der Reichsdeutschen kennt dieses Denken und Fühlen so gut wie gar nicht. Ich will auf eines hinweisen. Der Kampf, den die Deutschen um ihre Nationalität führen, hat eine deutschnationale Kampfdichtung erzeugt, von der außerhalb Österreichs wohl kaum gesprochen wird. Zu den poetischen Kämpfern der Gegenwart gehören: Aurelius Polzer - der unter dem Pseudonym Erich Fels seine Gedichte veröffentlicht -, Adolf Harpf - unter dem Namen Adolf Hagen -, Keim, Naaff und viele andere. Der Kunstwert der auf diesem Gebiete entstehenden Dichtungen ist allerdings zumeist kein sehr hoher. Dennoch verdient die ganze Strömung Beachtung. Denn sie singt davon, wie ein großer und wichtiger Teil der österreichischen Deutschen denkt und empfindet. Es ist viel Charakter, Kraft und Herz in den Liedern dieser deutschen Dichter Österreichs. Es soll nun hier auf eine Schrift eines dieser Dichter aufmerksam gemacht werden. Adolf Hagen hat soeben ein Heft «Über deutschvolkliches Sagen und Singen» erscheinen lassen (Leipzig 1898). Er schildert das Wesen der deutschen Volksseele vom Gesichtspunkte des deutschnational gesinnten Österreichers aus. Das Büchelchen ist ein gutes Mittel, manches über Österreich zu erfahren, wovon man sich in Deutschland auf andere Weise nur schwer Kenntnis verschaffen kann.

German original of On German National Poet's Struggle in Austria · ← Previous · Next →