Course for Young Doctors

GA 316 — 25 April 1924, Dornach

Fünfter Vortrag

Meine lieben Freunde!

Ich möchte heute noch einiges im Anschluß an die gepflogenen Betrachtungen Ihnen mitteilen und nachher ein wenig eingehen auf das allgemeine Thema, auf das sich die einzelnen von Ihnen ausgegangenen Fragen beziehen. Ich möchte jetzt etwas sagen, was gut ist, erst zu betrachten, wenn man solche Erkenntnisse hat vorangehen lassen, wie sie in den letzten Tagen gepflogen worden sind. Es ist namentlich notwendig, daß man allgemeine Wahrheiten nicht an die Spitze der Betrachtungen stellt, sondern daß man erst, wenn man einiges erlebt hat, in das Allgemeine übergeht, weil das Allgemeine dadurch erst seine wirkliche, reale Färbung bekommt. Und so wollen wir jetzt vor uns hinstellen, daß von den vier Gliedern der menschlichen Natur, physischer Leib, Ätherleib, Astralleib und Ich, jedes dieser Glieder seine besondere Struktur hat. Physischer Leib und Ätherleib haben eine räumlichzeitliche Struktur, Astralleib und Ich eine rein geistige Struktur. Eine rein geistige Struktur hat man sich dadurch vorzustellen, daß man sich ‚sagt: Räumlich-zeitlich ist die geistige Struktur nicht. Raum und Zeit ist da fort. - Wenn ich mir aber im Bilde die Sache so vorstelle, kann ich mir die geistige Struktur auch verbildlichen, sie dadurch auch zur Vorstellung bringen. Das geschieht im imaginativen Bewußtsein. Nun halten Sie aber daran fest, daß wir es zu tun haben mit einer physisch-ätherischen Struktur auf der einen Seite, die beim schlafenden Menschen von der geistig-seelischen Struktur ganz abgetrennt ist, und auf der andern Seite mit einer geistig-seelischen Struktur.

Sehen Sie, wenn wir den schlafenden Menschen betrachten, haben wir eine ausgesprochene physisch-ätherische Struktur bei diesem schlafenden Menschen, der von sich fortgeschickt hat sein Ich und seinen astralischen Leib, und wir haben wieder getrennt vom physischen Leib und Ätherleib die seelisch-geistige Struktur. Die sind sehr voneinander unterschieden. Die physisch-ätherische Struktur ist so, daß sie sich differenziert in die einzelnen Organe, als Organismus, der gewissermaßen die einzelnen Organe wie von dem Zentrum des Lebens herausgetrieben hat. Die astrale und Ich-Struktur sind viel mehr so, daß sie von außen nach innen getrieben werden, also mehr durch Einstülpung zustande kommen, so daß das Wesentliche dabei ist das Aussparen des Raumes und auch das Aussparen der Zeit durch Einstülpung. Das Wesentliche ist, daß die beiden grundverschieden voneinander sind, die physisch-ätherische und die geistig-seelische Struktur. Nun, im Menschen, der im Wachzustande in der physischen Welt steht, ist - wenn wir uns eines Ausdrucks bedienen, der nicht ganz stimmt, aber die Sache veranschaulichen kann - eingeschaltet das Geistig-Seelische, also die astrale und die Ich-Organisation, in die physisch-ätherische Organisation. Sie durchdringen einander in einem bestimmten Grade. Also in jedem physischen Organ, das ja durchwärmt und durchleuchtet ist von seinem Ätherleib, auch durchlebt, indem der Kosmos durch den Ätherleib wirkt, in jedem physischen Organ haben wir beim wachenden Menschen schon das Eingreifen der Ich-Organisation und der astralischen Organisation. Nun denken Sie sich einfach das Folgende: Ich-Organisation und astralische Organisation drängen irgendeinem Organ oder Organsystem ihre eigene Struktur auf, das heißt mit andern Worten: Irgend etwas, was seine physische und ätherische Struktur haben sollte, bekommt eine geistige Struktur, wird ein Abbild der astralischen und Ich-Organisation. Das ist im Grunde genommen ganz universell die Ursache der physischen Erkrankungen. Universell gesprochen ist Ursache der physischen Erkrankung dieses, daß der Leib des Menschen zu geistig wird an irgendeiner Stelle oder im Ganzen. Deshalb ist die sachgemäße, hingebungsvolle Betrachtung des kranken Menschen so ungeheuer aufklärend — wie man das besonders stark in alten Zeiten berücksichtigt hat - für die Erkenntnis des geistigen Menschen. Denken Sie doch nur, in alten Zeiten, wo man über die Menschennatur überhaupt ganz anders empfunden hat als heute - ich sage daher das Folgende nicht, damit es irgendwie die Begierde erzeugt, wieder heraufgenommen zu werden, zur heutigen Methode gemacht zu werden -, aber in alten Zeiten, wo man robustere Anschauungen über den Menschen hatte, drückten sie sich auch aus durch solche Erscheinungen wie diese: Wenn man es zum Seelenheil eines Menschen, der ketzerische Anschauungen hatte, für notwendig hielt, wurde er verbrannt. Sie wurden verbrannt, wenigstens angeblich zu ihrem Seelenheil, die Ketzer, damit sie frei werden von demjenigen, was sie nach ihrem Tode überliefern würde furchtbaren Qualen. Das war früher eine Art Schau, die später brutal geworden ist. Man hatte robustere Anschauungen über den Menschen, und so kam es dazu, daß man, sagen wir zum Beispiel einem Menschen, den man für gesund halten konnte, nun, sagen wir, Melisse gab in einem bestimmten Präparat. Wenn er Melisse verabreicht bekam in einer bestimmten Art, wurde sein Bewußtsein mit einem kleinen Anflug von Traumhaftigkeit durchzogen. Er wurde träumerischer, als er sonst war vor der Melissenverabreichung, dafür aber lagerten sich in das Bewußtsein leise Imaginationen ein. Behandelte man ihn zum Beispiel mit Hyoscyamus in einer bestimmten Weise, dann bekam er eine sehr starke Anlage zu Inspirationen. Man fand durch solche Untersuchungen zum Beispiel das Folgende. Man fand, daß, wenn man das Sonnengeflecht anregt durch Hyoscyamus, das Sonnengeflecht dann durchgeistigt wird. Man fand, daß wirklich dann der Astralleib und die Ich-Organisation stark in das Sonnengeflecht eingreifen, oder man merkte, daß die ganze Blutversorgung des Großhirns eine um einen geringen Grad - aber der wirkt sehr bedeutsam - stärkere wurde, wenn man dem Menschen Melissensaft beibrachte, weil die Ich-Organisation durch das Großhirn stark eingreift. Und so probierte man den ganzen Menschen, wie er geistig werden konnte und wie man in den einzelnen Organen sehen konnte, wie sie geistiger werden konnten. Es ist ein Vorurteil, daß wir mit dem Kopf denken. Das ist gar nicht wahr. Wir denken mit den Beinen und mit den Armen; und dasjenige, was in den Armen und Beinen vor sich geht, bei dem schaut der Kopf zu und nimmt es in den Bildern der Gedanken auf. Er würde niemals, ich habe Ihnen das schon gesagt bei dem Weihnachtskursus, das Gesetz des Winkels kennenlernen, wenn er nicht schreiten würde. Er würde niemals mechanische Gleichgewichtsgesetze kennenlernen, wenn er sie nicht durch seinen eigenen Schwerpunkt, den er im Unterbewußtsein herumführt, kennenlernen würde. Sobald man zu dem Astralleib hinunterkommt, der das alles im Unterbewußtsein verarbeitet, erscheint einem der Mensch, wenn er [auch] manchmal auf der physischen Welt ganz töricht ist, ungemein weise, weil das alles, was da zum Beispiel an Geometrie entwikkelt wird im Gehen, im Sich-Fühlen, weil das alles, wenn ich mich des Paradoxons bedienen darf, durchaus gewußt wird im Unterbewußtsein und dann durch das Gehirn angeschaut wird. Nun, sehen Sie, wenn eben die geistig-seelische Organisation zu stark eingreift in die physisch-ätherische Organisation, entsteht die physische Krankheit, und man untersuchte ehedem einfach den Geist an den physischen Organen, weil alles dasjenige, wovon man so sprechen kann, daß es eine Gabe von oben ist, eben geistig ist, geistig-seelisch ist. Nun muß man aber unterscheiden dasjenige, was der Mensch als Gabe bekam von oben auf rein geistigem Wege. Das blieb eben eine Gabe genannt. Aber, nehmen wir ein Beispiel, die Belladonna.

Während sonst bei den Pflanzen das Physische und Ätherische wirkt, wirkt bei der Belladonna sehr stark von außen das Kosmisch-Astralische, und in alledem, wo das Geistige, entweder das Astralische oder das, was im Kosmos der Ich-Organisation entspricht, auf Pflanzen oder Tiere wirkt, entstehen die Gifte im Gegensatz zu den geistigen Gaben. Aber sie sind durchaus das Korrelat vom Geistigen, weil sie an den Pflanzen und Tieren dasjenige sind, was über das Pflanzenhafte hinausgeht und kosmisch-astralisch ist. Wenn wir das Astralische überleiten durch Hyoscyamus, leiten wir einfach über das, was im Wärmemantel der Erde lebt, womit die Atmosphäre abschließt, in das Sonnengeflecht des Menschen, auch schon mit in das Zwerchfell des Menschen. Wenn wir aber Melisse nehmen, das nicht ein eigentliches Gift ist, dann bekommen wir diese leise Wirkung des Geistigen, die sich nur in der Benommenheit zeigt. Man möchte sagen, bei der Melisse ist die Giftentstehung im Status nascendi. Das führt Sie auf die Regel: Physische Erkrankung ist das zu starke Geistigwerden des physischen Organismus oder seiner Teile. Nun kann noch ein anderes eintreten. Es kann das eintreten, daß, während der Mensch im Wachzustande ist, die geistig-seelische Struktur seines Astralleibes oder seiner Ich-Organisation zu stark sich hineinversetzt in irgendein physisches Organ und nun nicht durch deren Stärke ihre geistig-seelische Struktur dem physischen Organismus aufdrängt, sondern im Gegenteil, vom physischen Organismus aufgedrängt bekommt die physische Struktur, so daß der Mensch, wenn er schläft, in seinem Astralleib und Ich eine Nachbildung wird seines physischen und ätherischen Leibes, so daß der Mensch in seinen Astralleib und sein Ich die physische Struktur hineinnimmt. Sehen Sie, da unterscheiden sich diese beiden Arten, wie Unregelmäßigkeiten beim Menschen auftreten, ganz wesentlich voneinander, auch in der Beobachtung. Bei einem Menschen, der krank ist, wird das kranke Organ merkwürdig vergeistigt. Es wird heller. Es zeigt sich in einer solchen Art, wie wenn es von außen herein, von seiner Oberfläche aus erfangen würde von der Geistigkeit. Ein kranker Mensch, lange bevor man irgendwie deutliche Spuren an seiner Hautfärbung und dergleichen sieht, zeigt sich für den okkulten Blick durchsichtig, möchte ich sagen, aber eindringend in die Durchsichtigkeit hat man das Geistig-Seelische. Bei einem Menschen, bei dem das andere der Fall ist, daß die geistig-seelische Organisation annimmt die Struktur des Physisch-Ätherischen, bemerkt man das an der Art und Weise, wenn der Mensch schläft, seinem Seelisch-Geistigen nach: da wird er ein Gespenst, ein leichtes, windiges Gespenst seines physischen Körpers. Er bleibt ähnlich seinem physischen Körper. Er wird tatsächlich ein Spektrum seines physischen Körpers. Und die groben Experimente, welche die Spiritisten machen bei den sogenannten Manifestationen, beruhen alle darauf — in irgendeiner verborgenen Weise geschieht schon das, was ich sage —, daß man bei Medien das Geistig-Seelische schwächt. Das ist Ja auch offenkundig. Dann kann allerdings in der Dunkelkammer - es ist auch so der Fall- der geschwächte astralische Leib und das geschwächte Ich die Formen der Organe bis eben zur Sichtbarkeit in der Dunkelkammer annehmen, so daß zwar die Manifestationen wahr sind, aber ruchlos. Nun beruhen alle sogenannten Geisteskrankheiten darauf, daß das Geistig-Seelische, der Astralleib und die Ich-Organisation, die physische und ätherische Struktur annehmen. Darauf beruhen alle Geisteskrankheiten, so daß Sie sagen können: Physische Erkrankungen beruhen auf dem Geistigwerden des physischen Organismus oder seiner Teile; geistige Erkrankungen beruhen auf dem im physischen oder ätherischen Sinn Gestalterwerden des Astralischen oder der Ich-Organisation oder einer ihrer Teile. - Das ist eine allgemeine Wahrheit, die außerordentlich leitend ist für die menschliche Erkenntnis.

Das ist wiederum etwas, was sich auch bezieht auf Fragen, die Einzelne gestellt haben in bezug auf das Verhältnis von Medizin und Pädagogik. Denn alle Grade zwischen diesen zwei Extremen hat man ja im kindlichen Organismus vor sich. Bei dem einen Kind hat mehr die Astral- und Ich-Organisation die Tendenz, den physischen Leib und Ätherleib geistig zu machen, bei dem andern Kinde mehr die Tendenz, sich selber die Form geben zu lassen vom Physischen und Ätherischen; und dazwischen sind alle möglichen Zwischenstufen vorhanden. Es drückt sich auch dieses Grundgesetz wiederum im Temperament aus. Wenn das der Fall ist, daß der Astralleib und die Ich-Organisation ganz stark, vehement die Tendenz haben - noch nicht so wie beim Verrückten, so daß der Mensch noch zurechtkommt -, aber vehement die Tendenz haben, Formen aus dem physischen oder ätherischen Leib anzunehmen, dann haben wir es mit dem melancholischen Temperament zu tun. In dem Augenblick, wo der Astralleib und die Ich-Organisation die Tendenz haben, ihre eigene Struktur stark aufzudrücken dem physischen oder ätherischen Leib, haben wir es mit einem cholerischen Temperament zu tun; und das phlegmatische und sanguinische Temperament liegen dazwischen. Beim phlegmatischen ist es so, daß der Astralleib und die Ich-Organisation nicht so vehement, aber in einem gewissen Sinne die Tendenz haben, die Struktur des physischen und namentlich des Ätherleibes anzunehmen; beim sanguinischen ist es so, daß eigentlich das Vitale, das im Ätherleib liegt, stark beeinflußt wird vom Astralleib. So drückt sich das auch in den Temperamenten aus. Und wir sehen, wie das, was in den radikalen Fällen die Richtschnur ist für den Mediziner - zu erkennen, wie im wachen Menschen ineinandergeschaltet sind Seelisch-Geistiges in Physisch-Ätherisches -, auch für den Pädagogen in den latenten Zuständen die Regel ist, so daß eigentlich Pädagogik und Medizin Dinge sind, die sich ineinander fortsetzen. Es handelt sich darum, daß Sie da möglichst stark suchen, meine lieben Freunde, in der Anschauung des Menschen zur Imagination zu kommen. Nun möchte ich Ihnen gerade noch in bezug auf dieses einige Anhaltspunkte geben.

Sie kennen ganz bildhaft, wenigstens können Sie es kennen, Sie kennen ganz bildhaft die Gestalt des Menschen im Embryonalzustand. Man hat sich auch heute, soweit dies möglich ist, eine Anschauung davon verschafft, wie der Embryonalzustand in den ersten Stadien ist, wie er später sich gestaltet, und Sie können sich dadurch ein zusammenhängendes Bild machen von dem Menschen während des Embryonalzustandes. Sie können sich weiter ein zusammenhängendes Bild machen von dem Menschen während des Kindheitsstadiums. Sie müssen versuchen, sich das erste und zweite Bild möglichst intensiv zu machen, so daß Sie wirklich mit dem Denken tasten, daß es Ihnen wirklich vorkommt, wie wenn Sie den Embryo mit dem Denken abtasten würden, innerlich seine Formen verfolgen würden. Dann vergrößern Sie den Embryo bis zu der Größe [Handbewegung], einfach in Gedanken bis zu der Größe, die das Kind hat, das Sie ebenso intensiv anschauen, beobachten können. Und dann schieben Sie die Vorstellung, das Bild des Embryos schieben Sie, indem Sie es innerlich metamorphosieren, in das Bild des Kindes hinein. Da werden Sie, wenn Sie real vorgehen, in Ihrem innerlichen Erleben einige Schwierigkeiten haben. Sie werden sich sagen müssen: Wenn ich den Kopf des Embryos nehme und ihn vergrößere bis zum kindlichen Stadium, dann wird er sehr groß. Ich muß ihn dann zusammenschieben. Ich muß auch dasjenige, was beim Embryo noch wässerig-flüssig ist, stark dem Flüssigkeitsmenschen angehört, innerlich kristallisieren und koagulieren lassen, damit es in das Gehirn des Embryos aufgeht. Dann aber werden Sie den Embryonalzustand der Gliedmafßen nehmen, werden diese strecken, formen müssen, werden innerlich eine plastische Tätigkeit ausüben müssen, die unplastischen Gliedmaßen des Embryos hineinschieben in die Gliedmaßen des Kindes. Das ist eine außerordentlich interessante innere Beschäftigung, den Embryo im innerlichen Anschauen hineinzuschieben in das Kindesalter.

Dann können Sie weitergehen. Dann können Sie das Kind nehmen und den Erwachsenen und dabei dasselbe Experiment machen. Da wird es schwieriger; es sind ja die Differenzen zwischen Embryo und Kind sehr groß, da werden Sie eine große innere Tätigkeit entwickeln müssen, wenn Sie das ausführen. Wenn Sie aber jetzt das Kindesalter vergleichen mit dem Erwachsenenzustande im reifen Menschen, dann werden die Differenzen nicht so groß, da wird es etwas schwierig, das eine dem andern anzupassen. Wenn Sie aber dies zustande bringen, daß Sie so vorgehen können, dann gebiert sich in Ihnen wirklich die Imagination des menschlichen Ätherleibes; verhältnismäßig sehr schnell gebiert sich die Imagination des menschlichen Ätherleibes. — Beachten Sie:

Schiebe die Frühzeit

— Embryonalzeit —

In des Kindes Alter,
Und des Kindes Alter
In die Jugendzeit:
Dir erscheint verdichtet
Menschenäthersein
Hinter Körperwesen

— physischer Leib in seiner Struktur.

Da haben Sie eine Anleitungsregel, die Sie ebensogut wie die andern, die ich gestern und in der ersten Stunde gesagt habe, benützen können. Nur müssen Sie überall sich klar sein darüber, daß das Sich-Aneignen des imaginativen Bewußtseins Mühe erfordert. Man kann es sich nicht anzaubern, man muß es sich erwerben durch intensive Arbeit.

Nun können Sie noch weitergehen. Sie können jetzt versuchen, sich vorzustellen einen Greis, einen sklerotisierten Greis. Greise sind bis zu einem gewissen Grade sklerotisch. Und bekommen Sie dabei die Empfindung, daß Sie diesen sklerotischen Greis auch abtasten, so empfangen Sie in dem geistigen Tasten durch die Sklerose den Eindruck, daß der Greis eigentlich hohl ist. Also nicht den Eindruck bekommen Sie, als ob ein sklerotisierter Greis, wenn Sie ihn geistig abtasten, dichter wäre, härter wäre, sondern im Gegenteil, daß er gar nicht härter ist, daß er eigentlich saugt. Sie bekommen im geistigen Tasten das Gefühl, wie wenn Sie im Physischen mit eingespeicheltem Finger am Meerschaum eine Zeitlang sich bewegen. Sie wissen ja, daß, wenn man an Ion oder Meerschaum entlangfährt mit dem angenetzten Finger, man das Gefühl hat, es saugt. Dieses Gefühl des Saugens haben Sie dem sklerotisierten Greis gegenüber. Sie müssen dieses Tastgefühl, dieses Erlebnisgefühl entwickeln dem Anschauen gegenüber. Das ist nicht nur beim Auge, beim Anschauen der Fall, sondern bei jedem Sinn kann das auftreten, auch beim Lebenssinn. Sie haben nun die Altersdichte, die saugend ist, wenn Sie dies auffassen. Nun schieben Sie - geradeso wie Sie da vorwärtsgeschoben haben beim ersten Fall - die Embryonalzeit in das Kindesalter und dann in den reifen Menschen, so schieben Sie jetzt zurück. Stellen Sie sich den reifen Menschen vor, der noch nicht saugt, sondern der kraftvoll sich in die Welt hineinstellt und schieben Sie das, was Sie am Greise ertastet haben, schieben Sie das da hinein. Nicht wahr, wenn Sie die embryonale Struktur in die Kindesstruktur hineinschieben, haben Sie eine räumliche Metamorphose, die Sie da vollführen; jetzt, wenn es Ihnen vorkommt, daß der Greis ein ausgehöhltes Wesen wäre, das fortwährend saugt, müssen Sie das so machen, wie wenn das mit Kraft sich erfüllen würde, wenn man es zurückschiebt ins reife Lebensalter. Es ist so, daß man beim Rückschieben der reife Mensch wird. Während man vorher, wenn man in der strotzenden Stärke angeschaut wird, etwas von einer leisen Lähmung aufnimmt, wird der Greis, wenn man ihn so zurückschiebt, wieder stark in seinen Knochen und in seiner ganzen Struktur des festen Organismus. Dieses innerliche Ineinanderschieben, das muß man da mehr beachten, und dann muß man auch das reife Alter in die Jugend zurückschieben. Da hat man es eigentlich wiederum leicht. Man stelle sich vor einen Menschen, der schon ein runzliges Gesicht hat und dann lasse man ihn verschmelzen mit einem jungen pausbäckigen Menschen, da wird man sich ausgleichen. Wenn man das zustande bringt, dann bekommt man den Eindruck, wie wenn der Ätherleib durchwellt würde und anfangen würde zu klingen und zu tönen. Man bekommt dadurch den Eindruck des Astralischen im Menschen. So haben Sie eine Regel, die Sie anleitet, aufzusteigen zur Inspiration:

Schiebe die Altersdichte
In die Menschenreifezeit,
Und das Reiifealter
In das Jugendleben.
Dir ertönt in Weltenklängen
Menschenseelenwirken

— der Astralleib also —

Aus dem Ätherleben.

Sie sehen aus dem, was ich Ihnen da sage, auch, daß man die Anleitung zur Meditation nicht als Befehl ausgibt, sondern sie begründet auf dasjenige, was man einsehen kann. Der in der richtigen Weise zur Meditation Angeleitete, der wird nicht so autoritativ behandelt, wie es einstmals im alten Orient war, wo ja sowohl das Erziehen und Entwickeln der Kinder wie des Alters auf ganz andern Unterlagen ruhte als bei uns. Wer also bei uns Meditationen empfohlen bekommt, bekommt sie so, daß er einsieht, was er mit sich macht. Nicht wahr, im Orient hatte das Kind die Anleitung seines Dadas. Das bedeutete, daß durch die Art und Weise, wie der Betreffende lebte, das Kind erzogen und unterrichtet wurde. Mehr lernte es nicht, als es gewissermaßen absah dem Dada. Der erwachsene Mensch hatte seinen Guru, wenn er weiterkommen wollte. Da war er angewiesen darauf, daß der Guru keine andere Regel angab als die: So ist es - man soll es eben probieren. Das ist der Unterschied. Was wir in unserer abendländischen Zivilisation haben, ist, daß überall an des Menschen Freiheit appelliert wird, daß der Mensch weiß, was er macht. Und man kann auch einsehen, wie das inspirierte Erkennen zustande kommt, wenn man mit dem gesunden Menschenverstand begriffen hat, wie die physische Erkrankung und die geistige Erkrankung wirken, und wenn man das alles zusammenhält, was ich Ihnen heute gesagt habe. Denn diese Dinge sind gerade mit dem gesunden Menschenverstand zu begreifen. Geht man weiter, um zu begreifen, was man machen soll in der inneren Meditation, dann ist man mit dem gesunden Menschenverstand bis an die Grenze dessen gekommen, was man erreicht. Der gesunde Menschenverstand kann alles erreichen, was von der Anthroposophie ausgeht. Wenn das beginnt, was nicht mehr mit dem gesunden Menschenverstand zu erreichen ist, dann hat er richtig bis zur Grenze gewirkt, und es ist so, wie wenn man vor einem See steht. Da ist eine ebensolche Grenze, man schaut vom Ufer des Sees noch hin. Wirklich, der gesunde Menschenverstand führt zu dem allen hin. Sie dürfen nicht der Verleumdung anheimfallen, als ob Sie eine mystische, obskure Weltanschauung verbreiten, sondern eine solche, die mit dem gesunden Menschenverstand zu erreichen ist. Als ich das in Berlin einmal sagte, hielt man mir dann in einem Artikel, der über diesen Vortrag geschrieben wurde, entgegen: Derjenige Menschenverstand, der gesund ist, kann überhaupt nichts begreifen von der geistigen Welt; und derjenige, der etwas begreift von der geistigen Welt, der ist eben krank, der ist nicht gesund. - Das wurde mir entgegengehalten.

Nun möchte ich noch einiges sprechen darüber, daß Sie gerade dadurch, daß Sie genötigt sind durch Ihr medizinisches Studium, recht innig hineinzuschauen in die gesamte Natur und Wesenheit des Menschen, auch als junge Menschen, in einer ganz besonderen Lage sind. Nicht wahr, man muß das ganz ernst nehmen, daß das Kali Yuga abgelaufen ist, daß wir eingetreten sind in ein lichtes Zeitalter, wenn auch dadurch, daß das alte durch die Trägheit vorwärts rollt, die Menschheit noch im Finstern lebt. Vom geistigen Weltenall leuchtet ein Helles herein und wir gehen als Menschen in ein lichtes Zeitalter hinein, und die Menschen müssen sich nur geeignet machen, die Intentionen des lichten Zeitalters aufzunehmen. Nun ist die Jugend durchaus prädestiniert, sich hineinzuleben in das lichte Zeitalter; und wenn die Jugend mit dem nötigen Ernst ein gewisses Selbstbewußtsein davon entwickelt, wie sie einmal dazugekommen ist, gerade mit dem Beginn des lichten Zeitalters geboren zu werden, dann wird diese Jugend in den verschiedensten Graden die Möglichkeit haben, sich anzupassen dem, was eigentlich der Sinn des Entwickelungsimpulses der Menschheit erfordert. Und der erfordert eben heute, daß man in allem nach dem Menschen hinschaut, wenn man die Welt erklären will, wie man früher auf die Natur gesehen hat, um den Menschen zusammenzusetzen aus einzelnen Naturkräften und Naturvorgängen. Man wird allmählich dazu kommen müssen, den Menschen zu verstehen und die einzelnen Naturvorgänge als Spezialisierungen dessen, was im Menschen vorgeht, als Vereinseitigungen dessen, was im Menschen vorgeht, zu begreifen. Wenn man dazu kommen wird, wird auch ein gewisses intimes Verhältnis in der ganzen menschlichen Empfindung und Gemütstätigkeit Platz greifen, das gesucht worden ist, aber auf eine gewisse tumultuarische Weise gesucht worden ist. Denken Sie nur, wie die Jugend angefangen hat, in einem gewissen Sinne die Natur zu vergöttern, als die Jugendbewegung des lichten Zeitalters kam. Das war abstrakt; wenn auch noch so vital empfunden wurde, es war abstrakt. Dagegen muß der geistige Entwickelungsweg des jungen Menschen heute dahin führen, intime Gefühle zu haben für seine Verbindung als Mensch mit der Welt, intime Gefühle, und es muß dasjenige, was er geistig aufnimmt, nicht mehr Wissenschaft sein für den Intellekt. Dabei bleibt man kalt, man ist immer kalt geblieben dabei; sondern es muß die Wissenschaft so gestaltet werden, daß tatsächlich etwas von dem eintritt, daß man bei jeder Stufe, die man in der Wissenschaft macht, auch im Gemüte, in der Empfindung ein anderer Mensch wird, Bekanntschaft macht gewissermaßen mit etwas, was man vergessen hat. Man hat ja auch die Natur kennengelernt zum Beispiel, bevor man heruntergestiegen ist in die physische Welt. Da hat sie aber anders ausgeschaut. Heute schlägt man tot in dem jungen Menschen, was er im vorigen Dasein durchgemacht hat, wenn man ihn hinweist auf die grobe, robuste äußere Anschauung. Wird man wieder daraufkommen, die äußere sinnliche Anschauung so zu behandeln, wie wenn ein alter Bekannter auftauchen würde in der sinnlichen Anschauung, den man kennt aus dem vorirdischen Leben, dann entsteht überall Empfindung im Wissen, Empfindung im Erkennen. Und dies muß tatsächlich wie ein Blutstrom sein, muß wie ein geistiger Blutstrom durch das ganze wissenschaftliche Leben, überhaupt durch das ganze Erziehungs- und Unterrichtswesen des Menschen durchgehen. Diese Intimität mit dem Realen, das ist es, was wir gewinnen müssen in der Wissenschaft.

In dieser Beziehung war wirklich die neuere Zeit schwer von Begriffen. Sehen Sie, ich habe verhältnismäßig früh zu zeigen versucht, wie der Mensch, wenn er der äußeren Sinneswelt gegenübersteht, eigentlich nur die halbe Wirklichkeit hat; wie er die ganze Wirklichkeit erst gewinnt, wenn er das, was in ihm aufsteigt, vereinigt mit der äußeren sinnlichen Wirklichkeit. Und ich habe ja das zunächst tun müssen, weil die Zeit damals noch eine ganz andere war als heute. Denn die Dinge werden doch erst vorbereitet. Ich habe es in einer erkenntnistheoretischen Weise darstellen müssen. Aber wenn Sie meine Schrift «Wahrheit und Wissenschaft» lesen, arbeitet sie darauf hin, auferstehen zu lassen im Menschengemüte das Geistige, das aus dem Inneren hervorquillt. Damit ist der erste Schritt gemacht zu dieser Intimisierung des Wissenschaftlichen, insbesondere in die gemütvolle Aufnahme der Weltenwesenheit. Das hat nun der Mediziner ganz besonders in der Möglichkeit, daß er kennenlernt dieses intime Erleben der Realität, und deshalb wird der Mediziner einfach dadurch, daß er Mediziner ist, derjenige Mensch sein können, der die Abstraktheit der andern Jugendbewegung, derjenigen, die nicht durch ihr Schicksal Mediziner sind, konkreter, gemütsinniger macht. Man kann doch, wenn man heute als junger Mensch, der das Medizinische innerlich hat, mit einem andern, der zum Beispiel nur die Jurisprudenz innerlich hat und der ein armer Kerl ist, weil er nur Jurisprudenz hat, das Medizinische schon so weit vertiefen, wie wir das hier tun; beim Juristen ist das ganz unmöglich. Beim Medizinischen war noch bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts etwas vom Geist da; in der Jurisprudenz hat die Geistigkeit schon aufgehört tief im Mittelalter drinnen, wo die Menschen nicht einmal mehr Geist darin ahnen, sondern nur mehr Satzungsnotizen. Es ist durchaus möglich, daß der Mediziner, der am allerersten ins konkrete Leben hineinkommt, außerordentlich befruchtend wirken kann auf die übrige Jugend.

Daher wäre es schon gut, wenn die einzelnen Gruppen, die sich jetzt herausgestellt haben, namentlich in der anthroposophischen Jugendbewegung, gerade von den Medizinern unterstützt würden. Natürlich muß man dabei die realen karmischen Verhältnisse bedenken. Aber nicht wahr, wir haben da ja die ganz hoffnungsvolle Tübinger Gruppe, die pädagogisch arbeitet und die zum Beispiel außerordentlich viel wird gewinnen können, wenn sie einen Mediziner in ihrer Mitte hat, der also nach der medizinischen Seite hin manches aufklären kann. Wir haben hier jetzt, wenn das auch nur interimistisch ist, Dr. Bockholt leitend die Jugendbewegung, und es wird sehr gut sein, wenn gerade aus dem, was dem Mediziner innerlich wird, die Jugendbewegung befruchtet wird. Und so können wir im einzelnen außerordentlich viel tun. Aber auf der andern Seite wäre es gut, wenn Sie gelegentlich, falls sich das als eine Möglichkeit herausstellen würde, möglichst viel sich auch mit der pädagogischen Arbeit innerhalb der anthroposophischen Bewegung befassen würden. Wenn das vom Ernst ausgeht, gibt es kein Hindernis, wenn Sie sich mit dem befassen könnten, aber eben in ernster Weise. Man kann nicht dasjenige, was in den Seminarien der Waldorfschule gegeben ist, jedem geben. Aber wenn jemand zeigt, daß er sich ernstlich damit befaßt, kann es kein Hindernis geben, die Seminarkurse der Waldorfschule kennenzulernen, sobald diese Dinge auch wirklich von der medizinischen Seite betrachtet, auch innerlich mit dem Gedanken durchdrungen werden, wie nahe verwandt im Altertum Heilen und Erziehen gehalten war.

Bedenken Sie, wir sind heute ganz abgekommen von der Auffassung des Menschen als eines Wesens, das in das Erdenleben hereintritt, behaftet mit Sünden, weil die moderne Auffassung überhaupt gar nichts mehr weiß von dem, was Sünde bedeutet. Was hat sich denn da zum Sündenbegriff verdichtet? Das, was ich Ihnen in diesen Tagen hier als das Gesetz der Vererbung gezeigt habe, das liegt in der Sünde, in der Erbsünde. Und auch die individuelle Sünde ist also etwas, was der Mensch in der zweiten Hälfte seines Lebens zu überwinden hat. Er muß richtig überwinden das sündhafte Modell, das aus der Vererbung stammt, man kann auch sagen aus dem kranken Modell nach den alten Begriffen. Aber würde das der Mensch als seinen Leib behalten, was in seinem Modell bis zum Zahnwechsel wirkt, würde er das sein Leben lang an sich tragen, dann würde er mit neun Jahren ein Mensch sein, der — ja nun, er würde mit einem feuchten Ekzem an der ganzen Haut bedeckt sein, wenn die Organisation so fortgehen würde; er würde Löcher bekommen am ganzen Leib, würde wie ein Aussätziger ausschauen, dann würde das Fleisch von den Knochen abfallen, wenn er das überhaupt aushalten würde. Der Mensch wird krank hineingeboren in die Welt; und erziehen, das heißt, erkennen und leiten das, was nach dem Modell arbeitet, heißt dasselbe wie leises Heilen. In diesem Bewußtsein sollten Sie in der Jugendbewegung leben, daß, wenn Sie die Erziehung beschreiben, Sie sich als Therapeuten betrachten. Sie geben die Heilmittel an, die ja natürlich im Geistigen bleiben, aber stark ins Physische übergehen können, je nachdem das Kind ins Pathologische übergeht. Das haben Sie im Grunde genommen, nur auf einem andern Niveau, nur auf einem andern Plan, in der Pädagogik: auch eine Heilkunst. Und auf der andern Seite, wenn einem der kranke Mensch gar nicht zu Hilfe kommt durch dasjenige, was man ihm als Richtschnur geben kann für sein eigenes subjektives Bewußtsein für die Auffassung seiner Krankheit, für Pessimismus oder Optimismus zu der Auffassung des Lebens, wenn man gar nicht pädagogisch wirken kann, ist es ungeheuer schwer, ihm heilend beizustehen. Wenn der Kranke - ich will nicht sagen, daß er einen blinden Glauben an das Heilmittel haben muß, das wäre zu stark übertrieben -, aber wenn der Kranke einfach durch die Individualität des Arztes dahin gebracht wird, daß er empfindet, wie der Arzt vom Heilwillen durchsetzt ist, so gibt das beim Kranken einen Reflex, der dann vom Gesundwerdewillen durchsetzt wird. Dieses Aufeinanderprallen von Heilwillen und Gesundwerdewillen spielt eine ungeheuer große Rolle in der Therapie, so daß man schon sagen kann: da ist schon ein Abbild darinnen des Pädagogischen, und im Pädagogischen wieder ein Abbild vom Heilen. Es kommt heute viel darauf an, daß sich die Menschen in der Welt heute im richtigen Bewußtsein zusammenfinden. Wenn sich also die medizinische Jugend mit der andern Jugend zusammenfindet in dem richtigen Bewußtsein, dann werden Sie schon sehen, daß die medizinische Jugend außerordentlich befruchtend wirken kann auf die andere. Aber so das Bewußtsein zu schärfen nach beiden Seiten hin, ist, was ganz besonders notwendig ist.

Sehen Sie, das sind die Dinge, die ich gern in Ihre Seele und in Ihr Herz gelegt hätte, nachdem Sie wieder einmal in so befriedigender Weise hier gewesen sind. Ich hoffe, daß das wieder beigetragen hat dazu, die Bande zwischen Ihren Seelen und dem Goetheanum noch enger, stärker zu machen, und daß Sie fühlen werden, daß schließlich gerade auf einem solchen konkreten Gebiete wie dem der Medizin, das Goetheanum Menschen findet, die in die Welt hinaustragen dasjenige, was hier gefunden werden kann. Sie werden zu einem richtigen Bewußtsein davon kommen, wenn Sie sich auch in Ihrem Fühlen als zum Goetheanum gehörend betrachten, und die Gedanken öfter an dasjenige richten, was vom Goetheanum eigentlich heute für die Welt und Zivilisationsentwickelung gewollt wird. Und so werden die Herzensbande, die Sie schließen können mit dem Goetheanum, etwas sein, was Ihnen gerade als Mediziner in einer tiefen Weise zu der Aufgabe helfen können wird, die Sie sich eigentlich gesetzt haben. In diesem Gefühle habe ich gerade diese mehr intimen Auseinandersetzungen, die in diesen Stunden hier zwischen uns gepflogen worden sind, halten wollen und glaube, daß wir manches werden erreichen können, wenn Sie dieses Fühlen, das auch gerade diese Besprechungen durchzogen hat, nunmehr, nachdem wir heute die letzte Stunde halten müssen, in die Welt hinaus fortsetzen. Und dabei werden wir auch am schönsten beisammen bleiben. Das Goetheanum wird damit am besten sich als ein Mittelpunkt auffassen dürfen, der sich eine bestimmte Aufgabe gestellt hat. Das Goetheanum wird dadurch wirklich das Goetheanum sein und Sie werden wirkliche Goetheaner sein. Dann sind Sie zugleich die tragenden Stützen draußen in der Welt, die das Goetheanum braucht, und von diesem Gesichtspunkt aus appelliere ich an Ihre Seele, richtige, rechte Goetheaner zu werden. Machen wir es so, dann wird schon alles gut werden.

Schiebe die Frühzeit
In des Kindes Alter,
Und des Kindes Alter
In die Jugendzeit:
Dir erscheint verdichtet
Menschenäthersein
Hinter Körperwesen Schiebe die Altersdichte
In die Menschenreifezeit,
Und das Reifealter
In das Jugendleben.
Dir ertönt in Weltenklängen
Menschenseelenwirken
Aus dem Ätherleben.

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