Course for Young Doctors
GA 316 — 8 January 1924, Dornach
Siebenter Vortrag
Meine lieben Freunde!
Wir werden den ersten Teil der heutigen Stunde dazu verwenden, diejenigen Fragen zu beantworten, die nicht in der allgemeinen Frage, die ich schon besprochen habe und die noch besprochen werden wird, darinliegen. Und wir werden dann übergehen heute zu der Besprechung einer Fortsetzung des Gestrigen, um dann morgen esoterisch abzuschließen.
Es sind eigentlich die meisten der Fragen so, daß sie sich hineinfügen in dasjenige, was ich ja überhaupt zu Ihnen zu sagen habe. Es sind nur einzelne Fragen, die eine spezielle Beantwortung erheischen, und wir machen das dann so, daß wir dieses mehr oder weniger ohne besonderes System erledigen.
Frage: Gibt es bestimmte Übungen, um die sogenannten heilmagnetischen Kräfte in sich zu verstärken, und wie sind diese Übungen?
Nun, das erfordert natürlich, daß wir mit einigen Worten über die heilmagnetischen Kräfte überhaupt sprechen. Heilmagnetische Kräfte sind ja Kräfte, welche im wesentlichen spielen zwischen dem Ätherleib des einen Menschen und dem Ätherleib des andern Menschen. Sie müssen sich dann vorstellen, daß die Wirkung des sogenannten Heilmagnetismus auf dem folgenden beruht. Nehmen wir an, jemand ist eine starke Natur, das heißt, er hat die Möglichkeit, seinen Willen stark zu entwikkeln, und er kann aus gewissen Voraussetzungen heraus eine Anleitung bekommen. Sagen wir zum Beispiel, ich kann ihm sagen, wenn er an diesem oder jenem leidet: Du sollst jeden Morgen um elf Uhr an die Sonne denken und dir vorstellen, daß die Sonne zuerst dein Haupt erwärmt, daß dann die Wärme deines Hauptes übergeht auf deine Oberarme, deine Unterarme, deine Hände, so daß du dadurch deine wirkliche Kraft verstärkst und dann versuchst, wenn du deine wirkliche Kraft verstärkt hast, dasjenige, was du empfindest von deinem Krankheitszustande dir ganz klar vorzustellen, um es dann durch die Kraft deines Willens wegzuschaffen. - Es kann - ich sage, es kann, es muß nicht, diese Dinge haben immer etwas Problematisches —, wenn die Krankheit nicht verknüpft ist mit einer besonderen Organschädigung, wobei die Organschädigung sich natürlich auf alle vier Glieder des elementarischen Leibes, des Festen, des Flüssigen, des Gasförmigen und des Wärmehaften ausdehnen kann, diese Prozedur, die ich beschrieben habe, durchaus helfen. Dann ist das Folgende geschehen: dann hat der Betreffende dadurch, daß ich ihm diese Anweisung gegeben habe, eine Anregung empfangen für seinen astralischen Leib. Meine Anweisung, die er ausgeführt hat, dieses Vorstellen der Sonne, die Wärme in seinem Kopf und so weiter, diese Anweisung, die er ausgeführt hat, die seinen Willen, der verstärkbar ist, etwas verstärkt hat, hat gewirkt auf seinen astralischen Leib; der astralische Leib hat auf seinen Ätherleib gewirkt, und der Ätherleib hat gesundend wiederum auf seinen physischen Leib gewirkt und dessen Schädigung, die nicht eine tiefere organische ist, auszugleichen, zu paralysieren vermocht. Man darf nicht sagen, daß solche Heilungen nur vorkommen können bei dem, was in der heutigen Medizin funktionelle Störungen sind gegenüber organischen Störungen, bei denen eine wirkliche Störung des Organes vorliegt. Dieser Unterschied ist ein ganz unexakter. Man kann gar nicht sagen, wo die funktionellen Schädigungen aufhören und die organischen anfangen. Funktionelle Schädigungen sind immer auch kleine organische Schädigungen, die nur mit den heutigen groben Mitteln der Physiologie und Pathologie nicht nachgewiesen werden können. Sie sehen, in einem solchen Falle wendet man nicht heilmagnetische Kräfte an, man appelliert an die Selbstheilung des Patienten. Das ist wirklich unter allen Umständen, wenn es anwendbar ist, das Bessere. Man verstärkt dadurch den Willen des Patienten, macht den Willen kräftiger, indem man ihn gesund macht.
Man kann auch das Folgende machen: Man kann von dem eigenen astralischen Leibe aus, ohne daß der Betreffende seinen Willen anstrengt, den eigenen Ätherleib in der Weise beeinflussen, daß dieser eigene Ätherleib auf den Ätherleib des Patienten so wirkt, wie vorhin der astralische Leib gewirkt hat. Darin besteht der Heilmagnetismus; der Heilmagnetiseur tut das unbewußt, er beeinflußt den eigenen Ätherleib vom Astralleib heraus. Die Kräfte, die er dann entwickelt, die kann er instinktiv dahin lenken, daß sie die Kräfte des Patienten verstärken, indem er diese Kräfte überträgt auf den Patienten. Man muß klar sein darüber, wenn es sich um eine Heilung handelt, muß der Magnetiseur anwenden, was irgend zur Heilung führen kann. Wenn man es mit einem Patienten zu tun hat, der einfach schwach ist, dem man nichts zumuten kann in bezug auf seinen Willen, kann man auch einmal heilmagnetische Kräfte anwenden. Aber ich möchte ausdrücklich bemerken, daß heilmagnetische Kräfte etwas wirklich ziemlich Problematisches sind, die in einem Falle und in einem andern Falle nicht ganz gleich anwendbar sind. Diese instinktive Fähigkeit nämlich, die ich geschildert habe, wo man den eigenen Astralleib in Tätigkeit versetzt, um dadurch den Ätherleib zu beeinflussen, um den Übergang zu finden in den Ätherleib des Patienten, diese instinktive Fähigkeit ist eine individuelle. Es gibt Personen, die sie sehr stark haben, es gibt solche, die sie schwach haben, und solche, die sie gar nicht haben, so daß es also durch ihre Anlagen befähigte Heilmagnetiseure schon gibt. Aber das Bedeutsame ist dieses, daß diese Fähigkeit in der Regel eine zeitlich begrenzte ist. Solch veranlagte Heilmagnetiseure haben diesen Magnetismus, wie man es nennt. Indem sie beginnen ihn anzuwenden, wirkt er sehr gut; nach einiger Zeit läßt er nach, und nachher kommt oftmals gerade bei Heilmagnetiseuren, gerade dadurch, daß die Fähigkeit nachgelassen hat, aber sie so tun, als ob sie sie noch hätten, Scharlatanerie zustande. Das ist das Bedenkliche jedesmal dann, wenn das Heilmagnetisieren zum Berufe wird. Es kann eigentlich diese Art des Heilens im Grunde doch nicht zum Berufe werden. Das ist dasjenige, was hierauf zu sagen ist. Nämlich unbedingt wirksam ist der heilmagnetische Vorgang — wenn man überhaupt dazu befähigt ist — nur, wenn er verrichtet wird in dem wirklich aufrichtigen und bis in den eigenen Organismus hineingehenden ehrlichen Mitleid mit dem Patienten. Wenn Sie heilmagnetisieren mit wirklicher Liebe zum Patienten, dann kann man es nicht als Beruf ausüben. Wenn wirkliche Liebe da ist, wird es in jedem Falle, wenn nicht eine Schädigung von anderer Seite eintritt, zu etwas Gutem führen. Aber da kann es nur ausgeführt werden gelegentlich, wenn das Karma dazu treibt, daß man zu einem Menschen dazukommt, dem man in liebevoller Weise helfen kann. Da kann das äußerliche Zeichen Handauflegen oder Streichen sein, dann ist das, was wirkt, daß der astralische Leib seine Kraft auf den Ätherleib überträgt, der auf den Ätherleib des andern Menschen wirkt.
Es muß noch von einer andern Seite gesagt werden, was bei einer solchen Sache vorgeht. Es ist so, daß die Heilung immer ausgeht vom astralischen Leib, entweder vom eigenen astralischen Leib oder vom Astralleib des Magnetiseurs letzten Endes. Der umgekehrte Vorgang liegt der medikamentösen Therapie zugrunde. Bei der medikamentösen Therapie machen Sie auch nichts anderes, als daß Sie Substanzen in den physischen Leib bringen, die dann zum Teil inneren Kräften, zum Teil dem Rhythmus des physischen Leibes entsprechend so wirken, daß der Ätherleib des Patienten beeinflußt wird. Die Gesundung geht immer vom Ätherleib aus. Daß Sie das eine Mal beeinflussen den Ätherleib vom astralischen Leib aus, das ist die psychische Heilung, wozu der Heilmagnetismus gehört, der aber dabei etwas Problematisches oder bloß, ich möchte sagen etwas Humanitäres, etwas Soziales, etwas die Beziehungen von Mensch zu Mensch Einschließendes hat. Oder aber Sie haben die rationelle Therapie, die muß ausgehen von medikamentösen Eingriffen; die gehen zunächst aus dem physischen Leib in den Ätherleib hinunter. Aber immer muß die Gesundung vom Ätherleib ausgehen. Es ist vollständige Phantasie, daß der physische Leib, wenn er krank geworden ist, irgendeine Heilung bewirken soll. Der physische Leib hat eben die Krankheitsursache in sich, die Ursache zur Heilung muß immer vom Ätherleib kommen.
Frage: Welche Beziehungen bestehen zwischen Herz und weiblichem Uterus und seiner Lage und seelischen Erlebnissen, Schmerz, Freude?
Da bestehen unmittelbar zusammengehörige Erlebnisse. Erstens sind, wenn sie auch nicht in einem unmittelbaren physischen Kontakt sind, Herz und Uterus zwei zusammengehörige Organe, so zusammengehörig wie Sonne und Mond. Sonne und Mond gehören so zusammen, daß sie beide auf irgend etwas dasselbe Licht werfen; das eine Mal wirft die Sonne direkt auf irgendeinen Gegenstand das Licht, das andere Mal auf dem Umweg, indem es zuerst zum Mond geht und von dort zurückgeworfen wird. Das Organ des Herzens hat unmittelbare, direkte Impulse für den menschlichen Organismus. Es ist das Wahrnehmungsorgan für die Blutzirkulation, die im normalen menschlichen Organismus vor sich geht. Der weibliche Uterus ist daraufhin konstituiert, daß er das Wahrnehmungsorgan ist für die Zirkulation, die hervorgerufen wird nach der Befruchtung. Dazu ist er da, das ist gerade so, wie der Mond das Sonnenlicht reflektiert, so reflektiert der weibliche Uterus die Wahrnehmung des Herzens im Blutkreislauf. Er strahlt sie zurück. Sie gehören stets zusammen wie Sonne und Mond, indem ihre Wahrnehmungen sich verhalten wie direkte und reflektierte Einwirkung. Wenn ein Mensch da ist, braucht er Herzkraft, wenn er entsteht, braucht er reflektierte Herzkraft, die kommt vom weiblichen Uterus.

Nun sind diese Organe mit einigen andern — die Lunge führt das mehr zum ätherisch-physischen Leib hinüber -, diese Organe, Herz und weiblicher Uterus sind nichts anderes als physisch das, was vom Geistigen aus angesehen das Seelische des Menschen ist. Ich darf das vielleicht in der folgenden Weise sagen: Denken Sie sich, Sie entwickeln die imaginative Erkenntnis. Wenn Sie imaginative Erkenntnis entwikkeln, so bekommen Sie, wenn Sie einen Menschen anschauen, wirklich das Bild von Sonne und Mond, wenn Sie auf Herz und Uterus hin Tafel 8 schauen. Das ist tatsächlich das entsprechende Geistige, das der Mensch in seiner Seele erlebt, so daß wirklich einander entsprechen diejenigen Dinge, die im Herzen und im Uterus vorgehen, und die allerdings im Halbunbewußten des Seelischen vorgehen, weil das Seelische sonst von Gedanken beeinflußt wird. Und so wird ein feiner Vorgang verdeckt: der innige Zusammenhang von Herz und Uterus. Aber wer nur einigermafßßen ein wenig beobachten kann, der kann beobachten, wie ungeheuer viel davon abhängt, wie halb unbewußt, oder halb bewußt, möchte ich sagen, die Herztätigkeit sich entwickeln muß unter der Einwirkung der physischen Umgebung. Wer, sehen Sie, sein Leben so zubringt, daß er fortwährend einen Schock erlebt, durch seinen Beruf meinetwillen, der hat schon in seinem Unterbewußtsein ganz genau ein seelisches Ebenbild der Herztätigkeit, die da entsteht; und das reflektiert sich im Uterus. Wir können sehen, wie das stattfindet, wie das übergeht auf die Konstitution des Embryos.
Nun ist da eine Frage, die schwierig zu beantworten ist, weil sie entweder oberflächlich beantwortet werden muß, also bloß etwas mitgeteilt werden kann, oder man muß gründlich darauf eingehen:
Wie wirkt das Tragen von Perlen und Edelsteinen auf einzelne Organe?
Es wirkt schon, aber es wirkt so, daß man die Wirkungsweise eigentlich nur beurteilen kann, wenn man in die geistigen Welten hineinsieht, und daß man die Wirkungsweise nur individuell beurteilen kann. Man kann ganz gut sagen, zum Beispiel: Saphir wirkt auf ein gewisses Temperament, auf einen Choleriker, aber eigentlich immer nur im individuellen Fall. Wirkungen sind schon da, aber wenn man die Frage ganz beantworten wollte, müßte man doch in tiefere Dinge eingehen, als hier heute möglich ist.
Diese Frage, wie man einzelnen Krankheiten gegenüber Einsicht in das Karma bekommen kann, kann ich nur beantworten aus dem, was ich in der Stunde sagte. Es wird schon manches aus dem Gesagten hervorgegangen sein, manches wird noch kommen in dem, was ich noch zu sagen habe.
Nun sind hier eine Anzahl Fragen, und da sind auch die allgemeinen Fragen, die sich ja mit den esoterischen Bemerkungen, die ich gemacht habe, beantworten. Nun aber hier:
Frage: Bestehen gültige Parallelbeziehungen zwischen Grad und Zeitdauer der postmortalen Verwesungsvorgänge und dem Schicksal der zugehörigen Individualität in der geistigen Welt?
Beziehungen, die eine Bedeutung hätten, die uns Menschen angeht, bestehen eigentlich nicht. Es ist so, daß allerdings der Verwesungsprozeß nicht der bloß physische Prozeß ist, als den man ihn in der Chemie gewöhnlich ansieht. Es ist damit schon ein tiefes Geistiges verknüpft. Das wurde im alten instinktiven Erkennen gefühlt, Man sagt, das, was der innerste Kern einer Sache ist, ist das Wesen, und die Vorsilbe «ver» bedeutet immer das Sich-Hinbewegen zu etwas. Wenn Sie also zum Beispiel sagen «zucken», so ist das eine Bewegung, wenn Sie sagen «verzücken», so ist das eine Hinbewegung zum Zucken. Wenn Sie sagen: «verwesen», so ist das eine Hinbewegung zum Wesen, ein Aufgehen im Wesen. Der Mensch ist nicht diese abgeschlossene Wesenheit, es sind da geistige Wesenheiten, die im Menschen schaffen. Wir haben gewisse Wesenheiten im physischen, im ätherischen, im astralischen Leib, nur in der Ich-Organisation sind wir frei. Diese Wesenheiten, die mit dem physischen, dem ätherischen und astralischen Leib verbunden sind, die sind verbunden mit dem, was nach dem Tode mit dem physischen Leibe vor sich geht. Innig damit hängt die Frage der Verwesung oder der Einäscherung zusammen. Aber alle diese Dinge sind innig verknüpft mit dem menschlichen Karma. Man kann nur sagen, für den Menschen als solchen - für den individuellen Menschen - hat die Frage eigentlich nicht eine unbedingt große Bedeutung.
Frage: Ist die Sektion von einem bestimmten Zeitpunkt nach dem Tode an von Einfluß auf das Schicksal des Verstorbenen?
Das ist ganz ohne Einfluß auf das Schicksal des Verstorbenen. Die meisten Fragen sind eben solche, die mit den allgemeinen Vorträgen beantwortet sind. Ja, da ist noch eine Frage, die eine gewisse Wichtigkeit hat.
Frage: Ich bitte, sind die heilenden Fähigkeiten des Arztes rein persönlicher Natur, oder sind sie bedingt durch gemeinschaftliche Zusammenhänge, das heißt nicht durch gemeinschaftliche Zusammenhänge zwischen Arzt und Patienten, sondern durch Gemeinschaften von Ärzten? Wäre es denkbar, daß den einzelnen Ärzten durch solche Gemeinschaften Kräfte zufließen, die man aus sich vielleicht gar nicht haben kann, wie dies auch in der Priestergemeinschaft der Fall ist?
Das ist schon der Fall, nur ist es bei jeder menschlichen Gemeinschaft der Fall. Es ist bei jeder menschlichen Gemeinschaft so, daß aus der Gemeinschaft heraus dem Menschen Kräfte zufließen, nur muß die Gemeinschaft eine wirkliche Gemeinschaft sein. Man muß sie fühlen, empfinden und erleben. Und dasjenige, was ich Ihnen geschildert habe und morgen noch deutlicher schildern werde, das ist überhaupt so, daß es unter Ihnen mit uns hier zusammen eine Gemeinschaft bilden kann, wenn es auch zunächst nur eine korrespondierende Gemeinschaft sein kann. Ja, es soll Sie so einigen, daß, wenn Sie allein sind, Sie fühlen werden, daß Ihnen durch eine solche Gemeinschaft nicht nur auf intellektuellem, sondern auch auf spirituellem Wege Kräfte zufließen werden. Ein engerer Kreis stellt in den gemeinsamen Mittelpunkt diese Frage:
Die Schulung des Blickes für den Arzt. Haben Irisdiagnose, Graphologie, Chiromantie einen Wert?
Nun, im idealen Falle würde derjenige, der beobachten kann dasjenige, was zusammenhängend ist, zum Beispiel aus einem kleinen Stück Fingernagel, das Sie abschneiden, außerordentlich viel sehen können für den Gesamtzustand des Menschen. Das ist schon durchaus möglich. Ebenso wie Sie aus einem Haar des Menschen außerordentlich viel sehen können, Sie müssen eben nur bedenken, wie individuell, wie verschieden zum Beispiel ein Haar in bezug auf einen Menschen ist. Man braucht da nur zu bedenken, wie die Menschen sich eher grob, ich möchte sagen, in bezug auf ihre Haare unterscheiden. Es gibt hier Blonde unter Ihnen, und es gibt hier Schwarze unter Ihnen. Wovon rührt das her? Diejenigen, die schwarz sind, die haben die Schwärze ihrer Haare von einem Eisenprozeß, der in den Haaren sich abspielt; diejenigen, die blond sind, haben ihre Blondheit von einem Schwefelprozeß, der sich in den Haaren abspielt, einem Schwefelprozef, der insbesondere stark ist bei denjenigen Leuten, die rote Haare haben. Und es ist zu bemerken, daß die Dinge ein außerordentlich großes Interesse haben. Ich habe wirklich Menschen kennengelernt, bei denen man sagen konnte, es heißt etwas, daß sie feurig waren in ihren funkelnden roten Haaren. Da spielt sich ein außerordentlich starker, wirklicher Schwefelprozeß ab, während schwarze Haare mehr einen verhältnismäßig starken Eisenprozeß in sich haben. Nun denken Sie doch daran, daß das der Ausfluß der ganzen menschlichen Organisation ist. Das eine Mal ist der Mensch ein solcher, der fortwährend etwas erzeugt, was intensives Brennmaterial ist, Schwefel, so daß er seine Haare damit durchdringt, das andere Mal sondert er etwas ab, was Eisen ist, was eigentlich gar nicht brennt, sondern was etwas anderes ist. Dadurch zeigt sich ein tiefgreifender Unterschied zwischen den beiden Menschen in bezug auf ihre ganze Organisation. Nun, dasjenige, was ganz grob allgemein der Fall ist, das ist der Fall individuell für jeden Menschen in bezug auf seine Haare, so daß Sie den ganzen Menschen aus der Beschaffenheit seines Haares erkennen können. Wie sollte man dann erst den Menschen nicht erkennen können aus der Beschaffenheit seiner Iris? Aber nun müssen Sie bedenken, daß zu diesen Dingen höchste Erkenntnis gehört, nicht jene blödsinnige Erkenntnis, die bezüglich der Iris die Diagnostiker haben. Die ist natürlich Dilettantismus. Gerade zu diesen Dingen, die auf wirklicher Grundlage beruhen, führt der Weg erst am Ende zur wahren Erkenntnis, so wie zur Astrologie der Weg erst am Ende der Geist-Erkenntnis führt, während sie vorher furchtbar dilettantisch ist. Dasselbe ist für die Chiromantie und die Graphologie der Fall.
Graphologie, dazu gehört, daß man eine wirkliche Inspiration hat. Wie ein Mensch schreibt, das ist ganz individuell; darüber kann man höchstens eine Anleitung geben. Aber diese Anleitungen sind dann außerordentlich grob. Also auch da ist es so, wie ich gesagt habe. Da ist schon Inspiration notwendig, um aus der Graphologie beim Menschen auf etwas zu schließen. Nun ist bei der Graphologie das Eigentümliche, daß man aus der Handschrift eines Menschen der Gegenwart seinen Zustand bekommt, wie er vor sieben Jahren ungefähr war. Das kommt dazu, so daß derjenige, der auf die Gegenwart des Menschen schließen will, wiederum einen Umweg machen muß, er muß die ganze Entwikkelung wieder durchlaufen. Er kommt an bei den inneren Zuständen vor sieben Jahren, kann dann, wenn er schauen kann, mit dem, was er vor sieben Jahren wahrnimmt, den Weg machen und bekommt dann eine gründlichere Erkenntnis, als er sonst hat. Also möglich ist schon, auch damit etwas zu leisten.
Etwas Ähnliches, wie es mit den Haaren und der Iris steht, ist auch bei dem, was die Chiromantie ins Auge faßt, aber auch da müssen Sie Inspiration haben, nicht die oberflächlichen Regeln, die gewöhnlich gegeben werden. Es ist da wiederum eine spezielle, eine ganz spezielle Anlage nötig, die diese oder jene Menschen haben können, um die Linien der Hand erforschen zu können; sie hängen schon innig zusammen mit dem, wie die menschliche Entwickelung ist. Sie brauchen nur einmal an Ihren eigenen Händen zu vergleichen, wie die Linien an der linken und an der rechten Hand ausschauen. Nicht wahr, im groben Leben kommt das so zum Vorschein, daß der Mensch nun eben mit der rechten Hand schreibt, mit der linken Hand nicht. Es ist ein Unterschied vorhanden. Mit Bezug auf die Linien der Hand ist das so, daß man in der linken Hand das ganze Karma des Menschen sieht, wenn man dazu inspiriert ist. In der rechten Hand sieht man die persönliche Tüchtigkeit, die sich der Mensch in diesem Leben angeeignet hat. Sein Schicksal hat dieses Erdenleben geschaffen, und seine Tüchtigkeit führt ihn in die Zukunft hinein. Alle diese Dinge sind nicht ohne Untergründe, aber es ist außerordentlich gefährlich, diese Dinge in der Öffentlichkeit zu vertreten, weil wir da Gebiete betreten, wo Ernst und Scharlatanerie im höchsten Maße aneinandergrenzen. Einiges wird noch im naturgemäßßen Zusammenhang mit den Betrachtungen sich ergeben, die wir anstellen.
Sehen Sie, meine lieben Freunde, es handelt sich ja nach dem, was ich gestern vorgebracht habe am Ende der Stunde, bei dem Arztsein, schon aus der Natur der Weltvorgänge heraus, um wirklich tiefgehende moralische Seelenzustände. Denn ich habe Ihnen gezeigt, daß ja das wirkliche Wissen um ein Heilmittel dem Wissenden die Kraft dieses Heilmittels selbst nimmt, daß gerade in dem Wissen von dem Heilmittel also etwas liegt, wodurch der Betreffende sich ausschließt von der Heilung durch dieses Mittel. Nun, natürlich, das bloß chemische Wissen schließt nicht aus, weil es kein Wissen ist nämlich. Aber das wirkliche Wissen schließt davon aus.
Dann bedenken Sie das Folgende. Das Muskelsystem des Menschen, es wird ergriffen durch die Imagination, erkenntnismäßig ergriffen, wie ich gestern gezeigt habe, durch Imagination. Man lernt erkennen, was im Muskel wirkt, indem man zur bildhaften imaginativen Erkenntnis übergeht. Will man aber wissen, was in einem muskelartigen Organe heilend wirken kann, muß auch da die therapeutische Erkenntnis imaginativ sein. Die wahren Erkenntnisse eines Innenorganes sind inspirativ, diese sind erst wirkliche Erkenntnisse, nicht die chemischen Erkenntnisse. Aber nehmen Sie nun an, Sie wissen, irgendein Heilmittel wirke auf das menschliche Muskelsystem in irgendeiner Weise, so haben Sie dieses Wissen auf imagiinative Art. Ja, aber imaginatives Wissen, das ist nicht so wie dasjenige Wissen, das man sich heute gewöhnlich vorstellt. Das Wissen, das man sich heute gewöhnlich vorstellt, das geht nämlich nicht sehr tief in den Menschen hinein, das ist eigentlich wirklich nur im Kopfe vorhanden, während jedes imaginative Wissen zu gleicher Zeit das Muskelsystem des Menschen angreift. Auch das therapeutische imaginative Wissen, meine lieben Freunde, ist so, daß Sie dieses Wissen in Ihren Muskeln spüren. Sie müssen solche Dinge nur wirklich ernst nehmen.
Ich möchte, um Ihnen ganz verständlich zu sein, über diese Sache sogar etwas Paradoxes sprechen. Aber das Paradoxe ist hierbei die Wahrheit. Meine «Philosophie der Freiheit» ist wenig verstanden worden, weil die Leute nicht verstanden haben, sie zu lesen. Sie haben sie so gelesen, wie man ein anderes Buch liest, aber meine «Philosophie der Freiheit» ist nicht so gemeint wie andere Bücher. Meine «Philosophie der Freiheit» lebt zunächst in Gedanken, aber in richtig erlebten Gedanken. Nichterlebte Gedanken, abstrakte, logische Gedanken, wie man sie heute in der Wissenschaft ganz allgemein hat, die erlebt man im Gehirn. Solche Gedanken, wie ich sie in meiner «Philosophie der Freiheit» ausgesprochen habe - jetzt kommt das Paradoxe -, erlebt man als ganzer Mensch in seinem Knochensystem. Richtig als ganzer Mensch in seinem Knochensystem. Und das noch Paradoxere möchte ich aussprechen — das ist natürlich selbstverständlich geschehen, nur haben Sie es nicht beachtet, weil Sie es nicht in Zusammenhang damit gebracht haben -: wenn die Menschen meine «Philosophie der Freiheit» verstanden haben, haben sie mehrmals im Laufe des Lesens, und besonders wenn sie fertig waren, von Skeletten geträumt. Das hängt zusammen moralisch mit der ganzen Stellung der «Philosophie der Freiheit» gegenüber der Freiheit der Welt. Freiheit besteht schon darin, daß man von den Knochen aus die Muskeln des Menschen in der äußeren Welt fortbewegt. Der Unfreie folgt seinen Trieben und Instinkten. Der Freie richtet sich nach den Forderungen und Erfordernissen der Welt, die er zuerst lieben muß. Er muß ein Verhältnis gewinnen zu dieser Welt. Das drückt sich in der Imagination des Knochensystems aus. Innerlich ist das Knochensystem dasjenige, was die erlebten Gedanken eben erlebt. Also erlebte Gedanken erlebt man mit dem Knochensystem, mit seinem ganzen Menschen, namentlich mit seinem ganzen eigentlich erdenfesten Menschen. Es hat Leute gegeben, die wollten Bilder malen aus meinen Büchern; sie haben mir allerlei Sachen gezeigt. Sie haben die Gedanken der «Philosophie der Freiheit» in Bildform vorführen wollen. Wenn man ihren Inhalt so malen will, muß man dramatische Szenen aufführen, welche von menschlichen Skeletten ausgeführt werden. Geradeso wie die Freiheit selbst etwas ist, wobei man sich alles bloß Instinktiven entledigen muß, so ist dasjenige, was der Mensch erlebt, indem er die Gedanken der Freiheit hat, etwas, wobei er sich seines Fleisches und Blutes entledigen muß. Er muß Skelett werden, muß erdhaft werden, die Gedanken müssen wirklich erdhaft werden. Das bedeutet schon, daß man sich selbst herausarbeiten muß.
Ich führe das an, damit Sie sehen, daß schon bei dem gewöhnlichen Gedanken etwas auftritt, bei dem der ganze Mensch ergriffen wird. Geht man von dem Gedanken zur Imagination über, so erlebt man seine Imagination im Muskelsystem. Die Inspiration erlebt man, indem man innerlich mit seinen eigenen Organen miterlebt. Man muß nur ja nicht da, wo es sich um Inspirationen handelt, den Satz vergessen: «naturalia non sunt turpia.» Denn unter Umständen werden die wunderbarsten Inspirationen mit den Nieren erlebt oder mit andern niederen Organen. Also dasjenige, was höhere Erkenntnis ist, das nimmt wirklich den ganzen Menschen in Anspruch; und derjenige bekommt keinen Eindruck von Imaginationen und Inspirationen, der nicht weiß, daß Imaginieren eine Arbeit ist, die dem physischen Arbeiten ganz gleich kommt, weil sie die Muskeln anstrengt, so daß ein wirkliches Imaginieren ist wie ein wirkliches physisches Arbeiten. Daher gibt es auch eine Korrelation zwischen einer physischen Arbeit und dem Imaginieren, zum Beispiel, wenn ich da etwas Persönliches erwähnen darf, ich habe immer gefunden, zum Imaginieren hat es ungeheuer viel beigetragen, daß ich als Knabe Holz gehackt habe, Kartoffeln ausgenommen habe, mit dem Erdspaten gearbeitet habe, gesät habe und Ähnliches. Nun ja, ich will nicht mit diesen Dingen renommieren, aber diese Dinge einmal gemacht zu haben, erleichtert das Wiederheraufbringen in die Muskeln, eine Anstrengung, um das Imaginieren leichter zu haben, gerade so, wie wenn Sie sonst etwas gewöhnt sind. So ist es, wenn Sie die Muskeln gerade in der Jugend angestrengt haben, wenn Sie später imaginieren wollen. Aber sehen Sie, da nützen einem nicht Bewegungen, die nicht Arbeit sind. Das Spielen eigentlich nützt einem für das Imaginieren nichts. Ich will nichts gegen das Spielen an sich sagen, Sie brauchen nur an meine pädagogischen Dinge heranzugehen, so werden Sie sehen, daß ich nichts gegen das Spiel habe, aber das Imaginieren bringt den ruhenden Muskel - denn es muß natürlich in der Ruhe vor sich gehen - zu einem ähnlichen Erlebnis wie eine wirkliche physische Arbeit.
Da ersehen Sie aber, wenn Sie also, indem Sie sich auf den Weg des Arztes begeben, hier mit uns im Zusammenhange diese allerdings merkwürdigen Dinge kennenlernen, daraus ersehen Sie, wie die Kenntnis dieser therapeutischen Dinge in Ihr Muskelsystem eingreift, und das wird etwas sein, was in Ihrem Karma eine Bedeutung hat. Nehmen wir zum Beispiel den Fall, Sie lernen kennen - ich will jetzt einen ganz idealischen Fall konstruieren — meinetwillen die wahre Therapie der schwarzen Pocken. Die wirklichen schwarzen Pocken rufen eine sehr starke Inspiration, mit Intuition sogar, hervor, und das, was Sie auf diese Weise wirklich wissen, meine lieben Freunde, wenn Sie auf diesem Gebiete wirkliche Therapeuten sind, das wirkt stärker auf Sie, wenn es ein wirkliches Wissen ist, als eine Impfung. Es wirkt in einem andern Sinne viel stärker, und Sie werden im Studieren der Pockentherapie als Arzt in sich selber eine Art von Heilung im voraus bewirken, prophylaktisch, und werden sich dadurch geeignet machen, wenn Sie den Zusammenhang verstehen, ohne Furcht, in völliger Liebe unter Pockenkranke gehen zu können. Aber alle diese Dinge haben ihre umgekehrte Seite wiederum, haben ihre Kehrseite, denn, sehen Sie, was man erwirbt als das Wissen vom Heilmittel, das ist sogar, wenn es wirkliches imaginatives oder inspiriertes Wissen ist — es braucht nicht einmal eine eigene Imagination zu sein, sondern nur eine, die ein anderer hat, und das kann jeder, wie ich immer wiederholt habe -, das ist ein wirkliches Heilmittel, das hat Heilkräfte in sich. Die Idee zu haben von einem Heilmittel, das wirkt, aber es wirkt nur solange, als Sie furchtlos sind. Furcht ist nämlich der entgegengesetzte Pol der Liebe. Gehen Sie in eine Krankenstube mit Furcht, so hilft die ganze Therapie, die Sie angestellt haben, nichts. Gehen Sie hinein mit Liebe, können Sie von sich absehen, ja, können Sie die ganze Seele hinwenden auf diejenigen, die Sie zu heilen haben, können Sie in Liebe leben in Ihrer imaginativen, inspirierten Erkenntnis, dann, sehen Sie, werden Sie sich nicht einfach als diese persönliche Qualität, nicht als diese furchttragende Persönlichkeit des Erkennenden, sondern als die liebetragende Persönlichkeit des Erkennenden hineinstellen in den Heilungsprozeß, so daß also nicht nur von außen die Medizin in das Moralische hineingetrieben wird, sondern auch von innen.
Und so ist gerade auf dem Gebiete der Medizin in hohem Grade das der Fall, was auf allen Gebieten, wo es sich um geistige Erkenntnis handelt, der Fall ist: man muß Mut entwickeln. Sie wissen, Mut ist dasjenige, was uns überall umgibt. Die Luft ist Illusion, Mut ist es, der uns überall umgibt. Wollen wir in der Welt leben, in der wir atmen, brauchen wir Mut. Wenn wir feige sind in irgendeiner Weise, leben wir nicht mit der Welt, schließen wir uns aus; wir atmen nur scheinbar. Dasjenige, was Sie vor allen Dingen für das medizinische Studium brauchen, ist Mut, ist Heilmut. Es ist tatsächlich so, wenn Sie gegenüber einer Krankheit den Mut des Heilens haben, dann ist das schon die richtige Orientierung, die auch in neunzig Prozent der Fälle wohl zum Richtigen führt. Es ist nämlich so, daß einfach mit dem Prozeß des Heilens diese moralischen Qualitäten am innigsten verknüpft sind. Daher sollte es schon so sein: erster Kursus für Medizinstudierende: dasjenige, was ich in den ersten drei Stunden auseinandergesetzt habe, Schaffung einer Grundlage mehr oder weniger durch Natur- und Menschenerkenntnis, kosmische und Menschenerkenntnis. Dann zweiter Kursus: die esoterische Vertiefung in die Wirkung der medizinischen Kräfte, die Medizin anzusehen in der Weise, wie ich das in der vierten Stunde getan habe und wie ich morgen sprechen werde. Dann muß ein letzter Kursus kommen, der im wesentlichen darauf ausgehen muß, das Therapeutische im Zusammenhang zu betrachten mit der Entwickelung der richtigen ärztlichen moralischen Fähigkeiten, denn das eine muß das andere tragen. Und gibt es ein solches moralisch Qualifiziertes im letzten medizinischen Kurs, dann werden wirklich die Krankheiten für den Arzt das Gegenteil von dem, was sie für den Patienten sind. Sie werden zu etwas, was er liebt, aber nicht, um sie zu hegen und zu pflegen, damit der Kranke möglichst lang krank bleibt, sondern die er liebt, weil die Krankheit erst dann ihren Sinn erreicht, wenn sie geheilt wird. Was heißt das?
Sehen Sie, meine lieben Freunde, gesund sein heißt, die geistigen Qualitäten, die sogenannten normalen geistig-seelischen Qualitäten in sich zu tragen. Krank sein, irgendeine Krankheit zu haben, heißt aber, tatsächlich von einer geistigen Qualität beeinflußt sein. Ich weiß natürlich, daß, wenn irgendeiner der gescheiten Menschen der Gegenwart das hört, was ich jetzt sage, er sagt: Aha, jetzt kommt die alte Besessenheitslehre. - Nun ja, es ist erst noch die Frage, ob die alte Besessenheitslehre schlimmer ist oder die neue, ob man von Geistern oder Bazillen besessen ist. Das ist etwas, was seinem Werte nach erst untersucht werden muß. Die modernen Mediziner bekennen sich immer in ihrer medizinischen Lehre zu einer Besessenheit, nur ist es ihrem Verständnis mehr angemessen, eine materialiistische Besessenheit zu lehren. Aber es ist so, daß man, wenn man eine Krankheit in sich hat, eine geistige Qualität in sich hat, die im gewöhnlichen Lebensverlauf des Menschen nicht da ist. Aber es ist eine geistige Qualität.

Wieder ein Paradoxon muß ich aussprechen. Nehmen Sie an, Sie wollen erkennen den Zusammenhang - es ist eine ganz reale Tatsache, über die ich mich hier ausspreche - zwischen dem, was im Tierkreis ist: Widder, Stier, Zwillinge, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann, Fische. Nun ist ein kolossaler Unterschied zwischen diesen sieben Sternbildern (oben) und diesen fünf Sternbildern (unten). Steigen Sie zur Imagination auf, so bekommen Sie für diese sieben Sternbilder hier im Kosmos eine männlich erscheinende Wesenheit, für diese fünf Sternbilder eine weiblich erscheinende Wesenheit, so daß tatsächlich Männlich-Weiblich in einer geschlossenen Schlangenform über den Tierkreis sich ausbreitet im imaginativen Anschauen. Ja, diese Imagination kann kein Mensch erhalten, ohne daß er das Folgende durchmacht. Denken Sie sich die Pockenkrankheit, sie zeigt sich unter Symptomen des physischen Leibes. Aber denken Sie sich, man wäre zu folgendem imstande. Stellen Sie sich einen pockenkranken Menschen vor. Der würde in seinem Astralleib und seiner Ich-Organisation die Kraft haben, die ganze Pockenkrankheit heute herauszuziehen und sie nur im astralischen Leib und Ich zu erleben, so daß im Moment sein physischer und Ätherleib gesund würden. Nehmen Sie hypothetisch an, das wäre so. Was ich hier dargestellt habe, kann nicht eintreten, aber wenn Sie diese Imagination haben wollen, müssen Sie, ohne daß Ihr physischer Leib und ätherischer Leib die Pockenkrankheit annimmt, dasselbe, was ich hypothetisch darlegte bei der Pockenkrankheit, durchmachen. Sie müssen im astralischen Leib und in der Ich-Organisation, frei vom physischen und Ätherleib, die Pockenkrankheit durchmachen. Das heißt, Sie müssen geistig erleben, ein geistiges Korrelat von physischer Krankheit. Die Pockenkrankheit, meine lieben Freunde, ist das physische Abbild des Zustandes, in dem Ich-Organisation und Astralleib sind, wenn Sie eine solche Imagination haben. Jetzt werden Sie einsehen, daß bei der Pockenerkrankung einfach im Menschen selber dieser Einfluß geschieht, aus dem in geistiger Erkenntnis die Himmelsimagination wird.
Da aber sehen Sie, wie eng verwandt das Kranksein ist mit dem geistigen Leben, nicht mit dem physischen Leib, eng verwandt ist das Kranksein mit dem geistigen Leben. Das Kranksein ist die physische Imagination vom geistigen Leben. Und weil die physische Imagination zu unrecht da ist, weil sie nicht nachahmen soll gewisse geistige Vorgänge, deshalb ist in der physischen Organisation das, was in der geistigen Welt unter Umständen ein Höchstes ist, unter Umständen in der physischen Organisation Krankheit.
Man muß also die Krankheit so begreifen, daß man sich sagt: Könnten nicht durch gewisse Dinge, die wir morgen einsehen werden, gewisse geistige Wesenheiten heruntergeholt werden, wo sie nicht hingehören, so wären sie auch nicht in der geistigen Welt vorhanden. Damit aber zeigt sich, wie eng verwandt wirkliches geistiges Erkennen mit der Krankheit ist. Man erkennt eigentlich schon, indem man Geistiges erkennt, die Krankheit. Man kann gar nicht anders. Wenn man einmal eine solche Himmelsimagination hat, dann weiß man, was Pockenkrankheit ist, weil sie nur die physische Projektion dessen ist, was man geistig erlebt. So ist es im Grunde genommen mit dem ganzen Krankheitswissen. Man möchte sagen, wenn der Himmel — oder auch die Hölle natürlich — zu stark ergreifen den Menschen, so wird er krank; wenn sie nur seine Seele und seinen Geist ergreifen, wird er weise oder gescheit oder ein Einsichtiger.
Das sind Dinge, die Sie, meine lieben Freunde, einmal seelisch verdauen müssen. Dann werden Sie sehen, was Anthroposophie gegenüber dem Arztsein für eine Aufgabe hat, da Anthroposophie gerade zeigt, was die richtigen göttlichen Urbilder ihrer dämonischen Abbilder, der Krankheiten, sind. Das aber kann Sie eben immer tiefer und tiefer hineinführen in die Erkenntnis, daß wirklich zu suchen ist auf dem anthroposophischen Boden das, was heute als eine Reform des medizinischen Studiums notwendig ist.