Course for Young Doctors

GA 316 — 4 January 1924, Dornach

Dritter Vortrag

Meine lieben Freunde!

Ich habe Ihnen mitzuteilen, daß wir von morgen ab die Sache so machen, daß Sie sich überlegen, was Sie gern von sich aus für Fragen stellen wollen, daß Sie mir dann diese Fragen geben oder aufschreiben, so daß ich alle Wünsche, die sich aus Ihnen heraus ergeben, im Verlauf der Vorträge berücksichtigen kann, so daß alles zum Vorschein kommt, von dem Sie wünschen, daß es komme.

Nun, heute möchte ich Ihnen noch etwas sagen, was sich unmittelbar an die Betrachtungen anschließt, die wir gestern und vorgestern angestellt haben über den Menschen selbst und seine Beziehungen zur Welt. Es nützt nichts, wenn wir versuchen, hier bei einer anthroposophischen Betrachtung über den Menschen uns gewissermaßen zu genieren vor denjenigen, welche aus der heutigen Wissenschaftlichkeit heraus allerlei Ansichten über den Menschen haben, eigentlich Nichtansichten über den Menschen haben, und wenn wir versuchen, möglichst wenig von den Dingen, die so allgemein üblich sind, abzuweichen. Denn dasjenige, was vorliegt, ist, daß in großen und bedeutenden Tatsachen die Wahrheit von dem, was heute üblich ist, ganz beträchtlich abweicht. Ganz außerordentlich stark weicht die Wahrheit ab von dem, was heute allgemein üblich ist. Und deshalb wird derjenige, der heute nach der Wahrheit strebt, auch den Mut haben müssen, manches einzusehen, was vor der gegenwärtigen Wissenschaftlichkeit geradezu als etwas außerordentlich Absurdes gilt. Aber dennoch, es ist schon notwendig, daß Sie sich — nicht hier, aber sonst —, wenn Sie wirklich heilen wollen, also sich mischen wollen sozusagen unter diejenigen, die aus der äußeren Welt heute heilen, daß Sie sich in einer Weise, die ich noch sagen werde, doch mit dieser heute äußerlichen Wissenschaft befassen. Sonst werden Sie ziemlich taumelnd mit der Wahrheit unter den heutigen Irrtümern herumwandeln müssen.

Man betrachtet heute die Sache so, um die es sich handelt, als wenn man es zu tun hätte mit den siebzig bis achtzig Stoffen, die auf der Erde sind, mit gewissen Kräften, die unter diesen Stoffen walten, anziehenden und abstoßenden Kräften und so weiter, Kräften, die durch gewisse Äquivalenzzahlen wirken, Atomgewichtszahlen und so weiter. Man kommt da zu gewissen sogenannten Naturgesetzen, durch die man eine Überschau zu schaffen sucht darüber, wie die Stoffe zur Gestaltung kommen, wie sie zu Naturgesetzen kommen, und dann baut man sich ein Phantasiegebilde auf, das der Mensch sein soll, herausgebildet aus den verschiedenen Kräften, deren Ursprung man in den Stoffen sucht und so weiter. So ist das aber nicht. Der Mensch steht weder in seiner ganzen Gestaltung noch in den Kräften, die seine Ernährungs-, seine Wachstumsprozesse unterhalten, durchaus nicht etwa bloß unter den Einflüssen, die von den irdischen Stoffen ausgehen. Wir haben schon bei der Betrachtung des Ätherleibes gesehen, daß dieser durchaus unter dem Einfluß von Kräften steht, die aus der Peripherie, aus dem Kosmos hereinströmen. Wenn Sie nun diese zwei Arten von Kräften betrachten, die Kräfte, die von den Stoffen der Erde herkommen, und die Kräfte, die von der Peripherie herkommen, haben Sie schon das gegeben, daß für jedes Organ ein Ausgleich, ein Gleichgewicht, eine Harmonisierung dieser zwei Kräftearten notwendig ist. Durch die Art, wie dieses Gleichgewicht hergestellt wird, unterscheiden sich wirklich beträchtlich die einzelnen menschlichen Organsysteme voneinander.

Und betrachten wir von diesem Gesichtspunkt aus das menschliche Haupt, den menschlichen Kopf. Da muß man ja zuerst darauf aufmerksam machen - ich habe schon öfters aufmerksam darauf gemacht im Verlauf der Vorträge, da, wo sich solches ergeben hat -, wie die Schwerkraft, das Gewicht, das doch bei jedem irdischen Körper zunächst berücksichtigt werden muß, dessen Zusammenhang berücksichtigt werden muß, wie das Gewicht des menschlichen Gehirnes, also der Hauptmasse des menschlichen Kopfes, eigentlich zum großen Teile eliminiert wird, indem das scharf konturierte Gehirn im Gehirnwasser schwimmt, so daß man sagen kann: In dem Gehirnwasser, das eigentlich zirkuliert durch den Rückenmarkskanal hinunter, in diesem Gehirnwasser schwimmt das Gehirn. Wiegt man das Gehirn, nun, so hat es 1300 bis 1500 Gramm Schwere. Aber im Menschen wiegt es nicht so viel, es wiegt höchstens 20 Gramm. Warum ist dieses so? Weil es im Gehirnwasser schwimmt, und nach dem Archimedischen Gesetze verliert jeder Körper so viel an Gewicht, als die von ihm verdrängte Flüssigkeit wiegt. Das Gehirn erfährt im Flüssigen einen Auftrieb, so daß von seiner Schwere eigentlich nur 20 bis 25 Gramm übrigbleiben. Mit dem drückt das Gehirn nach unten. Würde es mit voller Schwere nach unten drücken, dann könnte unter dem Gehirn kein Blutadersystem sein, da würde alles zerquetscht, so daß man sagen kann, es ist wirklich so, daß ihm seine Erdeneigenschaft der Schwere genommen wird. Wir leben mit unserem Gehirn nicht durch die Erdeneigenschaft der Schwere, sondern durch dasjenige, was von der Erde entfernen will, durch den Auftrieb, der der Erdenschwere entgegengesetzt wird. Mit höchstens 20 Gramm unterliegt das Gehirn der Erdenschwere. Wir werden nur mit einer sehr geringen Kraft in bezug auf unseren Kopf von der Erde angezogen.

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Das ist das eine. Daraus können wir sehen, daß das Erdenhaftige des Gehirnes in hohem Grade einfach verschwindet durch die menschliche Organisation. Die menschliche Organisation ist so eingerichtet, daß die Erdenkräfte einfach verschwinden. Aber es ist noch in einem viel höheren Maße der Fall. Den Auftrieb kennt die Menschheit aus dem Archimedischen Prinzip heraus, obwohl es im Technischen nicht immer berücksichtigt wird. Sonst würden nicht solche Dinge geschehen sein wie die Verwüstung des Stausees in Italien, wo einfach durch Nichterkenntnis des Archimedischen Prinzipes in seiner vollen Totalität ein technischer Mangel war. Ich weiß nicht, ob die Menschheit das einsieht, aber man konnte es aus den Beschreibungen, die gemacht wurden, sehr genau entnehmen. Man betrachtet diejenigen Gesetze als richtig, bei denen es einem paßt. Man ignoriert diejenigen Gesetze, bei denen es einem nicht paßt.

Nun ist nicht nur das vorhanden für dieses menschliche Haupt, daß die ganze innere Bildung des menschlichen Hauptes, daß die Schwere verlorengeht, es ist durch die besondere Einrichtung des menschlichen Atmungsprozesses, durch gewisse statische Verhältnisse, die sich abspielen zwischen Einatmung und Ausatmung, noch etwas anderes der Fall. Es ist dieses der Fall, daß der Atemstoß, der dadurch ausgeübt wird, daß eingeatmet wird, sich in einer gewissen Weise bricht, indem eingeatmet wird, und daß der Gegenstoß, der bei der Ausatmung erfolgt, sich in einer ähnlichen Weise verhält. Die beiden verhalten sich in einer ähnlichen Weise wie Schwere und Auftrieb, so daß das Kuriose ist, daß, wenn wir gehen, wir in Wahrheit in bezug auf die statischen Verhältnisse unseres Hauptes den Kopf, das Gehirn in Ruhe lassen. Wie wir es nicht schwer sein lassen durch den Auftrieb seines Wassers, so ist es in bezug auf sein inneres Verhältnis, wenn wir gehen. Und das gilt nicht nur für unser Gehen, sondern in kurioser Weise namentlich auch für die Bewegung, die wir mit der Erde mitmachen. Die machen wir bloß im übrigen Körper mit, nicht mit dem Gehirn; für das Gehirn wird sie fortwährend aufgehoben, so daß bei dem Gehirn bei einem Gewicht von 1500 Gramm immer nur 20 Gramm übrigbleiben. Außerdem ist es so, daß, wenn wir unseren Kopf auch ebenso schnell bewegen wie unseren übrigen Körper, er in Wahrheit in Ruhe bleibt. Sie können sich schwerer vorstellen, daß etwas, was für den Anblick in Bewegung ist, in Wirklichkeit ruht, als Sie sich vorstellen können, daß etwas, was der Schwere unterliegt, eigentlich nicht schwer ist. Aber es ist dennoch so. Für die innere Organisation des Menschen ist das Haupt durchaus so, wie wenn es in fortwährender Ruhe wäre, alle Kräfte gleichen sich gegenseitig aus, nur daß nach unten eine geringe Schwere, die sich verhält wie 20 zu 1500, und daß nach vorne eine ganz geringe Fortbewegungskraft existiert. Aber das Wesentliche der Bewegung wird ausgeglichen, so daß man einmal sagen kann, das menschliche Haupt ist im übrigen Organismus so - in bezug auf sein inneres Erleben — wie ein Mensch, der ruhig sitzt in einem Auto, sich gar nicht bewegt; das Auto bewegt sich, und er kommt doch vorwärts. Das menschliche Haupt erlebt so, wie es erleben würde, wenn es nicht schwer wäre. Es hebt seine Beweglichkeit auf, wenn sich der Mensch bewegt, und wenn sich mit dem Menschen sogar die Erde bewegt.

Also, das menschliche Organ des Kopfes hat etwas ganz Besonderes, indem es sich ausschließt, sich exiliert von alldem, was auf der Erde geschieht. Nur wenig nimmt die Erde teil an dem, was irgend Hauptestätigkeit ist. Dagegen ist dieses ganze menschliche Haupt eine Nachbildung des Kosmos. "Tatsächlich, dasjenige, was menschliches Haupt ist, ist eine Nachbildung des Kosmos, ist wirklich ein Abbild des Kosmos, hat in seinem Wesen gar nichts zu tun mit den Kräften der Erde. Also, die innere Gehirnbildung ist den Kräften des Kosmos nachgebildet, und wir haben eine innere Gehirngestaltung, deren Form wir nicht erklären können aus irgend etwas Irdischem, sondern die wir erklären müssen aus dem Kosmos heraus. Die Erde wirkt nur, indem sie - ich spreche es grob aus, aber Sie werden mich verstehen - durchbricht nach unten die kosmische Bildung und in den Menschen einfügt alles dasjenige, was nur zu der Erde hintendiert. Sie können das ja sehr leicht an einem Skelett wahrnehmen. Sie heben am Menschen den Schädel ab, dann haben Sie das abgenommen, was kosmisch nachgebildet ist und Sie haben zunächst das übrig, was nur noch halb kosmisch ist, in der Anordnung der Rippen, da ist es aber schon unter dem Eindruck des Irdischen stehend. Sehen Sie sich namentlich am Skelett an die Röhrenknochen der Beine, die Röhrenknochen der Arme: da haben Sie rein irdische Bildungen. Sehen Sie sich an am Skelett die Rückenmarkswirbel, die rauhen Rückgratwirbel, an denen die Rippen sitzen. Da müssen Sie einsehen, daß das entstanden ist aus dem Gleichgewichtszustand zwischen dem Kosmischen und dem Irdischen. Und sehen Sie den Kopf an, da haben Sie auch in der Schädeldecke eine Form, in der der Kosmos entreißt dem Irdischen die Möglichkeit, sich selbst zu formen, eine Form, die nachgebildet ist dem Kosmischen. So muß man die menschlichen Formen wirklich studieren.

Nur wenn Sie so die menschlichen Formen studieren und außerdem wissen, daß eigentlich der Kopf für sein innerliches Erleben gerade mit Bezug auf seine Weichbildungen, seine Flüssigkeitsbildungen in Ruhe ist, also in Ruhe den Kosmos nachbildet, dann werden Sie sich schon sagen müssen, eigentlich ist alle Anatomie und Physiologie, wie sie heute in Beschreibungen auftreten, ja etwas, wovon man überhaupt nicht sprechen kann als von Wahrheit, weil die nicht das Bewußtsein haben, daß es sich um etwas handelt, was unter kosmischem Einflusse steht.

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Ich habe gesagt, es sind Kräfte da, die gehen aus der Peripherie herein, es ist so, wie wenn sie von allen Seiten hereinkommen würden auf diesen menschlichen Kopf. Aber es ist ein großer Unterschied, ob diese Kräfte kommen und der Mond sie aufhält, oder ob die Sonne sie aufhält, oder ob der Saturn sie aufhält. Dadurch, daß gewisse Sterne da sind, werden diese peripherischen Kräfte modifiziert. Es ist also nicht gleichgültig, aus welchen Richtungen diese Kräfte herkommen. Die Wirkung wird wesentlich modifiziert durch den Ort, in dem wir irgendein Sternbild sehen. Das ist ein Gedanke, der heute nur dilettantisch, in sehr alten Zeiten in intuitiver Weisheit der alten Astronomie zugrunde liegt. Heute bekommt aus den Tatsachen, die da sind, keiner eine Vorstellung davon, wie die Dinge in Wirklichkeit sind. Das, was ich gesagt habe, ist ganz wesentlich, um einzusehen, wie diese menschliche Bildung eigentlich ist. Denn in dem, daß der Mensch in seinem Haupte ganz dem Kosmos unterliegt, daß er in dem, was die Röhrenknochen der Beine sind, nur dem Irdischen unterliegt, drückt sich zugleich aus, bis ins Substantielle hinein, das, was in den Bildekräften liegt. Wenn Sie ein menschliches Knochengebilde haben: Sie wissen ja, darin ist dasjenige, was dann erscheint als kohlensaurer Kalk. Es gibt dann aber auch phosphorsauren Kalk, beides hat seine starke Bedeutung für den Knochenbau. Durch den kohlensauren Kalk erhält der Knochen die Eigentümlichkeit, der Erde zu unterliegen. Wäre die Knochensubstanz nicht überhaupt durchsetzt von kohlensaurem Kalk, könnte die Erde nicht an den Knochen heran. Der kohlensaure Kalk bildet für die Erde den substantiellen Angriffspunkt, um nach ihren Bildungskräften den Knochen zu formen. Der phosphorsaure Kalk bildet für den Kosmos den Angriffspunkt, um den Knochen zu formen. Wenn Sie also zum Beispiel einen solchen Röhrenknochen haben wie den menschlichen Oberschenkelknochen, dann würde dieser Oberschenkelknochen seine Ausdehnung von oben nach unten nicht haben können, wenn nicht dieses vermittelt würde durch den kohlensauren Kalk. Er würde aber den Schenkelhals nicht haben, wenn dies nicht vermittelt würde durch den phosphorsauren Kalk. Daran ändert sich nichts durch die Tatsache, welche die Anatomen einwenden, daß die Menge des phosphorsauren und kohlensauren Kalkes für ein Knochenrohr und einen Schenkelhals sich im wesentlichen nicht unterscheiden. Erstens ist es für eine feinere Untersuchung nicht ganz richtig, sie unterscheiden sich, aber bei diesen Dingen kommt noch ein anderes in Betracht. Der ganze menschliche Organismus ist darauf angelegt, Aufbau- und Abbauprozesse zu haben. Prozesse, aus denen sich etwas aufbaut, und Prozesse, durch die sich das, was beim Aufbau nicht verwendet werden kann, abscheidet. Einen sehr bedeutenden Unterschied zwischen solchen aufbauenden und abbauenden Kräften in den Substanzen selber können Sie zum Beispiel beim Fluor konstatieren. Der gewöhnliche Anatom würde sagen: Fluor spielt eine Rolle beim Aufbau der Zähne, es findet sich auch im Harn, also Fluor da und dort. Darum handelt es sich nicht. Beim Aufbau der Zähne spielt Fluor eine positive Rolle; die Zähne können nicht aufgebaut werden ohne Fluor. Im Harn findet sich das Fluor, das herausgebaut ist, das abgebaut werden soll. Das Wesentliche ist, daß Sie unterscheiden, ob irgend etwas an einer Stelle abgeschieden ist und deshalb sich bildet, oder ob es absolut notwendig ist im Aufbau. Und so ist es. Wenn Sie einen Knochenteil haben, der im wesentlichen aus dem Kosmos hereingebildet ist, so ist der phosphorsaure Kalk aufbauend. In einem andern Knochenteile findet sich der phosphorsaure Kalk als Abscheidung - und umgekehrt: Beim Röhrenknochen ist der kohlensaure Kalk aufbauend und findet sich als Abscheidung, wird abgeschieden nach dem Teil hin, der aus dem Kosmos hereingebildet ist. Man muß sagen, es kommt nirgends darauf an, ob der oder jener Stoff da ist, sondern darauf kommt es an, was diese Stoffe für einen Weg machen, was sie für eine Bedeutung haben an irgendeinem Orte des Organismus.

Ich habe diese Dinge einmal dadurch versucht unseren Freunden bildhaft zu machen, indem ich sagte: Nehmen wir an, ich gehe um neun Uhr morgens spazieren und treffe auf einer Bank zwei Menschen, die dort friedlich beisammensitzen. Am Nachmittag um drei Uhr gehe ich wieder hin. Die Menschen sitzen wiederum friedlich beisammen. Wenn ich diese zwei Fakten konstatiere, habe ich nichts getan, weil es so sein kann: der eine Mensch kann sich Butterbrot mitgenommen haben und ist von neun bis drei Uhr sitzengeblieben, der andere ist gegangen, hat einen Weg gemacht, hat sich erst vor drei Uhr wieder hingesetzt. Der eine ist ausgeruht, der andere ist furchtbar müde. Die innere Konstitution unterscheidet sich ganz wesentlich bei beiden. Es kann danach nicht darauf ankommen, ob dieser oder jener Mensch da ist, sondern darauf: Was hat er gemacht, was ist sein Weg im Dasein, um zu diesem Ort zu kommen. — Und so ist es im Grunde genommen gleichgültig für das Verständnis des Menschen, ob in einem Organ dieser oder jener Stoff ist. Man muß wissen, wie er darin ist, ob er als aufbauender oder als Abscheidestoff drin ist, dann kann man erst den Menschen verstehen. Niemals wird man den Übergang finden können von der Qualität eines Stoffes, der für den menschlichen Organismus notwendig ist, zu einem Heilmittel, wenn man nicht diesen Prozeß ordentlich ins Auge fassen kann. Erst wenn man dieses kann, kommt man darauf, daß tatsächlich die Verteilung der Stoffe im Kosmos eine ganz andere ist, als man gewöhnlich glaubt.

Es ist schon einmal eine auffallende "Tatsache, über die nur seit fünf bis sechs Jahrhunderten nicht mehr nachgedacht wird, daß man mit gewissen analytischen Prozessen im menschlichen Organismus, wie man meint, Eisen nachweisen kann. Alle diese Prozesse sind so, daß man sagen kann: im menschlichen Organismus, im Blut ist Eisen. Aber man wird vergeblich versuchen, im Menschen Blei nachzuweisen, wenn der Organismus normal ist. Nun, das Blei kennt man eigentlich nur in Bleierzen sowie da, wo es sich grobklotzig findet. Aber alle Metalle, die sich grobklotzig in unserer Erdensubstanz finden, waren einstmals in ihren Urgebilden in Saturn, Sonne und so weiter in ganz flüchtigen, sogar wärmeätherischen Zuständen, als aufgelöste, flüchtige, wärmeätherische Zustände vorhanden. Nun, der Mensch war, allerdings natürlich in einer andern Form, in seiner Wesenheit schon auf dem alten Saturn vorhanden. Er hat alle diese Prozesse mitgemacht, unter denen zum Beispiel Eisen von einem ganz flüchtigen, fein verteilten, wärmeätherischen Zustande dasjenige geworden ist, was es heute ist. Er hat mitgemacht, wie die Welt geworden ist und so weiter. Das Eigentümliche ist, daß der Mensch dem Eisen gegenüber, dem Magnesium gegenüber sich so verhalten hat, daß er diese Stoffe in seine eigene Bildung aufgenommen hat. Das Blei hat er überwunden. Also dem Magnesium gegenüber hat er sich so verhalten, daß er den Magnesiumprozeß mit seinem Prozeß verbunden hat. Dem Blei gegenüber hat er sich so verhalten, daß er geflohen ist vor dem Bleiprozeß, daß er den ausgeschieden hat, so daß wir in bezug auf das Magnesium sehen, wie im Menschen dieselben Kräfte walten, die eben draußen im Magnesium walten. Der Mensch muß sie innerlich überwinden. Aber bevor der Mensch in seiner Haut eingeschlossen war, als er noch ein metamorphosierendes Gebilde war, das mit dem Kosmos einig war, hat er den Bleiprozeß überwunden, so daß er heute noch in sich hat die Überwindung, die Ausscheidung des Bleiprozesses. Er hat in sich die Aufbaukräfte des Magnesiums, er hat in sich die Ausscheidungskräfte für den Bleiprozeß.

Was heißt das eigentlich? Sie brauchen ja nur zu studieren, was aus dem menschlichen Organismus wird, wenn er eine Bleivergiftung hat. Er wird in sich brüchig, sklerotisch. Daher könnte man sagen: Blei kann der menschliche Organismus nicht in sich dulden. Wenn eine Bleivergiftung eintritt, so ist also Blei im menschlichen Organismus drin. Der Organismus fängt allerdings an, den Prozeß, der in der Bleisubstanz liegt — Substanzen sind immer Prozesse —, zu bekämpfen. Blei breitet sich aus im organischen Prozesse; der Organismus rüttelt sich dagegen auf, sucht das Blei auszutreiben. Wenn er das kann, gesundet er. Wenn das Blei stärker ist, gesundet er nicht. Es tritt der bekannte Zerfallsprozeß der Bleivergiftung im menschlichen Organismus auf, weil der menschliche Organismus nur verträgt die den Bleiprozeß überwindenden Prozesse. Er kann die die Bleisubstanz bildenden Kräfte nicht in sich haben.

Wenn man nun nachforscht, was der Mensch davon hat, daß er kein Blei in sich duldet, kommt man zu folgendem. Sehen Sie, der Mensch ist ja zunächst ein Sinneswesen. Er nimmt Dinge um sich herum wahr, und dann denkt er nach über die Dinge. Beides braucht er. Er muß Dinge wahrnehmen, damit er mit der Welt in Verbindung treten kann. Er muß auch nachdenken, muß zurückdrängen seine Wahrnehmung, und im Zurückdrängen dann seine Selbständigkeit entwickeln. Würden wir nur wahrnehmen, gingen wir immer im äußeren Anschauen auf. Hingegen dadurch, daß wir zurücktreten von den Dingen, über sie nachdenken, sind wir erst eine Persönlichkeit, eine Individualität. Dadurch gehen wir nicht in den Dingen auf. Und wenn man studiert den menschlichen Ätherleib, so hat er in sich ein Zentrum für bleiabweisende Kräfte. Dieses Zentrum ist ungefähr dort, wo die Haare ihren Wirbel bilden. Da strahlen die bleiüberwindenden Kräfte aus. Überall in den Organismus strahlen sie hinein, damit ja nicht die bleibildenden Kräfte in den Organismus hineinkommen können. Die bleiüberwindenden Kräfte, die der Körper ausgebildet hat, haben eine große Bedeutung dadurch, daß diese selben bleiüberwindenden Kräfte machen, daß, wenn ich diese Kreide anschaue, ich nicht im einfachen Anschauen der Kreide befangen bleibe. Sonst würde ich selber mich mit dem Angeschauten identifizieren. Ich mache mich selbständig, ich lähme die Beobachtung ab, aber das tue ich mit denselben Kräften, die die blerüberwindenden Kräfte sind, so daß der Mensch diesen bleiüberwindenden Kräften verdankt, daß er eine innerlich geschlossene Persönlichkeit sein kann. Daß der Mensch sich von der Welt absondern kann, das verdankt er den bleiüberwindenden Kräften.

Es ist schon so, daß diese Kräfte, die im Menschen sitzen und deren Dasein einem recht auffällig werden kann, wenn man einen gewissen Zusammenhang, den ich gleich erwähnen will, berücksichtigt, nicht nur eine physisch-ätherische Bedeutung, sondern eben durchaus auch eine psychisch-moralische Bedeutung haben. Was ich sagen will, ist dieses: Der Mensch nimmt gewisse Metallkörper in sich auf, die er mit dem eigenen körperlichen Organismus verbindet, andere Metallkörper überwindet er; er hat sie nur als Abweisungs-, als Überwindungsprozesse in sich. Nun, woher kommt das, daß der Mensch im Laufe seiner langen Entwickelung von der Saturnzeit, der Sonnenzeit und so weiter gewisse Substanzen, die draußen entstanden sind, ausgeschieden, andere nur aufgenommen hat? In diesem Ausscheiden liegt zu gleicher Zeit das, daß der Mensch selbständige moralische Kräfte in sich aufnehmen kann. Es ist schon so, daß der Mensch, würde er zum Beispiel daraufhin veranlagt sein, bleibildende Kräfte in sich zu haben - man könnte denken, daß der jetzige Organismus zwar jetzt nicht Blei brauchen kann, aber daß er irgendwelche bleibildende Kräfte hätte, daß er Blei in demselben Sinne in sich hätte wie jetzt das Eisen —, dann würde der Mensch - beim Blei ist es so — halb moralische Eigenschaften in sich haben, von dem Blei her in sich tragen, dann würde der Mensch etwa eine krankhafte — wir würden es heute krankhaft nennen - Affinität haben zu den äußeren Unreinigkeiten in der Welt. Riechende, stinkende Stoffe würde der Mensch sehr gerne aufsuchen und an ihnen riechen, um aufzugehen in denselben. Und wenn man ein Kind hat und an ihm beobachten kann, wie es bei Kindern vorkommt, daß sie solche perversen Eigenschaften haben - es gibt Kinder, die suchen mit Vorliebe alles Stinkende auf, sie naschen mit der Nase zum Beispiel am Petroleum -, da ist immer diese bleiabweisende Eigenschaft des Blutes nicht vorhanden. Da muß man versuchen, durch klinische oder sogar durch medikamentöse Einwirkung diese bleiabweisende Kraft aufzurufen. Es ist möglich durch Behandlungsarten, die noch zu besprechen sein werden, diese bleiabweisende Kraft aufzurufen.

Bleiben wir einmal bei einem Stoff, der im menschlichen Organismus eine gewisse Rolle spielt, dem Magnesium. Da können wir eine besonders interessante Sache studieren. Ich habe gerade auf pädagogischem Felde immer wieder darauf aufmerksam gemacht, wie der erste Lebensabschnitt, den wir scharf abgrenzen müssen von allen folgenden, der ist, der bis zum Zahnwechsel geht. Dann ist der nächste Abschnitt derjenige, der bis zur Geschlechtsreife geht. Nun ist die Sache so, daß geradeso, wie Fluor notwendig ist zur Zahnbildung, auch Magnesium zur Zahnbildung notwendig ist. Aber die Zahnbildung findet nicht nur statt im Munde, im Oberkiefer und Unterkiefer, sondern der ganze Organismus ist daran beteiligt, der Magnesiumprozeß spielt sich im ganzen menschlichen Organismus ab. Und das bedeutet für den Menschen das Allerwesentlichste bis zum Zahnwechsel. Nachher, nach dem Zahnwechsel hat das Magnesium nicht mehr jene große Bedeutung, die es vorher hatte, denn die Magnesiumkräfte im Menschen, die verhärten seinen Organismus. Sie schließen seinen Organismus in sich selbst zusammen, und ich möchte sagen, der Schlußpunkt dieses Konsolidierens des menschlichen Organismus, dies In-sich-Gliedern der Kräfte und Stoffe, das findet in dem Zahnwechsel, mit dem Erhalten der zweiten Zähne seinen Abschluß. Bis dahin hat die Verwendung von Magnesium die allergrößte Bedeutung für den menschlichen Organismus.

Nun ist der menschliche Organismus in bezug auf seine zeitliche Entwickelung ein Ganzes. Er muß Magnesium in sich entwickeln, in sich haben. Er hätte nicht die richtigen Konsolidierungskräfte, wenn er nicht diese Magnesiumprozesse in sich hätte. Er kann aber nicht aufhören, die Magnesiumkräfte zu erzeugen. Es geschieht dies nach dem Zahnwechsel ebenso wie vor dem Zahnwechsel. Die müssen im Organismus verarbeitet werden, und so wird nach dem Zahnwechsel das Wesentliche sein, daß das Magnesium überwunden wird, daß es ausgeschieden wird. Es zieht sich besonders in die menschliche Milchabsonderung, es wird besonders mit der Milch abgeschieden. Indem die Milchsekretion zusammenhängt mit der Geschlechtsreife, sehen Sie einen merkwürdigen zusammenhängenden Prozeß, einen periodischen Prozeß. Nehmen Sie das Magnesium: Bis zum Zahnwechsel wird es sozusagen vom menschlichen Organismus konsumiert, nachher vom Zahnwechsel bis zur Geschlechtsreife wird es abgeschieden und unter den Kräften, die die Milchkräfte bilden, ist durchaus das Magnesium als Abscheidung. Nachher kommt ein Rückschlag bis zum zwanzigsten Jahre. Dann findet die Magnesiumkraft eine Verwendung zur feineren Konsolidierung der Muskeln. Substanzen sind eigentlich nur eine Zusammensetzung von Prozessen, Blei ist ja nur scheinbar diese grobe, grau aussehende Substanz. Es ist Unsinn zu sagen, daß es ein Stück grober Substanz ist, Blei ist jener Prozeß, der innerhalb der Grenzen abläuft, die der Ausbreitung des Bleies gezogen sind; alles ist Prozeß! Nicht wahr, man kann sagen, daß die substantiellen Prozesse nicht nur so sind im Menschen, daß gewisse substantielle Prozesse im Menschen verarbeitet werden können, gewisse andere abgewiesen werden können wie der Bleiprozef, den wir niemals brauchen können, bei dem wir immer die ausscheidende Kraft haben müssen, sondern es gibt andere, wie den Magnesiumprozefß?, der so ist, daß er rhythmisch wechselt, daß wir tatsächlich in rhythmischen Perioden unseres Lebens die konsumierenden Prozesse entwickeln für die Magnesiumkräfte, dann die abscheidenden Prozesse.

Das ist dasjenige, was Ihnen zeigt, daß man wiederum eigentlich gar nichts hat, wenn man bloß analysiert und sagt, der menschliche Organismus hat Magnesium. Es ist gar nichts damit gesagt, denn im zwölften Jahre haben diese Substanzen eine ganz andere Bedeutung als im fünften oder vierten Jahre. Und nur dann lernt man den Menschen kennen, wenn man weiß, wann gewisse substantielle Prozesse, also Substanzen, diese oder jene Bedeutung im menschlichen Organismus haben. Will man erkennen, wie Substanzen, die draußen in der Natur sind, im menschlichen Organismus weiter wirken können, dann ist es wirklich von der geringsten Bedeutung, die chemische Beschaffenheit der Substanzen zu studieren. Man muß etwas studieren, was heute kaum studiert wird. Wenn man verfolgt das Substanzenstudium bis ins 13. oder 14. Jahrhundert, so hat man da erst die Anlagen zur heutigen Chemie. Diese Anlagen sind in den damaligen uns oftmals töricht vorkommenden alchimistischen Prozessen vorhanden. Aber es ist noch etwas anderes vorhanden. Es war dazumal etwas vorhanden, was gar keine Fortsetzung erfahren hat, das, was man heute die Signaturenlehre nennen könnte, die Signaturenlehre, die für Pflanzen besonders angewendet wurde, aber auch für Mineralien, die nicht mehr ihre Fortbildung erhalten hat.

Sehen Sie, ein solcher Stoff wie das Antimon, das Grauspießglanzerz: das Eigentümliche dieses Antimons ist, daß es die bekannte spießige Gestalt bekommt, diese haarförmige Gestaltung.

Wenn Sie es in einer gewissen Weise metallurgisch behandeln, dann bekommen Sie den Antimonspiegel, nämlich wenn das sich verflüchtigende Antimon auf einer kalten Fläche niederschlägt. Sie haben überall im Grauspießglanzerz die Tendenz, Formen zu bilden, die eigentlich sich sehr deutlich zeigen als Formen des Ätherleibes. Es sieht sehr ähnlich, was sich da bildet, den Formen gewisser einfacher Pflanzen, die sich dem Ätherleib anschmiegen. Wenn man Antimonsubstanz betrachtet, hat man unmittelbar das Gefühl, dieses Antimon ist sehr empfänglich für Ätherkräfte. Es schmiegt sich hinein in die Ätherkräfte. Jeder kann das dadurch konstatieren, daß er Antimon elektrolytisch behandelt, unter gewissen Umständen an die Kathode bringt: es entsteht eine Reihe von Explosionen, die überleiten in die Beziehungen des Antimons zu den Ätherkräften. Das ist ein auffälliger Fall, aber für diese Dinge hatte man einmal ein sehr starkes Auffassungsvermögen, heute ist dieses Auffassungsvermögen gar nicht mehr da; man respektiert solche Betrachtungen gar nicht mehr wie diejenigen, die ich angegeben habe. Daher ist man zu solchen Dingen gekommen, daß man bedeutsamen Wahrnehmungen gegenüber ratlos dasteht. Sehen Sie, man hat ja Diamant, Graphit, Anthrazit oder Steinkohle: alles ist Kohle, aber doch so verschieden. Warum ist das so? Würden die Menschen wirklich eingehen können auf dasjenige, was nicht bloß die chemische Beschaffenheit, sondern was im alten Sinne die Signatur ist, so würden Sie anfangen zu verstehen, was für ein Unterschied ist zwischen Steinkohle und Graphit. Steinkohle ist während des Erdprozesses entstanden. Graphit während des Mondprozesses, des der Erde vorangehenden planetartschen Prozesses, und Diamant während des Sonnenprozesses. Und Sie bekommen da, wenn Sie die Dinge kosmisch betrachten, auch einen Einblick dahinein, daß es wiederum nicht auf die Substanz ankommt, sondern daß es darauf ankommt, unter welchen Umständen und Zeiten eine Substanz eine gewisse, also eine feste Form angenommen hat. Nun, nicht wahr, wenn aber Substantielles, Physisch-Reales der Zeit unterliegt, so hat die Zeit eben eine bestimmte Bedeutung. Denn denken Sie einmal, wenn Sie das nehmen, was ich gesagt habe, so können Sie sagen, die Steinkohle ist ein Kind, ist noch nicht sehr alt; Graphit ist ein Jüngling, ist schon älter; Diamant ist, wenn nicht ein Greis, so doch mindestens sehr stark männlich. Wenn Sie irgendeine Aufgabe stellen wollen, die, sagen wir, reifes Menschenalter erfordert, so werden Sie nicht ein Kind hinstellen, es kommt auf das Lebensalter an. So werden Sie einsehen können, daß einfach nach dem kosmischen Lebensalter die Kohle überall da, wo sie auftritt, eine andere Aufgabe hat als Graphit, der ein gewisses reiferes Alter hat. So ist es notwendig, daß? man in kosmische Prozesse hineinsieht, wenn man die Beziehung des Menschen kennenlernen will zu dem, was draußen im Kosmos ist. Wenn Antimon eine besondere Empfindung hat für den menschlichen Ätherleib und Sie bringen Antimon als Medikament in den menschlichen Organismus, so müssen Sie erkennen, welche Beziehung es schon außer dem Menschen hat, wenn Sie erkennen wollen, was durch Antimon im menschlichen Ätherleib angeregt wird. Sie müssen durchaus eingehen auf die feinen Prozesse in der Natur, wenn Sie verstehen wollen, was irgendein Heilmittel im Menschen sein soll.

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