Faculty Meetings with Rudolf Steiner I
GA 300a — 26 March 1921, Stuttgart
Vierundzwanzigste Konferenz
Am 25. Mai hielt Rudolf Steiner einen Vortrag in der Stuttgarter Liederhalle unter dem Titel Anthroposophie und Dreigliederung. Von ihrem Wesen und zu ihrer Verteidigung (GA 255b). In einer zweieinhalbstündigen Rede verteidigte Steiner die Dreigliederung und wehrte sich gegen die persönlichen Angriffe. Nach dem Vortrag kam es zu Auseinandersetzungen mit Teilen des Publikums. Am nächsten Morgen besuchte Steiner einzelne Klassen der Schule, am Abend war Konferenz bis zwei Uhr nachts.
Am 11. Juni hielt Steiner zum Abschluss des zweiten Schuljahres eine Ansprache an die Schüler.
«Ich habe mich angestrengt, aufmerksam zu sein und liebevoll zu sein zu meinen Lehrgegenständen und zu meinen Lehrern.» (GA 298)
Themen: Schuljahres-Abschluss. Übersicht aller Klassen. Zeugnisse. Pädagogische Fragen zu einzelnen Schülern. Individualisierung des Stundenplans in der Oberstufe. Besetzungsfragen. Erich Schwebsch soll an die Schule kommen.
Bemerkungen: Das Schuljahr endete in diesem Jahr am 11. Juni. Am 18. Juni begann das neue Schuljahr, die Sommerferien dauerten bloß eine Woche. Das war der Grund, weshalb Steiner eine echte Feier haben wollte, damit die Schüler den Übergang so bewusst wie möglich erlebten; schließlich kamen eine neue 10. Klasse und zwei erste Klassen dazu. Aus der gesamten Situation schloss Rudolf Steiner, dass es bei dieser einen Schulgründung wohl bleiben werde, wenn nicht ein Weltschulverein eine große pädagogische Bewegung entfachen würde. Steiner beklagte das Einstellen der Monatsleiern; sie sollten wiederbelebt werden.
RUDOLF STEINER: Wir werden uns wohl über den Schulschluss zu unterhalten haben.
KARL STOCKMEYER: Ich dachte, dass ich die verschiedenen Probleme vorlegen würde, die wir uns vorgelegt haben, dass ich die nur als Frage vorlegen würde, damit man sieht, was zu besprechen sein wird.
RUDOLF STEINER: Sie haben eine Anzahl von Fragen?
KARL STOCKMEYER: Die Frage, wie die Versetzung in diesem Jahr gehandhabt werden soll. Es schien uns wichtig, das noch einmal zu besprechen.
Allgemeines wegen der 10. Klasse und der folgenden.
[Eine] Bitte um einen Kursus über Erziehung der über Vierzehnjährigen, auch betreffend den Religionsunterricht.
Weiter, was bei uns eine «bourgeoise Methode» ist, und wie es ausgemerzt werden könnte.
Eine Frage von Paul Baumann wegen des Instrumentalunterrichts.
Frage der Personalien zum Beispiel im Gartenbau.
Ob man in der 3. Klasse in den Fremdsprachen schon schreiben oder nur sprechen soll.
Eine Frage von Herbert Hahn betreffend Lebenskunde.
Eine Frage nach dem Eurythmie-Sonderkurs.
Auch wegen einer Versammlung mit Lehrern, wegen pädagogischer Wochen und wegen eines Mitteilungsblattes.
RUDOLF STEINER: Unter Lehrern?
KARL STOCKMEYER: Es schien mir, dass die Volksschullehrerschaft zugänglich wäre.
1b, Hilfsklasse, Handwerk und Gartenbau, Turnlehrer.
PAUL BAUMANN: Das ist nicht ein Wunsch von mir.
RUDOLF STEINER: Ich denke, wir werden die einzelnen Punkte absolvieren, indem wir zuerst versuchen, die Dinge zu sagen, welche die einzelnen Lehrkräfte über das vorzubringen haben, was mit der Fortsetzung und mit dem Ende des Schuljahres zusammenhängt. Dann werden wir leichter die Frage nach der Versetzung der Kinder besprechen können. Ich denke, wir beginnen bei der 9. Klasse. Ich werde die verehrten Lehrkräfte bitten, die Erfahrungen vorzubringen, die sie auf den Schluss des Schuljahres vorzubringen haben.
Es wird über jede einzelne Klasse gesprochen, zuerst über die 9.
WALTER JOHANNES STEIN: Es ist nichts Besonderes zu sagen.
KARL STOCKMEYER: Geologie ist noch nicht zur Sprache gekommen. [Es sollen alle aufsteigen in die 10. Klasse.]
RUDOLF STEINER: Ich war darin bei der Jean-Paul-Besprechung. Sind Sie zufrieden mit der Art, wie die Kinder teilnehmen?
WALTER JOHANNES RUDOLF: Ich bin nicht sehr zufrieden mit der Art, wie ich es vortrage. Es ist nicht ununterbrochen möglich, die Kinder über die Abstraktheiten hinwegzubringen.
RUDOLF STEINER: Was ist in der Eurythmie zu sagen? EpirH RÖHRrtE: Sie sind alle dabei.
RUDOLF STEINER: Der eine Lethargische, der R. M., ist nicht wirklich lethargisch; der macht [nur] einen lethargischen Eindruck.
Falls eine 10. Klasse zu errichten sein würde, so würden alle Schüler aufzusteigen haben.
Nun kommen wir zur 8. Klasse.
WALTER JOHANNES STEin: Ich habe beim Dreißigjährigen Krieg besonders Wert gelegt auf die Charaktere.
RUDOLF STEINER: Sind da Schüler, die in Betracht kommen als so schwach, dass man sie zurücklassen soll?
KARL STOCKMEYER: Ich werde mit dem Stoff fertig werden. Es wäre bei H. K. zu überlegen, ob er nicht in einer tieferen Klasse besser vorwärtskommt.
RUDOLF STEINER: Meinem Eindruck nach müsste er nicht zurückbleiben. Ist es einer von denen, die in bestimmten Fächern mehr zurück sind?
RUDOLF TREICHLER: Er schläft förmlich ein.
RUDOLF STEINER: Er ist physisch schwach. Er war bei der Quäkerspeisung.
EMIL MOLT: Es sind so schlimme häusliche Verhältnisse.
RUDOLF STEINER: Es fragt sich in einem solchen Fall, ob Sie glauben, dass er im nächsten Jahre in der 9. Klasse stören wird, oder ob man ihn unter Umständen doch wird mitbringen können. Wenn solche Verhältnisse vorliegen, ist solch ein Schock nicht gerade das Wünschenswerte.
KARL STOCKMEYER: Ich glaube nicht, dass er stören wird.
RUDOLF STEINER: Ist in der Eurythmie etwas zu gewinnen aus ihm?
EDITH RÖHRLE: Er strengt sich an. — P. R. ist verwachsen, soll man ihn einzeln vornehmen?
RUDOLF STEINER: Haben wir eine gewisse Anzahl solcher Kinder durch die verschiedenen Klassen durch?
EDITH RÖHRLE: Es ist noch B., die stört nicht.
RUDOLF STEINER: Man muss, so gut man kann, mit den Kindern innerhalb der[selben] Gruppe fertig werden. Es geht nicht an, dass man [P. R.] absondert. Ist sprachlich etwas zu sagen?
RUDOLF TREICHLER: O. W. kann nichts.
RUDOLF STEINER: Das lässt sich weiter verteilen. Der H. K. bliebe zu bedenken. Ich glaube doch, dass es kaum zweifelhaft sein kann, dass wir diesen in die 9. Klasse hinaufnehmen. Ich werde vielleicht morgen oder übermorgen [in die Klasse kommen]. Wir müssen den Hilfsunterricht haben. Daran müssen wir denken. In einer niedrigeren Klasse würden [solche Schüler] ebenso stören.
7. Klasse: Karl Schubert hat Bedenken wegen A. und K. B.
ELISABETH BAUMANN: In der Eurythmie sind sie gut, besonders in den Gruppensachen. Mit Ausnahme von K. B.
PAUL BAUMANN [nach einer Bemerkung von Rudolf Steiner]: Niemand muss sitzen bleiben.
6. Klasse:
HERMANN VON BARAVALLE: A. tut mit Freude mit.
RUDOLF STEINER: Zunächst werden wir sie mitnehmen in die 7. Klasse.
Zur Klasse 6a:
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Lehrstoff: fast erledigt. Die Kinder [in meiner 6. Klasse] haben ein schlechtes Gedächtnis. Es muss ein Fehler im Unterricht sein.
RUDOLF STEINER: Man kann nicht sagen, das Gedächtnis aller Kinder sei schwach.
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Die Kinder haben die Dinge nicht behalten. Sie haben keine klaren Bilder, zum Beispiel von Ägypten.
RUDOLF STEINER: Auf welche Weise versuchen Sie die bildliche Vorstellung beizubringen?
CAROLINE VON HEYDEBRAND berichtet vom Geografieunterricht.
RUDOLF STEINER: An die Pyramiden und Obelisken erinnern [die Kinder] sich. Sie müssen sich dabei fragen, ob Sie wirklich alles im Einzelnen gemacht haben, um allen Kindern ein Bild beizubringen von der wirklichen Lage Ägyptens, sodass das Kind nicht Lücken hat im Vorstellen, wenn es auf Ägypten kommen soll. Wenn man Ägypten bloß heraushebt, und es keine Vorstellungen hat, wie es von hier aus nach Ägypten käme, wenn es kein plastisches Bild hat, dann ist es sehr leicht möglich, [dass das Gedächtnis aussetzt]. Vielleicht muss man darauf achten, dass alle Einzelheiten getan sind, damit die Kinder eine völlig plastische Vorstellung und eine lückenlose Vorstellung haben von der Lage Ägyptens in Bezug auf den eigenen Ort. Das Kind wird etwas wissen von Pyramiden und Obelisken, aber nicht weiß es, dass sie in Ägypten sind. Es ist sehr zu überlegen, ob wirklich alle diese Dinge, die zu geschlossenen Vorstellungen führen, gemacht werden. Lassen Sie die Kinder nur Afrika zeichnen? [Vielleicht sollte man immer zur Spezialkarte noch etwa eine europäische oder sonst eine zeichnen lassen, die einen Überblick und den Zusammenhang verschafft.]
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Ich habe gefragt, in welcher Himmelsrichtung sie Ägypten suchen würden.
RUDOLF STEINER: Vielleicht muss man die Städte suchen, über die man kommt, wenn man von hier nach Ägypten geht. Diese Art von Gedächtnisfehlern rührt her von irgendwelchen Lücken im übrigen Vorstellungserwerb. Wenn die Kinder geschlossene Vorstellungen kriegen, dann ist es ganz zweifellos, dass das Gedächtnis besser wird. Das war bei Oehlschlegel [nicht] der Fall. Die Kinder waren interessiert. Sie haben alles verstanden, [waren] enthusiasmiert. Sie haben [sich aber] nichts gemerkt, weil er die Dinge heraushob und nicht größere Zusammenhänge [gab]. [Größere Zusammenhänge herstellen, das ist eine gute Art von Gedächtnispflege.]
Das gilt in der verschiedensten Weise für verschiedene Unterrichtszweige. Es gilt vor allem für solche Dinge wie Geografie, es gilt [auch] für gewisse naturgeschichtliche Dinge. [Für] Geschichte, natürlich, da gilt es ganz besonders. Bei der Geschichte ist es [wichtig], dass auf jede mögliche Weise gesucht werden muss, den Kindern konkrete Vorstellungen zu geben.
Wenn man so etwas bespricht wie die Perserkriege, würde ich niemals versäumen, wenigstens wo wichtige Knotenpunkte sind, irgendjemand herauszuheben. Heute haben Sie den athenischen Läufer gehabt: Ich würde niemals versäumen, den Kindern eine [recht] anschauliche Vorstellung zu verschaffen, wie lange es her ist, dass ein solcher Mensch gelebt hat, [zum Beispiel die Generationen nachrechnen zu lassen]: Großvater und Sohn [und so weiter]. Ich würde die Reihe konstruieren bis herauf zum athenischen Läufer. Es würden sich ergeben 55 bis 56 hintereinanderstehende Menschen. Die Kinder bekommen [dadurch] eine Vorstellung, wie lange die Zeitlinie hinaufgeht. Ich würde fragen: Welcher ist Zeitgenosse des Mysteriums von Golgatha? Solche Vorstellungen zu Hilfe nehmen, und [darauf] ruhen lassen die Kinder. Man redet von Ägypten und will ihnen beibringen, wie sie von Stuttgart nach Ägypten kommen. Man hält in Venedig, dann versucht man ein bisschen abzurücken vom Thema und einen Witz zu machen, was auf Venedig Bezug hat. Es muss Humor [in den Unterricht] hinein, sonst leidet auch das Gedächtnis.
CAROLINE VON HEYDEBRAND spricht über einige schwach befähigte Kinder in der 6a, besonders über W. G.: Er ist übersanguinisch, dass er beinah närrisch ist. Er schreibt die Buchstaben nicht zusammen, ein Wort nicht zu Ende. Er sagt, was ihm einfällt.
RUDOLF STEINER: Das ist ein seelisch nicht so altes Kind. Er ist seelisch auf der Stufe von acht oder sieben Jahren. Nun ist es bei ihm so, dass er sich nicht sehr viel daraus machen würde, wenn man ihn zurücklässt. Es würde sich darum handeln, wie wir uns prinzipiell zur Versetzungsfrage verhalten. Dieser W. G. wäre einer, der dafür in Betracht kommen würde.
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Er ist einer von denen, die immer dabei sind.
RUDOLF STEINER: Es würde ihm guttun, den Stoff zweimal hintereinander durchzunehmen. Wir werden die Frage prinzipiell erörtern.
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Ich würde ihn sehr ungern abgeben.
RUDOLF STEINER: Er wäre der Einzige von denen, die Sie genannt haben. W. E. könnte man in die Hilfsklasse geben.
CAROLINE VON HEYDEBRAND: [Mehrere] können noch nicht richtig schreiben.
RUDOLF STEINER: Alle diese würden nur in die Hilfsklasse kommen. W.E. ist ein ausgesprochener Kandidat der Hilfsklasse. Er kann seine Gedanken nicht orientieren. Wie ist er musikalisch? Die Mehrzahl wird musikalisch sein.
Der Gartenbaulehrer: Im Gartenbau ist er ordentlich, sprunghaft.
RUDOLF STEINER: Er wird auch im Handfertigkeitsunterricht nicht besonders tüchtig sein. W. E. wird durch lebhafte Farben hypnotisiert sein.
Wir müssen die [Einrichtung] eines Hilfsunterrichts in Betracht ziehen.
ALEXANDER STRAKOSCH berichtet über einige Kinder in der 5. Klasse, WA;&K B;E Es PP, St
RUDOLF STEINER: Ist die F. P. sehr zurückgeblieben?
ALEXANDER STRAKOSCH: Wenn sie da war, ging sie gut mit. Sie hat Kopfgrippe gehabt.
Er berichtet über St. Darauf Marie Steiner über dessen Mutter.
ALEXANDER STRAKOSCH: Er kommt nicht mit. In den Sprachen [ist er] begabt. Er ist schlau, gerissen.
RUDOLF STEINER: Man müsste [mit möglichster Berücksichtigung seiner Individualität] ihn ab und zu beschäftigen, ihn anreden. Dann muss man das variieren, sich immer wieder speziell mit ihm beschäftigen.
Jemand fragt: [Sollte E. E. nicht in die Hilfsklasse kommen?]
RUDOLF STEINER: Was soll er in der Hilfsklasse machen? Er ist ein leidenschaftlicher Zwickel. Es würde auf ihn einen tieferen Eindruck machen, wenn man ihn ein Paar Schuhe machen lässt. Man müsste so etwas schaffen, dass er Nägel einschlägt und Schuhe machen kann. Richtige Stiefel für jemand anderen. Man müsste den E. E. im Handarbeitsunterricht Schuhe machen lassen: Das wäre schon etwas. Das wird ihm Spaß machen, besohlen, Doppelsohlen [machen].
CHRISTOPH BOY über die 4. Klasse.
RUDOLF STEINER: Ich war in der Klasse, und ich muss sagen, die ist recht, mit Ausnahme von drei oder vier, die werden [aber] dann das, was sie nicht können, schnell nachholen. Im Rechnen [sind] einige schwächer, andere sehr gut. Ich meine, es ist eine Klasse, die ein wenig unter dem gelitten hat, dass sie drei aufeinanderfolgende Lehrkräfte hatte.
Die Klasse nimmt man glatt in die 5. hinauf. Fräulein Lang konnte außerordentlich gut Disziplin halten, sie war, was man in bourgeoisen Schulen «streng» nennt. Die Kinder hatten sie schr gern. Dann kamen Sie. Sie haben Blut-Disziplin geschwitzt. Heute war eine musterhafte Disziplin.
CHRISTOPH BOY: Ich habe mich in den Ruf der Strenge gesetzt.
RUDOLF STEINER: Das werden Sie erst sehen, wenn Sie sie längere Zeit haben. L. H. hat wohl schwache Augen: die Augenachsen paralleler machen! Sie konvergieren zu stark. Versuchen Sie, ihn zu gewöhnen, ein klein wenig, so viel wie ein halber Zeigefinger, das Buch weiter weg halten zu lassen, als er es gewohnt ist. Die Schachsenkreuzung etwas vom Gesicht wegschieben.
Ist es Ihre Meinung, dass die Kinder die Benennung sofort innehaben? Es ist natürlich ganz gut.
CHRISTOPH BOY: Ich habe es nicht forciert.
RUDOLF STEINER: B. ist mir aufgefallen, der ist an einem Tage aufgewacht. Die Kinder waren ganz erstaunt darüber, dass B. etwas sagt.
CHRISTOPH BOY: Die Mutter ist besorgt, [M.] habe etwas vom Vater übernommen.
RUDOLF STEINER: Er hat einen Anflug von kindischem Wesen. Er ist offenbar ein Preuße, ein kleiner.
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Sein Vater stammt aus Weimar.
RUDOLF STEINER: Er ist nicht eigentlich pathologisch. Wenn Sie wollen, können Sie es schwach pathologisch nennen. Er ist in Berlin geboren; er hat durch die Sprache etwas Süßliches bekommen. Wenn er eine gute Führung hat, so kann er ganz normal werden. Die Mutter ist in Kopenhagen, er wohnt bei Fräulein Bethe. Er legt sich eine Statistik der elektrischen Bahnen an; er hält sich abseits. [...] [Über einen Architekten M.]
Man muss ihn liebevoll führen. Das einzig Bedenkliche ist die Statistik der Tramways. [Auf eine Bemerkung Alexander Strakoschs:] Man muss versuchen, [ihm] ein anderes Interesse beizubringen, [ihm] dies abzugewöhnen. Er muss Deutsch schreiben lernen.
JOHANNES GEYER über die 3. Klasse. H. M., H. F, O. M., K. M.,A.D. [sollen] in die Hilfsklasse.
LEONIE VON MIRBACH über die 2. Klasse: [Ich habe] viele, die nicht so arbeiten, wie sie sollten. [...] {Lücken in der Überlieferung.]
RUDOLF STEINER: Sie haben [in der 2. Klasse] einzelne Schüler, die sehr gut sind. Bei Ihnen ist die Schwierigkeit, dass die Klasse eine solche Größe hat. Die pathologischen Kinder G., H. und M. H. müssen auch in die Hilfsklasse. E. E. und H. B. sind nicht ganz normal. Er [H. B.] müsste nachmittags eine besondere Unterstützung kriegen.
LEONIE VON MIRBACH: H. G. kommt nicht recht mit.
RUDOLF STEINER: Das ist schwierig bei einzelnen Ihrer Kinder. Er hat ein zu kleines Gehirn, der H. B. Man braucht ihn nur anzuschauen. Es ist kleiner geblieben, als es sein sollte. Man muss versuchen, doch diese Eigenschaft bei ihm zu bekämpfen. Er hat eine [Unmöglichkeit], ganz mit vollem Anteil aufzupassen [...] [unklare Textstelle]. [Man muss ihn] öfter aufrufen und öfter auf dem Korridor und auf der Straße [mit ihm] allerhand reden, wobei er beim Zuhören etwas denken muss. Es ist die Mutter ebenso wie er. Würden Sie vorschlagen, dass er zurückkommen sollte?
RUDOLF STEINER: Wie ist die Lateinklasse, Herr Pastor?
ROBERT KILLIAN über Klasse 1b: Manche haben schon neue Zähne, manche noch nicht.
RUDOLF STEINER: [Fertig gezahnt kann kein Kind in der 1. Klasse haben, das] geschieht erst im achten Jahr. Es handelt sich [in Bezug auf das Schulalter] nur darum, ob sie schon angefangen haben [zu zahnen].
O.F. käme auch für die Hilfsklasse in Betracht. Er kehrt die Worte um. Man kann ihn eine Zeit lang in der Hilfsklasse haben, wo man jedes Kind individuell behandelt.
ROBERT KILLIAN über H. O.
RUDOLF STEINER: Das Pathologische ist bei H. O. weniger stark, er ist schon gesünder.
ROBERT KILLIAN: Er hat asthmatische Anfälle in der Nacht.
RUDOLF STEINER: Mit mäßiger Menge von Arsen behandeln in Form von Levicowasser. Eine Unregelmäßigkeit des astralischen Leibes ist bei diesem Jungen, den könnte man physisch kurieren. In der Woche zweimal, verdünnen, ein Viertel Trinkglas mit Wasser gemischt. Dann würden Sie alle Schüler hin aufnehmen in die 2. Klasse.
MARIA UHLAND fragt nach E. O. in der bisherigen Klasse 1a.
RUDOLF STEINER: Er sollte durch die Hilfsklasse gefördert werden, dass er in die Klasse von Mirbach kommen könnte.
MARIA UHLAND: Er taut im Rechnen auf.
RUDOLF STEINER: F. O. — auch so einer, fast derselbe Fall. Jetzt wären wir wohl mit den einzelnen Klassen zu Ende.
RUDOLF TREICHLER berichtet über den Sprachunterricht.
RUDOLF STEINER: Man kann versuchen, durch die Gruppenabteilung etwas zu erreichen. Wir können sie in Gruppen zusammenbringen, sodass wir diejenigen mit gleichen Kenntnissen und Fähigkeiten beisammenhaben.
HERBERT Hann berichtet.
MARIA UHLAND ist über 6b verzweifelt.
HERMANN VON BARAVALLE: Ich glaube, es wäre gut, [in der 6. Klasse] etwas Gedrucktes zu lesen.
RUDOLF STEINER: Wie alt sind die Schüler? Man müsste eine mäßig große Erzählung heraussuchen. Man müsste eine Erzählung finden, eine Novelle, etwas, was Substanz hat, nichts Oberflächliches. Es wäre möglich, so etwas wie ein historisches Stück zu lesen aus Mignet. Da lernen sie auch sehr viel daran.
ALEXANDER STRAKOSCH berichtet und bittet um Entlastung wegen des Forschungsinstitutes.
RUDOLF STEINER: Den Sprachunterricht werden wir neu gliedern müssen. Da ist es auch so, dass man die Schüler so schwer befriedigen kann. Beim Sprachunterricht muss man die Schüler [viel] fragen, da herrscht die Ansicht, dass die Schüler unzufrieden sind.
CAROLINE VON HEYDEBRAND über D.
RUDOLF STEINER: Alle D.-Kinder - [von ihnen] glaube ich nicht, dass sie Sprachen lernen; sie lernen auch sonst nicht sehr viel.
Lernen tun sie am meisten an der Lektüre. Viel Hilfe ist das Sichhineinfinden in eine zusammenhängende Lektüre. [Das Auswendiglernen ist nur ein Hilfsmittel] Man geht Satz für Satz vor. Bei den Kleinen immer sprechen.
KARL SCHUBERT über die Notwendigkeit der Grammatik.
RUDOLF STEINER äußert sich zustimmend.
Jemand fragt: Soll man [in der 3. Klasse] in den Fremdsprachen auch schreiben?
RUDOLF STEINER: [Man kann anfangen], kurze [und leichte] Sätze zu schreiben, die einen einfachen Gedanken ausdrücken.
PAUL BAUMANN fragt, ob man drei Lieder von Rudolf Steiner als Chor drucken lassen darf.
RUDOLF STEINER: Diese Chorlieder können Sie ruhig dem Dornacher Verlag übergeben, die werden viel gekauft werden.
PAUL BAUMANN: Können wir darauf rechnen, Texte zu bekommen für Kinder?
RUDOLF STEINER: Das ist natürlich. Es ist jetzt eine Sache da, die ist aber für jüngste Kinder. Das Frühlingslied.
[Nach einer Äußerung Baumanns:] Ich hoffe, dass ich andere noch bekommen kann, die Sie für Kinder gebrauchen können.
PAUL BAUMANN: Mit den ältesten Kindern haben wir Chöre gesungen.
RUDOLF STEINER: Es geht vorwärts.
Der Instrumentalunterricht würde [nur] ein Surrogat sein können. Das müssen wir vorläufig lassen.
Ich werde am 1. in Zürich sein. In diesen Monaten, die kommen, habe ich unzählige Sitzungen. Ich werde da sein vom 10. bis 18. Am 21. ist Futurum-Sitzung. Samstagvormittag kann es sein. [Schuleröffnung am Samstag, den 18. Juni morgens.]
ELISABETH BAUMANN: Ich habe einiges aus der «Heileurythmie» verwendet. Soll ich so fortfahren?
RUDOLF STEINER: Was ich heute gesehen habe, hat mich ganz gut befriedigt.
In der 5. Klasse von Strakosch sind viele Buben, die könnten Turnunterricht bekommen. Das wäre unser Schulprogramm, dass es eine Stunde schon wäre. Wir werden es auch vergeistigen, sobald wir es machen können.
ALEXANDER STRAKOSCH würde das Turnen gerne übernehmen.
MAX WOLFFHÜGEL: [In der 9. Klasse haben wir] angefangen zu modellieren. Wir haben versucht, Künstlerisches hineinzubringen.
RUDOLF Steiner: Was ich gesehen habe, hat mich befriedigt. Nun möchte ich Sie fragen, ob wir die Zeugnisse wieder so ausstellen wie im vorigen Jahr. Es ist eine gute Art, die Zeugnisse so auszustellen.
KARL STOCKMEYER: Wir wollten es so machen.
RUDOLF STEINER: Genauso wie im vorigen Jahr.
CAROLINE VON HEYDEBRAND: Wir haben sie optimistisch gehalten.
RUDOLF STEINER: Es handelt sich darum, dass man die Sätze richtig fasst. Wenn man nicht gut individualisiert, was schwierig ist, dann wird man, wenn man die Sätze zu streng formuliert, sehr viele zurückstoßen. Es würde sich schon darum handeln, wenn jemand ein großer Nichtsnutz ist, dass [man schreibt], es wäre dringend zu wünschen, dass er im nächsten Jahr sich zusammennähme. In der Formulierung würde manches liegen. [Auch Mängel positiv ausdrücken], aber in Bezug auf die Formulierung streng sein.
Da sind wir einig, dass wir die Zeugnisse ausstellen wie im vorigen Jahr. Ein möglichst treues Bild, Unten wiederum für jedes Kind einen Spruch ins Zeugnis, der für die Individualität des Kindes richtunggebend sein kann, [als] Leitmotiv für die Zukunft. Nun würde ich doch gerne haben, da das Kind dieses Zeugnis behält, [dass] auf jedem Zeugnis alle Lehrer unterschreiben, die tätig waren an dem Kinde. Das würde ich doch haben wollen, dass jedes Kind alle Unterschriften hat. Es ist nicht unbedeutend, dass die Kinder alle Unterschriften haben von den Lehrern, die an dem Kinde gearbeitet haben. Es soll der Name des Klassenlehrers daraufstehen und dabei auch stehen «Klassenlehrer», sodass das Kind weiß: Zu dem gehört es und dieanderansrchen.darunter. [Zu Paul Baumann] Sie werden viele Unterschriften zu geben haben, So: wie im vorigen Jah; die Unterschriften darauf. Es wäre gut, wenn der Lehrer selbst den Text schreibt, der Klassenlehrer den längsten, und jeder andere Lehrer eine kurze Bemerkung.
Weiteres zur Frage der Versetzung.
RUDOLF STEINER: Es bleiben eigentlich diese beiden Geschwister P. [in der 5.], und dann wäre sonst fast niemand, nur der F. [3. Klasse]. [Die] H. M. kann auch in die Hilfsklasse kommen. Die anderen würden wir mitnehmen.
Jetzt kommt die Frage der Hilfsklasse. Es wird sich darum handeln, ob wir eine Lehrkraft brauchen. [Dr. Schubert sollte sie übernehmen.]
Es wird die Liste der Lehrer aufgestellt, die den Hauptunterricht erteilen.
RUDOLF STEINER: Wie wäre es, wenn man den Dr. Schwebsch [aus Berlin] herbeorderte?
MARIE STEINER: Er ist Hilfslehrer.
RUDOLF STEINER: [Er soll am 11. Juni herkommen.]
Wir bekommen im Herbst Fräulein Dr. Röschl [für Latein und Griechisch], das wird natürlich eine sehr gute Zuwachskraft sein. - Nun brauchen wir noch eine Verbesserung, eine neue Kraft für die neueren Sprachen, und wenn es der junge Englert wäre. Er soll auch am 11. Juni [hierher] oder am 12. [nach Dornach] kommen. Er ist noch schr jung. Herr Hahn wird beurlaubt für den Sommer. Englert ist zu jung. Mir scheint der Sprachunterricht nicht genügend versorgt zu sein.
Kari SrockmEyer berichtet über den freien Religionsunterricht: Es bleibt nur Herr Uehli. Er ist so beschäftigt, dass er nicht mehr übernehmen kann, als er jetzt schon hat. Eine andere Schwierigkeit kommt hinzu, die ich auch erwähnen muss; es ist schwer, Stundenplanänderungen zu machen.
RUDOLF STEINER: Pastor Ruhtenberg: 5 Gruppen. Hahn, Uehli: je eine Gruppe. Pastor Ruhtenberg: 2., [3.] Gruppe. Eine Gruppe. Damit der Unterricht innig sein kann. Es war auch bei Herrn Hahn so, dass er zu viel Kraft dranwenden musste, um die Disziplin zu halten. Bei den Kleinen Mirbach.
LEONIE VON MIRBACH: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es schr schwer ist, Kinder aus verschiedenen Klassen zu unterrichten.
Jemand fragt: Wie soll Pastor Ruhtenberg unterrichten, dass er nicht seine Klasse bekommt?
RUDOLF STEINER: Die Gruppe der untersten Stufe.
Zunächst berichtet ERNST UEHLI.
CHRISTORH BOY: [Ich bin] bei den Religionsstunden meiner Klasse dabei gewesen, um auf Ordnung zu sehen; [ich bin mir] wie ein Wauwau vorgekommen.
RUDOLF STEINER: Es ist schon so, diese eine Ausnahme ist doch in einem gewissen Sinne möglich. Das ist dies, dass man festhält, was wir zu unserer Pädagogik rechnen. Wir müssen annehmen, dass die Klassen und der Lehrer zusammengehören. Weil die Religionsstunden verschiedene Klassen [zusammen] haben, so halte ich es für durchaus möglich, wenn der betreffende Klassenlehrer in der Klasse ist, während ein anderer Lehrer Unterricht erteilt. Wir kommen auch kaum anders über die Sache hinaus, als dass wir versuchen, kleinere Klassen zu machen.
CHRISTORH BOY: Es ist nicht immer innere Teilnahme dabei; es sind zu viele.
RUDOLF STEINER: Diese Gruppen sind zu groß.
HERBERT Hann berichtet.
RUDOLF STEINER: Die obere Gruppe kann man behalten.
[Wir müssen ein Gefühl für die Jahreszeiten bei den Kindern erwecken. Und] wir müssen mehr ins Auge fassen, dass die Kinder ein [möglichst] plastisches Bild des Christus bekommen; dass das in dem Mittelpunkt Ihrer Betrachtung steht, [und zwar auf allen Stufen], sodass wir [darauf] zurückkommen, und das ganze Erdenleben des Christus im Mittelpunkt steht. Das persönliche Verhältnis zum Christus muss gehütet werden, auch auf der unteren Stufe, dass es wie eine Art innerer Kultus hineinkommt. [Das persönliche Verhältnis der Kinder zum Christus hüten!] [Es muss ein] idealer Kultus in der Stunde sein. Symbolik und Bild müssen eine Rolle spielen, sodass das Gefühl sehr stark mitgenommen wird.
[.-] [Über Adolf Arensons Unterricht.]
Als Religionslehrer gehören Sie nicht der Schule an. Den erteilen Sie, wie wenn Sie Pastor in einer anthroposophischen Kirche draußen wären und hereinkommen.
[...] [Besetzungsfragen.]
Was die Schulung vom vierzehnten Jahr an betrifft, die Pädagogik der über Vierzehnjährigen, so werden wir sehen, dass einige Stunden veranstaltet werden können, wenn ich am 10. zurückkomme. Das hängt zusammen mit dem, was Sie bourgeoise Methoden genannt haben.
Im vorigen Jahr war «Soziale Erkenntnis» als «Lebenskunde» fakultativ eingeführt worden. Frage zur Einrichtung derselben.
RUDOLF STEINER: Das hängt zusammen mit der Didaktik [der höheren Klassen]. Die [Lebenskunde] würde am besten von uns erteilt werden. Es müssen [dann] die sprachlichen Fächer wegbleiben. Die alten Praktiker, die zweijährige Schulpraxis durchgemacht haben, müssten solche Gegenstände geben.
Über einen Sonderkurs für Eurythmie.
ELISABETH Baumann: Die Aufführung war außerordentlich fruchtbar; die tat sehr viel, um die Waldorfschule bekannt zu machen. Wir werden die Aufführungen so machen, dass eine ganz bestimmte Anzahl von Kindern da ist. Dann geht es wohl. Es wird sich so herausstellen, dass eine Extragruppe gebildet wird. Eifersucht spielt eine große Rolle. Die nicht drankamen, waren beleidigt; die anderen waren außer sich. Wir hatten Mühe, die Kinder ruhig zu halten. Sollen die Aufführungen weitergeführt werden, müsste man doch eine Art finden, um eine Gruppe zu haben.
RUDOLF STEINER: [Man kann] zweierlei machen: Entweder wir machen Aufführungen mit den Kindern der Waldorfschule, dann müssen wir dabei stehen bleiben, aus der gewöhnlichen Kinderschar auszuwählen, oder wir verzichten darauf und machen es mit einer Gruppe. Das wären nicht Kinder der Waldorfschule. Wir würden [das] nicht mehr als Leistungen der Waldorfschule als solche in die Öffentlichkeit hineinführen können. Die Kinder, die außerhalb der Schule stehen, die sollten darankommen. Man kann diese zwei Dinge machen: Entweder wir machen Aufführungen mit den Kindern der Waldorfschule, dann dürfen wir keine Sondergruppe bilden, oder wir bilden - das kann eingerichtet werden - eine Sonderabteilung für Eurythmie an der Waldorfschule, die nebenherläuft. Das kann hier ganz offiziell dabei sein. Dann können wir sagen: «Aufführungen mit Schülern der Sonderklasse der Waldorfschule.»
ELISABETH Baumann: Wenn die Kinder singen würden in einem Chor, dann müssten sie auch ausgesucht werden.
RUDOLF STEINER: Wenn es so wäre, dass man einen Chor bildet aus den einzelnen Schülern, das ist eine Sache, die kaum gut vorkommen kann. - Entweder die Leistungen nehmen, wie sie gerade treffen, oder wir errichten eine besondere Eurythmieabteilung. Beides kann gemacht werden, vielleicht sogar bloß nach Sympathie, nach Antipathie. Es wird eine große Menge begabter Eurythmisten geben, die auf diese Weise verwendet werden können. Wir dürfen es [dann aber] nicht als Aufführung der Waldorfschule deklarieren.
ELISABETH BAUMANN: Man könnte aus den größeren Mädchen eine Gruppe bilden.
RUDOLF STEINER: Man könnte es ganz gut machen, wenn man Aufführungen von der Waldorfschule macht. Sie sehen, die kleinen Sputzen, die haben den größten Erfolg. Es kann eine Sonderabteilung von vorgerückten Eurythmisten sein. Das Einzige ist, dass man diejenigen, die also Eurythmie als Beruf treiben, dispensiert von der gewöhnlichen Eurythmieübung. Solche Dinge können vorkommen. Das müssten Sie einrichten ganz als eine von der Schule getrennte Sache.
Ich glaube, es sind solche [da], die brennend gerne Eurythmie treiben würden, nur wäre es schön, wenn auf diesem Wege wenigstens, wenn auch nur als Surrogat, einige junge Buben hineinkommen würden. In Dornach haben wir nur den einzigen Abels, der braucht ein halbes Jahr, um eine Vorstellung vorzubereiten, sodass wir niemals männliche Eurythmisten auf der Bühne sehen. Wie die Eurythmie eingerichtet worden ist, das war in München, da sind die Herren aufgetreten, der Benirschke, der Selling; mit vier Männern haben [wir] debütiert. Dann ist immer mehr und mehr die Männlichkeit in den Hintergrund getreten. Die Damen sind begabter gewesen. Hier sind die Studenten sehr begabt. Es ist ganz merkwürdig, wie viel bessere Doktoren die Damen sind als die Männer. Man sollte das tun. Sie sollten nur sehen, wie viel Damen an den theologischen Fakultäten studieren würden. Da würden Sie sehen, wie viel Damen sich zur Theologie drängen würden.
PAUL BAUMANN: Die Kinder [der oberen Klassen], die sich musikalisch ausbilden wollen, müssen anfangen, sich zu üben. Könnten die nicht von den Stunden dispensiert werden, die durch schwere Körperarbeit die Geschicklichkeit der Finger behindern?
RUDOLF STEINER: Nach dieser Richtung könnte man den Lehrplan individualisieren. Das könnte man schon machen. Wir sollten auch daran denken, besondere Übungsräume zu haben. Gegen einen Ausbau des Lehrplans. Es müssen die Dinge bleiben, die Menschenbildung geben; sonst kann man spezialisieren.
WALTER JOHANNES STEIN: Die Schüler haben in der Schülerbibliothek gefragt, ob sie Werke von Dr. Steiner lesen dürfen. Sollen die älteren Kinder etwas sozial Gerichtetes bekommen?
RUDOLF STEINER: Wenn wir die 10. Klasse einrichten, so werden wir auch durch die Lektüre erzieherisch wirken müssen. Es ist im Allgemeinen noch etwas früh, diese Dinge zu geben. Dagegen würde es vielleicht möglich sein, einzelne Zyklen [zu geben], wenn sie entsprechend gedruckt würden. «Christentum als mystische Tatsache», vielleicht auch die «Theosophie». Da müssen Präliminarien ausgearbeitet werden.
Es wird gefragt, ob die Schüler Vorträge von Rudolf Steiner besuchen dürfen.
RUDOLF STEINER: Meinen Sie, dass es eine große Erbauung gibt, ein solcher Vortrag? Vielleicht wird es immer ärger. Vielleicht können wir doch nicht herumkommen, diese Sache den Eltern zu überlassen. Wir können keine Verfügung treffen. Die [Eltern müssen das] tun und auch selber verantworten.
Über Hertha Koegel und Friedrich Oehlschlegel.
KARL STOCKMEYER: Man muss die Angehörigen überzeugen, dass sie nicht geheilt ist.
RUDOLF STEINER: Wir werden den Antrag stellen, dass sie von der Schule pensioniert wird. Mit ihrem vollen Gehalt. Wir sind nicht in der Lage, nach dieser Richtung zu sorgen. Wir können nicht mehr etwas anderes unternehmen, als dass wir sie pensionieren. Wir bekommen die neue Schwierigkeit. Wir haben keine moralische Möglichkeit. Wir können durch Husemann ihre Verwandten veranlassen; so, wie die Gesetze sind, haben wir keine Möglichkeit, einzugreifen, nur ihre Verwandten. Wenn wir es tun, so tun wir es per nefas [auf widerrechtliche Weise], und wir machen uns neue Schwierigkeiten. Es ist sehr schade, dass die Kinder [Hertha Koegels] nicht untergebracht worden sind. Hier können wir nichts tun, als dass das Lehrerkollegium beschließt, dem Waldorfschulverein die Pensionierung vorzuschlagen. Mit Oehlschlegel ist die Frage unklar.
Es wird gefragt, ob man ein Mitteilungsblatt herausgeben und «Pädagogische Wochen» für Lehrer veranstalten soll. Die Diskussionen mit den Lehrern waren doch recht erfreulich.
RUDOLF STEINER: Über was diskutieren Sie denn?
KARL STOCKMEYER: [Über das] Verhältnis von Schule und Staat; auch mancherlei Pädagogisches.
RUDOLF STEINER: Ich halte es für einen Luxus. Die wesentlichen Punkte missversteht man am meisten. Wenn Sie mit der Bewegung weiterkommen wollen, müssen Sie an die Konsumenten gehen, nicht an die Fabrikanten. Man kann das machen als nettes Plauderstündchen, heraus kommt dabei nichts. Ich habe mich nie widersetzt; wenn Sie finden, dass man es tun soll, so tun Sie es nur ruhig. Es ist schon so viel Kraft verpufft worden, indem man immer wieder neue Sachen unternimmt, die eigentlich aussichtslos sind. In der Schweiz kann man sich den Luxus gönnen, auch unter der Lehrerschaft zu agitieren. Wir haben es erlebt beim Osterkurs, dass die Schweizer gesagt haben: Bei uns sind die Schulen frei. - Die Schweizer Schulen sind ganz versklavt. Ich glaube nicht, dass wir uns dafür zu ereifern brauchen.
Ein Mitteilungsblatt ist schwierig, weil die Mitarbeiterschaft fehlt.
Wir können das Waldorfschul-Prinzip nur zum Modell machen. Wir können sie fortführen, indem wir eine Schülerzahl, die das arithmetische Mittel der bisherigen und der nächsten Klasse ist [Lücke in der Mitschrift]. Eine zweite [Schule] werden wir nicht mehr errichten können. Sie wird ein Modell bleiben, sodass wir also auch nicht etwas anderes brauchen, als diese Schule als Modell zu erhalten, bis dass man sie aus Wut aufhebt. Einen Sinn hat es jetzt nur, gegen dieses Schulgesetz mit einer Weltbewegung sich aufzulehnen. Das ist dasjenige, was man dazumal verbreitet hat. Es ist die höchste Zeit, für den Weltschulverein etwas zu tun. Es handelt sich darum, den Weltschulverein ins Leben zu rufen, sodass eine Riesenbewegung für die Verselbstständigung des Unterrichtswesens, für die Befreiung des Schulwesens international durch die Welt ginge. Deshalb glaube ich, wir sollten jetzt diese Schule mit ihrer Schülerzahl so innerlich gediegen wie möglich machen, und nach oben ausbauen. Jedes Jahr eine neue Klasse, und nach oben ausbauen.
[Das] Mitteilungsblatt wird aus Mangel an Mitarbeiterschaft nicht gehen. Pädagogische Woche ist ein Luxus. Ist noch etwas?
Frage nach der Schlussfeier.
RUDOLF STEINER: [Die Schlussfeier] könnte man im Kuppelsaal des Kunstgebäudes machen. Es ist schon, wenn es [nur] eine Formalität ist, zu unterlassen. Wenn sie so gemacht wird, dass die Kinder einen Schlusspunkt haben, ein paar Gedanken aufnehmen, so ist es doch [gut]. Es gehört zum Ganzen im seelischen Erleben, sonst gehen die Kinder [bloß] fort und beginnen ein [neues] Schuljahr: Sie werden zuletzt zu gleichgültig. Die Schlussfeier ist der Abschluss [eines ganzen Schuljahres]. Dass nur acht Tage Ferien dazwischenliegen, das ist eine Ausnahme. Es ist eine neue Klasse, die jede Schülerklasse [dann] beginnt. — Ich glaube nicht, dass man das kann. - Es muss nicht prosaisch werden.
Warum sind denn die Monatsfeiern nicht mehr gewesen? Es ist sehr schade. Ich glaube schon, dass wir sie machen sollten.