Faculty Meetings with Rudolf Steiner I

GA 300a — 22 September 1920, Stuttgart

Neunzehnte Konferenz

RUDOLF STEINER: Meine lieben Freunde! Ich muss einige Worte voranschicken, bevor wir in die Einzelheiten der Verhandlung eintreten, da wir am Beginne eines Schuljahres stehen und einige Dinge kurz geklärt sein müssen. Es ist gesprochen worden auch von meiner eigenen Stellung im Lehrerkollegium. Ich will heute zunächst nicht vom Äußeren dieser Stellung sprechen, nur vom Inneren. Das scheint mir doch angemessen zu sein am heutigen Abend, weil auch diese innerliche Stellung wenigstens zwischen den Zeilen berührt worden ist. Ich möchte in den Dingen, die sich auf unsere geistige Bewegung beziehen - und die Ordnung der Waldorfschule, insofern sie geistige Angelegenheiten sind, insofern sie pädagogisch-didaktisch von der Lehrerkonferenz zu behandelnde Fragen sind, gehören in unsere anthroposophische Bewegung hinein -, in allen solchen Fragen fühle ich mich, meine lieben Freunde, und werde mich nie anders fühlen können denn als Esoteriker den Freunden gegenüber. Und da ist es heute nötig, einiges zu sagen, das Sie nur zu spezialisieren brauchen auf die besondere Lage der Waldorfschule, über die Auffassung der Stellung des Esoterikers, die dieser selbst von sich hat.

Natürlich rechnet man als jemand, der aus den geistigen Welten heraus Dinge an seine Mitmenschen bringen will, darauf, dass diese Dinge in einer gewissen Weise, vielleicht zwar nicht auf Autorität hin, aber auf das Gefühl hin angenommen werden: dass Forschungsresultate vorliegen, die nach bestimmten Richtungen hin vielleicht nur von demjenigen, der sie in einer solchen Weise vertritt, zunächst bekannt gegeben werden können; die selbstverständlich verstanden werden können, wenn sie einmal ausgesprochen sind, die aber eben von einem oder einigen erst als ihre Forschungsresultate ausgesprochen werden müssen. Das ganze Verhältnis, in dem man solche Wahrheiten aufnimmt, ist nicht dasjenige auf Autorität hin, aber es ist ein solches, das in einer gewissen Weise anerkennt, dass aus einer solchen Quelle solche Dinge geschöpft werden können.

Meine lieben Freunde, es sieht manches einfach aus, was man in einer solchen Weise zu seinen Mitmenschen spricht, wie es zu Ihnen in diesen Tagen geschehen ist, aber es erforscht sich nicht in einfacher Weise. Es erforscht sich gerade dasjenige, was sich auf so spezielle Zweige der Pädagogik bezieht, eigentlich doch nur dadurch, dass man vieles erst durchmacht, vieles durchlebt, dass man erst langjährige Forschungswege einschlägt. Das Verstehen ist einfach und kann in kurzer Zeit geschehen, das Erforschen ist keineswegs so einfach und erfordert durchaus Initiationswege. Aber wenn derjenige, der solche Forschungen mitteilt, sich an seine Mitmenschen wendet, so tut er das auch von sich aus niemals in der Form, dass er als Autorität sprechen möchte in dem gewöhnlichen Sinn des Wortes, wie man in der äußeren exoterischen Welt die Autorität auffasst.

Ich bitte, dasjenige, was ich in diesem Zusammenhang sage, durchaus sehr ernst und exakt zu nehmen: Es spricht also derjenige, der so spricht, nicht in dem Sinne, dass das, was er sagt, auf Autorität in dem gewöhnlichen Sinne angenommen wird. Denn, meine lieben Freunde, dann würde es nicht wirken, nicht durch jene imponderablen Kräfte an die Mitmenschen übergehen, durch die es übergehen soll. Es muss das ganze Verhältnis ein anderes sein. Das Verhältnis muss ein solches sein, dass alles dasjenige, was gesagt wird, angenommen wird von den Hörenden auf völlig freien Willen hin, dass beim Aufnehmen gar nichts ankommen darf auf den Willen desjenigen, der spricht, sondern alles einzig und allein ankommen muss auf den Willen derjenigen, die zuhören. Das ist, so genau man es kann in der menschlichen Sprache, ausgedrückt das Verhältnis, das bestehen muss. Man spricht sich nicht aus dem Grunde aus, weil man irgendetwas ins rechte Licht stellen will, sondern aus dem Grunde, weil darauf die ganze Wirksamkeit der Arbeit, die auf Esoterik aufgebaut ist, in unserer Zeit beruhen kann.

Wollte man in unserer Zeit etwas auf autoritativen Wegen, sei es auf autoritativen Wegen des suggestiven Wirkens oder zahlreicher anderer seelischer Machtwege, in die Welt bringen, so würde das das größte Unheil nach und nach bedeuten. Wir sind eben in jenem Entwicklungsstadium der Menschheit, in dem es notwendig ist, dass immer mehr und mehr Freiheitsimpulse aus den dazu reifen Menschen in die Welt gesetzt werden. Wir dürfen gerade nicht dasjenige, was die Welt aus dem Geiste heraus vorwärtsbringen will, wenn wir so arbeiten, wie Lehrer arbeiten müssen, wir dürfen das unter keinen Umständen auf ein seelisch aufgezwungenes Autoritatives aufnehmen. Alles muss aufgenommen werden ideal auf den guten Willen, auf die Einsicht des Zuhörers, dass derjenige, der spricht über die Dinge, nach dem Gefühl des Zuhörers etwas zu sagen hat. Ein anderes Verhältnis darf nicht bestehen. Jedes andere Verhältnis beeinträchtigt die Wirkung, wenn es sich darum handelt, dass auf Grundlage solcher Mitteilungen und solcher Zuhörer äußere Arbeit geleistet wird, äußere Arbeit, die dann im Zusammenwirken der Menschen geleistet werden kann. Wenn da [der Geistesforscher] mitwirkt, dann muss das ganze Verhältnis auf dieses autoritativ-freie Aussprechen und freiheitliche Zuhören aufgebaut sein.

Anders dürfen auch die äußeren Verhältnisse nicht aufgebaut sein. Daher muss es bis zum letzten i-Tüpfel so sein, dass meine Stellung zum Lehrerkollegium diejenige ist, die nicht von mir [oder] von irgendjemand gewollt wird gegen den Willen irgendeines Mitglieds des Lehrerkollegiums, [sondern] die akzeptiert wird im innersten Herzen und gewollt wird vom Lehrerkollegium in seiner Gänze. Ob so etwas durch eine äußere Wahl dokumentiert wird oder nicht, darauf kommt es nicht an. Das innere Verhältnis muss ein solches sein. Im Augenblick, wenn es nicht ein solches wäre, in diesem Augenblick würde die rechte Stellung nicht vorhanden sein. Wir müssen geradezu ein wenig wachen über dieses Verhältnis.

Es geschehen ja Gruppierungen auf diesem Felde so, dass man nicht Vereine bildet, sondern dass die Gruppierungen eben um diejenige Persönlichkeit geschehen, welche in dem angedeuteten Sinne etwas zu sagen hat, und dass gewissermaßen diejenigen, die das aufnehmen wollen, sich dann aus ihrem freien Willen heraus gruppieren. Mag nun die Außenwelt dieses oder jenes verlangen für eine solche Gruppierung, innerlich ist allein das berechtigt, was ich gesagt habe.

Sie werden fühlen und empfinden, meine lieben Freunde, dass ich dadurch meine innerliche Stellung zum Lehrerkollegium charakterisieren will, dass ich Sie bitte, sie als solche aufzufassen. Darauf wird die heilwirkende Kraft in aller Zukunft beruhen müssen. In dieser Richtung müssen auch die einzelnen Dinge liegen. Sie müssen spüren, wie ich durchaus immer bestrebt bin und bestrebt sein werde, im Einklange mit jedem Einzelnen dasjenige zur Entscheidung zu bringen, was durch mich zur Entscheidung zu bringen ist, aus dem Grunde, weil der Betreffende mich um die Sache fragt, weil er aus seiner Einsicht heraus mich um die Sache fragt. Wenn Sie dies ganz durchdenken, dann werden Sie zu einer reinlichen Scheidung desjenigen kommen, was das esoterische Verhältnis zwischen uns sein muss, und was allein aus diesem esoterischen Verhältnis heraus segensreich sein kann.

Das, meine lieben Freunde, wollen wir heute zum Ausgangspunkt machen, und Sie werden vielleicht aus mancher Lebensbeobachtung heraus schon gefunden haben, dass die Dinge, die aus dem Geiste heraus geschaffen werden, doch nur dann richtig gehen, wenn ihnen eine solche Auffassung des geistigen Verhältnisses zugrunde liegt. Trennen Sie also manches, was nun schon einmal bei einer exoterischen Einrichtung, die gegenüber der Außenwelt notwendig ist, da sein muss, trennen Sie mancherlei, was einfach die Welt notwendig macht, von dem, was innerlich zwischen uns sein muss: Dann werden wir am günstigsten nicht nur rationalistisch vorwärtsarbeiten, sondern spirituell arbeiten; wir werden vorwärtskommen.

Und dieses, was ich zu Ihnen sagen wollte, ist auch eine Art Inaugurierung unserer diesjährigen Arbeit; eine Inaugurierung, durch die ich ganz besonders möchte, dass auch dieses Jahr wiederum spirituelle Kräfte durch unsere Arbeit gegossen werden. Sie können davon überzeugt sein, dass ich über die ganze Arbeit und die Einzelheiten der Arbeit, die auch dieses Jahr geleistet wird, den Segen derjenigen geistigen Mächte stets herflehen werde, die unsere ganze Bewegung tragen. Und wenn Sie auch sich bewusst sind, dass das der Fall ist, wenn Sie gewissermaßen nicht nur zusammen handeln, wenn Sie zusammen denken und empfinden und dadurch die guten geistigen Kräfte in dieses Zusammen-Denken, Zusammen-Empfinden, Zusammen-Klingen des ganzen Seelenlebens aufnehmen, dann wird unsere Arbeit auch in diesem Jahre gelingen.

Nun können wir zu den einzelnen konkreten Punkten übergehen. Wünscht jemand zur Tagesordnung etwas zu sprechen?

KARL STOCKMEYER fragt wegen der Angelegenheit der Anerkennung der Waldorfschule als Grundschule seitens der Behörden.

RUDOLF STEINER: Diese Frage ist eine solche, die je nach dem Wohlwollen dieser oder jener Schulbehörde nach der einen oder anderen Richtung gedreht werden kann. Zurechtkommen wird man nur - sodass man darin eine gewisse Sicherheit hat für den wirklichen Bestand der Schule -, wenn man irgendwie durch persönlich-gewichtige Rücksprachen verhandelt, wobei ich ausdrücklich bemerken möchte — wir müssen ganz dezidiert reden -, dass das nicht durchs Telefon geschehen sollte; wenn man durch persönliches Auseinandersetzen mit allen jenen Betonungsmöglichkeiten der Sätze und Wörter und der Unterredung überhaupt, die vorhanden sind in einer persönlichen Aussprache, eine solche Stimmung schafft, dass dann eine gewisse Sicherheit vorhanden ist. Wir können gar nicht vermeiden, wenn wir die Sache bloß so anstreben, dass sie bürokratisch behandelt wird, dass wir nicht in der Zukunft mit derselben Sache angerempelt werden.

Deshalb meine ich, dass es das Beste wäre, wenn Herr Molt in der Sache persönlich etwas tun könnte, wenn Sie persönlich vorsprechen würden. Die Frage ist eine solche, dass man nur ruhig sein kann über die Waldorfschule, wenn Sie selbst vorstellig würden bei irgendeiner der Persönlichkeiten, die Einfluss haben auf die Sache. Ich bin überzeugt davon, wenn in dieser Weise irgendwelche Worte gewechselt worden sind und man nun eine solche Spitze der Behörde dazu getrieben hat, irgendetwas, wozu sie sich bekennen muss, zu sagen, dann ist man am besten geschützt; nicht durch Akte hin und her schreiben, sondern durch so etwas. Insbesondere hier in Württemberg, wo es wirklich vielleicht möglich ist, dass man in einer solchen Sache mehr erreicht als in Preußen. In Preußen würde, nachdem der Erlass geschickt worden ist, diese Schule in kurzer Zeit abgebaut werden müssen.

Die Sache müsste zunächst so getrieben werden. Denn das darf nicht verkannt werden - ich hatte leider in Berlin viel zu wenig Zeit, um, wenn solche Fragen aufgerührt worden sind von einer Seite, die nötige Antwort zu geben -, es kommt immer wiederum vor, dass irgendwelche Schulvorsteher oder Lehrer der gewöhnlichen Schulen kommen und die Pädagogik der Waldorfschule haben wollen und fragen, wie können sie etwas tun, um ihrer Schule aufzuhelfen. Das ist der reinste Unsinn. Das Erste würde darin bestehen, dass sie sich vom Staate lossagen würden, und es bezeugt solch eine Zumutung, wie sie jetzt gestellt worden ist, es bezeugt das nur, wie wenig konsequent die Leute zu denken in der Lage sind.

Es handelt sich darum, dass dasjenige, was man unsere Schulbewegung nennen könnte: die Bewegung nach einer freien Schule hin in immer mehr Köpfe hineinkommt, sodass eine wirkliche große Bewegung nach der Freiheit der Schule entsteht, als ein Teil der Dreigliederungsbewegung. Die Ausrede mit der Einheitsschule, die mögen wir als Opportunität gebrauchen; allein ich muss meinerseits gestehen, mir war immer die ausdrücklich dezidierte Definition der Einheitsschule etwas Unangenehmes - obwohl man sie aus Opportunität wählen musste -, weil sie nicht genau betont, dass man nicht das will, was vom Staatskrüppel als Einheitsschule definiert wird, dass es uns nicht [so sehr] ankommt auf die Einheitsschule als auf die freie Schule. Dann wird sich das von selbst ergeben. Dasjenige, was als Einheitsschule von der jetzigen deutschen Regierung erstrebt wird, das ist das Gegenteil. Wir machen erst einen Kratzfuß vor dem, was uns ein Gräuel ist, wenn wir solchen Dingen nachgeben. Man muss sich durchschlängeln; man muss sich bewusst sein, dass man dies doch im Leben nicht von innen veranlasst, dann wäre es jesuitisch, aber [dass es] von außen mit einer gewissen Reservatio mentalis gemacht wird. Man muss sich bewusst sein, nicht von innen her, von außen her, dass man nötig hat, um wenigstens das zu machen, was wir durchbringen wollen, mit den Leuten zu reden, und ihnen innerlich eine Nase zu drehen.

EMIL MOLT: Ich werde versuchen, die Sache in Ordnung zu bringen.

KARL STOCKMEYER: Der Erlass ist nicht direkt an uns gegangen, sondern an die Bezirksschulämter, von dort an uns zur Äußerung.

RUDOLF STEINER: Wenn Sie es durchlesen, so werden Sie sehen, dass es einem solchen Beisele möglich ist, daraus den Strick zu drehen.

KARL STOCKMEYER: Er wird es nicht tun, da er das, was wir wollen, als in der Richtung der Grundschule anerkennt.

RUDOLF STEINER: Der Vorgesetzte Beisele hätte das Gegenteil getan.

WALTER JOHANNES STEIN fragt nach dem Lehrplan für die 9. Klasse.

RUDOLF STEINER: Wir werden am besten zunächst mit diesem Lehrplan zustande kommen - ich will ihn dann noch für morgen niederschreiben -, [wenn] wir ihn so feststellen, dass wir ihn aus der Kontinuität heraus definieren. Ich würde Sie also bitten, wenn Sie mir angeben würden, was Sie mit Bezug auf all das, was man deutsche Sprache und Literatur nennen könnte, getrieben und vollendet haben.

WALTER JOHANNES STEIN: Ich habe Goethe, Schiller, Herder durchgenommen, sonst weiter nichts. Nur dass ich in die Geschichte einzelne Besprechungen wie Dantes «Göttliche Komödie» hineingefügt habe; das Wesentliche waren doch Goethe, Schiller, Herder. [Im] Sprachlichen Aufsätze und Versuch, orthografische Fehler von der Ausspracheseite zu behandeln. Auf das Grammatische bin ich gar nicht eingegangen.

RUDOLF STEINER: Nun würde es sich darum handeln, dass Sie in Bezug auf die Literatur versuchen würden, Jean Paul zu behandeln, und zwar so, dass Sie [mit] den Schülern der 9. Klasse einzelne Partien der «Vorschule der Ästhetik» von Jean Paul durchnehmen, namentlich auch solche Partien, die dort über Humor handeln, und ohne dabei viel auf die Historie zu schen. Dann - das kann schon ein halbjähriges Pensum sein -, ohne viel auf die anderen Zusammenhänge zu sehen, dazu übergehen, mit den Schülern, es sind immerhin schon Vierzehn-, Fünfzehnjährige WALTER JOHANNES Stein: Von den Neuen dürften einige älter sein.

RUDOLF STEINER: — einzelne Kapitel zu lesen und zu besprechen, die in Herman Grimms Goethe-Vorlesungen stehen. Das würde in Bezug auf Literatur sein.

In Bezug auf das Sprachliche würde ich Ihnen empfehlen, für das erste Halbjahr weniger auf die pedantische Sprachlehre zu sehen, sondern das Gesetz der Lautverschiebung in der verschiedensten Weise mit den Schülern zu besprechen, das Grimm’sche Gesetz der Lautverschiebung. Und im Aufsatz - wobei Sie alles Grammatikalische, alles Syntaktische an die Korrektur anschließend gelegentlich besprechen -, im Aufsatz würde ich empfehlen, namentlich solche Aufsätze zu versuchen, welche Themen behandeln, die geschichtlich sind, wobei die Schüler im Wesentlichen das Material verarbeiten, welches Sie selbst im vorigen Jahre in der Geschichte vorgetragen haben. Da müssen Sie, bevor Sie den Aufsatz machen lassen, für die Neuen durch die Alten ein Thema mündlich behandeln lassen.

Dann wäre die Geschichte. Was hatten Sie da durchgenommen?

WALTER JOHANNES STEIN: Bis zur Reformation, die Luther-Biografie sehr genau. Dann habe ich angeschlossen Buckles «Geschichte der Zivilisation in England» und habe versucht, Lichtblicke auf die Gegenwart zu werfen.

RUDOLF STEINER: Jetzt würde ich empfehlen, zunächst nicht weiterzugehen, sondern die ganze Sache noch einmal durchzuarbeiten in geisteswissenschaftlicher Umarbeit, [anschließend] an Lecky, «Geschichte der neueren Zivilisation».

WALTER JOHANNES STEIN: Ich habe jetzt [im Deutschen] 8. und 9. Klasse vereinigt. Soll ich jetzt [anfangen]?

RUDOLF STEINER: Es wird dann vielleicht gut sein, wenn Sie den Herman Grimm mit Goethe vorausschicken. Da können Sie manches von dem nachholen, was Sie mit Bezug auf Goethe, Schiller und Herder gesagt haben, sodass Sie den beiden Klassen gerecht werden, und Jean Paul für später lassen. Geschichtliches können Sie mit beiden Klassen zusammen machen.

Dann würde es sich um die Geografie handeln.

WALTER JOHANNES STEIN: Vorzüglich durchgenommen [ist] die Eiszeit; Umlagerung von Land und Wasser. Überhaupt viel Geologisches von dieser Zeit.

RUDOLF STEINER: Ich würde empfehlen, mit Anschluss an alles dasjenige, was man in eine solche Sache hineinbringen kann, eine vollständige Gliederung der Alpen durchzunehmen. Nördliche Kalkalpen, südliche Kalkalpen, mit allen Flusstälern, die die Grenzen bilden, die Gebirgszüge, [die Gliederung, dann Landschaftliches], einiges über die geologische Beschaffenheit, angefangen von den Seealpen bis hinüber zu den österreichischen Alpen durch die ganze Schweiz hindurch. Dabei können Sie in dieser Besprechung der Alpen immer einfließen lassen, dass ja eigentlich in der Erdstruktur eine Art Kreuz vorhanden ist, auf das die äußeren Gebirgsformationen deuten. Setzen Sie die Alpen fort durch die Pyrenäen, dann durch die Karpaten, gehen Sie über durch die waldigen Gebirge, gehen Sie bis zum Altai, so haben Sie einen ausgedehnten Ost-West-Gebirgszug, der, sich unterirdisch fortsetzend, wie ein Ring sich um die Erde schließt, der senkrecht durchkreuzt wird von der Anden-Kordilleren-Richtung, die einen anderen Kreuzring bildet. Sie können zwei kreuzförmig aufeinanderstehende Ringe als Struktur der Erde sehr schön den Kindern klarmachen. Sie bekommen [dadurch] eine Vorstellung, dass die Erde ein innerlich organisierte Körper ist. Das können Sie alles so tun, dass Sie [nicht allzu] kurze Zeit verwenden. Sie brauchen nicht alles, das ganze geografische Thema auf einmal zu machen.

[Zu Karl Stockmeyer:] [Dann Mathematik.] Sie haben Gleichungen durchgenommen. Wie weit sind Sie im Potenzieren gekommen, Quadrieren, Kubieren, allgemeines Potenzieren? Haben Sie Binome und Trinome kubiert? Nicht für höhere Potenzen.

KARL STOCKMEYER: Es wäre keine Schwierigkeit. Es lag kein Grund vor, den Binomischen Lehrsatz durchzunehmen, ((a + b)^2), ((a + b)^3), ((a + b)^4).

RUDOLF STEINER: In welcher Form können das die Schüler? Das meine ich nicht. Ich habe das nie gesehen.

KARL STOCKMEYER: Ich habe das nacheinander ausmultiplizieren lassen.

RUDOLF STEINER: Ich meine, wissen Ihre Schüler, dass ((a+ b)^3) gleich ist (a^3) und so weiter als Formel? Können sie [das]? Wenn Sie es nicht als Formel verlangt haben, dann sind Sie noch nicht übergegangen zum Potenzieren von Zahlen, dann haben Sie nicht ausführen lassen nach der Formel (355^3), oder (355^2). So würde ich diesen Zweig fortsetzen, indem ich das Potenzieren und Kubieren treibe für Zahlen, von der Formel ausgehend; das Radizieren, auch das Ziehen der dritten Wurzel.

KARL STOCKMEYER Ich habe es nicht [für] wichtig gehalten.

RUDOLF STEINER: Bei diesen Dingen kommt es nicht darauf an, dass man die Dinge so macht, wie man es später braucht, sondern dass man gewisse Formen des Denkens übt. Die Formen des Denkens, die man beim Kubieren, Quadrieren, beim Ziehen der Wurzel übt, dieses Eigentümliche, dass man gewissermaßen abstrahiert von der Konkretheit der Zahlen und die Zahlen zusammenfügt, in anderer Weise gruppiert, das führt so tief hinein in das ganze Gefüge der Zahlen, ist denkerisch so bildend, dass man es tun müsste.

Dann würden notwendig sein praktische Rechnungen. Ich würde es doch sehr richtig finden, wenn man mit den Schülern solche Dinge rechnen würde wie zum Beispiel praktische Inhaltsberechnungen, was ja durchaus auf Ihre Voraussetzungen ginge. Ich will sagen: Wenn eine Wasserkanne zylindrisch [oder] kegelförmig ist, enthält sie ein gewisses Quantum Wasser. Wie groß ist das Quantum Wasser, wenn der Boden einen Durchmesser hat, der die Hälfte ist des Durchmessers der anderen?

Dann würde ich daran [an]schließen Näherungsrechnungen, dass die Kinder diese Begriffe bekommen. Ich würde ausgehen - das kann durchaus hier geschehen - von der Behandlung des Nivellierdiopters und [dem] Herausfinden des mittleren Wertes bei irgendwelchen solchen praktischen Behandlungen, [zum Beispiel] beim Wiegen mit einer Apothekerwaage. - Dann auch dasjenige, was sich noch an weiteren Rechnungen in der Wechselkunde anschließt. Dann, nicht wahr, kommt die Geometrie in Betracht. Körper-Inhaltsberechnungen müssen Sie vorangehen lassen, und dann würde ich raten, die ersten Elemente der Deskriptive zu nehmen.

KARL STOCKMEYER gibt an, was er in der Physik gemacht hat.

RUDOLF STEINER: Das, was in der Chemie durchzunehmen ist, würde jetzt in der 9. durchzunehmen sein. Dagegen in der Physik müssten Sie versuchen, zweierlei zu treiben: erstens Akustik und Elektrizitätslehre, dazugehörig Magnetismus, dass die Schüler ganz genau das Telefon verstehen können. Zweitens Thermik und Mechanisches, [alles, was] dazu notwendig ist, dass die Schüler ganz genau die Lokomotive verstehen können. Das wäre das Pensum der 9. Klasse.

KARL STOCKMEYER: Dann war im letzten Jahr eine Teilung [der Geografie], indem ich den astronomischen Teil durchgenommen hatte.

RUDOLF STEINER: Da käme natürlich im Anschluss daran das Doppler’sche Prinzip, die Bewegung der Sterne in der Sehrichtung. Sie haben die Bewegung der Sterne an der Sehrichtung vorbei [behandelt]. Nehmen Sie alles dasjenige, was dazu führt, die Bewegung der Sterne in der Sehrichtung [zu erfahren]. Alles dasjenige. Sie müssen dahin arbeiten.

KARL STOCKMEYER: In der Physik [also] keine Optik, nur Thermik, Mechanik, Elektrizität

RUDOLF STEINER: Da können Sie das Optische einfügen, was Sie brauchen, um das Doppler’sche Prinzip zu erklären. Exkurse aus der Akustik auch mitbesprechen.

KARL STOCKMEYER [vermutlich]: Ist es berechtigt, aus der Verschiebung der Spektrallinien die Bewegung nach vorne zu schließen?

RuDoLr STEINER: Warum nicht? Nicht wahr, wenn Sie zwei Spektren haben, und Sie haben einmal die Linie an einer Stelle, das andere Mal an anderer Stelle, so ist mit vollkommener Richtigkeit der Schluss der, dass man es mit verschiedenen Entfernungen zu tun hat. Das ist ein richtiger Schluss.

KARL STOCKMEYER [vermutlich]: Man würde ihn an der Sonne ziehen können.

RUDOLF STEINER: Ich würde [das Doppler’sche Prinzip] nur bei Doppelsternen anwenden. Ich würde es nicht weiter verallgemeinern. Ich würde gleich hinarbeiten auf - nicht wahr, es ist ja eigentlich nur anzuwenden, zu unterscheiden, dass sich Sterne um sich herum drehen, denn man konstatiert, dass die Sterne in der Sehrichtung sich zyklisch bewegen. Nur auf das hinarbeiten.

Chemie: Das, was wir für die 8. Klasse bestimmt haben, die ersten Elemente der organischen Chemie, was ein Alkohol ist, was ein Äther ist, [das wäre jetzt in der 9. Klasse fortzusetzen].

Anthropologie: Menschenkunde fortsetzen, dass eine richtige Anthropologie den Kindern übermittelt wird. Das müsste in konzentrischen Kreisen von Klasse zu Klasse aufsteigen [und] das übrige Naturwissenschaftliche angereiht werden.

Herr Baumann, was denken Sie im Musikalisch-Gesanglichen mit den Schülern der 9. Klasse zu machen?

PAUL BAUMANN: Ich habe das nicht machen können, was ich wollte, weil die Schüler ganz unvorgebildet waren für Musik.

RUDOLF STEINER: Ist es nicht durchführbar, dass der Musikunterricht erteilt würde im Eurythmiesaal, wenn es nicht kollidiert mit der Eurythmie?

PAUL BAUMANN: Er reicht kaum für die Eurythmie aus.

RUDOLF STEINER: Dann werden wir, bis die Sache mit dem großen Saal gebaut wird, mit dem Musikunterricht gar nicht in Ordnung kommen können. [Weiteres Gespräch darüber.]

Es geht der Musikunterricht nicht, wie er gehen sollte, bis wir den großen Raum haben.

[Auf eine Bemerkung:] Es wäre nicht möglich, zum Beispiel, bis bessere Raumverhältnisse geschaffen werden, den Musikunterricht in der Landhausstraße zu geben? Ich meine, stundenplanmäßig würde es sich durchführen lassen.

Zwei Dinge gelten. Man muss den Musikunterricht so vollkommen, als es geht, gestalten. Man kann gerade, wenn man Kinder vorschulen will, nicht genug tun mit der Güte des Instrumentes. Es wird ihr ganzes Tongehör verdorben, wenn sie schlechte Instrumente hören. Das sind große Gesichtspunkte. Ich meine, stundenplanmäßig würde es sich durchführen lassen. [...] [Weiteres Gespräch über die Raumfrage.]

Mit dem alten Kirchengesang könnte man sehr gut weitergehen.

PAUL BAUMANN: Ich wollte hinweisen auf Dur und Moll, auf die Klangfarbe im rein Tonlichen.

RUDOLF STEINER: Das sollte gerade der Lehrstoff der 9. Klasse sein. Das müsste man doch unter allen Umständen anstreben. Gerade dieses etwas theoretisch pflegen und auch etwas in der Empfindung pflegen, Dur und Moll als Empfindungsinhalt.

PAUL BAUMANN: Ich habe im Anstandsunterricht diesen Gegensatz in Bezug auf Männliches und Weibliches behandelt. Da schienen die Kinder darauf einzugehen.

RUDOLF STEINER: Da würde ich finden, dass es nett wäre, das gerade mit dem Gesanglichen zu verbinden, auf männliche und weibliche Stimmen diese Sache zu behandeln. Es ist wenig nach dieser Richtung ausprobiert worden, und es ist ganz sicher feststehend, dass ein solcher Unterricht, der in diesem Alter gerade einsetzen würde mit Bezug auf die Beobachtung der männlichen und weiblichen Gesangsstimmlage, außerordentlich entgegenwirken würde dem heute stark auftretenden, falschen Sexualempfinden. Das würde wohltätig wirken.

Das ist mir ein Schmerz, dass man nicht vorschreiten kann zur Behandlung des Instrumentes.

PAUL BAUMANN: Ich halte es beinahe für ausgeschlossen, wir brauchen Räume.

RUDOLF STEINER: Die Instrumente behandeln ist etwas, was unersetzlich ist.

Nicht wahr, was Privatstunden sind, Privatstunden sind Privatstunden. Hier würde darauf gesehen werden, dass so, wie wir es verschiedentlich auffassen, es in die ganze Erziehung eingreift. Dazu trägt eine Privatstunde nichts bei. Schade ist es schon, dass wir es nicht können. Ich fürchte, wir werden sehr lange überhaupt zu diesem nicht kommen.

PAUL BAUMANN: Wir haben einige Instrumente, [aber wir brauchen Räume, und] man müsste einen Lehrer haben.

RUDOLF STEINER: Das war in Aussicht genommen. Handelt es sich nur um Räume?

PAUL BAUMANN: Es sind gegen fünfzehn Instrumente da. Wenn wir den Gesangsraum hätten, [dann] könnte man solche Sachen schon machen [wie die] Kindersinfonie von Haydn.

RUDOLF STEINER: Das wäre richtig. [...] [Weiteres Gespräch über Bau- und Raumfragen.]

KARL STOCKMEYER: Wir brauchen jemanden für den Gartenbau.

RUDOLF Steiner: Wir haben eine Lehrerin, Fräulein Grunelius, [für den Hort].

KARL STOCKMEYER: Im Frühjahr werden wir an den Gartenbauunterricht denken müssen.

RUDOLF STEINER: Damit werden wir uns nicht beschäftigen können.

CAROLINE VON HEYDEBRAND: Wir müssen daran denken, dass sie den Kindergarten übernimmt.

RUDOLF STEINER: So etwas wird sie übernehmen müssen.

RUDOLF TREICHLER fragt nach Sprachunterricht.

RUDOLF STEINER: Ich würde versuchen, viel Wert zu legen in diesem Alter auf das rezitatorische Element. Im Rezitieren noch einiges lernen in der Beherrschung der Sprache. Sinn von Wendungen, die sie im Rezitieren aufnehmen, und das anwenden auf anderes.

In der Eurythmie setzt man fort. Grammatikalisches.

Im Handfertigkeitsunterricht hätte ich gemeint, dass man ganz so unter der Hand, im Nebenbei, überall Künstlerisches, Kunstempfinden und so etwas kultivieren sollte. Bei ihm kommt es darauf hinaus, dass man die Kinder abwechselnd das und jenes machen lässt, [immer] Dinge, die bis zum Fertigwerden kommen. Ich würde Dinge, nicht bloß nützliche Gegenstände machen lassen, [sondern auch] Spielsachen, vernünftige Spielsachen. Ganz nett würde ich finden, wenn man im Handfertigkeitsunterricht die Kinder solche Schmiede, die sich gegeneinander bewegen, machen ließe. Die Kinder werden geschickt. Man kann die Kinder Geschenke machen lassen. Ich würde auf das auch hinausarbeiten.

Und wenn man es dahin bringt — das ist etwas, was Feierliches ins Leben des Kindes bringt -, wenn man es dahin bringt, [dass man] Moos sammeln lässt und sie zu Weihnachten sich Krippchen machen lässt, sodass sie sie selbst formen, dass sie die Schäfchen und so weiter bemalen, da kommt sehr viel dabei heraus. Nützlichkeitsgegenstände [natürlich] nicht versäumen. Besonders Freude haben sie, wenn so etwas [gemacht] wird wie Ratschen, sie sind auch so wie ein Schabernack:

Wir ratschen, wir ratschen die zwölfe z’samm,
Die Glocken kommen von Rom.

Zur Beurlaubung einer Lehrerin.

KARL STOCKMEYER: [Dann ist da noch] die Frage nach dem Handarbeitsunterricht. [...] [Im Folgenden ist das Gespräch dazu etwas gekürzt wiedergegeben.] Ich habe mit Fräulein Schumann gesprochen. Sie ist Zeichenlehrerin, hat aber auch die Lehrbefähigung für Handarbeit.

RUDOLF STEINER: Das wäre das Richtige, wenn also eine zugleich künstlerisch gebildete Kraft den Handarbeitsunterricht besorgen würde. Da;/?] nun Fräulein Schumann nicht früher als vor.dem 14. herkommen kann - man müsste sich klar werden, dass die Befähigung dadurch erwiesen ist, dass man das sagt. Sie wird sich gut einfügen.

Aber nun kommt unter Umständen noch etwas anderes in Betracht. Eine Eigenschaft hat sie nicht, die eine andere Dame hätte, das ist Fräulein Hauck. [Die] hat die Eigenschaft, dass sie von hier ist und die Tochter vom ehemaligen Professor Hauck, der einen Aufsatz über «Arnold Böcklins Gefilde der Seligen und Goethes Faust» geschrieben hat. [Und über] «Technikers Faust-Erklärung». Hauck war einer der Letzten. Wenn die sich entschließen könnte, Handarbeitslehrerin zu werden, so hätte man den Vorzug, dass sie eine Schwäbin wäre, was ganz gut wäre. Sie hat bis jetzt gelehrt an einer Arbeiterschule; das würde ich aber als einen Grund betrachten, sie nicht hierher zu rufen, weil es sehr gut wäre, wenn solche Leute da unterrichten würden. Die Arbeiterschulen sagen, es sei nicht notwendig, dass die Leute solchen Firlefanz lernen [wie darstellende Geometrie]. Es muss der ganze Unterricht ausgefüllt werden mit Klassenkampf und Vorbereitung in der Revolution. Das ist das eine, und das andere ist aus der Zeitgeschichte erklärlich. Das andere ist, dass man in der Technischen Hochschule ihr den Stuhl vor die Tür gesetzt hat. Ich bitte Herrn Strakosch, darüber ein Urteil zu fällen, [dass man in der Technischen Hochschule ihr den Stuhl vor die Tür gesetzt hat]. Die Leute sollen beim Maschinenbau [in der Fabrik die darstellende Geometrie] lernen, solches Zeug sei nicht mehr nötig. Ich glaube - ich bitte Sie, dann auch Ihre Meinung zu sagen -, dass Architektur und Maschinenbau aufhören muss, wenn man nicht darstellende Geometrie auf [der Hochschule lernt]; das wäre das Versinken zur Barbarei. Man kann im Maschinenbau [nicht] einen Zapfen durch ein Loch dirigieren, die Leute können keine Durchdringung konstruieren. Es ist der reine Wahnsinn.

Die Dame wäre mir auch geeignet. Aber ich fürchte, dass da unter Umständen die Ansprüche unsere gegenwärtigen Verhältnisse übersteigen könnten. Sie war langjährige Assistentin an der Technischen Hochschule. Diese zwei Damen würden in Betracht kommen.

Wenn es um Fräulein Schumann sich handelt, so muss sie vor dem 1. Oktober kündigen. Wenn es sich um Fräulein Hauck handelt, so würden wir diese verhältnismäßig in wenig Tagen haben, was von Bedeutung wäre. Man könnte dann, man müsste Fräulein Schumann abtelegrafieren. Sie kommt nicht ohne Schwierigkeit her, weil ihre Schwester eine Anti-Sophin ist; die ist auch Lehrerin geworden. Sie würde nur aus sachlichen Gründen hergehen, persönlich ist es ihr lieber, wenn sie nicht gerufen wird. Fräulein Hauck will gerne hergehen. Ich weiß nicht, ob Sie andere haben. Vielleicht kann man

Fräulein Hauck den Vorschlag machen. Wenn man ihr telegrafiert morgen und Fräulein Schumann abtelegrafiert. [...] Zunächst an Fräulein Hauck, ob sie kann. Dann müssen Sie die Aufforderung hintelegrafieren, dass man es ihr sofort gibt.

Gespräch zur Organisation des freien Religionsunterrichts.

RUDOLF STEINER: [Im freien Religionsunterricht] könnten wir für diese Gruppe [der 7., 8., 9. Klasse] dazu übergehen, nun in einer freien Form mit ihnen solche Dinge wie Präexistenz und Postmortem-Leben, die ganze Konsequenz des Präexistenzlebens, diese Sache theoretisch [zu] erklären. Beispiele dafür geben. Die großen Kulturzusammenhänge den Kindern beibringen, wie man das sieht. [Die Mission des Menschen auf der Erde.] Man braucht nur Goethe auf das anzuschauen oder Jean Paul; man sieht schon, man kann nachweisen überall, dass ihre Fähigkeiten vom vorgeburtlichen Leben kommen.

Dann, nicht wahr, ist es ein sehr gutes Bild, das wirklich bis ins Religiöse hinaufgetrieben werden kann, wenn man den Leib des Laokoon erklärt. In Wirklichkeit ist es [so beim] Laokoon, [dass] der Ätherleib sich trennt und dadurch der physische Leib diese Verrenkungen macht. Dieses Zerbrechen des physischen Leibes beim Laokoon, das ist etwas, wo man viel daran demonstrieren kann. Man müsste eine Gruppe haben. Aber [es] ins Religiöse heraufheben, diese Scheu vor dem sich auflösenden Menschenkörper.

Mit Herrn Uehli werde ich sprechen. Die Sonntagsfeier ist festgelegt. Anstelle von Frau Koegel wäre jemand zu designieren, [der die Kinder einführt]. Da würde ich um Vorschläge bitten. Ich weiß nicht, ob Herr Uehli dies ... [Lücke in der Mitschrift]. Es ist das etwas, wozu man sich besonders bestimmt fühlen muss. Schlägt sich jemand selbst vor? Möchten Sie es mit Fräulein Röhrle zusammen machen?

Jemand bemerkt: Es ist [ein Mädchen] angemeldet, das taubstumm ist.

RUDOLF STEINER: Sie kann doch nicht zu uns in die Waldorfschule kommen.

HANNAH LANG fragt wegen eines anderen Kindes, das angemeldet wurde.

RUDOLF STEINER: Wie ist es mit dem? Der Junge erbarmt einen.

HANNAH LANG: Ich versuchte, das zu tun.

RUDOLF STEINER: Das braucht Geduld.

HANNAH LANG: Er ist im Klassenunterricht unmöglich.

RUDOLF STEINER: Das wird vielleicht nur vorübergehend sein.

HANNANH LANG: Wenn das Kind das zu Hause erzählt ...

RUDOLF STEINER: Wie er bei mir war, hat er durchaus so ausgesehen, als ob er gebessert werden könnte. Ich bin auch überzeugt, wenn man das mit ihm macht, was ich vorgeschrieben habe, dass es in einem halben Jahre besser ist. Auf der anderen Seite kann man nicht hoffen, dass es, wenn er ganz isoliert ist, besser wird. Das kann man nicht machen.

HANNANH LANG: Dann kommen meine Kinder zu kurz.

RUDOLF STEINER: Ich glaube, dass es vorübergehend sein wird. Es wird wahrscheinlich doch mit dem zusammenhängen, dass er gerade in die Schule gekommen ist, was durchaus vorauswirken kann.

HANNANH LANG: Er war furchtbar aufgeregt.

RUDOLF STEINER: In diesem Kinde ist eine ziemliche Unregelmäßigkeit in der ganzen Konstitution. Da ist der Junge, [der] hat so etwas wie - man kann sich mit dem physischen Leib einen Arm brechen oder ein Bein brechen, man kann sich nicht den Kopf brechen -, dieser hat einen gebrochenen Ätherkopf, und so ist er natürlich alle Augenblicke aufgeregt. Bei ihm äußert es sich mehr als bei einem anderen Kinde. Aber ich glaube, es wird vorübergehend sein. Jedenfalls muss man den Eltern sagen, sie müssen sich gedulden, bis wir diese Hilfsklasse haben. Kennen Sie ihn schon lange? War er immer so? Durch jede Erschütterung wird die ganze Geschichte in Unordnung gebracht. Wird ihm die Arznei beigebracht? Hat er Krankheiten gehabt? Sie waren dabei? Wir haben etwas konstatiert; Sie sagten Gehirnrachitis. Das stimmt auch. Man bekämpft Gehirnrachitis durch Beibringen von Hypophysis cerebri. Hat er Geschwister? Es ist eine Wachstumsstörung da, die durch irgendetwas bewirkt worden ist, was der Mutter passierte vor der Geburt. Ich sagte das nicht.

HANNANH LANG: Sie hat mir nachher erzählt, dass sie die ganze Zeit halb irrsinnig gewesen ist.

RUDOLF STEINER: Der Junge ist in diesen Zustand versetzt worden durch die Schwangerschaft.

HANNANH LANG: Sie hat auf dem Dorfe gelebt, wo sie keinen Verkehr hatte.

RUDOLF STEINER: Dann werden wir das machen mit ihm und ihn in die Schule hineinnehmen, wenn die Hilfsklasse von Dr. Schubert eröffnet wird.

Dann haben Sie wohl andere Fragen.

KARL STOCKMEYER fragt noch einmal nach der Feststellung der Stellung Rudolf Steiners im Äußeren der Schule.

RUDOLF STEINER: Diese Feststellung meiner Stellung hat nur einen Opportunitätswert. Das wäre gut gewesen, wenn dazumal, als das Lehrerkollegium eingereicht war, ich mit eingereicht [worden] wäre. Nur da, wenn es einmal geschehen könnte, dass man nötig hätte, der Behörde gegenüber die Sache exakt zu haben, das ist natürlich das, worauf es ankommt.

KARL STOCKMEYER: Ich nahm an, dass Ihre Stellung schon festgelegt sei.

RUDOLF STEINER: Nur für das Passvisum.

EMIL MOLT: Für die politischen Behörden.

RUDOLF STEINER: Wenn es wichtig gewesen wäre, bei dieser Eingabe ans Kultusministerium, jetzt sieht es komisch aus.

EMIL MOLT: Wenn ich vorschlagen darf, wenn man jetzt eine Gesamtliste einreicht und an der Spitze Sie selbst nennt.

KARL STOCKMEYER: Jetzt, nach der Änderung des Waldorfschulvereins, könnte man neu an die Behörden herantreten.

RUDOLF STEINER: Es sieht immer jetzt komisch aus, weil sie es mit den alten Listen vergleichen.

EMIL MOLT: Repariert werden muss es doch.

RUDOLF Steiner: Man kann kaum etwas anderes machen, als dass man schreibt, es sei vergessen worden, und trägt es nach. «Wir haben leider das vorige Mal vergessen und tragen es nach.» Ich wüsste sonst keine Möglichkeit, darüber wegzukommen.

EMIL MOLT: Einmal muss es doch geschehen.

RUDOLF STEINER: Sonst sieht es immer komisch aus, wenn man es stillschweigend macht. Auch wenn man eine neue Liste macht.

KARL STOCKMEYER: Ihre Stellung ist der Behörde gegenüber immer als selbstverständlich behandelt worden.

Jemand stellt vermutlich eine Frage nach der Gegnerschaft gegen die Anthroposophie.

RUDOLF STEINER: [Diese Gerüchte] tauchen immer auf. Das steht überall in der Schweiz. Gestern habe ich ja auf eine Sache hingewiesen. Jetzt, nicht wahr, ist man auf der Spur nach anderen Verzweigungen dieser verleumderischen Dinge, die darauf hinzielen, durch Machinationen die Spur zu verwischen, dass ich etwas mit der Anthroposophie getan hätte, aber die Lehre zu nehmen und von anderer Seite zu verbreiten. Ram [?], das ist ein Freimaurer, [und] Kottinger [?], die gehen darauf aus, die Lehre von sich aus zu verbreiten, aber die Spur zu verwischen, dass es von mir kommt.

EMIL MOLT: Das war früher schon [so].

RUDOLF STEINER: Das ist auch ein Machwerk, das bewusst wahnsinnig gestellt ist, diese 2:3.

Wäre außerdem noch etwas?

EMIL MOLT fragt nach dem Weltschulverein, der seinen Sitz in Dornach haben, aber in Deutschland arbeiten solle: Wenn man jetzt die deutsche Sektion gründen würde, dann könnte man bei den Hochschulkursen in Dornach das Ganze ordnen. [Weiter spricht er über das Verhältnis von Waldorfschulverein und Kollegium, und über den beiden übergeordneten Weltschulverein.]

RUDOLF STEINER: Müssen wir nicht zuerst den Weltschulverein haben, [bevor wir eine deutsche Sektion begründen könnten]?

EUGEN KOLISKO: Ich habe den Eindruck, wenn in Dornach das gemacht werden soll, dass geschwiegen werden müsste von einer deutschen Sektion. Es müsste das ganz. auf internationaler Basis aufgebaut werden.

RUDOLF STEINER: Wir müssen den Weltschulverein haben, bevor wir eine deutsche Sektion begründen könnten. Der Weg zum Weltschulverein könnte jetzt nur der sein, dass man nun wirklich sichtbarlich von einem bestimmten internationalen Zentrum aus die Sache macht.

Es könnte das Zentrum des Weltschulvereins Dornach sein, [aber] es muss nicht das Zentrum sein, von dem aus es gemacht wird. Damals hätten wir eine ganz bestimmte Form der Agitation gehabt, dass wir mit aller Schärfe betont hätten, wir haben noch eine kleine Schule und können nicht weiter, müssen so viele Kinder abweisen. Dieser Agitationsstoff ist [uns] jetzt entzogen. Nun müssen wir den Weltschulverein anders anfangen. Da kann man natürlich, wenn wir [in Dornach] einen guten Besuch haben, zunächst anfangen, Stimmung zu machen. Ich glaube nicht, dass es [von hier aus] gemacht werden soll, weil wir nicht die negative Anlehnung haben, dass wir sagen können, da warten hundert Kinder vor den Toren der Schule.

Nun müssen wir es anders anfangen. Da können wir in Dornach dafür agitieren, und dann habe ich gedacht, dass es jetzt schon von einem internationalen Orte aus geschehen müsste, etwa vom Haag aus. Wir haben eine begründete Hoffnung, dass man für unsere Bewegung noch etwas tun könnte. Aber natürlich würden wir uns das Ganze verpfuschen, wenn wir hier den Weltschulverein begründen würden. Wir können alles Mögliche für die Waldorfschule tun, dafür ist so viel Stimmung da, für so etwas etwas zu tun; gründen dürfen wir ihn von hier aus nicht. Dann verderben wir ihn. Weltschulverein: von auswärts. Damals habe ich mir gedacht, wir leiten hier eine energische Agitation ein. Von London aus würde ich die Begründung viel eher begrüßen. Das ist noch nicht zu erreichen. Und außerdem ist die Hoffnung, dass die andere Sache schneller geht. [...] [Die Textüberlieferung wird an dieser Stelle sprunghaft und unsicher.]

RUDOLF STEINER: Das hatte ich auch früher beim Weltschulverein gemeint, dass ich es machen müsste. Man könnte zur Reise 14 Tage verwenden. Wir haben im Haag eine Anzahl von Anthroposophen.

MARIE STEINER: Ich glaube, sie sind alle durcheinander. Sie können mit [Herrn] Hallo nicht rechnen. Er bekennt niemals, dass er zur Anthroposophie gehört.

RUDOLF STEINER: Wenn ich nach dem Haag ginge, würde ich in Hallo einen Helfer haben.

MARIE STEINER: Solange Sie da sind!

RUDOLF STEINER: Mehr braucht er nicht [...]. [Weiteres über Hallo, auch im Folgenden.] Es genügt, wenn er das eine auf die Beine bringt, wenn er die Wege ebnet.

MARIE STEINER: Er versperrt die Wege [...]. Er hat [...] verheimlicht, dass es ein Goetheanum gibt, damit er nicht in den Ruf kommt, dass er etwas damit zu tun hat. Die Studenten waren überrascht, als sie hörten, dass es das gibt, obgleich sie unter Hallos Leitung in die Schweiz geführt wurden.

RUDOLF STEINER: So sind die Menschen! Aber auf eine andere Weise, als dass man die Menschen nimmt, wie sie sind, kommt man nicht weiter. [...]

In der weiteren Debatte werden außer Haag auch noch Zürich und Genf genannt.

WALTER JOHANNES STEIN: Müssen wir von hier aus nicht noch einige Voraussetzungen machen? Wir sollten über den Namen der einzelnen Schule nachdenken. Wir finden nicht das, worauf Sie abzielten.

RUDOLF STEINER: Ich glaube nicht, dass [es] besonders aktuell [ist], den Namen der einzelnen Schule [zu finden].

[Nach einigen Äußerungen:] Was wollen wir von hier aus für Bedingungen schaffen? WALTER JOHANNES STEIN [vermutlich]: Ich bin mir nicht sicher, ob von uns aus alles bedacht ist. Ich hatte gehofft, dass Herr Doktor das aufgreifen würden.

RUDOLF STEINER: Schließlich handelt es sich darum, dass man sich auf die Höhe der Situation stellt im gegebenen Augenblick, das ist heute. Ich habe es mitgeteilt. Wenn man mit solchen elementaren Sätzen unserer Bewegung dienen würde, dann wäre gedient. Man muss die Weltsituation begreifen.

Wir müssen die Dinge ausnutzen. Sehen Sie, wir haben zum Beispiel hier den Verlag gegründet, dieser Verlag hat bis jetzt gar nichts getan. Aber zwei Bücher sind erschienen, Dr. Steins Buch und Polzers Buch. Also fast wenigstens Erstlingswerke in großer Auflage. In wenigen Wochen sind die beiden Bücher abgesetzt. Uns ist heute gesagt worden, dass auch das Buch gegen Traub ausverkauft [ist]. Die Leute da verschlafen. Die Bewegung trägt heute schon, wenn man die Strömung aufnehmen wird. Die Gegner [sind] da; die Strömung als solche ist da. Es schwimmt niemand darinnen. Man muss wirklich sagen, die Strömung ist da, es schwimmt niemand darin. Man sieht es an den öffentlichen Vorträgen, die immer stark besucht werden. Es ist wirklich wahr, Bewegung ist schon da, man denkt gar nicht daran, dass eine solche Bewegung da ist.

In Wirklichkeit - nicht wahr, die Dinge, die hier gesagt werden, werden auch vertraulich gesagt - ist es notwendig, eine Bemerkung zu machen. Es kommt vor, dass die Leitung des «Kommenden Tages» keinen richtigen Begriff hat, dass es eine Dreigliederungsbewegung gibt. Das ist nicht etwas, was man zur Agitation unter uns brauchen darf, man soll sich bewusst werden, dass Schlafzustand vorhanden ist.

WALTER JOHANNES STEIN: Was wir begonnen haben, liegt auch brach.

RUDOLF STEINER: Es wird viel begonnen und hört dann auf.

[Auf eine Bemerkung von Walter Johannes Stein:] Wenn ich sollte alle einzelnen Aufträge geben, dann kann ich nur sagen, das kann alles geschehen; dann dürfen nicht die Sitzungen bis drei Uhr nachts dauern. [Auf Bemerkungen von Walter Johannes Stein und Emil Molt:] In Berlin werden Sie die wenigste Unterstützung finden. In Berlin ist keine Neigung vorhanden. Aber in Berlin könnte man nur eben etwas machen, wenn wir einmal acht Tage dort sein könnten. In drei Tagen könnten wir es nicht machen. Das wird Stuttgart nie möglich machen. Berlin sieht nicht über die Mauern von Berlin hinaus.

EUGEN KOLISKO: Wann würde es möglich sein, das im Haag zu machen?

RUDOLF STEINER: Wenn man sehen würde, dass man Stimmung machen kann, dann wird man in Dornach daran denken, ziemlich nahezu im Anschluss daran.

EUGEN KOLISKO: Dann müsste man schlüssig werden, wie man die Stimmung am besten erzeugt.

RUDOLF STEINER: Ja, sehen Sie, da müsste man manchmal in edlerem Sinne agitieren lernen. Nicht wahr, wenn Sie zum Beispiel die Gruppe Haaß-Berkow bei ihrer Jause anhören würden, so würden Sie sehen, [wenn] sie dorthin gehen wollen, [sie haben] eine Hand dafür, Stimmung zu machen. Es müsste zum Beispiel einmal, wo die Leute aus der Fremde kommen, [gelingen], andere Gesprächstitel anzuführen. Es kommt auf Stimmungmachen an. Das muss nicht in unedlem Sinne gemeint sein. Es kommt darauf an, dass man Stimmung macht, statt dass man sich darüber unterhält, wie man - ich will nicht sagen, von was man sich unterhält, [wie] man nicht für solche Dinge Stimmung macht! Wenn so viel Menschen auf einem Platz beisammen sind, da geht so viel von Mensch zu Mensch zu machen.

MARIE STEINER: Sie glauben, Dr. Steiner kommt nicht, trotz aller Stimmung.

RUDOLF STEINER: Es handelt sich [darum], für Zwecke der Gründung des Weltschulvereins Stimmung zu machen. Nehmen Sie an, Sie kriegen es zustande, dass also fünfzig Menschen die Meinung kriegen, es muss ein Weltschulverein gegründet werden. Wenn die Leute von Dornach abreisen, und es in der richtigen Weise erregt wird, das bedeutet, dass drei Wochen darauf fünfhundert, sechs Wochen darauf fünftausend die Meinung haben, es muss ein Weltschulverein gegründet werden. Man muss das Zeug haben, in einer Anzahl von Menschen eine solche Meinung zu erregen.

RUDOLF TREICHLER: Wäre es nicht möglich, dass die Waldorflehrer Propaganda machen im Anschluss an Vorträge?

RUDOLF STEINER: Das können Sie selbstverständlich. Dem müsste die Stimmungsmache parallel gehen. Wie kommt es denn eigentlich, dass so etwas in der Anthroposophischen Gesellschaft nie aufkommen kann, wie im besten Sinne des Wortes ein Korpsgeist?

Mehrere Lehrer versuchen, diese Frage zu beantworten.

RUDOLF STEINER: Solange wir eine Anthroposophische Gesellschaft bloß waren, kam es auf all das nicht an, da brauchten wir kein Geld. Es ist das Unglück da, dass wir es jetzt brauchen. Und jetzt handelt es sich nicht darum, dass man geldgierig ist, es handelt sich darum, dass die Bewegung getragen werden muss. Das kriegt man nicht anders, als wenn Stimmung gemacht wird. Nun möchte man durchaus - das ist dasjenige, was ich schmerzlich empfinde: Es besteht eine gewisse innere Opposition bei sehr vielen, die etwas tun sollten. Sie möchten das nicht tun, was ich für das Rechte halte, [sondern] irgendwie etwas anderes. Sie sträuben sich furchtbar. Das ist die Sitte unserer Zeit, [wie] wenn wir bloß aus dem Geiste zu wirken bräuchten, [als] wenn wir kein Geld bräuchten. Wenn man Geld braucht, da muss man eben etwas tun dazu. Es braucht nicht unidealistisch zu sein, [aber] es muss etwas getan werden. Ich glaube nämlich, dass viel mehr Opposition ist, als Sie annehmen, innere Opposition. So ein Sichstemmen, Sträuben [ist da].

WALTER JOHANNES Stein: Herr Doktor, Sie sprachen von Hindernissen in der Propaganda für die Schule.

RUDOLF STEINER: Schlaf, absolute Cliquenbildung. Es wäre gut, wenn man Korpsgeist entwickelt. Man muss nur in Betracht gezogen haben, wie viel von obersten Persönlichkeiten in dem Korps waren. Wir können noch nicht eine Sektion begründen von etwas, was noch nicht besteht.

EMIL MOLT: Von irgendwo dürfte doch der Anstoß ausgehen.

RUDOLF STEINER: Das müsste von einem weiteren Kreis ausgehen.

WALTER JOHANNES STEIN: Es könnte vorbereitet werden. Wir kommen nicht vorwärts.

RUDOLF STEINER: Es ist eine komische Idee, es dauert mehrere Monate. Der ganze Bestand wird bloß davon abhängig gemacht, ob ein Magnat da ist. Man kann etwas anderes vorschlagen. Es kann nicht davon abhängen, bloß diesen Magnaten zu haben.

KARL STOCKMEYER: Vielleicht könnte man herantreten an Vertreter der lokalen Schulbestrebungen und sie erwärmen für den Weltschulverein, [zum Beispiel Rektor] Bartsch [in Breslau].

RUDOLF STEINER: Der ist schon warm genug.

Es handelt sich nicht darum, dass man den Namen «Weltschulverein» in die Welt bringt, [sondern] dass man eine Organisation in die Welt setzt. Bartsch ist warm genug. In dem Augenblick, wo man den Weltschulverein hat, ist er auch dabei und wird wirken. Nicht wahr, bei Bartsch in Breslau bedeutet es nichts anderes, als dass man ein Loch mehr aufmacht für das Geldschnorren. Ob Sie als Waldorflehrerschaft oder als Weltschulverein herumgehen und Geld sammeln, auf das kommt es nicht an. Das ist nur ein neuer Name für dieselbe Sache. Man muss eine wirkliche Organisation schaffen, die eine Organisation für sich ist.

EUGEN KOLISKO: Es kommt darauf an, dass die Sache vom Ausland gemacht wird. Wir müssen den Zeitpunkt [des Dornacher Hochschulkurses] ausnützen.

RUDOLF STEINER: [Es ist nötig], dass wir diese Leute zu Trägern des Agitationsgedankens machen. Von den Menschen werden wir direkt nicht viel haben können, das werden arme Schlucker sein, die lieber etwas beziehen möchten. Solche haben wir auch. Es kommt darauf an, dass diese Leute die Träger des Gedankens sind und diesen Gedanken hinaustragen. Dann kommt es darauf an, dass diese Agitation warm erhalten bleibt. Wenn wir im Haag etwas inaugurieren - es braucht kein Verein zu sein, eine Agitation braucht nur entfaltet zu werden -, wenn wir das vom Haag aus machen können, so darf man nicht vergessen, es besteht eine starke Stimmung dafür, man muss Mitteleuropa aufhelfen. Sie möchten das schon. Wenn man da den rechten Ton trifft, so geschieht etwa:

EUGEN KOLISKO: Die Leute tun etwas für österreichische Kinder.

RUDOLF STEINER: Man muss versuchen, die Gefühle, die da sind, so zu formulieren, dass es in die rechte Richtung kommt. Der Gesichtspunkt ist schon da. Das wäre schon zu erreichen. Das könnte bald geschehen, wenn die Seelen aufwachen würden. - Sie sind wach genug. Wenn Sie etwas recht Gescheites mit derselben Kraft in Dornach hinausschmettern, so ist das schon ganz gut. — Er hat gedankt. [Zu Marie Steiner?]

EMIL MOLT nach einer Bemerkung Marie Steiners]: Ich wollte mit den Gedanken den Dingen, die sich abgespielt haben, eine bestimmte Richtung geben.

WALTER JOHANNES STEIN: Ich glaube, dass für diesen Gedanken des Weltschulvereins agitiert werden muss. Wenn schon überhaupt daran gedacht werden soll. Es darf nichts ins Wasser fallen. Dann muss es warm gehalten werden. Ein großes Stück liegt darin, dass wir so wenige Leute sind. Es sind viel zu wenig.

RUDOLF TREICHLER: Muss es ein Weltschulverein sein?

RUDOLF STEINER: Es ist doch besser, wenn nicht die Bettler und Landstreicher den Verein gegen Verarmung gründen, sondern die, die etwas in der Tasche haben. Die Franzosen machen nicht mit, das schadet nichts. Ich würde nur dann einstimmen und bejahen, wenn sie mich nach Paris rufen. Kraft hätten wir für das alles.

Es wird über Stuttgarter Hochschulkurse im kommenden Winter gesprochen und berichtet, über welche Gebiete einzelne Lehrer vorzutragen gedenken.

RUDOLF STEINER: Sprachwissenschaft: Dr. Treichler; Philosophie, Literatur, Romantik, Geschichte: Stein; Volkswirtschaft: Baumann; Mythologie: Uehli; Eurythmie, soziale Erkenntnis, Kunstgeschichte: Fräulein Dr. von Heydebrand; Literatur: Heydebrand; Signalwesen —.

Es ist viel geredet worden, es müsste etwas geschehen. Ich würde nur nicht wünschen, dass es von hier aus in die Hand genommen wird, eine Art hochschulmäßige Vorträge; dass das ins Wasser fällt, das wäre das Allerschlimmste. Ich würde über Anthroposophie, Philosophie und so etwas reden.

KARL STOCKMEYER: Es war davon die Rede, dass zu Weihnachten etwas gemacht wird.

EUGEN KOLISKO: Das muss mit dem 15. Oktober anfangen. Wir hatten in Aussicht genommen, eine Art Semestralvorlesungen.

WALTER JOHANNES Stein: Herr Doktor hatten mir gesagt, ich solle eine Art Einführungsklasse halten.

RUDOLF STEINER: Man kann die Lehrfächer anders gruppieren. Ich würde nicht so nach diesen alten Schablonen gruppieren. Ich würde mehr nach den sachlichen Gesichtspunkten gruppieren. - Sie können doch, Herr von Baravalle, Einsteins Theorie und Quantentheorie halten.

HERMANN von BaRAVALLE: Ich glaube, dass wir es den Studenten leichter darstellen. Die Leute werden es hier verstehen.

RUDOLF STEINER: Synthetische Geometrie, davon verspreche ich mir ungeheuer viel für eine Gesundung. Ich bin einverstanden mit dem, was Sie sich als Programm vorsetzen. Diese vielleicht wirklich ganz andersartigen Vorstellungen, die die Leute bekommen, wenn außer dem, eine Ellipse aus der Gleichung bestimmen zu können, wenn sie aus einem Strahlenbüschel die Genesis einer Ellipse begreifen, das ist viel.

HERMANN VON BARAVALL: Ich wollte von überall zusammenfügen und die Anwendung nehmen in der theoretischen Physik.

RUDOLF STEINER: Ich weiß nicht, ob das nicht zum Beispiel ganz interessant wäre, die Grundbegriffe der analytischen Geometrie, dann die der synthetischen Geometrie, dann parallele Kegelschnittlinien, analytisch und synthetisch. Jetzt wird es meistens so gelehrt, dass man einen Kurs hat für analytische Geometrie [und einen für synthetische]. Dieses Reizvolle, was da wäre, wenn man die ganze Kegelschnittlehre analytisch und synthetisch lernt!

Ich glaube, wir müssen es heute beschließen. [Die Hochschulkurse] würde ich Ihnen sehr ans Herz legen. Bringen Sie [den Plan] nach Dornach mit; versuchen Sie ein bisschen, sich anzulehnen. In Dornach haben wir mehr auf Personen uns gerichtet. Die Studenten wollen [es] mehr nach Fächern. Man könnte es doch spezialisieren. - Dr. Schubert, über die Seele der Sprache ist nicht viel erforscht worden!

Im Sinne meiner heutigen Anfangsworte möge sich unser Zusammenwirken entfalten.

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