Faculty Meetings with Rudolf Steiner I
GA 300a — 23 June 1920, Stuttgart
Dreizehnte Konferenz
Die Konferenz war auf den Mittag gelegt worden, da am Abend ein Studienabend zur Dreigliederung stattfand, an dem Graf Ludwig Polzer-Hoditz über die politische Lage sprechen sollte. Das Schuljahr dauerte noch einen Monat, für den 24. Juli war die Abschlussfeier vorgesehen.
Themen: Medizinisches: Die Schule braucht einen Schularzt. «In Psychologie wirken!» Die Kindergemüter müssen studiert werden. Rückblick auf das vergangene Schuljahr. Rhythmus in den Unterricht bringen. Vorblick auf das zweite Schuljahr. Über das Zu-spätKommen.
Bemerkungen: Die Konferenz bildete den ersten Teil eines ausführlichen Rückblicks auf das vergangene Schuljahr. Vieles war erreicht worden, der Schulalltag wurde bewältigt, das seien Fortschritte, auch die Lausbubereien seien «fortgeschritten».
Eindringlich sprach Rudolf Steiner über das «richtige Erkenntnisverhältnis», das zu den Schülern zu gewinnen sei. Ermeinte, das Hauptthema für die Arbeit im zweiten Schuljahr sei das «Verstehenlernen der Kinder. Sich gar nichts vornehmen, sie müssten so oder so sein.»
Steiner war Zeuge davon, wie einige Schülerinnen, die zu spät zur Schule kamen, gar keine Eile zeigten, doch noch zeitig die Schule erreichen zu wollen.
Er bedauerte sehr, nicht bei der Abschlussfeier anwesend sein zu können.
Es wird gefragt, ob man eine öffentliche Unfallstation in der Schule einrichten solle, weil man dann die Verbandstoffe und so weiter 33 Prozent billiger bekomme.
RUDOLF STEINER [auf eine Bemerkung]: Ich glaube, dass wir die Sachen selbst en gros kaufen müssen. Dies wäre zweifellos wünschenswert, dass ein Raum da wäre, wo man ein Kind hinbringen kann. Dagegen ist es nicht sehr wünschenswert, dass diese ganze Sache mit Einmischung von außen besorgt wird. Es sollte darauf ein besonderer Wert gelegt werden. Deshalb ist es gut, dass Kolisko da ist; es sollte schon vom Lehrerkollegium besorgt werden. Es kann doch nicht jeden Tag ein paarmal vorkommen. Gewiss, kleine Sachen werden vorkommen, wenn dreihundert Kinder da sind. Es war ja außerdem nicht besonders schlimm. Ein Fall, wo man einen Verbandsraum braucht, in dem man sterilisieren und desinfizieren kann. Es ist doch so, dass jede Woche etwas vorkommt. Es würde genügen, wenn ein Raum da wäre. Mir lag viel daran, dass ein Arzt da ist unter dem Lehrerkollegium. Je mehr wir uns abschließen von der Außenwelt, desto besser ist es. Angestrebt [muss] werden, dass man billige Verbandstoffe bekommt.
EUGEN KOLISKO: Ich möchte schon, dass ein Raum da wäre.
RUDOLF STEINER: Nicht wahr, ich habe mir gedacht, dass manche Fragen gestellt werden könnten. Ich habe schon erwähnt, im Ganzen sind [wirkliche] Fortschritte gemacht worden. Im ersten Jahr war offenbar nach meinen Apergus ein Kampf mit dem Lehrstoff vorhanden. Fortschritte sind gemacht worden auf allen Gebieten. Es handelt sich nur immer darum, was fortschreitet, das wird in den nächsten Jahren mehr den Ideen entsprechen, die mit der Waldorfschule verbunden sind. Nun, Fortschritte liegen, glaube ich, sowohl darin, dass immerhin die Schülerschaft etwas aufgenommen hat, [als darin], dass die Lehrer sich nach und nach hineingefunden haben in die Behandlung der Schüler. Alles ist fortgeschritten, auch die Lausbübereien. Die Lausbuben sind schon starke Lausbuben, das schadet [aber] nichts. Das ist eine Nebenwirkung. Manche sind sogar gesitteter, kultivierter, intellektueller geworden. Das ist ganz gut, das schadet nichts.
Was ich meine, das ist das: Wir müssen in der Zukunft [immer noch mehr] Wert legen auf Psychologie. In Psychologie wirken! Das ist nicht so abstrakt, theoretisch aufzufassen, wie es scheinen könnte. Sehen Sie, es schaut so aus, als ob man die Kinder analysieren wollte. Wenn man sich gewöhnt, sich recht zu bestreben, die Kinder kennenzulernen psychologisch, dann bekommt man allmählich ein anderes Verhältnis [zu ihnen], ganz rein durch das Ergebnis der Sache selbst. Dieses Kennenlernen bleibt nicht bloß ein Erkennen der Kinder; es wird zu einem anderen Verhältnis [zu den Kindern], wenn man sich bemüht, sie kennenzulernen. Da ist natürlich noch manches nachzuholen im Herstellen eines richtigen Erkenntnisverhältnisses zu den Kindern. Man müsste sich klar sein darüber, dass, wo so vieles so sehr auf Persönlichem beruht wie hier, dass da in intensivster Weise ein analysierendes Erkennenlernen der Kinder notwendig ist. Darum werden gewisse Dinge, die vorgekommen sind, in der Zukunft nicht vorkommen.
Es ist schwer, den einzelnen Fall zu charakterisieren, das ist auch nicht nötig. In Psychologie wirken! Wenn Sie nachdenken darüber, werden Sie finden, was ich darunter verstehe. Nicht so sehr die Idee haben, die Kinder mi n dies oder jenes erreichen, sondern sich fragen: Was können die Kinder nach ihrer psychologischen Beschaffenheit erreichen? Ganz aus dem Kinde heraus [arbeiten]! Das kann man im Einzelnen sich nur angewöhnen, wenn man ein richtig reales Bestreben hat, das Kind in seinen verschiedenen Varianten kennenzulernen. Jedes Kind ist interessant.
Fräulein Lang hat mir einen weiblichen Lausbuben, R. B., vorgeführt. [Sie] hat furchtbar geflennt. Heute hat sie wieder geschwänzt gehabt. Aber es ist interessant, man muss sie studieren. Ich kann nicht versprechen, dass sie ihr Wort hält: Es wird vielleicht Jahre dauern. Das kann ich mir denken, dass sie bei den Seiltänzern war, aber das erhöht das Interesse an dem Kinde, nicht wahr?
Wenn man Forderungen aufstellt, wie ein Kind sein soll, kann man das leicht definieren. Wie die Kinder wirklich sind, [das psychologisch zu erkennen], muss man sich mit schwerem Studium erringen. Dies ist eines, [wovon ich meine], dass wir es nach dem ersten Jahre als eine Hauptsache betrachten: Verstehenlernen der Kinder. Sich gar nicht vornehmen, [welches Verhältnis man zu den Kindern haben will], sie müssen so oder so sein.
Das ist das, was mir [fast] in allen Klassen stark vor die Seele getreten ist. Recht sehr uns bestreben, Anthroposophie organisch in den Unterricht hineinzubringen, [um den Unterricht lebendig zu machen] - was sehr belebend auf alle Kräfte des Kindes wirkt. So auf die Art, wie Sie es gemacht haben /zu Caroline von Heydebrand), in der Anthropologie, und Dr. Stein in der Geschichte. Bei manchem ist es von selbst vorhanden. Die Eurythmie kann man nicht ohne Anthroposophie machen. Man muss sich bemühen, möglichst ohne dass man theoretisch Anthroposophie Ichrt, sie so hineinzubringen, dass sie [eben] darinnensteckt.
Ja, ich denke mir, viel Anthroposophie ist darinnen, wenn Sie versuchen - das ist ein Ideal -, dasjenige, was man Rhythmus nennt, in die Arbeit hineinzubringen; wenn Sie versuchen, den musikalisch-gesanglich-eurythmischen Unterricht mit dem Handfertigkeitsunterricht in Zusammenhang zu bringen. Es wirkt auf die Kinder außerordentlich gut. Ich empfehle Ihnen dazu «Arbeit und Rhythmus» von Karl Bücher. [Dieses Buch] soll da sein. Alles Arbeiten ging aus vom musikalischen Arbeiten, nicht wahr, [beim Dreschen, Schmieden, Pflastern]. Heute hören Sie es fast nicht mehr. Gingen Sie aber früher auf das Land hinaus und hörten dreschen, der Dreschflegel wurde im Rhythmus geführt. Ich meine, das können wir wiederum hineinkriegen. Ich meine das, dass wiederum Geist in die Sache hineinkomme. Das Prinzip finden Sie, wenn auch recht gelehrt und pedantisch, in «Arbeit und Rhythmus».
Dann natürlich habe ich ein bisschen den Gedanken, wie wird es werden mit dem Schulende, [mit der Schulschlussfeier]? Nun, nicht wahr, das müsste doch mit einer gewissen Festlichkeit begangen werden. Es ist heute der 23., ich werde nicht kommen können; es wird nicht gehen, obwohl ich gerne anwesend wäre. Die Ferien müssen zur rechten Zeit beginnen. Es lässt sich heute nicht sagen. Ich finde, dass die Lehrer jetzt gerade genug haben, sonst brechen sie zusammen. Ich wäre natürlich furchtbar gerne bei diesem Schulschluss da. Sonst müsste es in der Form sein, dass jeder Lehrer eine Ansprache hält. Vielleicht ist Herr Baumann so gut und besorgt etwas Musikalisches. Dichten Sie doch etwas, was den Schulschluss eurythmisch darstellt. Nicht eine gewöhnliche Eurythmievorführung, sondern etwas, was den Schulschluss eurythmisch darstellt. Es wäre doch wunderschön, wenn so etwas gemacht würde. Es beginnt eurythmisch; etwas, das musikalisch begleitet ist. Dann geht es über [ins] bloß Musikalische, und dann schließt es eurythmisch. Das meine ich nur par exemple, dass es mehr eine Art zum Schulschluss komponierte Sache wäre. Es kann ja Fräulein Röhrle, mit A. P. - die ist ja fast so groß - und mit I. K. [den zweigrößten Mädchen], es können auch drei sein; etwas machen. Dann müsste irgendetwas, was - [unklare Textstelle] das ist etwas, was mir furchtbar aufliegen würde -, es müsste natürlich eine Art von Rede sein, die wie eine Lebensrede ist, zum Entlassen und Wiederkommen. So irgendetwas, was auf den Tag und das Entlassen und Wiederkommen Bezug hat.
Auf einer Wandtafel hatte gestanden: «Der Himmel ist blau, das Wetter ist schön, Herr Lehrer, wir wollen spazieren gehn.»
RUDOLF STEINER: Nun ja, haben Sie es noch nicht gesehen? Nicht wahr, Sie könnten ja im Allgemeinen manchmal, wenn es allzu heiß ist, die Kinder weggehen lassen; früher schließen meine ich nicht, dass es richtig wäre. Ich bin nicht dafür, dass man die Kinder aus der Hand gibt, solange man sie in der Hand haben kann. Man gibt die Kinder früher aus der Hand, als man es eigentlich sollte. Man kann es natürlich den Kindern erleichtern. Höchstens, wenn es allzu warm ist es besser, man behält sie und führt sie irgendwohin und ist dabei. Nicht wahr, es ist doch besser, wenn Sie die Kinder haben. Je länger man sie hat, desto besser. Sie können so doch immer die Kinder aufnehmen, die noch nicht in die Schule kommen. Es toben die anderen auch. Wir nehmen die Kinder bis jetzt im Wesentlichen so auf, wie man sie in die Volksschule hineinkriegt. Wenn das Nachahmungszeitalter beendet ist, können wir anfangen. Es wäre sehr schön, wenn man [einiges in] die ersten sieben Jahre der kindlichen Erziehung hineinbringen könnte. Schließlich müssten wir schon nach unten hin etwas haben; oben ist es weit weniger wichtig.
Sie wollen ja auch sonst Schulbaracken aufführen. So müssen wir es lassen. Ich möchte sagen, die genauen Besprechungen können an den Schulenden gemacht werden. Im Wesentlichen ist es gegeben. Aber es wird eine Besprechung notwendig sein. Es werden Dinge notwendig sein, die nicht geordnet werden können, wenn man sie erst am Schulanfang besprechen würde. Die Gesangsklasse muss eine Erweiterung erfahren, es muss ein Gesangslehrer kommen. Das ist notwendig. In manch anderer Hinsicht wird es notwendig sein, was verhandeln sein wird, dass, falls wir eine nächste Klasse darauf setzen können, dann ist ja auch das zu überlegen, schwer zu überlegen, wer die 1. Klasse bekommt. Dass Ihre Tätigkeit /zu Stockmeyer und Stein], aufhört, ist nicht anzunehmen. Heute wäre es verfrüht. Das muss zeitig genug besprochen werden. Aus diesen Gründen wäre es notwendig, dass ich am Schulschluss da wäre, außer es wären dringende Verhinderungen. Ich brauche ja vielleicht nur vier oder sechs Tage da zu sein. Heute ist es verfrüht.
Wie behandeln wir diese Kinder, die zu spät kommen? Ich wurde heute aufgehalten, als ich in die Schule ging. Da gingen drei Schülerinnen. Sie gingen einfach, sie waren nicht betrübt, dass sie zu spät gingen, sie gingen schr gelassen. Die Persönlichkeit, die mit mir ging, sagte: «Denen wird es recht sein, wenn sie zu spät kommen.» Nun, wie verhalten wir uns zu den Kindern, die zu spät kommen?
Antwort: Sie müssen [eine Viertelstunde] früher kommen!
RUDOLF STEINER: Da setzt man sich der Gefahr aus, dass sie nicht kommen. Es muss unter allen Umständen vermieden werden, irgendeine Strafe zu geben, wobei man nachgeben muss. Man darf in einer [disziplinarischen] Maßregel absolut nicht nachzugeben brauchen. Wenn man sagt, ein Kind muss früher kommen, so muss es eingehalten werden, dass man ihm befiehlt, früher zu kommen. Es waren die in der 8. oder 7. Klasse. Da ist man unten durch, sobald man durch die Finger schauen muss. Dann ist das eine schiefe Ebene, auf der man immer weiter hinunterrollt. Man darf [bei einer Strafe] nicht nachgeben, lieber unterlasse man sie. Das kann unter Umständen auch zum Gegenteil führen. Dann entsteht ein Verein unter den Kindern, sie machen ab, heute bin ich zu spät gekommen, morgen kommst du. Ich weiß nicht, ob das geht. Es würde uns ein bisschen ins Lächerliche ziehen. Es ist natürlich Bummelei. [Früher kommen lassen ist nicht so gut, lieber eine Viertelstunde länger dalassen]. Das ist etwas, was den Kindern unsympathisch ist.
Haben Sie ausprobiert, ob dies wirkt? Ein Kind kommt zehn Minuten zu spät; man lässt es dreißig Minuten stehen. Wenn sie dreimal so lange stehen müssen, dann überlegen sie sich doch jede Minute. [Sie] recht unbequem stehen lassen! Ihr Junge, der reibt sich den Hinterkopf an der Wand, er amüsiert sich mit allerlei Zeug. Ich glaube, man kann mit solchen Dingen, wenn irgend die Strafe mit dem Verbrechen zusammenhängt, gut wirken, wenn man sie stehen lässt an irgendeiner besonders unbequemen Stelle. Die Großen werden sich [dann] hüten, dass sie zu spät kommen. Man könnte eine Anzahl von [kleinen] Stockerln /österreichisch für: Hocker] kaufen, dann werden sie auch nicht zu sechst zu spät kommen. Unter Umständen bekommen sie einen kleinen Krampf in den Beinen. Die Stockerln, die kann man [auch] im Handfertigkeitsunterricht machen.
KARL STOCKMEYER: Was soll geschehen, wenn Lehrer zu spät kommen?
RUDOLF STEINER: Dann wird man die Schüler veranlassen, dass sie die Lehrer auf die Stockerln stellen. - Wichtig ist es auch, dass man in solchen Dingen differenziert. Ich würde es im Winter weniger streng ahnden als im Sommer. Im Augenblick, wo die Kinder merken, dass in den disziplinären Maßregeln Vernunft ist, sehen sie es ein. Im Winter [könnte man es] weniger intensiv bestrafen [und sie nur zweimal so lange stehen lassen]. Sie stören; es sind solche, die auch selbst unaufmerksam sind. Die Fleißigen werden kaum zu spät kommen.
Es wird eine Frage gestellt wegen der Fenster.
RUDOLF STEINER: Man bekommt selbst Lust, wenn man da vorbeigeht, hineinzusteigen. Man müsste etwas [wie Gitter anbringen], dass sie nicht hineinkommen.
Über R. M. in der 4. Klasse.
RUDOLF STEINER: Es ist ein sehr schwieriger Fall: Wenn er aus der Schule weggeht, ist es ein Kasus der Schule. Nicht gerade wünschenswert. Auf der anderen Seite darf das Kind nicht darunter leiden. Die Schule sollte auch nicht das gefundene Fressen werden derjenigen, zu denen er kommen wird. Da werden solche Gymnasiallehrer sein, die werden es mit großer Befriedigung empfinden, wenn jemand kommt, der sagt, er hat es [hier] nicht ausgehalten. Ich muss morgen noch etwas sehen, was man da tut mit ihm. Lösbar, sehr schwer.
Es ist die Frage diese, man könnte es [sonst] mit einer Parallelklasse probieren. Hier kommt [aber] kaum etwas anderes in Betracht, als dass er in die vorhergehende oder nachfolgende Klasse kommt. In die vorhergehende Klasse möchte ich ihn auf keinen Fall tun. Dann würde er in Ihre Klasse kommen, in die höhere Klasse [zu Caroline von Heydebrand]. Ich glaube nicht, dass es eine andere Lösung gibt. Das macht viel Aufsehens unter den Kindern. Man wird es tun müssen, sodass es als eine Ausnahme erscheint. Da wird man erst nachdenken müssen, wie man es tut. Es ist eine zuwidere Geschichte, wenn man bekannt geben soll, dass es aus persönlichen Gründen ist. Natürlich ist die Gefahr diese, dass sie sagen: Na, jetzt hat er es erreicht; das können wir auch anstreben. - Aber was soll man machen mit solch einem Jungen, wenn man ihn nicht wegschicken will? Vielleicht komme ich morgen zu der Klasse. Das, was schlimm ist, ist nicht er selbst. [Es ist] eine vererbte Sache, [und das wirkt fortwährend auf ihn]. Es liegt in der Familie. Es wäre schon wünschenswert, dass man den Jungen über eine Klippe hinwegführt. Vielleicht wird es gerade ein tüchtiger Mensch. Er ist ganz begeistert für Eurythmie [und] Gesang, er will den Klassenunterricht nicht haben. Er findet ihn ganz abscheulich. In diesem Stile. Das sind [andere] Dinge, die man zu wichtig nimmt; er hat fünf Mark genommen. Das ist ein Spaß. Er ist sehr zugänglich, sehr zugänglich. Der Junge braucht eine gewisse objektive Behandlung, weil er zu Hause recht subjektiv behandelt wird. Das haben wir alle auch getan. Der Vater ist von der Art jenes Lehrers, der, wenn der Schüler sich aufgeregt benimmt, sagt: «Ich werde dich lehren, was Gelassenheit ist; ich werde dir beibringen, was Gelassenheit ist», so ist der Vater. Der E. E. ist wütend über ihn.
Ihn in der 4. Klasse zu lassen, [das] geht nicht. Wir setzen uns der Gefahr aus, dass er ins Wasser springt. Das wäre natürlich nicht angenehm. Ich erinnere mich noch mit rechtem Entsetzen - ich war auf einer Schule mit einer Maschinenbauschule. Dort war der Sohn des Schuldieners, der war ehrgeizig. Ein Lehrer, Professor Binder, der jähzornig war, der nahm den [Lappen] und haute ihm eine herunter. Der verließ die Klasse; er hat nämlich gewusst durch seinen Vater, wo Zyankali ist, hat es genommen und sich vergiftet. Seit der Zeit wurden die Lehrer immer rot, wenn jemand herausging während der Stunden. Liegle hieß er.
[Zu Caroline von Heydebrand:] Ich wollte es nur jetzt besprechen, weil er zu Ihnen in die 5. Klasse hinkommt. Er gehört nicht in die 4. Das ist ein Fehler, der gemacht worden ist.
In Psychologie wirken! [Die] Kindergemüter müssen studiert werden!
BERTA MOLT fragt wegen Spitzenklöppeln und Nadelarbeit.
RUDOLF STEINER: Das ist eine furchtbar zeitraubende Arbeit. Immer unter den entsetzlichsten äußeren Verhältnissen wurden diese Dinge gemacht. Es ist so, dass die Leute alle krank geworden sind. Es sind Parias dazu verwendet worden. Brüsseler Spitzenarbeit ist eine schreckliche Sache. Ich würde das nicht einführen.
Die Arbeiten, die Sie jetzt machen, sind sehr schön. [Beim Handarbeiten müssen wir] ein bisschen recht exakt sein. Ich habe heute ein Mädchen bemerkt, das ohne Fingerhut nähte.
Jemand fragt: [Soll am Peter-und-Pauls-Tag schulfrei sein?]
RUDOLF STEINER: Man kann freigeben. «Peter und Paul ist immer sehr faul.»
Zu dieser Konferenz finden sich noch folgende kurze Notizen: [Schlechte Zähne - Ursache im Geistig-Seelischen. Zusammenhang zwischen Eurythmie und Zahnbildung. Handarbeit: Stricken entwickelt gute Zähne. Das Geschicktwerden der Kinder durch Stricken.]