Faculty Meetings with Rudolf Steiner I

GA 300a — 23 December 1919, Stuttgart

Fünfte Konferenz

Vorsitz: Rudolf Steiner.

Die Frage des Wochenspruches wird durch Friedrich Oehlschlegel angeschnitten. Eine Antwort dazu ist nicht überliefert.

Walter Johannes Stein berichtet über die humanistischen Fächer in der 7. und 8. Klasse, die er seit dem Herbst übernommen hat.

RUDOLF STEINER: Römische Geschichte, [da muss man die] Hauptlinien entwickeln [und dann erst], vom Hauptcharakter ausgehend, die Einzelheiten. [Es liegt gar] kein besonderer Grund [vor], alles zu behandeln, [zum Beispiel die] Geschichte von der Lukretia. Es geschah in Rom viel mehr, als überliefert ist, und es hat keinen Sinn, die zufällig überlieferten Einzelheiten [alle] zu erzählen.

WALTER JOHANNES Stein: [Was sind die] Etrusker?

RUDOLF STEINER: [Die Etrusker sind ein] südliches keltisches Element, [ein] nach Süden verpflanzter [Zweig der] Kelten.

WALTER JOHANNES STEIN fragt nach kulturhistorischen Schriften zur orientalischen Geschichte.

RUDOLF STEINER weist hin auf die Abschnitte über die Geschichte Babyloniens und Assyriens von Stahl und Hugo Winckler und auf die Schriften von Friedrich Delitzsch.

WALTER JOHANNES Stein: [Was ist] Baal?

RUDOLF STEINER: [Baal ist] ursprünglich [eine] Sonnengottheit.

KARL STOCKMEYER berichtet über die «realistischen» Fächer in der 7. und 8. Klasse.

Es wird berichtet über den Lateinunterricht.

RUDOLF STEINER: [Es ist gut, die] Aufmerksamkeit vom Sprachlichen auf das Gemeinte zu lenken, auf die «Sache».

[Es ist] zu wenig persönlicher Kontakt da mit den einzelnen [Schülern].

KARL STOCKMEYER berichtet über den Handfertigkeits- und Handarbeitsunterricht.

RUDOLF STEINER: Was wir vorbringen, [sollten wir] erst selber lernen, zum Beispiel Bücher einbinden [oder] Schuhe machen. [Wir sollten] nicht von außen zu viel hereinbringen.

Es sollen auf Freitag, 26. Dezember, 9 Uhr, die Kinder der 1. bis 4. Klasse «zu einer Besprechung» hergerufen werden, die in irgendeiner Beziehung den Lehrern Schwierigkeiten bereiten, und für Montag, 29. Dezember, 9 Uhr, solche Kinder aus der 5. bis 8. Klasse. Eine Liste der Herzurufenden wird aufgestellt.

HERBERT HANN und FRIEDRICH OEHLSCHLEGEL berichten über den freien Religionsunterricht.

RUDOLF STEINER: [Im freien] Religionsunterricht [könnte] versucht [werden], Imaginatives, mythische Kultbilder herauszuarbeiten, [zum Beispiel] das Mithrasbild als die Überwindung der niederen Natur. [Man könnte solche] Kultbilder verwenden, um Bildhaftes in den Vordergrund zu stellen [und] das Erzählungsmäßige in Mythisches, in Bildhaftes einzugliedern.

Es wird nach den Zeugnissen gefragt.

RUDOLF STEINER: [Da müsste man] feststellen, was vorgeschrieben ist. Es sollen zwei Zeugnisse gegeben werden, eines in der Mitte des Jahres als Interimszeugnis und eines am Ende des Schuljahres. In diesen Zeugnissen soll, soweit das die geltenden Bestimmungen zulassen, nur allgemein [über die Schüler] gesprochen werden. [Man soll] den Schüler charakterisieren, [und] nur [dann], wenn in einem Fach etwas besonders bemerkenswert ist, es erwähnen. Möglichst alle möglichst gut zensieren, und beim Aufsteigen in die höhere Klasse sollen möglichst wenige Rangstufen gemacht werden.

Beim Übergang in eine andere Schule soll das testiert werden, was von der betreffenden Schule verlangt wird.

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