Faculty Meetings with Rudolf Steiner I

GA 300a — 26 September 1919, Stuttgart

Dritte Konferenz

Zunächst findet eine Besprechung über die einzelnen Kinder statt, die Rudolf Steiner sich am Vormittag angesehen hatte.

[WALTER JOHANNES STEIN, der vertretungsweise die 1. Klasse führte, stellt eine Frage.

RUDOLF STEINER: Man sollte das Lesen sehr stark aus dem malen den Schreiben herausarbeiten. Die Formen [müsste man] aus dem

Künstlerischen heraus ableiten.

Zum Folgenden sind nur Stichworte festgehalten: Muskeln - Wille; Nerven - Denken. Plan; Organisation; Lebenskunde; Wirtschaftswissenschaft; Erschaffung von Lehrmitteln.

Den E. E. [muss man] moralisch heben. [Er ist ein] «Bolschewist».

Es folgen Ausführungen über einen weiteren Schüler, die nicht festgehalten sind.

HERTNA KOEGEL schlägt vor, morgens mit dem Vaterunser zu beginnen.

RUDOLF STEINER: Ich würde es sehr schön finden, mit dem Vaterunser den Unterricht zu beginnen. Dann gehen Sie über zu den Sprüchen, die ich Ihnen sagen werde. Für die [vier] unteren Klassen bitte ich, den Spruch in der folgenden Weise zu sagen:

Der Sonne liebes Licht,
Es hellet mir den Tag;
Der Seele Geistesmacht,
Sie gibt den Gliedern Kraft;
Im Sonnen-Lichtes-Glanz
Verehre ich, o Gott, ca Die Menschenkraft, die Du
in meine Seele mir
So gütig hast gepflanzt,
Dass ich kann arbeitsam
und lernbegierig sein.
Von Dir stammt Licht und Kraft,
Zu Dir ström’ Lieb’ und Dank.

Das müssten die Schüler so empfinden, wie ich es gesprochen habe. Man müsste ihnen auch klarmachen nach und nach - erst sollen sie die Worte aufnehmen - den Gegensatz des Äußeren und des Inneren.

Der Sonne liebes Licht,
Es hellet mir den Tag;
Der Seele Geistesmacht,
Sie gibt den Gliedern Kraft;

Das eine bemerkt man beobachtend, wie das Licht den Tag erhellt; das andere [ist] das Fühlen des Seelischen, wie es in die Glieder geht. Geistig-seclisch - physisch-körperlich: Das liegt in diesem Satz.

Im Sonnen-Lichtes-Glanz
Verehre ich, o Gott,
Die Menschenkraft, die Du
In meine Seele mir
So gütig hast gepflanzt,
Dass ich kann arbeitsam
Und lernbegierig sein.

Dies also verehrend zu denselben beiden. Dann noch einmal zu beiden sich wendend:

Von Dir stammt Licht und Kraft, (die Sonne)
Zu Dir ström’ Lieb’ und Dank. (vom Innern)

So, würde ich meinen, sollen die Kinder es empfinden: zu dem Göttlichen im Licht und in der Seele.

Sie müssen versuchen, mit dieser Empfindung, wie ich es vorgelesen habe, es mit den Kindern zusammen im Chor zu sprechen. Zuerst lernen es die Kinder rein wortgemäß, sodass sie Wort, Takt und Rhythmus haben. Erst später erklären Sie mal gelegentlich: Jetzt wollen wir mal sehen, was da drinnen ist. — Erst müssen sie es haben, dann erst erklären. Nicht zuerst erklären, auch nicht viel darauf geben, dass die Kinder es auswendig können. Im Gebrauch erst, nach und nach sollen sie es auswendig lernen. Sie sollen es förmlich von Ihren Lippen zunächst ablesen. Wenn es lange Zeit, vier Wochen meinetwegen, schlecht geht, umso besser wird es später gehen. Die Größeren können es schon aufschreiben; mit den Kleinsten muss man es nach und nach einlernen. Nicht befehlen, dass sie es auswendig lernen! Wenn Sie es ihnen aufschreiben, ist es ja schön; dann haben sie es in Ihrer Schrift.

Den Spruch für die vier höheren Klassen gebe ich Ihnen morgen noch.

Laut Stenogramm hat Steiner den Spruch schriftlich am 27.09.1919 dem Lehrerkollegium überreicht.

Der Spruch für die vier höheren Klassen lautet so:

Ich schaue in die Welt;
In der die Sonne leuchtet,
In der die Sterne funkeln;
In der die Steine lagern,
Die Pflanzen lebend wachsen,
Die Tiere fühlend leben,
In der der Mensch beseelt
Dem Geiste Wohnung gibt;
Ich schaue in die Seele,
Die mir im Innern lebet.
Der Gottesgeist, er webt
Im Sonn- und Seelenlicht,
Im Weltenraum, da draußen,
In Seelentiefen, drinnen.
Zu Dir, o Gottesgeist,
Will ich bittend mich wenden,
Dass Kraft und Segen mir
Zum Lernen und zur Arbeit
In meinem Innern wachse.

Es folgt ein längerer Exkurs Steiners zum Lehrplan des freien anthroposophischen Religionsunterrichts.

RUDOLF STEINER: Dieser Unterricht müsste in zwei Stufen erteilt werden. Wenn Sie überhaupt darauf eingehen wollen, anthroposophischen Unterricht mit religiösen Zielen zu betreiben, dann müssen Sie den Begriff des Religiösen eben viel ernster nehmen, als er gewöhnlich genommen wird. Gewöhnlich wird der Begriff der Religion dadurch entstellt, dass in die Religion allerlei nicht hineingehöriges Weltanschauliches hineingemischt wird. Dadurch wird gerade durch die religiöse Überlieferung von einem Zeitalter ins andere dasjenige hinübergetragen, was man nicht weiterbilden will. Es blieben alte Weltanschauungen neben den weitergebildeten Weltanschauungen gewahrt. Diese Dinge traten ja grotesk hervor in dem Zeitalter des Galilei und des Giordano Bruno. Wie heute noch in Apologien diese Dinge gerechtfertigt werden, das ist geradezu humorvoll. Die katholische Kirche redete sich aus, dass ja dazumal die kopernikanische Weltanschauung nicht anerkannt gewesen sei, die sie selber verboten hatte; daher durfte Galilei sie auch nicht vertreten. Darauf will ich jetzt nicht eingehen, sondern ich will es nur erwähnen, um Ihnen zu sagen, dass das Religiöse ernst genommen werden muss, sobald es sich um Anthroposophisches handelt.

Nicht wahr, das Anthroposophische ist eine Weltanschauung, und diese Weltanschauung, die wollen wir als solche durchaus nicht in unsere Schule hineintragen. Wir müssen aber jenes religiöse Gefühl, welches von dieser Weltanschauung der Menschenseele vermittelt wird, für die Kinder, deren Eltern es ausdrücklich verlangen, entwickeln. Wir dürfen aber gerade, wenn wir von der Anthroposophie ausgehen wollen, nichts Falsches entwickeln, nichts Verfrühtes vor allen Dingen entwickeln. Wir werden daher zwei Stufen unterscheiden. Wir nehmen also die Kinder zunächst zusammen, die wir in den vier Unterklassen haben, und dann die, die wir in den vier Oberklassen haben.

In den [vier] unteren Klassen versuchen wir mit den Kindern Dinge und Vorgänge der menschlichen Umwelt so zu besprechen, dass bei den Kindern die Empfindung entsteht, dass Geist in der Natur lebt. Da kommen also solche Dinge dann in Betracht, wie ich sie als Beispiele angeführt habe. Man will den Kindern zum Beispiel den Begriff der Seele beibringen. Da ist es notwendig, dass man erstens den Begriff des Lebens überhaupt den Kindern nahebringt. Den Begriff des Lebens bringt man den Kindern nahe, wenn man sie aufmerksam macht darauf, dass die Menschen zuerst klein sind, dann heranwachsen, alt werden, dass sie weiße Haare bekommen, Runzeln bekommen und so weiter. Also man weist auf den Ernst des Lebenslaufes beim Menschen hin und macht tatsächlich die Kinder mit dem Ernst des Todes bekannt, mit dem die Kinder ja doch bekannt werden.

Dann ist es durchaus nicht unnötig, nun Vergleiche anzustellen zwischen dem, was in der Menschenseele vorgeht beim Wechsel von Schlafen und Wachen. Auf solche Dinge kann man bei dem kleinsten Kinde auf der ersten Stufe durchaus eingehen. Wachen und Schlafen: Die Erscheinung besprechen, wie da die Seele ruhend ist, wie der Mensch unbeweglich ist im Schlafe und so weiter. Dann bespricht man mit dem Kinde, wie die Seele den Körper durchdringt, wenn er wacht, und macht es aufmerksam darauf, dass es einen Willen gibt, der in den Gliedern sich regt; macht es aufmerksam darauf, dass der Körper der Seele die Sinne gibt, durch die man sieht, hört und so weiter. Solche Dinge sind also [als] ein Beweis [zu geben] dafür, dass Geistiges im Physischen waltet. Das ist mit dem Kinde zu besprechen.

Vollständig vermieden muss werden irgendeine oberflächliche Zweckmäßigkeitslehre. Also der anthroposophische Religionsunterricht darf ja nicht nach dem Muster jener Zweckmäßigkeitslehre irgendwie orientiert sein, die da sagt: «Wozu findet man an dem Baume Kork?» «Damit man Champagnerpfropfen machen kann. Das hat der liebe Gott weise eingerichtet, damit man Kork zu Pfropfen hat.» Dieses, dass etwas da ist «wozu», das wie menschliche Absicht waltet [und] in der Natur sich auslebt, das ist Gift; das darf nicht entwickelt werden. Also ja nicht banale Zweckmäßigkeitsvorstellungen in die Natur hineintragen.

Ebenso wenig darf die Vorstellung gepflegt werden, die die Menschen so sehr lieben, dass das Unbekannte ein Beweis des Geistes ist. Nicht wahr, die Menschen sagen: Oh, das kann man nicht wissen, da offenbart sich der Geist! - Statt dass die Menschen die Empfindung bekommen: Man kann vom Geiste wissen, der Geist offenbart sich in der Materie -, werden die Menschen so sehr darauf hingelenkt, dass da, wo man sich etwas nicht erklären kann, ein Beweis ist für das Göttliche.

Diese zwei Dinge sind also streng zu vermeiden, oberflächliche Zweckmäßigkeitslehre und solche Wundervorstellungen, die also das Wunder geradezu suchen als einen Beweis des göttlichen Waltens.

Dagegen kommt es überall darauf an, dass wir uns Vorstellungen ausbilden, durch die wir aus der Natur auf das Übersinnliche hinweisen. Zum Beispiel habe ich ja oftmals das eine erwähnt: Wir sprechen mit den Kindern über die Schmetterlingspuppe, wie der Schmetterling aus der Puppe kommt, und machen ihnen daran den Begriff der unsterblichen Seele klar, indem wir sagen - nachdem wir früher über den Ernst des Todes gesprochen haben -: Ja, der Mensch stirbt, und dann geht aus ihm die Seele heraus wie ein unsichtbarer Schmetterling, so, wie der Schmetterling aus der Puppe geht. Aber wirksam ist eine solche Vorstellung nur, wenn Sie selber daran glauben, wenn Ihnen selber die Vorstellung des Auskriechens des Schmetterlings aus der Puppe ein von göttlichen Mächten in die Natur hineingepflanztes Symbolum für die Unsterblichkeit ist. Man muss selber daran glauben, sonst glauben einem die Kinder nicht.

Solche Dinge muss man anregen in den Kindern, und sie werden dann besonders wirksam sein in den Kindern, wenn man zeigen kann, wie ein Wesen in vielen Gestalten leben kann, [eine Urgestalt in vielen einzelnen Gestalten]. Aber es kommt darauf an, das Empfindungsgemäße, nicht das Weltanschauungsgemäße im religiösen Unterricht zu pflegen. Sie können zum Beispiel die Gedichte über die Metamorphose der Pflanzen [und] der Tiere ganz gut religiös verwenden, nur müssen Sie die Gefühle, die Empfindungen, die von Zeile zu Zeile gehen, verwenden. Und Sie können in ähnlicher Weise die Natur betrachten, bis die 4. Klasse vollendet ist. Da müssen Sie namentlich auch die Vorstellung immer wieder anregen, dass der Mensch im ganzen Weltenall drinnensteht mit all seinem Denken und all seinem Tun. Und Sie müssten auch diese Vorstellung anregen, dass in dem, was in uns lebt, auch der Gott lebt. Und immer wieder müssen Sie auf solche Vorstellungen zurückkommen: Im Baumblatt lebt das Göttliche, in der Sonne lebt das Göttliche, in der Wolke und im Flusse lebt das Göttliche. Aber das Göttliche lebt auch im Blutkreislauf; das Göttliche lebt im Herzen, in dem, was du fühlst, in dem, was du denkst. Also immer die Vorstellung entwickeln, dass der Mensch auch ausgefüllt ist vom Göttlichen.

Dann muss man sehr stark schon in diesen Jahren die Vorstellung hervorrufen, dass der Mensch verpflichtet ist, weil er den Gott darstellt, [weil er das Göttliche offenbart], ein guter Mensch zu sein. Der Mensch tut dem Gott Schaden, wenn er nicht gut ist. Der Mensch ist nicht um seiner selbst willen in der Welt, religiös gedacht, sondern er ist in der Welt zur Offenbarung des Göttlichen. Man drückt das oft so aus, dass man sagt: Der Mensch ist nicht um seiner selbst willen da, sondern «zur Ehre Gottes». - Zur «Ehre» bedeutet dann aber in Wirklichkeit «zur Offenbarung». Wie es ja auch nicht heißt in Wirklichkeit: «Ehre sei Gott in der Höhe», sondern: «Es offenbaren sich die Götter in der Höhe.» So ist auch der Satz, dass der Mensch «zur Ehre Gottes» da ist, so zu fassen: Er ist da, damit er durch seine Taten und sein ganzes Fühlen das Göttliche ausdrückt. Und wenn er etwas Schlechtes tut, wenn er unfromm und ungut ist, so tut er etwas, was dem Gotte zur Schmach wird, wodurch der Gott selbst entstellt wird, zu etwas Unschönem wird.

Diese Vorstellung muss man besonders hereinbringen. Also das Innewohnen des Gottes in dem Menschen, das ist etwas, was schon auf dieser Stufe verwendet werden muss. Auf dieser Stufe würde ich noch von jeder Christologie absehen und nur aus der Natur und aus Naturvorgängen heraus eben das göttliche Vatergefühl erwecken. Und ich würde versuchen, daran zu knüpfen allerlei Besprechungen über Motive des Alten Testaments, namentlich auch soweit sie verwendbar sind - und sie sind es, wenn sie nur richtig behandelt werden -, die Psalmen Davids, das Hohe Lied und so weiter. Das wäre also die erste Stufe.

Bei der zweiten Stufe, die also jetzt die vier höheren Klassen umfassen würde, würde es sich darum handeln, dass man viel bespricht mit den Kindern die Begriffe von Schicksal, Menschenschicksal. Dem Kinde wäre also eine Vorstellung beizubringen von dem, was Schicksal ist, sodass das Kind wirklich fühlt, dass der Mensch ein Schicksal hat.

Den Unterschied dem Kinde beizubringen zwischen dem, was einen zufällig bloß trifft, und dem, was Schicksal ist, das ist wichtig. Also man muss den Begriff des Schicksals mit dem Kinde behandeln. Die Frage, wann einen etwas als Schicksal trifft, oder wann einen etwas zufällig trifft, die lässt sich nicht definitionsgemäß erläutern. Man kann [sie] aber vielleicht an Beispielen erläutern. Ich will sagen, wenn ich empfinde bei einem Ereignis, das mich trifft, dass ich das Ereignis so wie gesucht habe, dann ist es Schicksal. Wenn ich nicht empfinden kann, dass ich es gesucht habe, aber besonders stark empfinden kann, dass es mich überrascht und dass ich viel daran lernen kann für die Zukunft, dann ist es ein Zufall, dann wird es erst Schicksal. Es muss an diesem, was nur empfindungsgemäß erlebt werden kann, der Unterschied zwischen «vollendetem Karma» und «aufgehendem, werdendem Karma» dem Kinde allmählich beigebracht werden. Man muss wirklich die Schicksalsfrage im Sinne der Karmafrage allmählich mit dem Kinde behandeln.

Dass es in der Empfindung Unterschiede gibt, darüber werden Sie Genaueres in der neuesten Auflage meiner «Theosophie» finden. Da habe ich diese Frage einmal behandelt in dem Kapitel «Reinkarnation und Karma», das ganz neu bearbeitet ist. Da habe ich versucht, herauszuarbeiten, wie man den Unterschied empfinden [kann]. Da können Sie [den Kindern] durchaus schon klarmachen, dass es eigentlich zweierlei Ereignisse gibt. Bei dem einen empfindet man eben mehr, dass man es gesucht hat: Zum Beispiel, wenn man einen Menschen kennenlernt, so empfindet man meistens, dass man ihn gesucht hat. Wenn einen ein Naturereignis trifft, in das man verquickt ist, dann empfindet man, dass man viel daran lernen kann für die Zukunft. Trifft einen etwas durch einen Menschen, so ist es meist erfülltes Karma. Selbst in einer solchen Weise, dass Sie sich hier zusammenfinden zum Beispiel in einem Lehrerkollegium in der Waldorfschule, ist ein erfülltes Karma. Man findet sich so zusammen, weil man sich gesucht hat. Das lässt sich aber nicht definitionsgemäß klarmachen, sondern nur empfindungsgemäß. Man muss dem Kinde viel über allerlei besondere Schicksale sprechen, vielleicht in Erzählungen, worin Schicksalsfragen spielen. [Man kann manches sogar wiederholen aus den Märchenerzählungen, indem man die Märchen noch einmal durchnimmt, in denen Schicksalsfragen spielen.] Namentlich kann man auch in der Geschichte solche Beispiele aufsuchen, wo man an einzelnen Personen sieht, wie sich ein Schicksal erfüllt. Die Schicksalsfrage ist also zu besprechen, um von dieser Seite auf den Ernst des Lebens hinzuweisen.

Und dann möchte ich Ihnen klarmachen, was das eigentlich Religiöse im anthroposophischen Sinne ist. Das Religiöse im Sinne der Anthroposophie ist das Gefühlsmäßige, [das], was wir aus der Weltanschauung an Gefühlen aufnehmen für Welt und Geist und Leben. Die Weltanschauung selber ist eine Sache des Kopfes, das Religiöse aber geht immer aus dem ganzen Menschen hervor. Daher ist eine Religion, die Bekenntnisreligion ist, eigentlich nicht wirklich religiös. Dasjenige, worauf es ankommt, ist, dass in der Religion der ganze Mensch, und zwar hauptsächlich Gefühl und Wille, lebt. Dasjenige, was an Weltanschauungsinhalt in der Religion lebt, das ist eigentlich nur zum Exemplifizieren, zur Unterstützung, zur Vertiefung des Gefühls und zur Erstarkung des Willens. Das ist das, was aus der Religion so fließen soll: dass der Mensch über das, was einem die vergänglichen, irdischen Dinge an Gemütsvertiefung und Willenserstarkung geben können, hinauswächst.

Von der Schicksalsfrage wäre dazu überzugehen, den Unterschied zu besprechen zwischen dem, was man von den Eltern ererbt hat, im Gegensatz zu dem, was man aus einem früheren Erdenleben mitbringt. In der zweiten Stufe werden die früheren Erdenleben herangezogen, und alles wird beigetragen, damit ganz verstandesmäßig, gefühlsmäßig begriffen wird, dass der Mensch in wiederholten Erdenleben lebt.

Und dann sollte durchaus berücksichtigt werden, dass der Mensch zunächst sich in drei Stufen zum Göttlichen erhebt. - Also, nachdem man mit dem Schicksalsbegriff beigebracht hat langsam, in Erzählungen, den Vererbungsbegriff, den Begriff der wiederholten Erdenleben, geht man über zu den drei Stufen des Göttlichen:

Erstens zu dem Göttlichen, das zu dem Engelwesen führt, das für jeden einzelnen Menschen persönlich da ist. Und da bespricht man, wie der einzelne Mensch von Leben zu Leben geführt wird durch seinen persönlichen Genius. Also dieses Persönlich-Göttliche, das im Menschen führend ist, das wird zuerst besprochen.

Zweitens versucht man nun zu erklären, dass es höhere Götter gibt, die Erzengel, und dass die dazu da sind - man kommt da allmählich hinein in das, was man in der Geschichte, in der Geografie betrachten kann —, dass die Erzengel dazu da sind, um Menschengruppen zu dirigieren, also Völkermassen und dergleichen. Das muss scharf so beigebracht werden, dass das Kind unterscheiden lernt zwischen dem Gott, von dem zum Beispiel der Protestantismus spricht, der eigentlich nur der Engel ist, und zwischen dem Erzengel, der etwas Höheres ist als dasjenige, was eigentlich in der evangelischen Religionslehre überhaupt vorkommt.

Drittens ist dann nun auch der Begriff des Zeitgeistes beizubringen als eines waltenden Göttlichen über Perioden hin. Da kommt man in den Zusammenhang zwischen der Geschichte und der Religion. Und erst, wenn man solche Begriffe beigebracht hat, geht man [dazu] über, so etwa im zwölften Jahr - wir können es ja jetzt nicht so machen; wir werden zwei Stufen machen; die Kinder können durchaus schon früher hören, was sie dann später besser verstehen -, nachdem wir die drei Stufen dem Kinde möglichst beigebracht haben, gehen wir über zur eigentlichen Christologie, indem wir die Weltentwicklung in die zwei Teile teilen: in die vorchristliche, die eine Vorbereitung war, und in die christliche, die eine Erfüllung ist. Es muss der Begriff eine große Rolle spielen, dass sich das Göttliche durch den Christus offenbarte «in der Fülle der Zeiten».

Und dann gehe man auch erst über zu den Evangelien. Bis dahin verwende man, insofern man Erzählungen braucht, um den Begriff der Engel, Erzengel und des Zeitgeistes zu erklären, das Alte Testament. Man macht aus dem Alten Testament heraus, zum Beispiel das Eintreten eines neuen Zeitgeistes, dem Kinde klar an der Erscheinung des Moses, gegenüber dem früheren Zeitgeist, wo die Offenbarung des Moses noch nicht vorhanden war. Dann macht man wiederum klar, dass ein neuer Zeitgeist auftritt im 6. Jahrhundert der vorchristlichen Zeit. Dazu verwendet man zuerst das Alte Testament. Und dann, wenn man zur Christologie übergegangen ist, aber es so erfasst hat in einer langen vorbereitenden Zeit, dann gehe man über zu den Evangelien und versuche, einzelne Glieder der Evangelien herauszunehmen, und immer wie etwas Selbstverständliches die Vierheit der Evangelien beizubringen, indem man sagt: Wie ein Baum von vier [verschiedenen] Seiten fotografiert werden kann, um richtig gesehen zu werden, so sind die vier Evangelien wie vier Gesichtspunkte. Man nehme einmal das Matthäus-Evangelium, einmal das Markus-Evangelium, einmal das Lukas-Evangelium, einmal das Johannes-Evangelium und lege gerade besonderen Wert darauf, dass das immer gefühlt wird. Auf den Gefühlsunterschied lege man ganz und gar den Hauptwert.

Das wäre also die zweite Stufe mit ihrem Lehrinhalt. Der Tenor der ersten Stufe ist der, dass dem werdenden Menschen beigebracht werden sollte alles dasjenige, was kund werden kann vermittels des Göttlichen in der Natur durch Weisheit.

Auf der zweiten Stufe ist die Umwandlung: Der Mensch erkennt das Göttliche durch Weisheit allein nicht, sondern durch die wirkende Liebe.

Das ist der Tenor, das Leitmotiv in den beiden Stufen.

Jemand fragt: Soll man Sprüche lernen lassen?

RUDOLF STEINER: Ja, vorzugsweise aus dem Alten Testament, später aus dem Neuen Testament. Aber nicht die Sprüche, die oftmals in Gebetbüchern enthalten sind, die sind zumeist trivial. Also Sprüche aus der Bibel, und auch dasjenige, was wir haben in der Anthroposophie an Sprüchen. Wir haben ja allerlei Sprüche, die können gut verwender- werden itdiesem anthtoposophischen Religionsunterricht.

JOHANNES GEYER [vermutlich]: Soll man die Zehn Gebote lehren?

RUDOLF STEINER: Die Zehn Gebote sind ja im Alten Testament enthalten, aber es muss der Ernst der Sache immer klargemacht werden. Ich habe ja immer betont, es steht auch da drinnen, dass man den Namen des Gottes nicht eitel aussprechen soll. Das wird ja übertreten fast von jedem Kanzelredner, indem der Name des Christus fortwährend eitel ausgesprochen wird. Das muss natürlich alles gefühlsmäßig vertieft werden. Der Religionsunterricht soll überhaupt gegeben werden nicht in Bekenntnisform, sondern in gefühlsmäßiger Vertiefung. Das Credo ist als solches nicht die Hauptsache, sondern dasjenige, was empfunden wird beim Credo; nicht der Glaube an den Vatergott, an den Sohngott, an den Geistgott, sondern was man empfindet dem Vater, dem Sohne, dem Geist gegenüber. So, dass immer in den Seelengründen waltet:

Gott nicht erkennen ist eine Krankheit;
Christus nicht erkennen ist ein Schicksal, ein Unglück;
den Geist nicht erkennen ist eine Beschränktheit der Menschenseele.

WALTER JOHANNES STEIN [vermutlich]: Soll man das Historische den Kindern nahebringen, was mit dem Zarathustra zusammenhängt: den Gang der Zarathustra-Individualität bis zur Offenbarung des Christentums? Die Geschichte von den beiden Jesusknaben?

RUDOLF STEINER: Man muss den Religionsunterricht abschließen, indem man den Kindern diese Zusammenhänge beibringt, selbstverständlich sehr vorsichtig. Die erste Stufe ist durchaus mehr Naturreligion, die zweite mehr historische Religion.

KARL STOCKMEYER: Für den Naturgeschichtsunterricht ist wohl auch die Zweckmäßigkeitslchre zu vermeiden? Der Schmeil’sche Leitfaden für Botanik und Zoologie - der ist aber teleologisch.

RUDOLF STEINER: Bei den Büchern bitte ich durchaus zu berücksichtigen, dass ich sie nur betrachtet wissen möchte zu Ihrer Information bezüglich der Tatsachen. Sie können schlechtweg voraussetzen, dass die Methoden, die da drinnen befolgt sind, auch in der Anschauungsweise, durchaus von uns zu vermeiden sind. Bei uns müssen eben alle Dinge wirklich neu werden. Diese schrecklichen Dinge, die man eben nur so charakterisieren kann: Der gute Gott hat den Kork erschaffen, damit man Champagnerpfropfen daraus machen kann - diese Gesinnung, die natürlich solche Bücher ganz durchdringt, die müssen wir vollständig vermeiden. Für uns sind diese Bücher nur da, damit wir uns über die Tatsachen informieren. So ist es auch in der Geschichte. Da ist nicht minder alles Kohl, was an Urteil hineingeflossen ist. In der Naturgeschichte erst recht.

Es scheint mir zum Beispiel nicht schlimm, wenn man den Brehm verwenden würde, wenn solche Dinge aktuell werden sollten. Im Brehm sind solche Trivialitäten vermieden. Er ist ja ein bisschen spießig. Es wäre ganz gut, wenn man solche Dinge herausschreiben würde, und die Erzählungen [dabei] mehr zugrunde legen würde. Das würde vielleicht das Beste sein. Er ist ja philiströs geschrieben, der alte Brehm; der neue kommt nicht in Betracht, der ist wiederum von einem Modernen bearbeitet.

Sie können ungefähr annehmen, dass alles, was vom Jahre 1885 an an Schulbüchern erzeugt worden ist, schlechtes Zeug ist. Seit jener Zeit ist alle Pädagogik in der furchtbarsten Weise zurückgegangen und in die Phrase hineingekommen.

HERTHA KOEGEL: Wie muss man in der Naturgeschichte den Menschen durchnehmen? Wie soll man das [in der 4. Klasse] anfangen?

RUDOLF STEINER: Für den Menschen finden Sie fast alles irgendwie in meinen Zyklen zerstreut. Es ist fast alles irgendwo gesagt. Und dann ist ja auch vieles im Seminarkursus angedeutet. Sie brauchen es nur umzusetzen für die Schule. Die Hauptsache ist, dass Sie sich an die Tatsachen halten, aber auch an die Tatsachen psychologischer und

spiritueller Art. Sie nehmen zunächst den Menschen durch nach der Formung des Knochensystems; da können Sie ja nicht unsicher sein. Dann gehen Sie über zum Muskelsystem, zum Drüsensystem. Am Muskelsystem bringen Sie den Kindern bei den Begriff des Willens, am Nervensystem den Begriff des Denkens. Also halten Sie sich an das, was Sie aus der Anthroposophie kennen. Es ist notwendig, dass Sie sich ja nicht beirren lassen durch ein heutiges schablonenmäßiges Buch. Nehmen Sie sich sogar lieber - Sie brauchen ja nicht für Ihre 4. Klasse etwas, was «auf der Höhe der Wissenschaft» steht - eine ältere Beschreibung und halten Sie sich daran. Alle diese Dinge sind, wie gesagt, spottschlecht geworden, seit den Achtzigerjahren. Aber in den Zyklen finden Sie überall Anhaltspunkte.

WALTER JOHANNES STEIN: Ich habe hier zusammengestellt eine Tabelle der geologischen Formationen im Anschluss an das gestern Gesagte.

RUDOLF STEINER: Ja, Sie dürfen da nie pedantisch parallelisieren. Ja, wenn Sie zu der Primitivform, zum Urgebirge, gehen, haben Sie die polarische Zeit. Die paläozoische entspricht der hyperboreischen Epoche, auch da dürfen Sie nicht pedantisch die einzelnen Tierformen nehmen. Dann haben Sie das mesozoische Zeitalter dem lemurischen im Wesentlichen entsprechend. Dann die erste und zweite Säugetierfauna oder das känozoische Zeitalter, das ist das atlantische Zeitalter. Das atlantische ist nicht älter als etwa neuntausend Jahre. — Diese fünf Zeitalter, das primitive, paläozoische, mesozoische, känozoische, anthropozoische, können Sie also geradezu parallelisieren, nur nicht pedantisch.

WALTER JOHANNES STEIN: Es ist einmal [gesagt], dass die Abzweigung der Fische und die Abzweigung der Vögel gewöhnlich nicht richtig angegeben werden, zum Beispiel bei Haeckel.

RUDOLF STEINER: Die Abzweigung der Fische wird allerdings etwas zurückgeschoben im Devon’schen Zeitalter.

WALTER JOHANNES STEIN: Wie sieht der Mensch in diesem Zeitalter aus?

RUDOLF STEINER: Im primitiven Zeitalter ist er fast ganz von ätherischer Substanzialität. Er lebt zwischen den anderen Erscheinungen. Er hat noch keine Dichte. Er wird dichter im hyperboreischen Zeitalter. Nur diese Tierformen, die eigentlich der Niederschlag sind, die leben. Der Mensch lebt auch, nicht in geringer Kraft, er hat eine ungeheure Kraft. Aber er hat nichts an sich von einer Substanz, die zurückbleiben könnte. Daher gibt es keine Überreste. Er lebt durch die ganzen Zeitalter hindurch und bekommt erst etwa im känozoischen Zeitalter äußere Dichte. Wenn Sie sich erinnern, wie ich das lemurische Zeitalter beschrieben habe, das sind fast ätherische Landschaften. Das ist alles da, aber es sind keine geologischen Überreste da. Aber wenn Sie das berücksichtigen, dass eigentlich hier durch alle fünf Zeitalter überall schon Mensch ist: Mensch ist überall. Dann hier [Rudolf Steiner demonstriert an der Tabelle] im ersten Zeitalter (Primitivform) ist außer dem Menschen eigentlich noch nichts anderes vorhanden; das sind nur geringfügige Überreste. Das Eozoon canadense ist eigentlich mehr Formation, etwas, was sich als Figur bildet; das ist nicht ein wirkliches Tier. Dann hier in der hyperboreisch-paläozoischen Zeit tritt das Tierische schon auf, aber in Formen, die später nicht mehr erhalten sind. Hier in der lemurisch-mesozoischen Zeit tritt das Pflanzenreich auf, und hier tritt in der Atlantis, in der känozoischen Zeit, das Mineralreich auf; eigentlich schon in der letzten Zeit hier, in diesen zwei früheren Zeitaltern schon. In den beiden letzten Unterrassen der lemurischen Zeit.

WALTER JOHANNES Stein: Ist der Mensch schon als Kopfmensch, Brustmensch und Gliedmaßenmensch da?

RUDOLF STEINER: Er ist ähnlich wie ein Kentaur. Stark tierischer Unterleib und vermenschlicht der Kopf.

WALTER JOHANNES STEIN: Man hat fast den Eindruck, als wäre es eine Zusammensetzung, eine Symbiose aus drei Wesenheiten.

RUDOLF STEINER: So ist es auch.

KARL STOCKMEYER: Wie ist es möglich, dass dann im Karbon schon Pflanzenreste sind?

RUDOLF STEINER: Das sind keine Pflanzenreste. Was da so ausschaut wie Pflanzenreste, das ist dadurch entstanden, dass zum Beispiel der Wind weht und ganz bestimmte Hemmungen findet. Sagen wir, der Wind weht und bringt so etwas wie Pflanzenformen hervor, die sich geradeso erhalten haben wie der Tritt der Tiere. (Hyperboreisches Zeitalter.) Es ist eine Art Pflanzenkristallisation. Es ist eine Einkristallisierung mit Pflanzenformen.

KARL STOCKMEYER: Also die Bäume, die man da heraustheoretisiert hat, die existierten gar nicht?

RUDOLF STEINER: Nein, die sind als Baumformen vorhanden gewesen. Die ganze Flora der Karbonzeit ist nicht [physisch] vorhanden. Denken Sie sich einen Wald, der eigentlich in seiner Ätherform vorhanden ist, und der daher in bestimmter Weise den Wind aufhält. Dadurch bilden sich da in der Form fast Stalaktiten. Was sich bildet, das sind nicht Überreste von [Pflanzen]. Da bilden sich Formen einfach durch die Konfiguration, die da entsteht durch Elementarwirkungen. Das sind nicht wirkliche Überreste. Man kann nicht sagen, dass das so ist wie in der Atlantis. Da haben sich dann die Sachen erhalten, und in der letzten lemurischen Zeit auch, aber in der Karbonzeit ist keine Rede davon, dass Pflanzenüberreste da sind. Nur tierische Überreste. Aber da handelt es sich auch in der Mehrzahl um solche Tiere, die nur zu parallelisieren sind mit unserer Kopfform.

Jemand fragt: Wann richtete sich der Mensch auf? Man kann den Punkt nicht einordnen.

RUDOLF STEINER: Das ist doch nicht gut, wenn Sie sich diese Vorstellungen so festnageln. Denn, nicht wahr, manche Rasse richtete sich eben früher auf und manche später. Man kann nicht den bestimmten Punkt festnageln. So ist es in der Wirklichkeit nicht.

Jemand fragt: Wenn das Pistill dem Monde zugeordnet ist, die Narbe der Sonne, wie drückt sich da die Bewegung von Sonne und Mond aus?

RUDOLF STEINER: Sie müssen sich die Sache so vorstellen. [Rudolf Steiner zeichnet.]

Die Narbe geht nach oben, das wäre die [Sonnen]bahn; und das Pistill bewegt sich ringsherum, da ist man in der [Monden]bahn darinnen. Da haben wir ein Abbild dieser Sonnen-Erdenbahn, die ich gestern aufgezeichnet habe. Der Mond bewegt sich aber um die Erde. Der ist im Pistill drinnen. [Rudolf Steiner demonstriert an der Zeichnung.] Das erscheint daher so, die Mondenbahn, die auch natürlich so herumgeht, aber nicht in gerader Linie für die Verhältnisse erscheint. Die Sonnenbahn ist die Narbe. Dieser Kreis ist eine Nachbildung der Spirale, die ich gestern gezeichnet habe. Es ist auch eine Spirale, eine Schraube.

300a-04
300a-04

WALTER JOHANNES STEIN: Wir haben gehört, dass die Temperamente mit dem Übergewicht der einzelnen Leiber zusammenhängen. Im Zyklus 20 ist nun die Rede davon, dass ein Übergewicht besteht des physischen Leibes gegenüber dem Ätherleib, des Ätherleibes gegenüber dem Astralleib, des Astralleibes gegenüber dem Ätherleib, des Ich gegenüber dem Astralleib. - Ist hier ein Zusammenhang mit den Temperamenten? - Im 18. Zyklus ist eine Figur erwähnt, die gibt das richtige Verhältnis der Leiber an.

RUDOLF STEINER: Das gibt das Kräfteverhältnis an.

WALTER JOHANNES Stein: Ist da weiter eine Beziehung zu den Temperamenten?

RUDOLF STEINER: Keine andere, als die im Seminarkursus angegeben wurde.

WALTER JOHANNES Stein: Es wurde gesagt, dass Melancholie durch ein Übergewicht des physischen Leibes entsteht. Ist das ein Übergewicht des physischen Leibes über den Ätherleib?

RUDOLF STEINER: Nein, überhaupt ein Übergewicht über die anderen Leiber.

Es wird nach einem Elterntag gefragt.

RUDOLF STEINER: Er sollte schon vorhanden sein, aber es wäre gut, wenn er nicht allzu oft wäre, sonst versickert das Interesse und die Eltern kommen nicht mehr. Es muss so eingerichtet werden, dass die Eltern auch wirklich kommen. Wenn er zu oft ist, würde es eine übel empfundene Sache. Man sollte gerade in Bezug auf Schuleinrichtungen keine Projekte machen, die nicht erfüllt werden. Man sollte sich nur vornehmen, was auch wirklich geschehen kann. Dreimal im Jahr einen Elterntag ansetzen, das würde ich für gut finden. Dann würde ich aber vorschlagen, dass er möglichst feierlich behandelt wird, dass also Karten gedruckt werden und allen einzelnen Eltern diese Karten zugeschickt werden.

Vielleicht könnte man es so einrichten, dass man den ersten so im Anfang des Schuljahres festsetzt; mehr als Courtoisie, damit man mit den Eltern wiederum in Kontakt kommt. Dann in der Mitte des Schuljahres einen Elternabend und einen am Ende des Schuljahres. Die beiden letzten sind dann die eigentlich maßgebenden. Der erste ist nur eine Courtoisie, da mögen die Eltern dann quasseln. Man könnte die Kinder ja etwas deklamieren lassen, etwas Eurythmie machen lassen und so weiter.

Elternsprechstunden kann man einrichten; das ist ganz gut. Im Allgemeinen werden Sie ja wahrscheinlich die Erfahrung machen, dass sich die Elternschaft zu wenig kümmert, außer die anthroposophischen Eltern.

HERBERT HAHN bittet Rudolf Steiner, ihm doch etwas zu sagen über die Popularisierung der Geisteswissenschaft, besonders in Bezug auf die Nachmittagskurse für Arbeiter.

RUDOLF STEINER: Nun, diese Popularisierung muss sich mehr darauf beziehen, den richtigen Gang einzuhalten. Ich bin im Allgemeinen nicht dafür, dass man das Popularisieren durch Trivialisierung bewirkt. Ich meine also, dass man zunächst das Buch «Theosophie» zugrunde legt und von Fall zu Fall herauszukriegen versucht, was ein bestimmtes Auditorium schwer oder leicht versteht. Sie werden sehen, dass die letzte Auflage der «Theosophie» viele Winke enthält, gerade wenn man sie als Lehrstoff vorträgt. Dann würde ich übergehen zu der Besprechung einzelner Partien von «Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?», aber niemals mit der Tendenz, dass die Leute Hellseher werden sollen. Sie sollen sich nur informieren über die Wege des Hellsehers, sodass sie wissen, auf welche Weise man zu diesen Wahrheiten kommt. Sie sollen das Gefühl bekommen: Durch gesunden Menschenverstand kann man begreifen und wissen, auf welchem Wege diese Dinge erfasst werden. Dann kann man richtig populär behandeln «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit». Das wären für eine populäre Darstellung die drei Bücher. Im Übrigen muss man sich nach dem Auditorium richten.

Es wird noch über einzelne Kinder gesprochen.

RUDOLF STEINER: Das Wichtigste ist, dass immer Kontakt da ist, dass der Lehrer mit den Schülern eine richtige Einheit bildet. Das ist im Grunde genommen fast durch alle Klassen hindurch in sehr schöner, erfreulicher Weise vorhanden gewesen. Ich war sehr erfreut über die Sache.

Ich kann Ihnen sagen, ich werde viel, auch wenn ich nicht da bin, an diese Schule herdenken. Denn, nicht wahr, wir müssen ja alle durchdrungen sein:

Erstens von dem Ernst der Sache. Es ist eine ungeheuer wichtige Sache für uns gerade.

Zweitens müssen wir durchdrungen sein von der Verantwortung, die wir tragen, sowohl der Anthroposophie gegenüber [wie der Kulturbewegung gegenüber], der sozialen Frage gegenüber.

Und dann drittens das, was wir als Anthroposophen besonders uns vorhalten müssen: die Verantwortung gegenüber den Göttern.

Wir müssen durchaus innerhalb der Lehrerschaft daran festhalten, dass wir Menschen nicht um unserer selbst willen da sind, sondern um die göttlichen Pläne mit der Welt zu verwirklichen. Halten wir uns das vor, dass wir eigentlich, indem wir das eine oder andere tun, die Intentionen der Götter ausführen, dass wir gewissermaßen die Gehäuse sind, um das zu verwirklichen, was als Strömungen herunterfließt und sich verwirklichen will in der Welt; dass wir keinen Augenblick ermangeln, den ganzen Ernst und die ganze Würde zu empfinden.

Empfinden Sie diese Würde, diesen Ernst, diese Verantwortung. Ich werde Ihnen mit solchen Gedanken entgegenkommen. Wir werden uns mit solchen Gedanken begegnen.

Das wollen wir heute noch als unsere Empfindung aufnehmen und in diesem Sinne eine Weile auseinandergehen, und dann uns immer wiederum geistig treffen, um die Kraft zu bekommen für dieses wirklich große Werk.

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