Vierte Konferenz

GA 277b — 22 December 1919, Dornach

Seit dem letzten Besuch Rudolf Steiners an der Waldorfschule waren zwölf Wochen vergangen. Am 19. Dezember besichtigte er die Schule und besuchte den Unterricht in allen Klassen. Tags darauf fanden die Weihnachtsfeiern in den Klassen statt, Steiner besuchte einige Feiern, und um 12 Uhr begannen für die Kinder die Weihnachtsferien.

Am Sonntag darauf war die Weihnachtsfeier für die ganze Schule. Unter der Leitung von Rudolf Treichler wurde ein Krippenspiel aufgeführt, an das sich eine Ansprache Steiners anschloss. Zwei Tage später begann am 23. Dezember der erste naturwissenschaftliche Kurs («Lichtkurs>, GA 320), gefolgt von den sechs Vorträgen zur geisteswissenschaftlichen Sprachbetrachtung (GA 299).

Themen [4. und 5. Konferenz]: Der Nachmittagshort. Monatsfeiern. Empfehlung, die Monatsfeiern donnerstags abzuhalten. Über das Erzählen in den unteren Klassen. Religionsunterricht. Über die zukünftigen Zeugnisse.

Bemerkungen: Schon in den ersten Monaten wurden am Montag Monatsfeiern abgehalten, weil das der freie Tag in Württemberg war. Es wurden Lichtbilder gezeigt, und die Schüler sahen sich die Darstellungen der anderen Klassen an.

Steiner hatte die Klassen besucht und ließ in der Konferenz die Kollegen aus ihrer Arbeit mit den Kindern berichten. Seine Kommentare bezogen sich daher auf diese Berichte und auf seine Wahrnehmungen in den Klassen. Zum ersten Mal sprach Steiner über fehlenden Kontakt zwischen Schülern und Lehrern. Betrachtet man das Beispiel, das er zur ersten Schulstunde gibt, dann sieht man, wie alles aus einem lebendigen Gespräch mit den Schülern entsteht, alles ist dialogisch und nichts «frontal (Methodisch-Didaktisches, GA 294, Vortrag vom 25. August 1919).

Einen solchen lebendigen Duktus, wo Lehrer und Schüler die Gedanken zusammen entwickeln, findet man auch in dem Beispiel des Grammatikunterrichtes für die Fremdsprachen (Methodisch-Didaktisches, GA 294, Vortrag vom 30. August 1919).

Vorsitz: Rudolf Steiner.

Es war ein Nachmittagshort eingerichtet worden, den die Lehrer abwechselnd je einen Tag führten. Es wird gefragt, was man darin mit den Kindern tun solle.

RUDOLEF STEINER: [Da sollen die Kinder] Unterhaltung [haben. Man kann sie] Spielereien machen lassen. [Auch] Theater [können sie spielen. Sie können auch ihre] Schulaufgaben machen.

[Man soll dabei] selbst zum Kinde werden, [soll die] Kinder lachen machen. (Sie sollten im Hort] anderes tun als Schultätigkeit. [Die] Kinder sollen nur fühlen, dass man da ist, wenn sie etwas brauchen.

Von besonderem Wert ist es, sich von den Kindern ihre Erlebnisse erzählen zu lassen. [Man muss] sich interessieren dafür. Es ist gesundend, wenn ein Kind sich aussprechen kann. [Auch] Töpferarbeiten [könnten gemacht werden].

Wahrscheinlich wird hier durch Karl Stockmeyer, den Schulverwalter, berichtet, dass man immer am ersten Montag jedes Monats, der nach Landesgewohnheit schulfrei ist, ein Schulfest veranstalten möchte; solche Feste hätten bisher schon am 3. November und am 1. Dezember stattgefunden.

RUDOLF STEINER: [Solch eine] Monatsfeier [sollte] besser auf [den] Donnerstag [gelegt werden]. Montag [ist der] Philistertag; [für den] Donnerstag [sprechen] innere Gründe. [Der] Donnerstag [ist als] Jupitertag der geeignetste Tag. [Der] Inhalt [einer solchen] Monatsfeier [sollte sein ein] Gedankensammeln [über den] Monatsinhalt, etwas Ähnliches wie [beim] «Seelenkalender». [Die] Sprüche [aus den] «Zwölf Stimmungen» [kommen dabei aber] höchstens für [die] 7. und 8. Klasse [infrage].

LEONIE VON MIRBACH gibt einen Bericht über ihren Unterricht in der 1. Klasse.

RUDOLF STEINER: Mit Stiften [zu] zeichnen, [ist] nicht [gut. Man sollte] lieber Aquarellfarben nehmen [zum Malen]. Ölkreiden sind benutzbar.

Erzählungen [sollten nicht] zu lang [sein. Zu empfehlen sind] in den unteren Klassen kürzere, präzise, überschaubare Erzählungen. [Die] Hauptsache [ist], dass die Sache nachher sitzt. [Es ist] darauf zu sehen, dass nichts, was durchgenommen wird, [rasch wieder] aus den Kindern verschwindet, [und das sollte] nicht durch Wiederholung, sondern gleich durch die erste Darstellung [erreicht werden].

JOHANNES GEYER berichtet über die 2. Klasse.

RUDOLF STEINER: [Das] Dividieren soll schon früh angefangen werden. [Mit dem] Rechtschreiben [sollte man], wenn es einigen Kindern schwer wird, duldsam sein.

[Bei der] G. W., [mit dem] blauen Bändchen, [da ist] Koketterie [im Spiel. Da ist es gut], keinen Namen zu nennen, [sich] umzudrehen, sie nicht [zu] nennen [und] nicht [zu] beachten. [Aber man sollte darauf schen], dass sie herausfindet, dass man sie meint.

Lob macht die Kinder nicht ehrgeizig. Lob und Tadel [darf man] nicht unterlassen. [Ein] Tadel, [der] in ein Witzwort gekleidet [wird], das wirkt ungeheuer. Dann erinnert sich das Kind oft daran.

HANNAN LANG: [Ich] habe freiwillige Rechnungen als Willensübungen eingeführt.

RUDOLF STEINER: [Die] Kinder in Aktivität [zu] versetzen, ist sehr wichtig. Die Fortschritte in den Sprachen sind sehr gut. Der Sprachunterricht hat guten Erfolg. Der Erfolg ist umso größer, je mehr es auch hier gelingt, die Kinder in Aktivität zu versetzen.

[Dabei wäre auch auf die] Eurythmie fremder Sprachen [hinzuweisen]. Jeder Laut liegt zwischen zwei anderen. Zwischen A und I liegt [das englische I]: rechte Hand vorne, linke Hand rückwärts. Nach dem Laut, nicht nach dem [geschriebenen] Zeichen [eurythmisieren].

HERTA KOGEL spricht über die 4. Klasse.

RUDOLF STEINER: Das sind besonders Unbegabte. Die A. S. [ist] schwachsinnig, ein wenig; sie kann nicht aufmerksam sein.

[Der] E. E., [der] «Bolschewist», hat sich sehr gebessert. [Bei ihm liegt] eine Abnormität der Gehirnhaut [vor], eine abnorme Kopf- und Hirnhautbildung. [Er hat] zuckende Krämpfe; [vielleicht ist es eine Schädigung durch eine] Zangengeburt, [es] kann [aber] auch vererbt sein. [Da handelt es sich um eine] Ausschaltung des Ätherleibes. [Man sollte] seine Phantasie ins Humoristische abbiegen.

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[Bei dem] G. [ist, weil ihm ein] Bein fehlt, [eine] andere Einstellung der übersinnlichen Glieder [vorhanden]. [Das] Seelenleben eines solchen Krüppelkindes ist zu geistig. [Man müsste ihm] Interesse erwecken für spirituell schwieriges Seelisches, ihn dorthin lenken [und ihn] ins Seelische zurückführen.

CAROLINE VON HEYDEBRAND berichtet über die 5. Klasse.

RUDOLF STEINER: Die Kinder lieben die Lehrerin und sind doch furchtbar ungezogen. [Sie sollten schen], ihnen freier gegenüberzutreten!

Auch in den Fremdsprachen sollte man auf dem Umweg über das Schreiben zum Lesen kommen.

FRIEDRICH OEHLSCHLEGEL berichtet über die 6. Klasse.

RUDOLF STEINER: Die Kinder lernen besser denken und empfinden durch die Eurythmie und umgekehrt. Die K. B. [könnte man] nach bestimmten Sätzen, [nach den] Lehrersprechübungssätzen eurythmisieren lassen.

Der E. H. [müsste man] durch Nacherzählen von Erschütterndem helfen.

Es wird geklagt, die Kinder in den höheren Klassen seien faul und nachlässig.

RUDOLF STEINER: Beim Nichtmachen der Hausaufgaben [könnte man] die Faulen nach zwölf dabehalten und androhen, dass das Dabehalten öfter geschehen wird.

Es wird wegen einiger Kinder der 7. und 8. Klasse gefragt

RUDOLF Steiner: Die Kinder der 7. und 8. Klasse sind begabt.

PAUL BAUMANN berichtet über den Eurythmie- und den Musikunterricht.

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