The Christmas Conference

GA 260 — 26 December 1923, Dornach

Fortsetzung der Gründungsversammlung

Thema: Die zukünftige Arbeit der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und deren Ländergesellschaften. - Fortsetzung der Berichte der Generalsekretäre

Dr. Steiner:

Meine lieben Freunde!

Wir stehen mitten in den Berichten der Generalsekretäre und der Vertreter der Gruppen, die in den verschiedenen Gegenden draußen tätig sind. Wir werden sogleich diese Berichterstattung fortsetzen. Gestatten Sie nur, daß ich mitten in diese Berichterstattung hinein ein paar Worte spreche. Gerade dasjenige, was in so wirklich befriedigender Weise gestern von den einzelnen Berichterstattern gesagt worden ist, gibt mir dazu Veranlassung. Wir sehen aus dem, was uns da mitgeteilt worden ist, wie hingebungsvoll überall draußen gearbeitet wird, und wir dürfen dasjenige, was uns gestern berichtet worden ist, hinzuzählen zu den Namen, von denen ich vorgestern mir erlaubte zu sprechen und von denen wir glauben dürfen, daß sie trotz der Trümmer, auf denen wir stehen, anzusehen sind als dasjenige, was uns bei dieser Tagung nicht zu irgendeinem Pessimismus, sondern durchaus zu echtestem, weil vielleicht tatkräftigem Optimismus anfeuern kann.

Wir müssen bei dieser Tagung eigentlich überall, auf allen Gebieten, an den Aufbau und nicht an das Abtragen denken. Und deshalb möchte ich heute schon aufmerksam machen darauf, daß wir vielleicht sehen sollten, die ganze Tagung in einer gewissen Beziehung zu orientieren. Es wird sich die Möglichkeit bieten, noch in den nächsten Tagen bei unseren Mitgliederversammlungen selbstverständlich das eine oder das andere zu besprechen. Aber schon heute möchte ich dieses sagen: Wir konnten es ja aus den in ihrem Inhalte als eine Notwendigkeit sich ergebenden Statuten ersehen, daß wir mit der Anthroposophischen Gesellschaft die volle Öffentlichkeit verbinden müssen. Das geht, meine lieben Freunde, aus den Zeichen der gegenwärtigen Zeit heraus nicht anders. Alles Hineintauchen in irgend etwas Geheimnisvolles verträgt die heutige Zeit nicht mehr. Und daraus ergibt sich gerade für uns, ich möchte sagen, ein Grundproblem, das wir lösen müssen.

Ich meine nicht, daß wir während dieser Tagung sehr viel darüber zu debattieren brauchen, sondern wir müssen dieses Grundproblem in unseren Herzen lösen. Wir müssen uns klar sein darüber, daß gerade unserer Gesellschaft die Aufgabe zufallen wird, die denkbar größte Öffentlichkeit zu verbinden mit echter, wahrer Esoterik.

Ja, meine lieben Freunde, wir haben zunächst unter den Hemmnissen und Hindernissen der furchtbaren Kriegszeit und dann auch unter macherlei inneren Schwierigkeiten sozusagen die Aufstellung dieses Problems nach allen Seiten erlebt. Es gab im Grunde genommen keine der Versammlungen, die in der letzten Zeit innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gehalten worden sind, in denen nicht wie ein Hintergrund, den allerdings viele nicht bemerkt haben, wie ein Hintergrund hinter allem das Problem stand: Wie verbinden wir die volle Öffentlichkeit mit der tiefsten, ernstesten, innerlichsten Esoterik? Dafür ist es notwendig, daß nun wirklich alle unsere Versammlungen in der Zukunft herausgehoben werden aus alledem, was man Vereinsmäßiges nennen kann. Anthroposophie braucht nicht das Vereinsmäßige im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Wo Anthroposophie wirklich Verständnis findet in den Herzen, da werden diese Herzen zusammen schlagen können, ohne daß die Köpfe aneinanderstoßen. Und wenn wir dieses rein menschliche Problem lösen, daß die Herzen zusammenklingen können, ohne daß die Köpfe aneinanderstoßen, dann werden wir von der menschlichen Seite aus ja tatsächlich alles das getan haben, was notwendig ist, um uns vorzubereiten, auch in der Führung der Anthroposophischen Gesellschaft diese Dinge zu erreichen, die bezeichnet worden sind.

Und wir müssen sie erreichen, wir müssen es erreichen, daß wir bei allen unseren Handlungen die Empfindung haben können des Zusammenhanges mit der geistigen Welt. Denn das muß ja gerade der Unterschied sein zwischen unserer Anthroposophischen Gesellschaft und irgendeiner anderen Vereinigung, die es gegenwärtig geben kann. Der Unterschied muß der sein, daß aus der Kraft der Anthroposophie selber heraus diese Möglichkeit besteht, die denkbar größte Öffentlichkeit zu verbinden mit wahrster, innerlichster Esoterik. Und die Esoterik darf uns in der Zukunft auch bei den äußerlichsten Handlungen nicht fehlen. Wir müssen auf diesem Gebiete von den letzten zehn Jahren eben doch manches lernen.

Und dasjenige, was ich da sage, bezieht sich auch auf die Verantwortlichkeiten. Bedenken Sie, meine lieben Freunde, das Folgende: Wir stehen als eine kleine Gesellschaft in der Welt, und diese Gesellschaft hat in der Gegenwart ein merkwürdiges Schicksal. Sie könnte gar nicht, wenn sie auch wollte, diesen Charakter der Öffentlichkeit, den ich jetzt so besonders stark betone, ablehnen, sie könnte es nicht. Denn würden wir heute aus irgendeiner Sympathie heraus beschließen, in den Gruppen nur innerlich zu arbeiten, was ja gewiß sehr schön wäre, würden wir uns nicht um die Öffentlichkeit kümmern, so würden wir sehen, wie das noch immer mehr und mehr überhandnimmt, daß sich die Öffentlichkeit um uns im feindlichen Sinne bekümmert. Je mehr wir uns um dasjenige, was die Zeichen der Zeit sind, nicht kümmern, desto mehr wird sich im feindlichen Sinne dasjenige, was irgendwie nur dastehen kann als gegnerisch von uns, um uns bekümmern. Und nur wenn wir den Weg finden, mit Mut den geraden Weg finden zu dem Folgenden, dann wird es uns gelingen, das Schiff der Anthroposophischen Gesellschaft durch die heute um sie herum brandenden und wallenden sehr stürmischen Wogen hindurchzuleiten. Dasjenige, was wir finden müssen, ist dieses: Wir stehen als eine kleine Gesellschaft der Welt gegenüber, und die Welt - Sie wissen, welche ich meine - liebt uns eigentlich nicht. Sie liebt uns nicht. Das ist ein Faktum, an dem können wir nichts ändern. Aber wir brauchen auch nichts dazu zu tun, um uns möglichst unbeliebt zu machen. Ich meine das nicht im trivialen Sinne, sondern ich meine es in einem tieferen Sinne, der wirklich aus den Grundlagen des okkulten Lebens heraus gesprochen ist. Wenn wir immer wieder und wieder fragen: Was müssen wir gegenüber diesen oder jenen Kreisen in der Welt, die uns ja heute nicht lieben, unsererseits zu Liebe tun? Wie müssen wir uns verhalten auf diesem oder jenem Gebiete, damit wir da oder dort voll genommen werden? dann werden wir ganz sicher nicht voll genommen. Sondern wir werden nur voll genommen werden, wenn wir uns in jedem Augenblicke mit unserem Tun verantwortlich fühlen der geistigen Welt gegenüber, wenn wir wissen: Die geistige Welt will mit der Menschheit in dem gegenwärtigen Augenblicke der historischen Entwickelung etwas, will dieses Etwas auf den verschiedensten Gebieten des Lebens, und an uns ist es, klar und wahr den Impulsen aus der geistigen Welt heraus zu folgen. Wenn auch das Anstöße gibt für den ersten Augenblick, für die Dauer wird es das allein Heilsame sein. Und deshalb werden wir auch mit uns selbst nur zurechtkommen, wenn wir bei jeder Gelegenheit uns durchdringen mit demjenigen, was als Impulse aus der geistigen Welt kommen kann.

Deshalb möchte ich, nachdem ich diese Andeutungen, die ich in den nächsten Tagen vervollständigen werde, gesagt habe, auch heute vor Ihnen wiederholen wenigstens einen Teil der Worte, die mit dem Willen der geistigen Welt gestern zu Ihnen gesprochen worden sind, damit wir sie als Introduktion auch heute in unserer Seele haben, indem wir auf die Verhandlungen eingehen.

Menschenseele!
Du lebest in den Gliedern,
Die dich durch die Raumeswelt
Im Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen,
Wo in waltendem
Weltenschöpfer-Sein
Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset;
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen. Menschenseele!
Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage,
Der dich durch den Zeitenrhythmus
Ins eigne Seelenwesensfühlen leitet:
Übe Geist-Besinnen
Im Seelengleichgewichte,
Wo die wogenden
Welten-Werde-Taten
Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen;
Und du wirst wahrhaft fühlen
Im Menschen-Seelen-Wirken. Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte,
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltgedanken erschließer:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe,
Wo die ew’gen Götterziele
Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken;
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen.

Und wir kommen mit solchen aus dem Weltenworte heraus gehörten Sprüchen zurecht, wenn wir sie in unseren eignen Seelen so gliedern, daß sie uns nicht verlassen können. Und sie werden sich gliedern können, wenn Sie herausheben zunächst aus dem, was also erklungen hat, dasjenige, was Ihnen den Rhythmus geben kann. Ich schreibe vor Sie hin, meine lieben Freunde, zunächst einen Teil dessen, was den Rhythmus geben kann:

In der ersten Strophe:

[Es wird gesprochen und an die Tafel geschrieben. Faksimile siehe Beilage 4, Tafel I. Zu Zeile 8 v.u. und 3 v.u. siehe den Hinweis.]

Geist-Erinnern,

in der zweiten Strophe:

Geist-Besinnen,

in der dritten Strophe:

Geist-Erschauen.

Das betrachten Sie im rhythmischen Zusammenhange mit dem, was da wird in der angerufenen, das heißt in der von sich selbst angerufenen Menschenseele, wenn es heißt:

Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset —,

betrachten Sie den zusammenhängenden Rhythmus von «Geist-Besinnen», wenn es da heißt:

Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen -,

und von «Geist-Erschauen», wenn es da heißt:

Das [Dem] eigne[n] Ich
Zu freiem Wollen
Schenken —.

[Tafelanschrift. Schreibweise hier und im folgenden gemäß der zweiten Handschrift]

Nehmen Sie in diesem Zusammenhange jedes der einzelnen Worte also, daß es nur, wie es dasteht, dastehen kann. Nehmen Sie dasjenige, was aus dem Welten-Rhythmus heraus rhythmisiert: «eigne Ich im Gottes-Ich», «eigne Ich im Welten-Ich», «eigne Ich im freien Wollen», und nehmen Sie dasjenige, was aufsteigt von «Erweset» zu «Vereinen», zu «Schenken», wo es übergeht in die moralische Empfindung. Empfinden Sie den Zusammenhang mit dem «Geist-Erinnern», «Geist-Besinnen» und «Geist-Erschauen»: dann werden Sie in dem inneren Rhythmus dasjenige haben, was in diesen Tagen die geistige Welt wirklich zu uns bringt zur Erhebung unserer Herzen, zur Erleuchtung unseres Denkens, zur Beflügelung und Enthusiasmierung unseres Wollens.

Ich habe nun zu verlesen ein Telegramm: «Weihnachtsgrüße, Glückwünsche, Ethel Morgenstierne.» - Und ich werde nun bitten, das Wort erteilen zu dürfen dem Vertreter von Honolulu, Madame Ferreri.

Madame Ferreri berichtet.

Dr. Steiner: Ich darf nun vielleicht die Vertretung von Italien, Baronin de Renzis, bitten, das Wort zu ergreifen. Baronin de Renzis berichtet.

Dr. Steiner: Vielleicht darf ich sagen, daß solche Fragen, wie hier eine angeregt worden ist, bezüglich der Aufnahme von Personen nur durch Briefwechsel und dergleichen, dann bei der Beratung der Statuten, die nachher stattfinden wird, zu besprechen sein werden.

Dr. Steiner: Es ist über Italien noch zu berichten durch den Herzog von Cesaro für die Novalis-Gruppe zu Rom. Der Herzog von Cesaro erstattet Bericht.

Dr. Steiner: Darf ich nun das Wort für eine andere italienische Gruppe Fräulein Schwarz erteilen.

Fräulein Schwarz berichtet für die Mailänder Gruppe.

Dr. Steiner: Ich bitte jetzt den Vertreter der jugoslawischen Arbeit, Herrn Hahl, das Wort zu ergreifen.

Herr Hahl berichtet.

Dr. Steiner: Darf ich dem Vertreter der Norwegischen Gesellschaft, Herrn Ingerö, das Wort geben.

Herr Ingerö berichtet.

Dr. Steiner: Ich darf nun dem Vorstandsvertreter der Österreichischen Gesellschaft, Herrn Grafen Polzer, das Wort erteilen. Graf Polzer berichtet.

Dr. Steiner: Ich darf nun dem Vertreter der Gruppe Porto Alegre in Brasilien, Dr. Unger, das Wort erteilen.

Dr. Unger: Darf ich nur mit wenigen Worten mich eines Auftrags entledigen, den ich mit großer Befriedigung übernommen habe. Wir stehen seit längerer Zeit in Verbindung mit den Freunden drüben, da es hauptsächlich Deutsche waren, die hinüberwanderten und dort anthroposophisch zu arbeiten begannen. Insbesondere Herr Brandtner, der uns geschrieben hat in dieser letzten Zeit, er hat sich viel bemüht, drüben etwas in Gang zu bringen, in Porto Alegre. In Zusammenhang damit steht ja auch, daß in anderen südamerikanischen Städten Arbeit im Gange ist, die nach und nach sich zusammenschließen wird, um dort selbständige Ausgangspunkte wiederum zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurde ja auch Herr Mayen aus Breslau von den Freunden drüben hinübergeholt, zunächst nach Rio; dann wird er allmählich seine Arbeit in verschiedenen Städten übernehmen. Es obliegt mir hier gerade, die Teilnahme der Freunde drüben zum Ausdruck zu bringen. Es ist aus allem, was von drüben kommt, hervorgehend die innigste Anteilnahme an allem, was sich gerade auf Dornach bezieht und was von Dornach weiterhin ausgeht. So oft es möglich ist, kommt ja jemand von dort nach Europa, und wir hoffen recht sehr, daß auch bald in intensivster Weise drüben das anthroposophische Leben aufblühen möge. Ich hoffe, daß, wenn ich zurückberichten darf nach Porto Alegre, ich gerade so, wie ich die Grüße der Freunde für hier von drüben zu überbringen habe, auch die Wünsche des Gedeihens der Arbeit in Porto Alegre hinübermelden darf.

Dr. Steiner: Ich darf der Beauftragten der Schwedischen Anthroposophischen Gesellschaft, Fräulein Henström, das Wort erteilen. Fräulein Henström berichtet.

Dr. Steiner: Ich darf nun dem Vertreter der schweizerischen Anthroposophischen Gesellschaft, Herrn Aeppli, das Wort erteilen. Herr Aeppli berichtet.

Dr. Steiner: Ich darf nun dem Vorstandsvertreter der T'schechoslowakei, Herrn Dr. Krkavec, das Wort erteilen.

Dr. Krkavec berichtet.

Dr. Steiner: Ich darf dem anderen Vorstandsvertreter der Tschechoslowakei, Herrn Dr. Eiselt, das Wort erteilen.

Dr. Eiselt berichtet.

Dr. Steiner: Die Berichterstattung ist damit zu Ende geführt, und ich glaube aussprechen zu dürfen, daß sie alle mit mir den verehrten Berichterstattern außerordentlich dankbar sind, namentlich dafür, daß wir nun unseren neuen Arbeiten eine Grundlage geben können, da wir ja nunmehr wissen, wieviel wirklich große, hingebungsvolle, mannigfaltige Arbeit in der Anthroposophischen Gesellschaft geleistet wird und schon geleistet worden ist.

Ich möchte nun den Übergang finden zum dritten Punkt unserer Tagesordnung, zur Beratung der Statuten. Es muß natürlich vorangehen eine Verlesung der Statuten. Obwohl dieselben in aller Hände sind, würde ich doch bitten, die Statuten noch einmal vorlesen zu dürfen, damit wir dann die entsprechenden Besprechungen einleiten können. Ich bitte Herrn Dr. Wachsmuth, nun die Statuten zur Verlesung zu bringen als den dritten Punkt der Tagesordnung.

Dr. Wachsmuth verliest die Statuten der Anthroposophischen Gesellschaft.

Dr. Steiner: Es ist ja, wie Sie entnommen haben werden den verschiedenen Ausführungen, die ich getan habe, wirklich gut, wenn wir auf der einen Seite möglichst frei die Versammlung in ihren einzelnen Mitgliedern in den nächsten Tagen walten lassen. Allein, gewisse Dinge sind, wenn eine Besprechung stattfinden soll, schon einmal notwendig, und daher bitte ich, es nicht als eine Pedanterie, sondern eben als die Notwendigkeit bei einer Versammlung anzusehen, wenn wir nun in der Folge wirklich recht exakt in der Führung der Debatte vorgehen wollen. Es ist ja heute nicht mehr möglich, die Versammlung fortzusetzen, da die Zeit um ist, und ich werde Sie daher bitten, die Fortsetzung der Versammlung morgen nach dem Vortrage von Dr. Wachsmuth ansetzen zu dürfen. Es wird also morgen um 10 Uhr der Vortrag von Dr. Wachsmuth stattfinden, und nach einer Viertelstunde Pause nach diesem Vortrage werden wir die Fortsetzung der Versammlung dann haben können. Bei dieser für morgen festgesetzten Versammlung werde ich dann bitten, die Führung der Debatte so einrichten zu dürfen, daß wir - wirklich nicht um etwas Pedantisches durchzuführen, sondern um möglichst sachlich sein zu können - zunächst eine Art Generaldebatte eröftnen über die Statuten, das heißt eine Debatte, in der die ganze Haltung, der Sinn und der Geist der Statuten im allgemeinen besprochen werden.

Dann werde ich mir erlauben, um Ihre Zustimmung zu den Statuten im allgemeinen zu fragen, und nachher wollen wir eine Art Spezialdebatte eröffnen, die darinnen bestehen soll, daß wir Paragraph für Paragraph vornehmen werden und dann Wortmeldungen für einen einzelnen Paragraphen entgegennehmen werden. Dann werden wir eine abschließende Debatte halten, um die Statuten völlig zur Annahme zu bringen. In dieser Weise bitte ich Sie, morgen vorgehen zu dürfen für die Beratung der Statuten.

Ich habe nun mitzuteilen, daß im weiteren Verlaufe der Tagung stattfinden wird heute nachmittag um 4 Uhr 30 eine Eurythmie-Vorstellung und abends um 8 Uhr mein Vortrag. Morgen um 10 Uhr wird stattfinden der Vortrag von Dr. Günther Wachsmuth auf dem Gebiete der Naturerkenntnis: «Erdenantlitz und Menschenschicksal», und dann wird nach einer Viertelstunde Pause die Fortsetzung dieser Versammlung erfolgen. Ferner habe ich noch einige Mitteilungen zu machen. Es ist ja, wie ich schon einleitend vor der Eröffnung der Versammlung betonen mußte, wirklich recht schwierig, bei einer so großen Anzahl, selbstverständlich erfreulich großen Anzahl lieber Freunde, die hier sind, die ganze Sache hier zusammenzuhalten. Man sieht das nicht, wenn man nur eben zu den Versammlungen kommt, wie schwierig es ist. Deshalb darf ich wohl bitten, trotzdem man es natürlich nur innigst bedauern kann, daß so viele Unbequemlichkeiten durch unsere primitive Einrichtung unseren lieben Freunden erwachsen, daß in der Zukunft von einer einzelnen Persönlichkeit niemals mehr als höchstens drei Plätze belegt werden. Ich muß das erwähnen aus dem Grunde, weil es vorgekommen ist, daß ganze Platzreihen von einem Einzelnen belegt worden sind. Das gibt unzählige Debatten derjenigen, die dann nachkommen.

Ferner möchte ich noch einmal auf den Wunsch aufmerksam machen, den wir ausgeprochen haben, die ersten zwei Reihen nur für diejenigen lieben Freunde zu reservieren, welche durch Lahmheit oder Schwerhörigkeit oder durch sonstige Gründe genötigt sind, eben eine größere Berücksichtigung zu erfahren. Wenn dann noch Plätze übrigbleiben, wie es ja der Fall sein wird, dann bitte ich, diese Plätze in den ersten zwei Reihen ausfüllen zu lassen von den Generalsekretären der einzelnen Länder und von denen, die diese Generalsekretäre wiederum als ihre Sekretäre bei sich haben. Es wird sich schon in den nächsten Tagen als eine Notwendigkeit herausstellen, daß die Generalsekretäre sozusagen übersichtlich bei der Hand sind, nicht im ganzen Saal zerstreut sind.

Als drittes darf ich vielleicht auch das geltend machen, daß noch einmal gebeten wird, es mögen die Dornacher Freunde - es ist ja wirklich nicht aus irgendeiner Rachsucht heraus — draußen Platz nehmen in der ja allerdings in dieser Regen- und Schneezeit unwirtlichen «Sommervilla»; aber wir können es schon nicht anders machen, als daß wir unsere Dornacher Freunde bitten, sich während dieser Zeit anregnen zu lassen, damit die auswärtigen Freunde hier im Saale sitzen können und hier eben nicht angeregnet werden.

Dann darf ich noch erwähnen, daß von jetzt ab abends die obere Kantine geöffnet sein wird für diejenigen Freunde, die in Massenquartieren oder dergleichen unwirtlich untergebracht sind, so daß man doch immer einen möglichen Aufenthaltsort finden wird, der geheizt sein wird. Allerdings, Speisen und Getränke werden nicht dort verabreicht werden in diesen Stunden, aber ich hoffe, um so anregendere und aufmunterndere Reden werden geführt werden. Also man wird, ohne daß man Hunger und Durst löschen kann, aber so warm als möglich, immer nach meinem Vortrag bis nachts 11 Uhr dort sich aufhalten können.

Ferner möchte ich noch auf das Folgende aufmerksam machen: Mr. Pyle hat in einer anerkennenswerten Weise eine sehr schöne Sparbüchse modelliert und ausführen lassen. Diese Sparbüchsen werden Sie draußen aufgestellt finden. Sie werden, wenn Sie sie genau betrachten, aus der Schönheit der Form heraus das Verlokkende empfinden, eine solche Sparbüchse selber zu besitzen. Man kann sie kaufen, sie ist hier käuflich vorhanden, kann sie mit nach Hause nehmen und kann jeden Tag in diese Sparbüchse etwas hineinlegen und es dann, wenn sie voll ist, herausnehmen, um es für den Wiederaufbau des Goetheanums oder überhaupt für Zwecke des Goetheanums verwenden zu lassen. Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß wenn man jeden Tag nur 10 Rappen hineinlegt — denken Sie, für was man das im Tage ausgibt! so bildet das im Jahre eine ganz erkleckliche Summe. Ich sehe, hier rechnen bereits die verehrten Freunde! Sie werden sehen, daß dabei schon etwas Gutes herauskommt. Aber ich möchte nicht dadurch aufmuntern, bloß 10 Rappen hineinzulegen, sondern eben dasjenige hineinzulegen, was man für gut findet oder auch wofür man sich verpflichtet hält, selbst wenn man es nicht für gut findet.

Außerdem aber ist für jenen, der nun aus diesen oder jenen Gründen es zu unbequem findet, diese Sparbüchse mit nach Hause zu tragen, die Gelegenheit geboten, durch solche hier aufgestellte Sparbüchsen etwas in sie hineinzulegen. Da wird es ja allerdings dann gut sein, wenn man nicht eine eigene Sparbüchse hat, dann recht kräftig in die Börse zu greifen, um diese Sparbüchsen zu füllen. Wir werden schon für das schnelle Ausleeren sorgen.

Dann würde ich auch noch bitten, daß beim Besuch der Weihnachtspiele nicht Plätze belegt werden mögen für die Abendvorträge.

Sie sehen, wir müssen so viele — Verbote nennen wir’s aber nicht — Wünsche aussprechen, aber wir können sonst hier nicht Ordnung halten.

Damit, meine lieben Freunde, möchte ich die Versammlung bis morgen zu der Ihnen angegebenen Stunde vertagen.

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