The History of the Anthroposophical Society 1913–1922
GA 251 — 29 May 1917, Berlin
21. Massregeln
Und nun habe ich, das müssen Sie mir schon gestatten, einiges zu sagen mit Bezug auf die Gesellschaft, weil ich genötigt bin durch all dasjenige, was sich in immer ärgerer Weise innerhalb der Gesellschaft ergeben hat, gewisse Maßregeln heute mitzuteilen, die nun schon einmal notwendig geworden sind, und die verstanden werden müssen. Und ich bin überzeugt: Diejenigen unter unseren Mitgliedern, welche es ernst mit unserer Sache meinen, die werden diejenigen sein, die am besten gerade diese Maßregeln verstehen.
Ich habe ja schon das letzte Mal, als ich hier sprach, darauf hingewiesen, wie es schon notwendig ist, auf die wahren Motive hinzuschauen bei denjenigen Angriffen, die jetzt immer zahlreicher und zahlreicher werden. Und ich möchte nicht missverstanden werden, meine lieben Freunde. Sehen Sie, Angriffe, die in denjenigen Formen sich halten, welche man sonst in der Welt als literarische Formen anzusehen hat, die sich derjenigen Mittel bedienen, deren man sich sonst in der Wissenschaft bedient, die mögen zu Hunderten und Tausenden erscheinen, die werden niemals schaden; die können sachlich widerlegt werden und sollen sachlich widerlegt werden; allein ich möchte nicht dahin missverstanden werden, dass mir untergeschoben würde, dass ich irgendetwas habe gegen sachliche Angriffe, von welcher Seite sie immer kommen. Aber um diese Dinge handelt es sich nicht, meine lieben Freunde. Es handelt sich um ganz andere Dinge, und allerdings um Dinge, die schon geeignet sind, dass allmählich unsere Geisteswissenschaft durch ihren Zusammenhang mit der Anthroposophischen Gesellschaft - nun, sagen wir — zunächst in Tratsch und Klatsch, der aber heute leicht den Weg in die Journalistik hineinfindet, versinkt. Man muss wenigstens das unbefangene Auge auf solche Dinge richten.
Sehen Sie, meine lieben Freunde: Geisteswissenschaft, Anthroposophie zu verbreiten, ist ja möglich ohne eine Anthroposophische Gesellschaft; die Anthroposophische Gesellschaft muss für sich einen Inhalt und Sinn haben, einen solchen Sinn haben, den auch ein Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft in sich aufnimmt, sich gewissermaßen damit identifiziert. Nun hat sich ja im Laufe der Jahre das ergeben, dass eigentlich innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft — teils durch ihre frühere Zusammengehörigkeit mit mancherlei Mitgliedern der Theosophischen Gesellschaft, teils auch sonst -, dass sich innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft allerlei Schäden herausgebildet haben, schwere, schwerwiegende Schäden, und dass es gerade innerhalb dieser Gesellschaft durch ihre Eigentümlichkeit nicht dazu kommen kann, trotzdem ich oft und oft auf diese Dinge hingewiesen habe, ein gerades, unbefangenes Urteil zu entwickeln über diese Dinge. Und wenn wir etwas nötig haben in der Anthroposophischen Gesellschaft, soferne sie bestehen soll, so ist unbefangenes, gerades, wahres, ungetrübtes Urteil innerhalb dieser Gesellschaft notwendig; ist auch notwendig, dass die Dinge hier nicht anders genommen werden, nicht übler genommen werden wenigstens, als sie draußen in der gewöhnlichen, anständigen Welt genommen werden.
Erinnern wir uns nur einmal an den Fall, den ich ja auch öffentlich schon besprochen habe, an den Fall Heindel-Vollrach. Was ist da geschehen? Alles was damit zusammenhängt, ist eigentlich typisch für dasjenige, was in der Anthroposophischen Gesellschaft möglich ist. Nicht wahr, es erschien, durch ein Mitglied hereingeschleppt, eines Tages ein Herr Grasshoff. Jener Herr Grasshoff hörte durch viele Monate öffentliche und Zweigvorträge und so weiter. Man kann selbstverständlich nicht die Zukunft vorausnehmen und solch einen Herrn abweisen aus Gründen, auf die wir vielleicht nachher noch zurückkommen werden; man kann nicht solch eine Persönlichkeit schlankweg abweisen. Denken Sie, was dabei herauskäme. Man würde ja dann seinem Urteil Gründe unterlegen, die man unmöglich rechtfertigen kann, denn man kann nicht jemanden, der in die Gesellschaft eintritt, sagen: Du kannst nicht aufgenommen werden, weil du später - ja, ich weiß nicht, wie soll ich sagen — werden wirst gegenüber der Gesellschaft und ihrem Lehrgut - ja, machen Sie sich selbst den Ausdruck. Das kann man nicht jemandem sagen. Man kann nicht die Zukunft vorausnehmen.
Also jener Mister Grasshoff hört monatelang die Vorträge an, öffentliche und Zweigvorträge; nistet sich überall bei den Mitgliedern ein, leiht sich aus alles mögliche Niedergeschriebene auch, schreibt es sich ab, hatte ein großes Pack, man kann schon sagen mehrere Packe mit demjenigen, was hier vorgetragen wurde, zum Teil in den intimsten Vorträgen, und reiste mit diesem nach Amerika. Dort machte er ein Buch.
Bevor er fortging, erklärte er mir, er werde ein Buch schreiben, aber er werde es durchaus anständig schreiben. Und so kam es noch dazu, dass ich ihm vor dem Fortgehen noch bis auf den Titel des Buches hin Ratschläge gegeben habe. Ich konnte ihm doch nicht sagen: «Du wirst das Buch als ein Schweinehund schreiben.» - verzeihen Sie, wenn ich jetzt den Ausdruck selbst gebrauche. Denn selbst der Ausdruck «Rosicrucian World Conception» ist von mir. Der Mann machte also ein Buch, das in Amerika viel Aufsehen machte. In diesem Buch erklärte er gleich in der Vorrede, dass er ja manches gewonnen hat hier in Vorträgen von mir; aber als er hier mit den Vorträgen zu Rande war, als er alles gehört hatte, was er hören konnte, dann bot sich ihm durch des Schicksals hohe Mächte weit, tief in Ungarn, in den transsilvanischen Alpen einen Eingeweihten zu besuchen, der ihn gerufen hat. Und dieser geheimnisvolle Eingeweihte, der gab ihm erst die tieferen Wahrheiten, durch die er nun zu ergänzen hatte dasjenige, was er gehört hat. Und dann «ergänzte» er; er schrieb nämlich das, was er hier von Mitgliedern aus privaten Vorträgen, die noch nicht veröffentlicht waren, abgeschrieben hatte; damit «ergänzte» er; das war dasjenige, was er da in den transsilvanischen Alpen erhalten hatte. Es war also dasjenige, was er aus den Zweigvorträgen und anderen Vorträgen abgeschrieben hatte. Das Buch erschien in Amerika.
Nun gut, man kann sagen: Das Buch ist in Amerika erschienen, der Mann ist nicht besonders anständig; aber man muss es hinnehmen. Aber, dabei blieb es nicht. Sondern von diesem Buche von dem Amerikaner erschien im Verlage des Hugo Vollrach eine Übersetzung hier in Deutschland als «Rosenkreuzerische Unterrichtsbriefe». In dieser Übersetzung wurde gesagt, dass die unreinliche Sache, die hier vertreten würde, erst in der kalifornischen Sonne gereinigt werden musste und so als gereinigte rosenkreuzerische Weisheit hier vorgebracht werden solle.
Meine lieben Freunde! Es ist dies eine Sache — es musste erst die Anthroposophische, früher Theosophische Gesellschaft begründet werden, damit überhaupt so etwas vorkommen könne. Denn suchen Sie sich draußen in der anständigen Welt die Möglichkeit, dass so etwas vorkommen kann außerhalb des Kreises, der so etwas treibt, wie es innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft getrieben wird! Ich habe darauf wiederholt aufmerksam gemacht: Ist die Anthroposophische Gesellschaft etwas Reales, dann muss diese Tatsache, diese Schandtat, bekannt werden; denn man muss wissen, mit welchen Dingen man es eigentlich zu tun hat gerade auf dem Gebiete, das so oftmals mit unserer Sache identifiziert wird.
Nun frage ich Sie: Ist jener Mann nicht eine Art kleiner Fall von dem, was ich Ihnen eben erzählt habe, [jener Mann], der ein Buch schrieb «Wer war Christus?», in dieses Buch auch allerlei Zeug hineinschrieb, um dann in der Vorrede zu schreiben: Ich hätte manches angedeutet, aber er hätte es erst ausführen müssen. Was er aber «ausgeführt» hat, ist aus den Zyklen! Ist jener Mann, der dann dieses Buch dem Philosophisch-Anthroposophischen Verlag schickte, wo es zurückgewiesen werden musste, nicht doch eigentlich ein kleiner Fall Heindl-Vollrath, der von diesem Augenblick an, wo ihm dieses Buch berechtigterweise zurückgegeben werden musste, nachdem er vorher ja jahrelang sich als Mitglied der Gesellschaft gebärdet hat, und als Mitglied der Gesellschaft seine Ziele gesucht hat, der sich nun in einen Feind verwandelt hat -, ist dieser Mann wert, dass man sich viel einlässt auf dasjenige, was er nun in seinen törichten Artikeln an Sätzen vorbringt, die scheinbare Widersprüche aufdecken wollen? Das Richtige ist, auf das Wirkliche, auf die Tatsache hinzuweisen, woher die ganze Gegnerschaft kommt, wie ich Sie Ihnen jetzt dargestellt habe, und worauf ich schon das letzte Mal hinwies. Aber dieser Mann scheint, trotzdem er sich zu den akademisch Gebildeten zählt - er ist ja Kaiserlicher Hofrat und Professor -, trotzdem er sich zu den Gebildeten zählt, er scheint durchaus, da man mit sogenannten theoretischen Widerlegungen der Geisteswissenschaft wohl nicht viel erreichen kann, immer mehr das Ziel zu verfolgen, das jetzt eben verfolgt wird: die Dinge in den erlogenen Klatsch und Tratsch, der zuweilen aus den wüstesten Phantasien hervorgeht, hineinzubringen. Und wie die heutige Menschheit darauf aus ist, Skandalgeschichten zu lesen - ob sie erlogen sind oder nicht, darauf kommt es nicht an —, Tratsch und Klatsch auf sich wirken zu lassen, das sollte man doch schon durchschauen; sollte durchschauen auch, dass es heute Redakteure genug gibt, dieses oder jenes Journals, denen es ja viel zu unbequem ist, sich auf irgendwelche sachliche Widerlegung der Geisteswissenschaft einzulassen, die aber gerade von dieser Seite her durch Bringen von Skandalgeschichten, die erlogen sind, die Geisteswissenschaft aus den Angeln heben wollen.
Sehen Sie, es ist ja ein unerhörter Fall, dass der auch hier in diesem Zweige früher herumbaumelnde Bamler Absatzmöglichkeiten für seine Artikel fand. Dieser Mann, bei dem es sich auch darum handelt, dass eigentlich alles dasjenige, was er schreibt, dummes Zeug, erlogenes Zeug ist -aber gerade darin besteht ja jetzt die Gefahr, dass diese Dinge verbreitet werden, die eigentlich auf der einen Seite urlächerlich sind, aber auf der anderen Seite urgehässig sind —, wie verhält es sich denn eigentlich mit diesem Fall Bamler? Vor Jahren schrieb einmal ein Herr Erich Bamler, damals aus einem kleineren Orte Mitteldeutschlands, an Frau Doktor Steiner, dass er jetzt an einem Wendepunkt in seiner Seele wäre und sich daher an sie wenden möchte. Er wisse nicht, was er eigentlich anstellen solle; solle er nun dies oder jenes tun, oder solle er irgendwie in ein Geschäft hineinheiraten, könne man ihm in dieser Beziehung beistehen, und dergleichen mehr. Dann erschien der besagte Herr Bamler, nachdem ihm bedeutet worden war, dass wir nicht dazu da wären, ihm Einheirat in ein Geschäft zu besorgen, dann erschien er in der Gesellschaft. Erst in diesen Tagen ist mir glaubwürdig mitgeteilt worden, dass dieser Mann unter vielen Vorwänden bei einem Mitglied, eigentlich einer Mitgliederin, ganz entschieden darauf ausging, das Einheiraten nun eben bei uns zu besorgen. Dann entwickelte sich, nachdem der Mann, der keinen Schimmer hatte von irgendeiner Deklamationskunst oder dergleichen, nachdem dieser Mann einmal bei einer Generalversammlung eine furchtbar tönende Deklamation - ich glaube der «Kassandra» von Schiller - losgelassen hatte zum Entsetzen derjenigen, die zuhörten, es entwickelte sich in jenem Manne plötzlich die Sehnsucht, Künstler - ja, nicht zu werden, sondern zu sein. Und man unterstützt ja gerne irgendwelche Bestrebungen; der Mann ging dann nach München, und man versuchte zu vermitteln, dass er bei dem oder jenem Maler lernen könne. Aber das verletzte ihn gerade. Er wusste ja nicht das Geringste von irgendeiner Malerei, aber die Zumutung, dass er vom Malen etwas lernen sollte, das war unerhört; er wollte ja Maler sein, und es sollte vor allen Dingen bewirkt werden, dass er nicht etwas lernen sollte, sondern Genie sein sollte. Das wollte er vor allem. Nun, alle die Dinge, die er wollte, waren nicht zu erreichen, und so steigerte sich die Antipathie gegen die Anthroposophische Gesellschaft, die es nicht einmal dahin gebracht hat, durch magische Mittel jemanden zum Genie zu machen, bis zu dem Grade, der sich dann in jenem Artikel entlud. Das ist wiederum dasjenige, was der Sache zugrunde liegt.
Aber auf das Urteil, das richtige Urteil über die Dinge, darauf kommt es eigentlich an; und ohne dass das richtige Urteil sich in unserer Mitgliedschaft entwickelt, lassen sich die Dinge bei uns nicht führen. Vor allen Dingen ist es eigentlich notwendig, dass in unserer Gesellschaft nicht Dinge eintreten können von der folgenden Art. Nicht wahr, Dinge aus der unmittelbaren Gegenwart, die in allernächster Nähe liegen, widerstrebt es mir zu erzählen. Aber nehmen wir irgendetwas Typisches, denn die Dinge spielen sich wirklich fast eines wie das andere ab, die gleichartiger Natur sind.
Sehen Sie, da kamen vor Jahren einmal in die Gesellschaft Leute, die hatten zwei Buben, zwei mäßig große Buben; und neben anderen Dingen bestürmten sie mich mit Briefen, dass sie diese zwei Buben in meine vollständige Obhut stellen wollen. Ich sollte dafür sorgen, dass diese Buben etwas sehr Bedeutendes werden, dass sie sich so entwickeln, wie es der anthroposophischen Sache würdig sei. Was die Menschen darunter verstanden, das ist ja eine andere Sache. Ja, nehmen Sie nun an, ich hätte damals hingehört auf all die schönen Reden und Bitten und Wünsche, die immer nach jedem dritten Wort mit «lieber Meister» eingeleitet und verbrämt waren —, denken Sie, ich hätte damals in diesem Falle nachgegeben, was wäre da geworden? Was hätte werden können? Jetzt könnten die Buben siebzehn bis achtzehn, vierzehn Jahre alt sein, sie könnten Querköpfe geworden sein, wären es unter Umständen leicht geworden, da ich ja doch nicht alle Kinder der Anthroposophen erziehen kann, die auch unter anderen Einflüssen bleiben müssen. Was würde dann eingetreten sein, wenn die Buben Querköpfe geworden wären? Man würde selbstverständlich gesagt haben: Da haben wir die Früchte dieser anthroposophischen Erziehung! Verdorben werden die Menschen durch die Anthroposophie; zugrunde gerichtet werden sie an Leib und Seele durch die Anthroposophie!
Von derselben Seite kam noch damals eine andere Zumutung: Ein Bild wurde gebracht, dieses Bild -, in Bezug darauf stellte man mir die folgende Zumutung: Ich sollte durch irgendwelche magischen Mittel herausbekommen, dass dieses Bild ein echter Leonardo da Vinci sei. Nun war zwar durch unmagische Mittel einzusehen, dass es kein Leonardo da Vinci war; aber jedenfalls wurde mit besonderem Augenblinzeln darauf hingewiesen, wenn nun jene Millionen, die heute durch einen Leonardo da Vinci einkommen können, kämen, so würde der Bau in Dornach — oder ich weiß nicht was immer —, auch ein erkleckliches Sümmchen davon abbekommen.
Sie sehen da einzelne Beispiele herausgehoben, die sich leicht durch viele, viele vermehren ließen. Aber sehen Sie, nicht nur dass solche Menschen wie Max Seiling den Geschmack haben, in der unglaublichsten Weise in den Klatsch und Tratsch, der im Grunde genommen mit uns gar nichts zu tun hat, sondern durch irgendwelche Mitglieder herbeigeführt wird, uns hineinzuziehen, also auf ein Geleise die ganze Sache zu führen, das manchem Instinkt der Gegenwart sehr wohl entspricht, es scheint dieses jetzt von allen Seiten loszugehen; von allen Seiten loszugehen.
Es ist möglich, meine lieben Freunde, möglich, dass ein Mitglied, von dem sich übrigens nachträglich doch herausgestellt hat, dass es jahrelang, nachdem es auf besondere Bitte aufgenommen wurde, hereingeschleppt wurde auch auf sonderbare Weise in die Gesellschaft, dass es jahrelang im Grunde genommen immer auf eine etwas raffinierte Weise zu unterwühlen versuchte den Boden, namentlich unter meinen Füßen, und zwar auf eine Weise, die ich weiter nicht beschreiben will, aber die nicht gerade Schönes darstellt. Dieses Mitglied wurde krank. Dieses Mitglied finder sich jetzt bemüßigt, die unglaublichsten Dinge zu erzählen, die rein erfunden sind. Ich betone ausdrücklich, meine lieben Freunde: für uns, die wir daran beteiligt sind, in diesem Falle Frau Doktor Steiner und ich, hat das alles keine Bedeutung, wenn etwa betont wird, dass es sich um ein krankes Mitglied handelt, sondern für uns hat in diesem Falle Bedeutung nur das, dass die Dinge vom Anfang bis zum Ende unwahr sind, objektiv erlogen sind. Darauf kommt es an, die Dinge, die der wüstesten, unreinlichsten Phantasie entsprungen sind und die erfunden werden konnten, trotzdem dieses Mitglied in der letzten Zeit selbst gestehen musste, dass ich mit ihr seit dem Jahre 1911 in anthroposophischen Angelegenheiten überhaupt nicht gesprochen habe und vorher auch nur immer kurz über Dinge, die sich eigentlich recht wenig auf anthroposophische Angelegenheiten bezogen.
Aber, meine lieben Freunde, man mag ja über die Sache selbst denken, wie man will, aber das Wichtige ist, dass solche rein erfundenen, wüst erfundenen, unreinlich erfundenen Dinge heute Redakteure finden, die sie mit Kusshand aufnehmen mit dem Willen, die Anthroposophie dadurch zu vernichten; Redakteure, die auch seinerzeit einmal charakterisiert werden können, wenn die Zeit dazu gekommen ist. Auf das letztere Faktum kommt es an. Es ist eine Sache, die auf der einen Seite ebenso lächerlich ist, wie der Fall Goesch lächerlich ist, und auf der anderen
Seite ebenso gehässig ist, wie der Fall Goesch gehässig ist. Es kommt nicht in Betracht, dass die Dinge erfundene Torheiten sind; aber sie sind so lächerlich erfunden, dass vernünftige Menschen sofort die Torheit einsehen; Menschen, die darauf ausgehen, das Vernünftige und Unvernünftige einer Sache zu prüfen. Alle die Dinge mit dem Händedrücken und dergleichen, alle die Dinge, die im Falle Goesch vorliegen, sind auf der einen Seite nur lächerlich, auf der anderen Seite nur gehässig. Aber gerade das macht es ja, was die Sache so gefahrvoll, so ungeheuerlich schädlich für die anthroposophische Sache macht. Denn die Dinge sind so lächerlich, dass sie geeignet sind, die Gesellschaft bei den Leuten, die übelwollend, aber vernünftig sind, urlächerlich zu machen, und bei den Leuten, die unvernünftig sind, urgehässig zu machen. Aber bei den Leuten, die die Dinge, die trotz der großen Torheit eine Grundlage bilden, um die Gesellschaft in Skandal, namentlich die anthroposophische Sache und mich selbst in Skandal hineinzubringen.
Das sind Dinge, die nicht vereinzelt dastehen. Ich habe immer seit Jahren davon gesprochen, dass diese Dinge kommen müssen, dass diese Dinge nicht ausbleiben können. Denn, meine lieben Freunde, man muss doch den inneren Zusammenhang sehen zwischen dem, was notwendigerweise pulsieren muss durch unsere Gesellschaft, und solchen Dingen.
Glauben Sie, es ist notwendig, durchaus notwendig, aus inneren Gründen notwendig, dass ich überall nicht nur geltend mache, was für eine Sache zu sagen ist, sondern, wie Sie sich überzeugen können aus Zyklen, immer auch geltend mache dasjenige, was von dem einen oder anderen Gesichtspunkte aus gegen eine Sache vorzubringen ist. Man muss, um in der Geisteswissenschaft vorwärtszukommen, die Möglichkeit haben, auch dasjenige, was zu der freien Kritik gehört, bei der Hand zu haben. Daher ist es leicht möglich, aus meinen Büchern abzuschreiben — was jetzt reichlich geschieht - dasjenige, womit man Geisteswissenschaft widerlegen kann, wenn man dasjenige fortlässt, womit man sie auch belegen kann. Auch eine Methode, die nur in unserer Bewegung vorkommt! Machen wir uns das nur klar: Das ist auch eine Sache, die nur in unserer Bewegung vorkommt!
Geisteswissenschaft ist schon etwas, was in solche Tiefen geht, dass es auch mit dem Tieferen der Menschenseele zusammenhängt, und es ist wirklich nicht eine Übertreibung, wenn ich sage, dass unter denjenigen, die sich heute öfter verbinden, um - wie man sagt - in allgemeiner Menschenliebe eine solche Bewegung zu pflegen, immer in Potenzia, der Möglichkeit nach, die Feinde sitzen, richtige Feinde sitzen. Gewiss, man kann Feindschaft, man kann verborgenen Hass bekämpfen, aber es gibt immer auch die Möglichkeit, dass er im richtigen Moment hervortritt. Leugnen wir es uns nicht ab: Gerade wenn man esoterisch zu 120 Menschen spricht, so sind 70 darunter, die die Anlage zur Feindschaft haben, die Anlage zum Hass haben. Da handelt es sich denn nur darum, dass für den Betreffenden ein ihm günstig erscheinender Anlass kommt, um sich in einen offenen Feind zu verwandeln. - Ohne dass man diesen Dingen klar ins Auge sieht, kann eine solche Gesellschaft nicht bestehen. Man muss sich darüber klar sein.
Und was zum Allerschädlichsten gehört unserer Bewegung, meine lieben Freunde, das ist, dass so ungeheuer vieles sich geltend macht, was ich als das Sektiererische bezeichnen kann. Wenn Sie dasjenige nehmen, was von mir selbst kommt, so werden Sie bei einer unbefangenen Beurteilung ersehen können, dass es nichts geben kann, was ferner liegt dieser von mir kommenden geisteswissenschaftlichen Weltanschauungsströmung als alles Sektiererische. Aber sehen Sie sich doch die Gesellschaft vielfach an, wie groß da die Neigung zum Sektiererischen ist. Um nicht ein näherliegendes Beispiel zu nehmen, möchte ich nur dasjenige erwähnen, das ich immer wieder gerne erwähne, weil es außerordentlich anschaulich ist. Wir kamen einmal, um eine Vortragsreise nach Helsingfors zu unternehmen, an den Stettiner Bahnhof. Was sehen wir da? Etwas entfernt von uns auf der anderen Seite des Bahnsteiges eine ganze Reihe von Damen mit lauter merkwürdigen Kostümen und violetten Bischofsmützen auf den Häuptern — es waren die Anthroposophinnen, welche den Zug nach Helsingfors mitmachten. Ja, meine lieben Freunde, was liegt näher - in Helsingfors war es zwar anders, da hatten die Helsingforser eine so heillose Angst, als die ausstiegen, dass sie sie irgendwo unterbringen könnten, wo man wenig auf die Idee kam, sie gehörten zu den Helsingforser Anthroposophen; sie waren so von dieser Angst eingenommen, dass sie während der ganzen Zeit nicht zum Urteilen kamen -, was liegt denn näher, als zu sagen: Das gehört zur Anthroposophie! Das gehört zur Anthroposophie, so närrisch herumzugehen.
Das Sektiererische aber, auch in anderen Dingen, es ist etwas, was geradezu eine Sammelstätte leicht finden kann in einer solchen Bewegung. Aber nichts sollte sorgfältiger ferngehalten werden in einer solchen Bewegung als alles Sektiererische. Es ist ja nicht notwendig, meine lieben Freunde, so seine Mitgliedschaft in der Gesellschaft aufzufassen, dass man in der Außenwelt durchaus den Eindruck hervorruft, diese Gesellschaft bestehe einmal aus lauter Querköpfen, aus lauter ungesunden Naturen. In der Außenwelt herrscht vielfach dieses Urteil: Diese Gesellschaft ist eine autoritätsgläubige; diese ganze Gesellschaft hört eigentlich nur auf dasjenige hin, was der Doktor Steiner sagt.
Nun gibt es vielleicht in manchen anderen Kreisen etwas dergleichen, aber im Allgemeinen kann man wohl sagen, dass [wenn] in dieser Anthroposophischen Gesellschaft nur irgendetwas meinem Wollen entsprechen darf, dann geschieht das Gegenteil davon - wenn auch oftmals gesagt wird: Das will er, das hat er gesagt, dass er es will.
Zum Beispiel: Eine Dame oder auch ein Herr - sagen wir ein Herr, aus Höflichkeit, obwohl das seltener ist —, sie wollen zu irgendeinem Zyklus reisen. Sie braucht einen Grund der Außenwelt gegenüber, dem Manne gegenüber oder auch um sich wichtig zu machen -, sie braucht einen Grund. Anstatt nun zu sagen: Es gefällt mir, es macht mir Vergnügen, ich will es-, was sagt man? Man sagt: Der Doktor Steiner hat einem als Mission erteilt, zu dem Zyklus zu reisen und so weiter, Selbstverständlich. Diese Dinge geschehen ja nicht vereinzelt. Und da hat man eine sehr merkwürdige Auffassung dieser Tatsache, meine lieben Freunde, man hat die Auffassung, wenn ich gefragt werde: «Soll ich zu dem Zyklus reisen?», und sage: «Ja, was geht es mich an, ob Sie zum Zyklus reisen?» - «Haben Sie was dagegen?» — «Ja, ich habe ja gar nicht was dagegen zu haben!» — «Er ist vollständig einverstanden!» - Es ist eben eine Sache, die man zu tun liebt, und dann wird es gleich übersetzt nach einer Viertelstunde: «Er hat gesagt, dass es sein soll.» — Das ist eine sehr häufige Erscheinung gewesen.
Aber, meine lieben Freunde, auch das kommt ja sehr, sehr häufig vor, dass Mitglieder kommen, sich in dieser oder jener Sache Rat holen und dann das Gegenteil davon tun. Das ist ihr gutes Recht. Ob es dann notwendig ist, ob es einen Sinn hat, dann einen zu behelligen mit der Anfrage, das ist eine andere Sache. Aber es ist jedes Mitgliedes gutes Recht, diesen Rat nicht zu befolgen. Sie dürfen mich nicht missverstehen. Aber sie sagen dann, wenn sie das Entgegengesetzte tun von dem, was geraten worden ist: Der hat gesagt, das soll ich tun!
Es ist schade, dass man diese Dinge sagen muss; aber jetzt, wo die Sache so weit gediehen ist, dass wirklich sich zahlreiche Menschen fin den, welche die wüstesten Phantasien erzählen über dasjenige, was gesagt worden sein soll oder sich zugetragen haben soll bei den Privatgesprächen, jetzt ist es schon notwendig, von diesen Dingen zu sprechen.
Diese Privatbesprechungen mit den Mitgliedern, meine lieben Freunde, die jetzt, obwohl er sie durch Jahre gesucht hat, der Hofrat Max Seiling scharf tadelt, weil er findet — trotzdem er, wie gesagt, sie selber gesucht hat -, weil er findet, dass die Zyklen besser durchgeschaut werden sollten in der Zeit, wo die Privatgespräche mit den Mitgliedern stattfinden, diese Privatgespräche haben nicht bloß Zeit, sondern sie haben auch Kraft in Anspruch genommen. Denn wer es ernst nimmt mit dem, was er zu sagen hat einem Menschen, der braucht seine Kraft dazu, wenn man auch manchmal nicht bemerkt, wie die Kraft dazu gebraucht wird.
Die Dinge entwickeln sich überhaupt höchst merkwürdig. Wie musste man vor Jahren, ich möchte sagen unter Zwang, sich entschließen, die Zyklen in der Form zu drucken, wie sie jetzt gedruckt werden. Ich habe mich mit allem möglichen, was ich konnte, gesträubt dagegen. Warum mussten die Zyklen gedruckt werden? Nun, erstens, weil die Mitglieder drängten, dass sie gedruckt werden. Ich erklärte, ich könne sie nicht durchsehen. Daher trägt jedes Exemplar die Aufschrift «Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift», was Seiling wieder tadelt. - Aber ein anderer Grund war noch der, dass ja, bevor sie gedruckt wurden, [also] die Nachschriften - und manchmal was für welche —, von Hand zu Hand gingen und die groteskesten Dinge in den Nachschriften von Mitglied zu Mitglied wanderten. Wir brauchen uns ja nur zu erinnern, dass wir einmal eine Nachschrift entdeckten, in welcher stand, dass ich in einem Vortragszyklus erklärt hätte, dass die Prostitution eine Einrichtung großer Eingeweihter sei. Es war in einer Nachschrift eines Zyklus aus dem Jahre 1906. Es ließ sich aber überhaupt nichts machen gegen das Prinzip des unbefugten Nachschreibens und Verbreitens der Zyklen, als nun eben die Verbreitung selbst in die Hand zu nehmen, um wenigstens dafür zu sorgen, dass nicht der allergrößte Unsinn unter den Mitgliedern zirkulierte und selbstverständlich auch in die Öffentlichkeit kam. Dass nun auch die Zyklen von den Mitgliedern nicht irgendwie bewahrt werden in der entsprechenden Weise, das geht ja daraus hervor, dass sie jetzt eigentlich so ziemlich jeder lesen kann, der irgendetwas Schandbares schreiben will über das, was in den Zyklen steht; dass man sie beim Antiquar kaufen kann und dergleichen mehr. Das alles zeigt ja in gewisse Untergründe der Anthroposophischen Gesellschaft hinein. Im Ganzen liefert das alles Grundlagen für diejenigen, welche entweder nicht imstande sind oder nicht wollen ernsthafug auf Anthroposophie oder Geisteswissenschaft einzugehen, welche sie aber aus der Welt schaffen wollen. Da kann man nun sich Sammlungen anlegen bei den Klatsch- und Tratschbasen - selbstverständlich auch männlichen Geschlechts, nicht nur weiblichen Geschlechts -, die zuweilen wirklich gerade innerhalb dieser Gesellschaft das Unglaublichste zu erfinden imstande sind; Dinge, auf die ein großer Teil der ältesten Leute, die hier sitzen, vielleicht nicht kommen würden, wurden zuweilen von jugendlicher Phantasie heute erfunden, erdichtet. Der Trieb zur Abweichung von der Wahrheit ist eben heute ein durchaus großer.
Nun, sehen Sie, es ist ja sehr bedauerlich, dass, wenn man es schon einmal mit einer Gesellschaft zu tun hat, dass dann gewissermaßen innerhalb der Gesellschaft die Unschuldigen mit den Schuldigen leiden müssen. Niemand kann das mehr bedauern als ich. Aber ich weiß, auf der anderen Seite, dass gerade die Unschuldigen, diejenigen, die sich bemühen, die Geisteswissenschaft auf ihrer Höhe zu halten, das am besten verstehen werden, was ich nunmehr zu sagen habe. Man muss nicht erst, wenn die Sache Lawine geworden ist, die Dinge anfassen; gerade bei einer solchen Bewegung, wie die unsrige ist, ist es notwendig, das einzusehen. Die Lawine besteht zunächst aus dem kleinen Schneeball da oben. Aber so oft ich auf den Schneeball hingewiesen habe: Es ging in das eine Ohr hinein, durch das andere Ohr heraus. Die Dinge mussten erst Lawinen werden. Sie sind reichlich Lawinen geworden und werden immer mehr Lawinen werden.
Ein Schneeball ist zum Beispiel dieser, vergleichsweise. Bei uns kommt es darauf an, sich vor allen Dingen an die Tatsachen zu halten. Tatsachen erzählen, das wird von den heutigen Menschen oftmals in der eigentümlichsten Weise verrichtet. Nehmen wir an: A sagt zum B irgendetwas über den C; dies und das sagt er. Ich schematisiere bloß, aber ich erzähle eigentlich eine oft und oft vorkommende konkrete Tatsache. Der A sagt dies und das zu dem B über den C. Der B sagt sich jetzt: Nach alledem, was der A gesagt hat, meint er ja eigentlich, dass der C ein schlechter Kerl ist. - Dem A ist das gar nicht eingefallen; aber der B geht nun zum C und sagt: Du, der A hat gesagt, du bist ein schlechter Kerl. - Nehmen Sie dieses Schema, vergleichen Sie es mit dem Leben, und Sie werden sehen, wie oft größtes Unheil daraus entsteht, dass ein Urteil, das gefällt wird, wie eine Tatsache erzählt wird; während es gerade in unserer Bewegung schon notwendig wäre, dass Tatsachensinn sich ausbildet. Daher, namentlich, weil die Privatgespräche, sogar diejenigen, die gar nicht stattgefunden haben, in einer solchen Weise missbraucht wurden, so bin ich genötigt, folgende zwei einschneidende Maßregeln zu ergreifen. Und ich bitte, nun nicht wiederum eine Maßregel allein zu erzählen, denn dadurch würde sie ein schiefes Gesicht zeigen, sondern sie gehören notwendig zusammen.
Ich werde vorerst gezwungen sein, alle privaten Unterredungen mit den Mitgliedern abzuschaffen, sodass ich für die nächste Zeit niemanden mehr zu einer Privatunterredung annehmen werde. Es hat das schon in einem Ort, wo es verkündet wurde, dazu geführt, dass Leute sagten: Wegen ein paar Leuten müssen nun alle leiden! - Da kann ich nur sagen: Halte man sich an diejenigen, wegen welcher alle Leute leiden müssen, und nicht an diejenigen, die jedenfalls am meisten leiden müssen unter der Sache, und die gezwungen sind, solche Maßregeln zu ergreifen. Man verkehre nicht auch auf diesem Gebiete dasjenige, was gerade ist. Wir haben es ja auch in Berlin hier erlebt. Während in Dornach Skandal gemacht worden ist von einigen Damen, hat eine Dame an Frau Doktor Steiner geschrieben, dass sie doch alles tun solle, um diese Damen, die sie attackiert haben, zu beruhigen, auf den rechten Weg zu bringen. Kurz, es war ein eklatantes Beispiel dafür, dass man nicht denjenigen zur Rechenschaft zieht, der attackiert, sondern den, der attackiert wird, dass man die sogenannte Menschenliebe auf diejenige Seite hinführt, die da sündigt, und nicht auf diejenige, die zu leiden hat unter der Sünde. Es sind die Dinge so, dass, wenn man sie einem Menschen mit geradem Sinn erzählt, sie eigentlich unglaublich klingen, und dennoch sind sie wahr und wiederholen sich immer wieder und wiederum.
So also ist es notwendig, meine lieben Freunde, dass ich keine privaten Unterredungen mehr annehme. Vielleicht wird dann in verhältnismäRig kurzer Zeit, da dadurch sehr viel Kraft erspart wird, dasjenige, was jetzt auch in das schiefste Licht gerückt wird, möglich sein: dass wieder erscheinen meine älteren Bücher. Während die Leute sehr gut wissen, warum die älteren Bücher nicht wieder erscheinen konnten, da die Kräfte eben der Gesellschaft gewidmet werden mussten, finden sich die Leute, die heute Redakteure und Journale finden, die schreiben: dass ich meine älteren Bücher nicht erscheinen lassen wolle, weil sie in Widerspruch sich zeigen mit den neueren Büchern. Und vielleicht wird Hilfe auch kommen durch diese Maßregel.
Die andere Maßregel aber, meine lieben Freunde, ist diese: dass ich von mir aus jeden entbinde irgendeiner Verpflichtung, soweit er selbst will, etwa nicht zu sprechen, nicht zu sprechen - der Wahrheit gemäß — über das, was in allen Privatgesprächen gesprochen worden ist. Sofern jeder selber will, kann jeder dasjenige überallhin erzählen der Wahrheit gemäß. Und wenn es nicht der Wahrheit gemäß ist, dann wird man die Mittel und Wege finden, es gerade auf diesem Wege zu korrigieren — der Wahrheit gemäß zu erzählen das, was jemals in einem Privatgespräch gesprochen worden ist!
Es geht nicht mehr anders, als dass dasjenige, was «Anthroposophische Gesellschaft» ist, in das volle Licht der Öffentlichkeit gestellt wird. Für diejenigen, die ernsten esoterischen Willen und esoterische Entwicklungssehnsucht haben, für diejenigen werde ich Mittel und Wege finden, trotz dieser Maßregel das Nötige zu finden. Lassen Sie mir nur ein wenig Zeit, — derjenige, der Esoterik braucht, wird sie finden. Aber diese beiden Maßregeln sind durchaus notwendig.
Ich weiß, diejenigen Mitglieder, die es ernst mit dieser Bewegung meinen, werden diese Maßregeln verstehen und werden sie voll billigen. Und wenn der eine oder andere dennoch Anstoß nehmen sollte und sagte: Warum müssen die Unschuldigen mit den Schuldigen leiden? Dann kann ich nur sagen: Man wende sich an diejenigen, die diese Maßregeln notwendig gemacht haben; das wird einzig und allein der richtige Weg sein. Mir ist es ebenso leid, dass diese Maßregeln notwendig sind, wie es nur irgendjemandem leid sein kann; aber man muss auch das Schmerzvolle, das Leidvolle vollziehen können im Dienste einer höheren Notwendigkeit.
Und ich sehe gegenüber all dem Unfug, der gerade aus den Privatbesprechungen sich entwickelt hat, keine andere Möglichkeit, als eben diese Privatbesprechungen selber einzustellen. Und damit die Welt wissen kann, dass diese Privatgespräche immer unantastbar waren, muss sie auch wissen, dass jeder erzählen kann, wenn er bei der Wahrheit bleibt, all dasjenige, was in diesen Privatbesprechungen vorgekommen ist. Wenn er die Wahrheit erzählt, wird niemand an den Sachen Anstoß nehmen können.
Wahre, ernste Angriffe, meine lieben Freunde, hat Geisteswissenschaft ganz gewiss nicht zu fürchten; gegenüber diesen Dingen wird sie immer bestehen können. Aber mit dem Tratsch und Klatsch, mit dem Hineinziehen von lauter persönlichen Dingen, wie sie so leicht aus einer Gesellschaft, wie diese ist, herauswachsen, mit dem kann man auf Umwegen, indem man die Sache eigentlich gar nicht trifft, sie dennoch gefährden, indem man die Personen, mit denen sie verbunden ist, verunglimpft, verleumdet und dergleichen mehr.
Diejenigen, die diese Dinge nicht verstehen wollen, die zum Beispiel durchaus nicht begreifen können, warum denn der Attackierende in unserer Gesellschaft nicht gehätschelt werden sollte und [warum] der Attackierte [nicht] um Verzeihung bitten sollte - was ja wirklich die Meinung ist bei manchen -, die werden freilich unverbesserlich sein; die werden finden, dass in solchen Maßregeln, wie ich sie nun treffen muss, ein Angriff auf den ersten Grundsatz der Anthroposophischen Gesellschaft sei und so weiter und so weiter. Ach, dieser erste Grundsatz, mit dem ja so viel Unfug gerade getrieben wird! Denn man kann so viel persönlichstes Zeug unter diesen Grundsatz subsummieren, und man kann so viel Gehässigkeit mit dem Grundsatz. der allgemeinen Menschenliebe zudecken wie vielleicht mit nichts anderem.
Es war schon notwendig, meine lieben Freunde, dass wir diese ernsten Worte sprachen; denn es sind ja diese ernsten Maßregeln notwendig. Und namentlich muss ich betonen, dass, abgesehen von der sachlichen Notwendigkeit, auch noch das vorliegt, dass endlich einmal, nachdem ich ja lange in diesen Dingen gerade im Grunde genommen für die Wände gesprochen habe, dass dadurch solche Maßregeln getroffen sind, die manche zu;spüren haben werden, dass.man auch hingewiesen wird.auf den Ernst, mit dem diese Sachen angefasst werden müssen. Das bloße Wort hat nicht geholfen, so müssen denn solche Maßregeln vielleicht auf den Ernst und die Bedeutung der Sache hinweisen.