Erster Vortrag
Gegenwärtig wird das Johannes-Evangelium am wenigsten als glaubwürdig angesehen. Der Grund dazu liegt in der materialistischen Gesinnung unseres Zeitalters. Im 19. Jahrhundert ist die Menschheit materialistisch im Fühlen geworden und als Folge davon auch im Denken; denn wie der Mensch fühlt, so urteilt er. Materialismus ist nicht allein diejenige Weltanschauung, die in den Büchern von Büchner, Moleschott und Vogt zum Ausdruck kommt, sondern sogar diejenigen, die als Erklärer der religiösen Urkunden sich auf einen gewissen geistigen Standpunkt stellen wollen, tun dies in völlig materialistischer Weise. Als Beispiel könnte man anführen den Streit zwischen Karl Vogt und dem Göttinger Professor Wagner. Dieser Streit ist seinerzeit in der «Augsburger Zeitung» ausgefochten worden und völlig zugunsten des Karl Vogt ausgefallen. Dabei vertrat Wagner die Existenz der Seele, tat dies aber auch in völlig materialistischer Weise.
Cite:
GA 100/1907-11-16/p009 · edition original